E-Bike Motoren im Test: TQ HPR 50 im Vergleich

Der TQ HPR 50 Motor hat sich als eine interessante Option im Bereich der E-Bike-Antriebe etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften des TQ HPR 50 und vergleicht ihn mit anderen Motoren auf dem Markt, um potenziellen Nutzern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Die Fakten zum TQ HPR 50

Der TQ HPR 50 zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Gewicht: 1,9 Kilo
  • Akkugrößen: 360 Wh (1,8 kg) oder 250 Wh (Rotwild)
  • Optional: Range-Extender mit 160 Wh
  • Fahrstufen: 1, 2, 3
  • Leistungsdaten (max.) aus dem Labor: 38 Newtonmeter, 283 Watt
  • Keine Systemupdates über die App möglich

Selbst hinter einem kleinen 32er-Kettenblatt verschwindet der TQ HPR 50 vollständig. Optisch unauffälliger lässt sich kein anderer Mittelmotor verbauen.

Charakteristik des TQ HPR 50

Der HPR 50 ist ein Minimalist, was sich auch in seinem Antriebscharakter widerspiegelt. Fein dosiert und gemäßigt, statt plakativ und ruppig. Echtes E-Bike-Feeling kommt mit dem TQ-Motor kaum auf. Das liegt zwar zum einen ganz simpel an der geringeren Maximalleistung, doch auch an der Art und Weise, wie der HPR50 seine Power freisetzt. Außerdem ist die Kraftübertragung durch das spezielle Pin-Ring-Getriebe (HPR steht für Harmonic Pin Ring) sehr direkt und dadurch besonders natürlich. Einen Leerweg, bis der Kraftschluss da ist, gibt´s mit dem HPR 50 nicht.

Auch bei der Geräuschkulisse setzt sich der Mini-TQ deutlich an die Spitze des Feldes der Mittelmotoren. Bergab klappert er nicht, bergauf geht der dezente Antriebssound in vielen Situationen in den Umgebungsgeräuschen unter. Diese Kompetenzen würde wohl jeder E-Biker an seinem Bike begrüßen - doch die dezente Unterstützung des Minimalisten schränkt den potenziellen Nutzerkreis ein.

Mit seinem natürlichen, wenig aufdringlichen Antriebscharakter macht der TQ für alle Sinn, die kein aufdringliches E-Bike-Gefühl wollen. Kleinreden darf man den Schub dabei aber nicht. Denn im Vergleich zum unmotorisierten MTB ist ein durchschnittlicher Biker mit TQ-Power locker doppelt so schnell unterwegs. Wer dem TQ allerdings dauerhaft volle Unterstützung abverlangt, wird an langen Anstiegen Probleme mit der Standfestigkeit bekommen. Und im direkten Vergleich ist die Reichweite mit dem 360er-Akku etwas geringer, als mit vergleichbar ausgestatteten Systemen.

Die Kraftentfaltung des TQ HPR 50

Nicht nur unser Labortest sondern auch diverse Praxistests und Erfahrungen zeigen deutlich: Maximale Leistung und Drehmoment liegen klar hinter allen anderen Prüflingen unserer Vergleichs von acht Mittelmotoren. Der Schub liegt in etwa auf dem Niveau eines Specialized SL 1.2 (nicht im Test), aber deutlich hinter Fazua Ride 60 oder Bosch Performance SX. Bei gemächlichem Tritt schiebt der HPR 50 nur mäßig an, das fördert das natürliche, wenig aufdringliche Fahrgefühl. Auf stärkeren Fahrerinput reagiert er deutlich und setzt dann seine maximale Leistung von gut 280 Watt frei. Mit seinem gemäßigten Drehmoment von 38 Nm (gemessen EMTB Test auf dem Prüfstand im Labor PT Labs) gibt er bei geringer Trittfrequenz nur mäßige Unterstützung. Wohler fühlt er sich bei schnellerem Tritt, doch bei extrem hoher Trittfrequenzen zieht er nicht voll durch.

Der Vergleich zu den anderen E-MTB-Motoren zeigt: Die Leistung des TQ HPR 50 liegt deutlich niedriger. Im Bereich niedriger Trittfrequenz ist das Niveau noch vergleichbar mit dem Bosch Performance SX im konstanten Betrieb, doch bei gut 280 Watt ist Schluss, wo der SX noch deutlich weiter hoch zieht.

