E-Bike mit Shimano Motor im Test

Der Markt für E-Bike-Mittelmotoren ist in den letzten Jahren unübersichtlich geworden. Neben den großen Playern Bosch und Shimano gibt es auch andere Marken, die um die Gunst der Käufer werben. Daher widmen wir uns hier den momentan angesagtesten Antrieben in Kurz-Porträts samt Pro-und-Kontra-Liste der jeweiligen Motoren-Reihe. Diese Übersicht versteht sich als eine reine Übersicht und beschränkt sich auf Mittelmotoren mit einer Tretunterstützung von maximal 25 km/h.

Bosch-Motoren im Überblick

Bosch ist seit der ersten "Drive Unit" im Jahr 2011 einer der Marktführer im E-Bike-Sektor. Mittlerweile hat Bosch für jeden Einsatzzweck ein geeignetes Aggregat, eine Fülle an Akkus und sinnvolle Peripherie im Angebot. Unterschieden wird zwischen drei Modellreihen: Bosch Active Line, Bosch Cargo Line und Bosch Performance Line.

Bosch Active Line: Motoren für den Alltag

Der Active-Line-Motor versteht sich als Einstieg in das Bosch-Universum und findet vorrangig in Trekking- und City-Rädern Verwendung. Mit 40 (Standard-Modell) respektive 50 Nm (Plus-Modell) Drehmoment ist der Einsteigs-Bosch bereits kräftig. Die maximale Leistungsausbeute von bis zu 600 Watt ist beim Active Line Plus identisch.

Vorteile: Starker Motor mit zeitgemäßer Konnektivität, große Auswahl an sinnvoller Peripherie, riesengroßes Händlernetz.

Nachteile: Nicht mit Fremdhersteller-Akkus kompatibel, Motor besonders in unterstützungsstarken Modi deutlich hörbar.

Bosch Cargo Line: Der Lastenbeförderer

Der Cargo-Line-Motor wird überall dort verbaut, wo Lasten oder Personen befördert werden sollen. Die Motor-Innereien bestehen aus dem großen Performance-Line-Motor, jedoch mit spezieller Software und Thermo-Management-Anpassungen. Die Leistungsabgabe ist entsprechend deftig: 100 Nm Drehmoment schieben auch schwere Ladungen gut vorwärts, maximal 750 Watt leistet der Motor kurzzeitig.

Vorteile: Bärenstarker Motor mit gutem Thermo-Management, große Auswahl an sinnvoller Peripherie, perfekte Konnektivität.

Nachteile: Nicht mit Fremdhersteller-Akkus kompatibel, Motor kein Leisetreter (bis 2025).

Bosch Performance Line: Power für Trail und Tour

Die Performance-Line-Motoren sind die Top-Produkte von Bosch und finden sich in sehr vielen E-MTBs, sportiven Trekking-Rädern und neuerdings auch "leichten" E-Bikes wieder. Mit dem Performance Line SX gibt es einen "Light"-Motor, der Bikes in der Gewichtsklasse unterhalb der 20-Kilo-Marke antreibt. Darüber residieren weiterhin die großen Motoren mit dem Beinamen CX: Bei ihnen liegen nun bis zu 100 Nm Drehmoment an, in der limitierten "Race"-Ausführung steigt die Unterstützung auf bis zu 400 %, sonst sind meist 340 %.

Shimano Steps: Der japanische Konkurrent

Shimano ist seit 2014 mit seinem Steps-System auf dem Markt und mischt neben Bosch den Ton an. Auch Shimano setzt auf Mittelmotoren und stimmt diese auf den jeweiligen Einsatzzweck ab. Bei der Leistungsausbeute liegt Shimano auf Augenhöhe mit Bosch. Wo die Japaner aber die Nase vorn haben, ist bei der Akku-Auswahl - Shimano erlaubt hier nämlich Fremdhersteller-Designs. Ein kleiner Nachteil für Touren-Freunde: Shimano ist besonders im Infotainment-Bereich merklich konservativer unterwegs. Dafür gibt es Automatik-Schaltungen (übrigens auch für E-MTBs), bei manchen Motoren sogar Rücktritt und ABS-Systeme in Kooperation mit Blubrake.

