Die Ducati Multistrada V4 hat in der Motorradwelt für Aufsehen gesorgt, nicht nur wegen ihrer Leistung und Technologie, sondern auch im Zusammenhang mit Lärmdiskussionen und Fahrverboten. Besonders in Regionen wie Tirol, wo Fahrverbote für Motorräder mit einem bestimmten Standgeräusch gelten, ist das Thema von großer Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die Problematik der Standgeräuschmessung, ihre Relevanz und die Auswirkungen auf die Ducati Multistrada V4 sowie andere Motorradmodelle.
Die Ducati Multistrada V4 im Detail
Die neueste Version der Ducati Multistrada V4 bringt einige bemerkenswerte Neuerungen mit sich. Der „Granturismo“-V4-Motor mit 1158 ccm leistet beeindruckende 170 PS bei 10.500 Umdrehungen. Erstmals kommt dieser Motor ohne Desmodromik aus, wobei die 16 Ventile nicht mehr zwangsgesteuert, sondern mit Federn geschlossen werden. Das Fahrwerk bietet ebenfalls eine Revolution, die an den Ducati-Grundwerten rüttelt.
Beim Motorstart mit dem Funkschlüssel fällt auf, dass der Sound kehlig satt, aber angenehm zurückhaltend ist. Die Ergonomie ist stimmig, Arm- und Kniewinkel sind komfortabel. Im Vergleich zur Vorgängerin vermittelt die V4 S das Gefühl, auf dem Motorrad zu sitzen, während kleinere Fahrer bei der Multi 1290 das Gefühl hatten, in der Maschine zu verschwinden. Das Cockpit ist aufgeräumt, und das 6,5-Zoll-TFT-Farbdisplay ist hervorragend lesbar.
Auf der Autobahn zeigt der Motor seine Stärken: Druck bereits bei niedrigen Drehzahlen und ein stets vorhandener Schub. Das Aggregat schiebt die Ducati trotz ihres Gewichts schon ab 2.500 Umdrehungen kraftvoll nach vorne. Die ausgeklügelte Aerodynamik der Verkleidung und des Windschutzes unterstützen die Laufruhe. Ein neues Elektronik-Feature ist das Front- und Heck-Radar, wobei das Frontradar mit dem Tempomat zusammenarbeitet, um den Abstand zum Vordermann zu halten. Das Heckradar, die „Blind Spot Detection“, kann jedoch als störend empfunden werden.
Standgeräuschmessung: Eine umstrittene Thematik
Das Standgeräusch der Ducati Multistrada V4 S beträgt 92 dB. Dies wirft die Frage auf, wie relevant dieser Wert im Kontext von Fahrverboten und Lärmdiskussionen ist. In Tirol beispielsweise gelten Fahrverbote für Motorräder mit einem Standgeräusch von über 95 dB(A). Diese Regelung ist umstritten, da das Standgeräusch nicht unbedingt mit dem Fahrgeräusch korreliert. Es gibt Motorräder, die im Stand leise sind, aber während der Fahrt laut, und umgekehrt.
Die Standgeräuschmessung wird im Nahfeld durchgeführt, wobei mehrere Messungen seitlich hinter der Endtopfmündung genommen werden. Bei halber Nenndrehzahl muss die Drehzahl mindestens 1 Sekunde gehalten und dann abrupt der Gasgriff geschlossen werden. Aus mindestens drei Messungen wird der Mittelwert errechnet. Dieses Verfahren dient eigentlich dazu, verschlissene oder manipulierte Auspuffanlagen zu identifizieren.
Das Problem: Die echten Fahrgeräusche einiger dieser Modelle werden mit einer sehr hohen Lautheit empfunden. Die Lautstärke ist messbar, aber die Lautheit nehmen wir individuell wahr. Sprich: Die Chance, mit einem lauten Motorrad in Tirol legal zu fahren ist größer, als mit einem leisen Motorrad, dessen irrelevantes Standgeräusch - teils aus Altersgründen - über einer rechtlich nicht erhebbaren Grenze liegt.
Die Problematik der Fahrverbote in Tirol
Die Fahrverbote in Tirol basieren auf dem Standgeräuschwert, der angeblich leichter vor Ort zu prüfen ist. Allerdings ist das Standgeräusch nicht rechtssicher, da es keine belastbaren Rückschlüsse auf das Fahrgeräusch zulässt. Der niedersächsische Landtag bestätigte dies bereits im Sommer 2021 und argumentierte, dass Motorräder mit niedrigen Standgeräuschen überproportional laute Fahrgeräusche erzeugen können und umgekehrt.
Ducati und Lärmemissionen: Ein Blick in die Vergangenheit
Ducati hat in der Vergangenheit unterschiedliche Standgeräuschwerte für seine Modelle angegeben. Der V4-Motor hatte in der Streetfighter noch ein eingetragenes Standgeräusch von 104 dB(A), während die Multistrada V4 S einen Wert von 92 dB aufweist. Dies zeigt, dass Ducati in der Lage ist, leisere Modelle zu entwickeln. Es gibt auch eine Nachfrage nach leiseren Auspuffanlagen, die jedoch bisher nicht ausreichend bedient wird.
