Die Elektromobilität gewinnt in Deutschland immer mehr an Bedeutung, besonders im Bereich der Motorroller. Sie bieten eine ausreichende Reichweite für den Stadt- und Pendelverkehr, und viele Modelle verfügen über herausnehmbare Akkus, die bequem in der Wohnung aufgeladen werden können. Nachdem der ADAC bereits 2019 sieben Elektroroller der Führerscheinklasse AM (bis 45 km/h) getestet hat, wurden nun sechs elektrische Leichtkrafträder der Führerscheinklasse A1 genauer untersucht.
Testsieger mit innovativem Akku-Konzept
Bei dem Test des ADAC landeten die drei teuersten Produkte auf den ersten drei Rängen. Platz eins geht an den spanischen Hersteller Silence und sein Modell S01. Der futuristisch gestylte Roller löst den Konflikt zwischen großer Batterie und guter Reichweite (90 Kilometer) durch eine simple Idee: Der Akku wird nach dem Entnehmen zum Trolley, sodass der Fahrer die 40 Kilo schwere Batterie bequem in die Wohnung ziehen und dort laden kann.
Zusätzlich kann der Akku des Silence auch als Powerbank für Laptops, Handys oder Elektrogrills verwendet werden. Da der S01 auch das mit Abstand größte Staufach unter der Sitzbank hat und mit einem kurzen Bremsweg überzeugt, sichert er sich den Sieg in der Gesamtwertung.
Futura Robo-S: Günstige Alternative mit cleveren Details
Die Roller kamen erst mit mehrmonatiger Verspätung in Deutschland an, inzwischen hat aber auch der Futura Robo-S einen separaten Einzeltest unter den gleichen Bedingungen wie die Konkurrenten absolviert.
Dabei hat der Robo-S insgesamt die Test-Note 2,7 erreicht. Positiv überrascht hat die Tester nicht nur der im Vergleich günstigste Anschaffungspreis von 3.699 Euro, sondern dass der Robo-S in punkto Verarbeitung oder Reichweite auch mit etablierten Konkurrenten wie dem NIU NQI GT mithalten kann. In Deutschland vertreibt die Firma Dr. Ferrari GmbH den E-Roller als Futura Robo-S. Der Roller überzeugt mit cleveren Details wie einem Fingerabdruckscanner, einer Rückenlehne für Mitfahrer/innen und der Möglichkeit, Wartungen und Reparaturen auch zuhause durchführen zu lassen. Insgesamt macht der E-Roller einen durchdachten Eindruck: Er bietet praktische Ablagemöglichkeiten, ist angenehm leicht und ordentlich verarbeitet.
Beim Antrieb herrscht Licht und Schatten: Der Robo-S punktet mit einem niedrigen Stromverbrauch, kurzen Ladezeiten und der Möglichkeit, die beiden Akkus zum Laden zu entnehmen. Negativ fielen neben einer fehlenden Reichweitenanzeige und der mit abnehmendem Akkustand abfallenden Höchstgeschwindigkeit vor allem die sehr schlechte Dosierbarkeit des Elektromotors auf. Dem Hersteller ist dieser Kritikpunkt inzwischen bekannt, seit November 2020 wird beim Robo-S ein neuer Gasgriff mit besserer Dosiermöglichkeit verbaut.
Elektrische Schwalbe mit Licht und Schatten
Die optisch eng an den DDR-Roller Simson KR51 angelehnte Neuauflage Schwalbe von Govecs überzeugt mit dem kraftvollsten Motor im Feld, kurzen Ladezeiten, guter Verarbeitung und ausgewogenen Fahreigenschaften. Sie ist mit knapp 7000 Euro jedoch der teuerste Roller im Test. Negativ fiel den Testern der mangelnde Stauraum, der fest mit dem Fahrzeug verbundene Akku und das hohe Gewicht auf.
Damit wird das Rangieren des Rollers zur Schwerstarbeit. Auch die Bremse dürfte besser zupacken, denn die der Govecs-Roller hat den längsten Bremsweg im Vergleich. Immerhin ist für die Schwalbe als einziges Leichtkraftrad im Test gegen Aufpreis ein Antiblockiersystem (ABS) erhältlich.