Shimano E6100 und E5000: Der Einstieg ins E-Touren-Segment

Der sanfte Einsteiger-Antrieb E5000 eignet sich ideal für den Einsatz im Stadtgebiet, zum Pendeln oder für Kurzstrecken. Bei sanften 40 Nm maximalem Drehmoment unterstützt der "kleinste" aus der Shimano-Familie mit einer Spitzenleistung von max. 420 W.

Der E6100 liefert im sportiven Modus bis zu 60 Nm und im Comfort-Modus bis zu 50 Nm ab. Mit einer maximalen Leistung von 500 W bietet er maximal 200 % zusätzliche Unterstützung zur eigenen Tretleistung.

Vorteile: Komfortabler, sanfter und effizienter Antrieb für genüssliche Touren, Kompatibilität mit allen Bremssystemen und vielen Schaltsystemen, Fahrcharakteristik mit E-Tube Projekt individualisierbar.

Nachteile: Für Bergtouren weniger geeignet, Display mit puristischem Informationsgehalt.

Shimano EP8(01) Cargo, EP600 Cargo und E6100 Cargo: Starke Lastenträger

Für E-Bikes mit Systemgewichten braucht man kräftige Motoren, die ein beladenes Rad aus dem Stand beschleunigen oder eine Steigung nicht zum Alpenpass erwachsen lassen. Mit den Modellen EP801 CRG, EP600 CRG und E6100 CRG hat Shimano drei verschiedene Transportantriebe im Programm. Während alle drei Varianten max. 500 Watt Leistung zur Verfügung stellen, liefern die beiden EP8 und EP6 Cargo jeweils maximal 85 Nm Spitzendrehmoment, der City-Transporteur E6100 CRG dagegen max. 60 Nm.

Vorteile: Leistungskurve speziell für den Einsatz für Cargobikes abgestimmt, drei Varianten für unterschiedliche E-Bike-Anwendungen und -Preispunkte.

Shimano EP8(01), EP600 und E7000: Power für den Uphill

Dank maximal 85 Nm Drehmoment und bis zu satten 400 % Unterstützung katapultieren die Motoren der EP8- und EP6-Generation dich nach vorn. Einzig der etwas in die Jahre gekommene E7000 ist mit 60 Nm etwas schwächer motorisiert. Alle Antriebe fahren sich flott und treten sich sehr natürlich, haben auch in technischen Uphill-Passagen eine prima Leistungsabgabe.

Vorteile: Sehr kräftiger Motor, Offenheit bei der Akku-Wahl seitens Hersteller, riesengroßes Händlernetz.

Nachteile: Display-Peripherie eher dezent bis altbacken, bei hohen Drehzahlen keine Leisetreter.

Der Shimano Steps E6100 im Detail

In unserem Blogbeitrag vom 11. Juli 2018 haben wir den neuen Shimano Motor für E-Bikes ausführlich vorgestellt. Der Shimano Steps E6100 bildet eine perfekte Symbiose aus MTB-Segmenten und Trekking- /City-Eigenschaften. Der Hersteller möchte in erster Linie sportliche City-Fahrer, Pendler und Trekkingfahrer ansprechen. Der Motor knüpft an seinen Vorgänger, den E6000 an, bringt jedoch jede Menge technischer Neuerungen. Der E6100 selbst passt nun in die Aufnahme des sportlichen E8000 und ist damit deutlich geschrumpft.

Der Motor wird von neuen Akkus gespeist, die entweder als 418 Wh oder 504 Wh Kapazität erhältlich sind. Das Innenleben der Antriebseinheit sorgt für minimalen Widerstand bei ausgeschaltetem Motor und garantiert gemeinsam mit der überarbeiteten und optimierten Charakteristik der Antriebsmodi eine um 20 % verbesserte Antriebseffizienz. Im Zusammenspiel mit dem neuen Ladegerät schrumpfen die Ladezeiten erheblich. Interessant sind auch die Neuerungen beim Thema Display und Konnektivität.