Es gibt eine Liste von Motorradmodellen mit Standgeräuschwerten, die von einem engagierten Benutzer zusammengestellt wurde. Diese Liste ist jedoch nicht vollständig und sollte von den Benutzern ergänzt werden. Einige ältere Modelle sind leiser als neuere, was zeigt, dass die Industrie eine Rolle bei der Lärmwertdiskussion spielt. Kunden wünschen sich einen kernigen Klang, aber nicht unbedingt eine Lautstärke, die andere gegen sie aufbringt.
Die Multistrada V4 RS: Eine neue Dimension der Performance
Ducati hat mit der Multistrada V4 RS ein neues Performance-Modell vorgestellt, das die sportlichste und exklusivste Serien-Multistrada in der 20-jährigen Geschichte der Baureihe darstellt. Anstelle des Granturismo-Vierzylinders sorgt in der V4 RS das hochtourige Herz der Ducati-Superbikes für Vortrieb. Das „Desmosedici Stradale“-Triebwerk leistet 180 PS bei 12.250 Touren und 118 Nm bei 9.500 Touren. Damit bietet kein anderes Bike in dieser Klasse mehr Pferdestärken.
Die V4 RS verfügt über ein 17-Zoll-Vorderrad, geschmiedete Aluminiumfelgen von Marchesini, einen erhöhten Lenkkopfwinkel und einen Radstand wie bei der V4 Pikes Peak. Das Öhlins Smart EC 2.0 Fahrwerk justiert sich je nach individuellem Fahrstil selbst. Die Bremsanlage ist direkt von der Panigale V4 abgeleitet. Um das Gewicht zu reduzieren, wurde eine kleine Batterie verbaut. Unterm Strich ist die RS drei Kilogramm leichter als die Multistrada V4 Pikes Peak.
Die V4 RS bietet den Power-Mode Full, der standardmäßig mit dem Riding Mode Race verbunden ist und maximale Leistung in allen Gängen mit einer direkten Gasannahme kombiniert. Der Preis für das Topmodell beträgt mindestens 36.835,-- Euro. Ab Januar 2024 ist die Ducati Multistrada V4 RS erhältlich. Jedes Modell ist nummeriert und trägt die gleiche Farbe: Iceberg White mit roten MotoGP-Farbanleihen und plakativem RS-Schriftzug auf Tank und Seitenverkleidung.
Updates für die Ducati Multistrada V4 S im Modelljahr 2025
Die Ducati Multistrada V4 S wurde für das Modelljahr 2025 nicht nur optisch aufgewertet, sondern profitiert auch von technischen Updates. Die semiaktive Federung mit Skyhook DSS EVO Regelstrategie arbeitet mit einem neuen Sensor an der Gabel präziser und ist mit einer Bump-Detection ausgestattet. Das System passt das Ein- und Ausfedern des Hinterrads in Echtzeit an die Unebenheiten der Straße an. Die V4 S verfügt über eine automatische Niveauregulierung und eine Absenkvorrichtung im Stand.
Reisen zu zweit soll komfortabler werden, insbesondere für den Sozius. Koffer und Topcase wurden nach hinten versetzt, um mehr Platz zu schaffen. Das neu gestaltete 6,5-Zoll-TFT-Farbdisplay ermöglicht eine effizientere Einstellung der Federung. Die V4 S erhält zusätzlich ein System, das den Fahrer vor möglichen Kollisionen mit vorausfahrenden Fahrzeugen warnt. Der Motor der Ducati Multistrada V4 S soll im Modelljahr 2025 sparsamer sein als sein Vorgänger. Die Leistung bleibt jedoch unverändert bei 170 PS (125 kW) bei 10.750 U/min.
Modelle bis 95 dB(A) aus der MOTORRAD-Test-Datenbank (2019-2023)
Im Rahmen der Diskussion um Fahrverbote und Lärmemissionen hat die Redaktion von MOTORRAD eine Datenbank mit Motorradmodellen erstellt, die ein Standgeräusch von bis zu 95 dB(A) aufweisen. Diese Liste umfasst Modelle verschiedener Hersteller und zeigt, dass es durchaus Motorräder gibt, die die Anforderungen erfüllen und somit in Regionen wie Tirol legal gefahren werden dürfen.
Tabelle: Ausgewählte Motorradmodelle bis 95 dB(A)
| Hersteller | Modell | Standgeräusch (dB(A)) |
|---|---|---|
| Aprilia | Tuono V4 | 94 |
| Ducati | Multistrada V4 | 92 |
| Japanischer Hersteller | Supersportler mit Vierzylinder und 600 Kubik | 95 |
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