Display und Remote

Wenig Firlefanz, wenig Auswahl, dafür ein wertiges Erscheinungsbild und eine simple Bedienlogik. Auch bei den Bedienelementen bleibt TQ seiner schlichten Linie treu. Von Display und Shifter gibt es je nur eine Variante. Heißt: Jedes TQ-E-MTB ist mit dem schicken, flachen Screen im Oberrohr ausgestattet. Bis zu zehn Anzeigeseiten können via App individuell bestückt und angepasst werden. Durch die Ansichten kann man nur am Display über den On/Off-Button blättern, nicht vom Lenker. Die TQ-Bikes von Trek haben eine etwas andere Displayansicht, die uns besser gefällt, als die Variante der anderen TQ-Displays. Die Remote ist schlank, wirkt wertig und gibt auf Knopfdruck klares Feedback. Zudem sind die Taster gummiert und liegen ergonomisch in der Hand. Schlicht, unauffällig, gelungen. Schade: Um von der ersten Stufe in die “Off”-Stellung zu gelangen, braucht es einen sehr langen Druck auf die Minustaste.

Die Akkus für den TQ HPR 50

Der TQ-Akku liefert 360 Wattstunden und wiegt 1,9 Kilo. Je nach Bike-Modell ist er fest im Unterrohr integriert, oder kann zum Laden und Wechseln entnommen werden. Der optionale Range-Extender (1050 g) bringt 160 Wh zusätzlich und passt unkompliziert in einen Flaschenhalter auf dem Unterrohr. Rotwild hat für den TQ HPR50 einen eigenen Akku entwickelt. Das minimalistische Teil hat schlanke 250 Wattstunden und ist fest im Unterrohr des Downcountry-Flitzers Rotwild R.X 275 verbaut. Andere Optionen gibt es aktuell nicht.

App und Connectivity

Die App für den TQ-Motor ist betont simpel gehalten. Kern-Feature ist die individuelle Einstellung der Unterstützungsstufen. Hier können die drei Parameter max. Leistung, Unterstützungsfaktor und die Pedalreaktion angepasst werden - für jede der drei Unterstützungsstufen separat. Ebenfalls ein spannendes Feature ist die Individualisierung des Displays. Die Anzeige ist auch hier sehr simpel, die einzelnen Zusatzinfos wie Kilometer, Fahrer- oder Motorleistung etc. können auf verschiedenen Seiten der Displayansicht nach persönlichen Vorlieben angeordnet und hinzugefügt bzw. deaktiviert werden.

Schade: Updates des Systems sind nur beim Händler möglich. Die neueste Version der App zeigt inzwischen immerhin den Softwarestand der Komponenten an. So kann man abgleichen, ob das System auf dem neuesten Stand ist. Bei anderen Antrieben läuft das allerdings deutlich intuitiver und nutzerfreundlicher.

Vor- und Nachteile des TQ HPR 50

Der TQ HPR 50 zeigt klare Kante: Kein anderer E-MTB-Motor ist so leise und tritt sich so dezent-natürlich, wie der Mini-Motor aus Bayern.

Stärken:

  • Leisester Antrieb am Markt, bergauf und -ab
  • Geschmeidiges und natürliches Fahrgefühl
  • Klein und leicht

Schwächen:

  • Im Vergleich schwächere Leistung und Drehmoment
  • Wenig standfest bei Dauerbelastung
  • Mäßige Reichweite

Alternativen und Ergänzungen

TQ hat mit dem HPR60 einen neuen Light-E-Bike-Antrieb am Start, der vieles besser machen soll als sein Vorgänger HPR50. Dafür spendieren die Oberbayern ihrem neuen Motorsystem 17% mehr Leistung und 20% extra Drehmoment, mehr Akku-Optionen und ein neues Display. Macht jetzt 60 Nm und 350 W Spitzenleistung. Wie sich der TQ HPR60 in der Praxis schlägt und was von dem „Mehr“ auf dem Trail tatsächlich spürbar ist, lest ihr hier.