Das vom E6000 bekannte Display hat ein Redesign erhalten, bleibt aber gut ablesbar und mit hohem Kontrast. Eine Neuerung ist die Bluetooth Smart ANT+ Schnittstelle. Im Zusammenhang mit der Produktvorstellung des Shimano Steps E6100 wurde auch die neue E-Bike Nabe Nexus Inter-5E vorgestellt. Diese bietet eine Bandbreite von 263 %, verteilt über fünf Gänge.

Im Praxistest des digitalen News-Magazins Velomotion kam es weniger auf die technischen Details an. Hier war ausschlaggebend, wie sich der Antrieb in der Praxis schlägt. Shimano hatte die Tester dafür nach Berlin eingeladen, um eine Testflotte mit neuem E6100 Motor ausgiebig Probe fahren zu können. Im Test wurde ein E-Bike mit der Inter5 Nabe gefahren und ein bereits im Vorfeld eingerichtetes Smartphone am Lenker, in Verbindung mit der Ride App, übernahm die Funktionen des Displays.

Der Testfahrer entschied sich zu Beginn für den manuellen Schaltmodus und die niedrigste Unterstützungsstufe. Im Testbericht schreibt er: „Der Motor unterstützt deutlich spürbar, ohne jedoch unangenehm oder unnatürlich zu werden. Die Geräuschkulisse ist im Eco Modus selbst in kleinen Nebenstraßen ohne Verkehr kaum wahrnehmbar und ein deutlicher Fortschritt zum Vorgänger, der stets ein hörbares Summen von sich gegeben hatte.“

Zum Wechseln der Unterstützungsstufe schreibt Velomotion: „Das Wechseln der Unterstützungsstufe erfolgte am Test Rad durch einen kurzen Druck auf die Taste der Bedieneinheit. Die anderen Unterstützungsmodi beschleunigen das E-Bike ohne viel Mittreten schnell auf Geschwindigkeiten um 20 km/h. Mit Erreichen der magischen 25 km/h nimmt der Motor die Leistung recht abrupt heraus, hier hätte sich der Tester einen etwas sanfteren Übergang gewünscht. Doch dann überwiegt sofort die Begeisterung: „Hat sich der Motor jedoch erst einmal verabschiedet, geht das Treten spielend, da der komplette Antrieb vollständig entkoppelt und somit keinerlei Widerstand bietet.“

Sollte man sich mit der Reichweite des Akkus einmal versehen haben, ist es zumindest möglich, problemlos das E-Bike zur nächsten Auflade-Möglichkeit zu bewegen.

Das Kalkhoff Image 5.S XXL ist mit dem Shimano Steps E6100 erhältlich. Der Shimano Steps E6100 bildet eine Einheit mit dem Akku und der Nexus Inter-5E Nabe. Die Nabe ist in mechanischer Version oder als elektronische Di2 Ausführung erhältlich. Beide Versionen gibt es jeweils als V-Brake, Rollenbremsen, Scheibenbremsen oder Rücktrittbremsen.

Velomotion hat die Di2 Version unter die Lupe genommen und schreibt dazu im Testbericht: „Fünf Gänge klingen im ersten Moment nach ziemlich wenig, durch die große Bandbreite decken diese jedoch die relevanten Bereiche ab - gerade auch, weil sich Shimano dazu entschied, die leichtesten Gänge auszulassen. Schließlich benötigt man diese dank des Motors ohnehin nicht.

Konnten die Schalthebel den Testfahrer von Velomotion nicht ganz überzeugen, sie hätten durchaus etwas definierter sein können, überzeugte die Schaltautomatik auf ganzer Linie: „Die Schaltautomatik funktioniert einfach zu gut. Per Knopfdruck aktiviert, wechselt diese abhängig von diversen Parametern wie Tretleistung und Geschwindigkeit automatisch in den passenden Gang.

Die Dritte Neuerung ist am Lenker zu finden: Statt des Displays wurden sämtliche Infos vom Antrieb auf einem Smartphone dargestellt. Dafür verantwortlich zeigte sich eine Ride App.

Das Fazit des digitalen News-Magazins Velomotion für den Shimano Steps E6100 Motor fällt positiv aus: „ Der neue Shimano Steps E6100 weiß in fast jeder Hinsicht zu überzeugen. Kompakt, kräftig aber nie aufdringlich fühlt er sich vor allem im urbanen Raum wohl. Das perfekte Fortbewegungsmittel für Stadtbewohner!

