Die perfekte Einstellung deiner Mountainbike-Federgabel: Eine umfassende Anleitung

Ist die Federgabel am Fahrrad zu steif, zu weich oder verhält sich beim Fahren nicht so, wie du es möchtest? Dann ist es an der Zeit, die Federung am Fahrrad und damit die Dämpfung richtig einzustellen! Mit der passenden Fahrwerk-Einstellung sorgt die Federgabel am Trekking-Bike, Cross-Country- oder Mountainbike zuverlässig für Komfort sowie Kontrolle beim Fahren im unwegsamen Gelände.

Vorbereitung und Werkzeuge

Zunächst solltest du schauen, dass du das richtige Werkzeug zum Einstellen der Federgabel parat hast. Die folgenden Werkzeuge solltest du dir zurecht legen:

  • Dämpferpumpe mit Manometer
  • O-Ring/Kabelbinder
  • Putzlappen
  • Montageständer (optional)

Vor der Einstellung der Federgabel sollte man das Standrohr und das Tauchrohr der Gabel gründlich reinigen, damit keine Rückstände die Arbeit erschweren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung der Luftfedergabel

Hast du das entsprechende Werkzeug parat und alle Vorarbeiten geleistet, kannst du endlich deine Federgabel einstellen. In diesem Beitrag erfährst du Schritt für Schritt, wie du die Luftfedergabel optimal einstellst.

Schritt 1: Dämpfungseinstellungen abschalten

Um den Federweg ohne Folgen einstellen zu können, müssen alle Dämpfungseinstellungen ausgeschaltet werden.

  1. Starte mit der Zugstufe, oder auch Rebound genannt. Drehe den meist großen roten Knopf an der Unterseite der Federgabel gegen den Uhrzeigersinn bis zum Anschlag.
  2. Die Komprimierungsstufe sollte ebenfalls auf die geringstmögliche Stufe eingestellt werden. Löse dazu die Kappe oben auf der Gabel und drücke vorsichtig mit einem spitzen Gegenstand auf das Einlassventil, bis die gesamte Luft entwichen ist.

Schritt 2: Maximalen Federweg ermitteln

  1. Im nächsten Schritt drückst du den kleinen Gummi-O-Ring gegen die Dichtungen am Riser. Wenn der Ring fehlt, befestige ein Stück Schnur oder einen Kabelbinder.
  2. Drücke nun fest auf die Gabel. Diese sollte vollständig komprimieren, d. h. bis zu einem spürbaren Halt. Wenn sich der Anschlag unscharf anfühlt, befindet sich möglicherweise noch Luft in der Kammer.
  3. Damit sich die Federgabel wieder ausdehnt, kannst du etwas Luft in die Kammer pumpen. Ungefähr 30-40 psi. Verwende hierfür eine spezielle Dämpferpumpe.
  4. Der O-Ring hat sich jetzt beim Ausfahren nach oben bewegt. Der Abstand zwischen den O-Ringen und der Gabelbrücke entspricht dem maximalen Federweg (Maximalhub).

Schritt 3: Luftdruck ermitteln und einstellen

Das Ziel ist nun, den richtigen Luftdruck für das Gewicht des Fahrers einzustellen. Bitte beachte die Luftdruck-Empfehlungen des Herstellers. Werden diese Angaben nicht gemacht, verwende dein Körpergewicht (zuzüglich dem Gewicht von deinem Gepäck) als groben psi-Richtwert. Pro Kilogramm solltest du 1 psi in die Gabel geben.

Verwende hierfür ebenfalls wieder die Dämpferpumpe. Am angebrachten Manometer kannst du den aktuellen Luftdruck ablesen. Je nachdem, ob dieser höher oder niedriger ist als der zuvor ermittelte Wert, musst du die Federgabel aufpumpen oder Luft ablassen, bis der gewünschte Luftdruck erreicht ist.

Schritt 4: Negativfederweg ermitteln und einstellen

Setze dich nun auf das Rad, lehne es an die Wand und belaste es in Fahrposition (Cross-Country/Trekkingrad/Allmountain-Bike: sitzend; Enduro: stehend). Schiebe nun den Gummi-O-Ring nach unten, ohne die Bremse zu betätigen.

Miss nun den Abstand vom Gummi-O-Ring zur Federdichtung. Dies wird als sogenanntes „Durchhängen“ oder Negativfederweg bezeichnet. Der Restfederweg sollte etwa:

  • 20 % des maximalen Federwegs für Cross-Country-Räder
  • 25 % für Touring/All-Mountain-Räder
  • 30 % für Enduro-Räder betragen.

Der Abstand vom Gummi-O-Ring bis zum maximalen Federweg ist der verbleibende Federweg bzw. Restfederweg. Er sollte noch ca. 1 cm betragen. Wenn die Gabel schwächelt, sollte sie aufgepumpt werden.