Chinesischer Bestseller auf Rang vier
Platz vier geht an Deutschlands meistverkauften E-Roller, den NIU NQi GT. Die Beliebtheit des Leichtkraftrads aus China ist schnell erklärt: Der NIU ist hat ein attraktives Design und punktet darüber hinaus mit der besten Konnektivität, einem ausgewogenen Fahrwerk, guter Reichweite und einem attraktiven Preis. Kritikwürdig sind die unbequeme Sitzposition für größere Fahrer, die lange Ladedauer sowie der geringe Stauraum. Der geringe Grundpreis des Trinity schlägt sich jedoch im LED-Scheinwerfer mit der schwächsten Ausleuchtung im Vergleich nieder, die Ladezeiten (für beide Akkus) sind die längsten im Test. Da der Uranus R auch ein unterdämpftes Fahrwerk hat und für großgewachsene Fahrer wenig Platz bietet, landet er auf dem letzten Platz. Positiv fiel der in China produzierte E-Roller im Vespa-Look dagegen durch sein geringes Fahrzeuggewicht, die hohe Zuladung und den niedrigsten Stromverbrauch im Test auf.
E-Roller-Kauf: Tipps für Verbraucher
Bislang durften Leichtkrafträder nur mit dem Führerschein der Klasse A1 (bzw. ehemals 1b) oder dem Pkw-Führerschein der Klasse 3 gefahren werden, sofern dieser vor dem 1. 4. 1980 ausgestellt wurde. Seit 2020 ermöglicht auch die Erweiterung der Klasse mit der Schlüsselziffer 196 zum Führen eines Leichtkraftrads, zumindest in Deutschland (der Führerschein gilt nicht im Ausland). Dafür muss der Fahrer in der Fahrschule mindestens vier theoretische und fünf praktische Unterrichtseinheiten zu jeweils 90 Minuten nehmen, die Klasse B seit mindestens fünf Jahren besitzen und mindestens 25 Jahre alt sein.
Wer sich für einen E-Roller interessiert, sollte vor dem Kauf unbedingt eine Probefahrt machen. Die Roller fallen unterschiedlich groß aus; wer lange Beine hat, behindert womöglich mit seinen Knien den Lenkeinschlag. Bei großen Rollern wiederum kommen kleinere Menschen nicht mit beiden Füßen auf den Boden.
Einige Roller sind nur im Internet bestellbar. Diese Scooter werden geliefert, die Endmontage (z.B. Montage der Spiegel) ist Sache des Kunden. Heißt: Eine Probefahrt ist hier nicht möglich. Servicepartner findet man oftmals nur in Großstädten.
Unbedingt überprüfen, wo der E-Roller aufgeladen werden kann: Modelle mit fest verbautem Akku lassen sich nur per Kabel an der Steckdose oder an Ladestationen aufladen. Dagegen können herausnehmbare Akkus bequem in der Wohnung Strom tanken und bieten so mehr Flexibilität.
Gut überlegen, welche Fahrstrecken tatsächlich anfallen: Wer mit der Reichweite in der Basisversion auskommt, kann auf Zusatzakkus verzichten und so eventuell viel Geld sparen.
Einige Städte bieten eine finanzielle Förderung beim Kauf eines E-Rollers an. Interessenten sollten sich vor dem Kauf bei ihrer Stadt informieren.
Man sollte die Wartungs- und Stilllegungshinweise der Hersteller befolgen, da der Akku bei mehrwöchiger Nichtnutzung (etwa über den Winter) und falscher Behandlung Schaden nehmen kann, was den Kauf eines teuren Ersatzakkus zur Folge haben kann. Bei einigen Herstellern erlöschen bei Nichteinhaltung zudem die Garantie bzw. Gewährleistung.
Hat der Roller eine eingetragene Höchstgeschwindigkeit von mindestens 60 km/h, darf man damit auch die Autobahn befahren. Allerdings sollte man dies nur in Ausnahmefällen machen, da die meisten Roller weniger als 90 km/h erreichen und man mit ihnen schnell zum Verkehrshindernis wird.
Weitere Modelle und Informationen
Elektroroller bis 80 km/h von ediMove
Erleben Sie die neue Beschleunigungsdimension der ediMove Elektroroller über 45Km/h bis fast 100 km/h. Weiterentwickelte kraftvolle Elektromotoren machen die leise Beschleunigung und Geschwindigkeiten möglich.
Futura Angry Hawk
Der Futura Angry Hawk ist als Testsieger der beste Elektroroller bis 80 Km/h. Das Modell bietet mit 4000 Watt eine starke Motorleistung, Beschleunigung und Steigfähigkeit. Die Reichweite von 100 Km ist genauso gut, wie seine Ausstattung. Zum Kauf gestattet die deutsche Firma Futura sogar eine Probefahrt.