Mit einem City e-Bike bist du nie wieder abhängig von Bussen oder Bahnen, weil du dir die Abfahrtszeit einfach selbst aussuchen kannst. Die aufrechte Sitzposition maximiert den Fahrkomfort und sorgt dafür, dass du im Stadtverkehr immer die Übersicht behältst. Und durch die Motorunterstützung bist du gleichzeitig auf der Überholspur unterwegs.

Ein City e-Bike ist der ideale Begleiter insbesondere auf kurzen und mittleren Strecken in der Stadt und im urbanen Randgebiet. So ermöglicht es dir, ohne Probleme Einkäufe zu erledigen, Freunde zu besuchen oder einfach eine Spazierfahrt durch die entlegenen Stadtgebiete zu unternehmen. Denn mit dem Extra-Schub und maximalem Komfort kommt es nicht mehr auf jeden Kilometer an und das Auto wird viel lieber in der Garage stehen gelassen.

Die Konkurrenz: Was können Brose, Fazua, Pinion, Yamaha Co.?

Yamaha: Die Stimmgabel schlägt zurück!

Yamaha krempelt sein gesamtes E-Bike-Motorenprogramm auf links - und zielt mit einem Dreigestirn aus Full-Power-, Alleskönner- und Light-Motor voll auf Mitbewerber Bosch. Drei Mittelmotoren gibt es nun, von E-MTB bis Light, von 100 Nm (PW-X4) bis 60 Nm (PW-L1).

Power aus der Hauptstadt: Brose Drive

Brose baut sein Motorenportfolio mit dem neuen Drive 3 Peak fürs Modelljahr 2024 aus. Die Berliner reduzieren ihr bisheriges Housing abermals und versehen den Drive 3 Peak mit einem neuen Design. Technisch bietet der Neue nunmehr über satte 95 Nm maximales Drehmoment. Die Betriebsspannung liegt bei 48V und der Top-Motor unterstützt dann mit maximal 410 % bei einem Gewicht von 2,9 kg. Die ersten Bikes mit diesem Motor werden voraussichtlich 2024 ausgeliefert.

Klein, stark und hybrid: Fazua Ride 50 und 60

Mit dem Ride 50 entwickelten die Münchener das bislang im E-Bike-Markt einzigartige Konzept des hybriden Antriebs. Beim Ride 50 Antriebssystem steckt alles in einer Patrone: Motor, Getriebe, Elektronik und Akku! Die kann nach Belieben herausgenommen und gegen eine leere Hülle getauscht werden; aus dem E-Bike wird ein Fahrrad!

Mit dem Ride 60 verließen die Bayern den Ansatz des hybriden Antriebs und entwickelten einen fest verbauten Mittelmotor. Fazua stellt auch mit seinen "Ride 60"-Antrieben passende Aggregate zur Verfügung - welche rund 60 Nm leisten und auf Knopfdruck während der Fahrt in höchster Stufe für 12 Sekunden lang 450 Watt leisten. Gespeist wird das System mit einem 430-Wh-Akku, optional gibt es einen Range-Extender. Häufig in Light-E-MTBs oder an leichten City-E-Bikes verwendet.

Die Zahnfee: Pinion Motor Gearbox Unit ("MGU")

Pinions erster Motor ist wohl die Neuheit des Jahres: Die Schwaben vereinen erstmals ihre bewährte Getriebe-Technik mit einem leistungsstarken E-Motor. Herausgekommen ist dabei eine trotz bis zu zwölf integrierten Schaltstufen recht kompakte Antriebseinheit - die es so auf dem Markt derzeit kein zweites Mal gibt.

Totgeglaubte leben länger: Brose Qore

Mit dem System Qore wagt Brose einen Neustart im E-Bike-Segment - inklusive neuen Namen, modularer Architektur und ersten Partner-Bikes.

Das Drehmoment-Wunder: Sachs RS

Sagenhafte 112 Nm Drehmoment verspricht Sachs für seinen RS-Motor - in dieser Übersicht ein klarer Rekord! Generell versteht sich der Motor aus dem Automobil-Zulieferer-Kosmos von ZF als offenes System - Akku und Displays sind frei wählbar. Wird momentan eher in exotischen Pedelecs verbaut.