Schritt 5: Zugstufe einstellen

Stell nun die Zugstufengeschwindigkeit (Rebound) mit dem Jogwheel an der Unterseite der Gabel ein. Indem du das Jogwheel drehst, kannst du unterschiedliche Geschwindigkeiten einstellen. Probiere am besten alle Einstellungen aus, bis du die ideale Geschwindigkeit gefunden hast.

Um die Zugstufengeschwindigkeit zu testen, stelle dich hinter den Lenker und drücke fest die Gabel, lass dann den Lenker sofort los. Die Federgabel sollte hochfliegen. Dies sollte so schnell wie möglich erfolgen, der Reifen sollte dabei aber nicht vom Boden abheben.

Schritt 6: Kompressionswiderstand einstellen

Oft kannst du auch den Kompressionswiderstand einstellen. Je höher das Kompressionsverhältnis, desto weniger wackelt die Luftfedergabel. Die meisten Gabeln bieten offene, gedämpfte und gesperrte Fahrmodi.

Federgabel einstellen mit Stahlfeder

Eine Federgabel mit Stahlfeder bietet normalerweise weniger Anpassungsoptionen, erfordert aber weniger Wartung. Die Gabel mit Stahlfeder kann bis zu einem bestimmten Grad vorgespannt werden. Diese Einstellung verschafft allerdings nicht mehr oder weniger Federweg, sondern macht die Gabel nur härter oder etwas weicher.

Bevor du ein Mountainbike mit Stahlfedergabel kaufst, solltest du dich darauf setzen und prüfen, wie tief die Gabel allein unter deinem Gewicht durchhängt.

Faustregel: Der negative Federweg darf 30 % des vorhandenen Federwegs nicht überschreiten. Du kannst dies mit einem O-Ring oder einem am Riser befestigten Kabelbinder messen.

Wenn die Gabel unter deinem Gewicht tiefer durchhängt, wähle ein anderes Modell. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits besteht die Gefahr, dass diese Gabel bei Fahrten im Gelände versagt, wodurch sie schnell kaputt geht. Zugleich lässt sich der Federweg einer Stahlfeder nicht verändern. Wenn eine Gabel beim Kauf zu weich ist (sie sinkt zu tief unter deinem Gewicht ein), ist sie stets zu weich und daher für den vorgesehenen Zweck unbrauchbar. Du kannst die Federn austauschen, dies ist jedoch zeitaufwendig und sollte nur vom Fachhändler durchgeführt werden.

Die Zugstufe wird über einen Drehmechanismus eingestellt. Hier gibt es „+“ und„-“. Rock-Shox-Federgabeln haben auch ein Hasen- und Schildkröten-Symbol (schnell oder „-“ und langsam oder „+“).

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Regelmäßige Reinigung: Zur richtigen Federgabel-Pflege gehört neben einer regelmäßigen Reinigung die individuelle Anpassung des Luftdrucks.
  • Dämpferpumpe: Mit einer „normalen“ Luftpumpe lassen sich Federgabeln nicht präzise aufpumpen. Dämpferpumpen sind mit einem Manometer für eine exakte Kontrolle des Luftdrucks ausgestattet.
  • Genauigkeit: Bei der Anpassung des Luftdrucks sollte man in jedem Fall auf Genauigkeit achten. Schon 10 PSI (0,7 bar) können einen großen Unterschied machen.

Überblick über die Federgabel-Einstellungen

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die verschiedenen Einstellungen und deren Auswirkungen:

Einstellung Funktion Auswirkung
Luftdruck Bestimmt die Härte der Federung Höherer Druck = härtere Federung, niedrigerer Druck = weichere Federung
Negativfederweg Gibt an, wie stark die Gabel unter dem Fahrergewicht einsinkt Beeinflusst Komfort und Traktion
Zugstufe (Rebound) Reguliert die Geschwindigkeit, mit der die Gabel ausfedert Schnellere Zugstufe = schnelleres Ausfedern, langsamere Zugstufe = langsameres Ausfedern
Kompressionswiderstand Steuert die Einfederungsgeschwindigkeit bei Belastung Höherer Widerstand = weniger Wippen, niedrigerer Widerstand = mehr Sensibilität

Eine optimal funktionierende Federung ist bei Mountainbikes sowie bei manchen Crossbikes und Trekkingrädern extrem wichtig. Nur wenn die Federgabel ihren Zweck einwandfrei erfüllt, ist gewährleistet, dass die Fahrt über Stock und Stein nicht zum unkalkulierbaren Abenteuer wird. Die Abstimmung sollte weder zu weich noch zu hart sein. Im Idealfall verlieren die Räder des Mountainbikes niemals den Kontakt zum Boden.

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