Mit dem HPR40 will TQ das ändern - ein ultraleichter, kaum sichtbarer Motor speziell für Dropbar-Bikes. Damit wird möglich, was bislang als kaum erreichbar galt: vollintegrierte E-Roadbikes mit Mittelmotor unterhalb der magischen 10-Kilo-Marke.

Mit dem TQ HPR 120S, hat das Unternehmen TQ-Systems einen echten Hochleistungsmotor entwickelt, der besonders im Einsatzbereich e-MTB punktet. Vor allem der Hersteller M1-Sporttechnik setzt mit seinen e-Mountainbikes auf die bärenstarken Motoren des Herstellers. Mit 120 Nm maximalem Drehmoment ist der TQ HPR 120S der derzeit stärkste Motor am Markt.

Bikes mit TQ HPR 50

Die Auswahl an Bikes mit TQ HPR 50 ist inzwischen groß. Viele namhafte Hersteller haben ein Bike mit dem Mini-Motor im Programm. Darunter BMC, Trek, Mondraker, Stevens, Scott, Rotwild, Rose und Simplon.

Vergleichstest: Light-Assist Motoren

In unserem Light-Assist Motorenvergleich haben wir uns vier verschiedene Modelle näher angesehen. Wichtig ist festzuhalten, dass es sich bei allen Modellen um qualitativ hochwertige Motoren handelt, die sich zwar in ihren Grundsätzen ähneln, jedoch alle mit ihren jeweiligen individuellen Vorteilen überzeugen können.

In Sachen Gewicht ist der TQ-HPR50 Motor mit knappen 1,9 Kilogramm der leichteste Motor unseres Light-Assist Motorenvergleichs. An zweiter Stelle, mit nur knappen 20 Gramm mehr, ist der leichte Specialized SL 1.2 Motor dicht auf den Fersen. Es folgt der Fazua Ride 60 mit 1,96 Kilogramm und dem Bosch Performance Line SX mit knappen 2 Kilogramm.

Betrachtet man die pure Leistung der Motoren im Vergleich, belegt der Bosch Performance Line SX Motor mit 600 Watt hier den vordersten Platz.

Der Fazua Ride 60 liefert hier mit 60 Nm den höchsten Wert, dicht gefolgt vom Bosch SX Motor mit 55 Nm sowie dem TQ und Specialized Motor mit jeweils 50 Nm.

Die Light-Assist Motoren leben davon, dass sie die sportliche Betätigung des Fahrenden mit einbeziehen.

Light e-Bike Motoren lassen sich besonders gut in die Rahmenkonstruktionen der e-Bike Hersteller integrieren. Aufgrund ihrer Kompaktheit und Leichtigkeit fallen sie dabei kaum ins Auge, sodass der Motor nur schwer als solcher erkenntlich ist.

Light vs. Power E-Bikes

Beim EMTB-Trailcamp 2025 in Kaltern machen wir mit vier Lesern die Probe aufs Exempel. Mit der Rapcon-Reihe von Simplon stehen zwei fast baugleiche E-Mountainbikes zum Testen am Start. Ähnliche Geometrie, ähnlicher Federweg, doch der Motor macht den Unterschied. Bosch und TQ, 85 und 50 Newtonmeter, 600 und 300 Watt Spitzenleistung. Das sind die Eckdaten dieses Duells.

Die Testbikes für den Lesertest: Simplon Rapcon mit Bosch und TQ

Motor Spitzenleistung Max. Drehmoment
Bosch CX 600 Watt 85 Nm
TQ HPR 50 300 Watt 50 Nm

Leser-Meinungen:

  • Frank Goller: Man braucht beim Light-Bike eine etwas höhere Trittfrequenz. Aber dann kann man sogar mit Power-Bikes mitfahren.
  • Mario Mühlböck: Im Uphill ist es mit dem TQ ein sportiveres Fahren. Man muss den Gang bewusster auswählen und kann sich nicht schieben lassen.
  • Jonas Bayer: Bei meinen 70 Kilo wirkt sich der Handling-Unterschied bergab deutlich aus. Das leichtere Rad braucht weniger Kraft und ist verspielter.
  • Marius Neuffer: Auf schweren Trails und am Limit fühle ich mich auf dem Light-Bike aber sicherer. Selbst große Sprünge sind kein Problem, damit ist es sogar im Bikepark nicht fehl am Platz.

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