Mini-Maße, Mega-Power: TQ HPR-50

Auch TQ versucht sich am Thema "Light"-E-Bikes: Gewicht spart man in dieser Klasse vor allen Dingen beim Motor - wie TQ eindrücklich beweist. Der HPR-50 wiegt mit 1850 Gramm rund ein Kilo weniger als die Full-Size-Konkurrenz, liefert aber 55 Nm Drehmoment und kurzzeitig bis zu 300 Watt. Gepaart wird das System mit einem kleinen 360-Wh-Akku und wird optional um einen Range-Extender erweitert. Vorrangig in Light-E-MTBs eingesetzt, vereinzelt auch in E-Rennrädern und E-Gravelbikes zu finden.

Power vom Drohnen-Profi: DJI Avinox

Als neuer Player steigt zukünftig Drohnen- und Kamera-Spezialist DJI in den Mittelmotoren-Markt ein. Ihr "Avinox" getauften System verspricht 850 Watt Spitzenleistung und 105 Nm Drehmoment - und sensationell schnelles Laden ihres Akkus.

ZF CentriX: Neues vom Bodensee

Etwas größer als eine 0,33er-Cola-Dose und dennoch stärker als Bosch CX und Shimano EP8: Mit dem CentriX-Motor attackiert Getriebe-Riese ZF die großen Motorenhersteller und will Light-E-Bikes mit dickem Drehmoment möglich machen.

BH präsentiert mit dem BHZ by SEG

BH stellt in Zusammenarbeit mit SEG einen neuen, hauseigenen Light-Assist Motor vor, der in den Modellen iLynx Trail, iLynx Race und den iGravelX zum Einsatz kommt. Der Motor soll durch seine kompakte Bauweise und ein Gewicht von nur 2,1 kg überzeugen.

Shimano EP8 vs. Shimano STEPS E8000

Wie schlägt sich der neue Shimano EP8-Motor im Vergleich zum Vorgängermodell STEPS E8000? Der neue Shimano EP8 ist auf dem Trail viel besser als der alte Shimano STEPS E8000.

Im Detail lassen sich zahlreiche Verbesserungen in der Charakteristik des Motors feststellen: Egal in welchem Fahrszenario arbeitet der EP8 natürlicher und bringt, falls gewünscht, mehr Motorleistung geschmeidiger auf den Trail. Besonders deutlich wird das im Trail-Modus.

Vor allem das um 15 Nm gesteigerte Drehmoment lässt den EP8 beim Beschleunigen, unter großer Last oder bei niedrigen Trittfrequenzen am alten Motor vorbeiziehen. Im Boost-Modus gibt sich der STEPS E8000 giftiger und schwerer zu beherrschen als der neue EP8. Mit dem neuen Motor lässt sich die Motorpower viel intuitiver und gefühlvoller dosieren, egal ob beim Anfahren oder auf besonders rutschigem Untergrund.

Auch wenn der neue EP8 den alten Motor auf dem Trail weit hinter sich lässt, muss er sich doch in der Disziplin „Geräuschkulisse“ geschlagen geben. Der neue EP8-Motor ist in fast jeder Hinsicht besser als der alte STEPS E8000. Er vereint vermeintliche Gegensätze miteinander und ist sowohl kraftvoller als auch gefühlvoller.

Shimano EP801 vs. Shimano EP6

Der EP6 soll den Bike-Herstellern günstigere Einstiegspreise ermöglichen. Die Anschraubpunkte sind identisch, ebenso die Bauform und Größe. Zwar liefern beide Antriebe nominell 85 Newtonmeter maximales Drehmoment, doch die Spitzenleistung unterscheidet sich klar. 100 Watt soll der EP6 weniger liefern, als der EP801, sagt Shimano. Das Gehäuse des EP6 ist aus Aluminium. Es ist schwerer als die Magnesiumhülle von EP8 und Ep801.

Entscheidender Grund für die Neuauflage von EP801 und EP6 war eine neue elektronische Infrastruktur. Das Ziel: Die Motoren mit den elektronischen Schaltsystemen Shimano XT Di2 und Cues Di2 zu kombinieren.