Nova Motors INOA S6 Max
Bis zu 99 km weit kommt dieses Vorzeigemodell von Nova Motors. Mit seiner Motorleistung von 4.000 Watt und zwei Akkus kommt er jedoch nur auf 75 km/h. Zu seiner Ausstattung gehören eine Fernstartfunktion und eine Alarmanlage inklusive Diebstahlschutz.
Führerschein und Förderung
Es gibt eine Führerscheinpflicht für Leichtkrafträder, also auch E-Roller mit 80 km/h. Mit der Führerscheinklasse A1 dürft ihr sie fahren.
Wurden früher nur in vereinzelten Kommunen Elektroroller gefördert, so unterstützt jetzt der Bund den Kauf von Elektrorollern in Deutschland. Über die sogenannte THG Quote - gemeint ist Treibhausgas Quote - bekommt der Fahrzeughalte bis zu 350,- Euro Prämie pro Jahr. (Ja, Ihr habt richtig gelesen :). Aber es kommt auch auf die richtige Fahrzeugklasse an.
Technische Details
Reichweite
Der E-Roller 80 km/h ROBO-S kommt auf eine Reichweite von 100 km. Das ist auch die Strecke, die das Pendlerfahrzeug Romex R mit einer Vollladung beider Akkus schafft. Bei den Modelle von Nova Motors gibt es meist die Möglichkeit einen zweiten Akku einzuschieben und so die Reichweite zu verdoppeln.
Leichtkraftrad oder Kleinkraftrad?
Elektroroller mit einer maximalen Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 Km/h gelten als Mopeds und Roller mit bis zu 80 Km/h als Leichtkrafträder.
Leichtkrafträder sind Fahrzeuge mit einem Hubraum von max. 125 cm³ und einer Leistung bis zu 11 kW. Da es bei einem Elektroroller keinen Hubraum gibt, so gelten die max. 11 Kw.
Weitere interessante Modelle (Modelljahr 2025)
Der ADAC stellt die wichtigsten Neuheiten des Modelljahres 2025 vor. Mit Bildern, Infos, Daten und Preisen.
Honda CUV e:
Der futuristisch gestylte Stadtflitzer kombiniert einen 6 kW/8 PS starken Seitenmotor mit ein oder zwei jeweils 1,3 kWh großen Akkus. Die herausnehmbaren 48-Volt-Batterien erlauben zusammen eine Reichweite von gut 70 Kilometern. Der Fahrer kann zwischen den drei Fahrmodi Econ, Standard und Sport wählen. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Honda mit 83 km/h an. Dank der herausnehmbaren Akkus sind die Nutzer oder Nutzerinnen des CUV e: (CUV steht für Clean Urban Vehicle) nicht unbedingt auf einen Garagenstellplatz angewiesen. Die jeweils 10 Kilogramm schweren Batterien lassen sich problemlos in einer Etagenwohnung an der Haushaltssteckdose laden.
Sol Motors Pocket Rocket
Das Herzstück der Pocket Rocket bildet ein horizontales Rohr, auf dessen Oberseite sich ein Einzelsitz befindet, während in die vorderen und hinteren Enden jeweils der Scheinwerfer bzw. die Rückleuchte integriert ist. Mittig unter dem Oberrohr verläuft in V-Form ein dünneres Rohr, das die Fußrasten beherbergt und als Anlenkpunkt für die Hinterradführung dient. Diese besteht aus einer Zweiarmschwinge und zwei Federbeinen. Das Vorderrad wird durch eine Teleskopgabel geführt.
Niu MQi GT 100
Der Einspur-Stromer aus China flitzt leichtfüßig und mühelos durch Innenstädte, kann aber auch auf Landstraßen-Etappen überzeugen, denn der Roller erreicht echte 100 km/h. Damit zählt der MQi GT zu den schnellsten Elektrorollern überhaupt. In der Spitze ist sein E-Motor für 8,2 PS gut, als Dauerleistung gibt Niu immerhin noch 6,8 PS an. Seine Energie bezieht der Antrieb aus zwei Lithium-Ionen-Akkus mit je 1,87 kWh unter der Sitzbank, die je nach Fahr- und Streckenprofil eine realistische Reichweite von 80 Kilometern ermöglichen.
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