Die Leistungsunterschiede zwischen EP801 und EP6 existieren nicht nur auf dem Papier. Im direkten Vergleich ist der günstigere Shimano-Motor spürbar schwächer. Wer auf maximalen Schub Wert legt, wird im Vergleich zu einem Bosch CX, Shimano EP801 oder Brose Drive SMag klare Abstriche wahrnehmen.

Genug Schub für steile Uphills bietet auch der EP6 - doch die Reserven sind spürbar kleiner als beim EP801 oder einem Bosch CX.

E-Mountainbikes müssen günstiger werden, um mehr Menschen zu erreichen. Von daher ist das neue Einstiegsmodell EP6 von Shimano ein Gewinn. Doch funktional ist der Unterschied zum großen Bruder EP801 recht deutlich. Gerade das Verhältnis aus Leistung und Gewicht ist beim EP801 extrem gut - beim EP6 hingegen eher schwach.

Shimano EP801 im Detail

Der Shimano EP801 soll mit einem breiteren Einsatzgebiet, mehr Power und vielen cleveren Funktionen punkten. So soll er nicht nur mehr Maximalleistung bieten, sondern auch über einen breiteren Trittfrequenzbereich mit hoher Leistung unterstützen. Das Update auf EP801 erlaubt auch erstmals die Verbindung mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe, die mit cleveren Funktionen aufwarten kann. Ein weiteres Feature ist das Shimano-ABS, das in Zusammenarbeit mit Blubrake entwickelt wurde.

Auch wenn man beim Shimano Motor EP801 rein äußerlich keinen Unterschied zum Vorgänger namens EP8 erkennt, hat sich im Inneren viel getan. Nicht nur die komplette Elektronik wurde überarbeitet, auch die Maximalleistung steigt von 500 auf 600 Watt. Damit und mit seinen 85 Nm Drehmoment liegt er zumindest auf dem Papier mit dem Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) gleichauf. In Sachen Gewicht ist der Shimano EP801 mit 2,7 kg genauso schwer wie sein Vorgänger und gehört damit zu den leichteren Full-Power-Motoren.

Mit Strom versorgt wird der Shimano Motor EP801 entweder durch einen 504-Wh- oder einen 630-Wh-Akku aus dem Hause Shimano, alternativ lassen die Japaner den Bike-Herstellern die Freiheit, Akkus von Drittanbietern zu verbauen.

MotorMax. DrehmomentMax. LeistungGewichtAkkugrößen
Shimano EP80185 Nm600 Watt2,7 kgDiverse Hersteller von 360 bis 900 Wattstunden
Bosch Performance Line CX85 Nm (bis 100 Nm mit Update)600 Watt (bis 750 Watt mit Update)ca. 2,9 kgBis zu 750 Wh
Shimano EP685 NmWeniger als EP801 (ca. 500 Watt)3,0 kgDiverse Hersteller

Der Shimano EP801 überzeugt auf dem Trail mit seinem gutmütigen Charakter. Auch im stärksten, dem Boost-Modus in der Standardeinstellung, lässt er sich gut dosieren und reagiert berechenbar.

Auf ebenen Forstwegen summt der Shimano Motor EP801 angenehm vor sich hin und zählt zu den leisesten Full-Power-Motoren im Testfeld. Sobald sich der Trail Richtung Tal neigt, ändert sich die Geräuschkulisse und gibt vor allem im roughen Terrain das typische Klappern von sich, was auch schon beim alten Shimano Motor EP8 ein großes Manko war.

Der Shimano Motor EP801 ist zwar keine Revolution, sondern vielmehr eine sinnvolle Evolution. Er überzeugt in der Praxis mit gutmütigem Charakter, der Anfänger nicht überfordert und reduziert die Lücke zum Bosch Performance Line CX, kann aber mit der Power der stärksten im Test nicht mithalten. Das Motorsystem komplettiert das breite Angebot an Displays, Remotes und Akkus, in dem auch Drittanbieter eigene Produkte beisteuern und die Auswahl für die Bike-Hersteller und letztendlich den Kunden nochmals vergrößern.

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