Ergonomischer Mountainbike Lenker Test: Sicherheit, Stabilität und Komfort

Der richtige Mountainbike-Lenker kann den Unterschied zwischen einem großartigen Erlebnis und einem frustrierenden Abenteuer ausmachen. Es gibt zahlreiche Stellschrauben, die Du nutzen kannst, um Dein Rad an Deine Bedürfnisse anzupassen.

SQlab bringt drei neue Lenker im Bereich Tour, Trekking und Komfort auf den Markt. Mit ihrem Konzept wollen die Ergonomie-Experten die Anzahl an möglichen Lenkerformen und Qualitätsstufen auf nur drei reduzieren. Und einen gemeinsamen Preis.

Kurzer Exkurs Fahrradlenker-Ergonomie

Mit dem Rise wächst der Backsweep und Downsweep. Das ergibt - bei dem Wunsch nach einer aufrechteren Sitzposition - immer die jeweils optimale, ergonomische Handgelenkstellung und maximale Entspannung für Nacken und Schultern. Der Rise oder die Lenkerhöhe erlauben eine individuelle Abstimmung der Sitzposition. Der Backsweep sorgt für einen geraden Übergang vom Unterarm zur Hand und vermindert einschlafende oder taube Finger. Der Downsweep sorgt für eine natürliche Haltung der Ellenbogen, die die Nacken- und Schultermuskulatur entspannt.

  • Backsweep = Biegung nach hinten
  • Downsweep = Biegung nach unten
  • Rise = Lenkererhöhung

Welche Lenkerbreite für welchen Einsatzbereich?

Der erste Schritt ist die Wahl der Lenkerbreite. Je breiter der Lenker, desto größer ist der physikalische Hebel: Mehr Druck, mehr Kontrolle und präzisere Lenkbewegungen sind die Folge.

Deshalb sind die MTB-Lenkerbreiten in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Als Faustregel gilt: je technisch anspruchsvoller und abfahrtslastiger der Einsatzbereich, desto breiter der Lenker. Cross-Country- oder Marathon-Racer sind oft mit Lenkerbreiten zwischen 700 und 740 mm unterwegs. An Trailbikes und Enduros wird gern zwischen 740 und 780 mm für eine ausgewogene Mischung aus Kontrolle und Manövrierfähigkeit gefahren, während Downhill- und Freeride-Mountainbiker für die volle Kontrolle gern 780 mm und breiter fahren - bis hin zu 820 mm.

Je breiter die Schultern, desto breitere Lenker lassen sich bequem greifen. Ist Dir der Lenker zu breit, kannst Du ihn meist problemlos um einige Zentimeter kürzen.

Was bedeutet Rise beim Mountainbike-Lenker?

Wie die Lenkerbreite wird auch der Rise, bzw. die Steigung eines Lenkers meist in Millimetern angegeben, nur sehr selten in Zoll. Der Begriff bezeichnet den Höhenunterschied zwischen Lenkermitte und Griffbereich. Lenker ohne Rise werden auch Flatbar genannt, solche mit Steigung eben Riser-Lenker oder Riser-Bar.

Der gebräuchlichste Rise liegt zwischen 10 mm und 30 mm, bei mehr spricht man von High-Risern. Mit dem Lenker-Rise kannst Du relativ einfach Deine gewünschte Cockpit-Höhe an Stack-Höhe, Steuerrohrlänge und Gabel-Einbauhöhe Deines Bikes anpassen. Ein höheres Cockpit macht die Sitzposition entspannter und reduziert Überschlaggefühle, wenn es steil bergab geht.

Expertentipp: Ein High-Riser ist im Vergleich zu Spacern unter dem Vorbau oft die bessere, weil steifere Alternative, wenn man das Cockpit höherlegen möchte.

Was heißt Upsweep beim MTB-Lenker?

Eng zusammen mit dem Rise hängt der Upsweep. Dieser Begriff bezeichnet die Biegung des Lenkers nach oben, gemessen in Grad zwischen der Mittelachse des Lenkers und dem Griffbereich.

Werte zwischen drei und acht Grad sind üblich. Weil der Upsweep stark mit Lenkerbreite und Rise zusammenhängt, geben manche Hersteller ihn nicht separat an.

Was ist der Backsweep beim Mountainbike-Lenker?

Spannender ist der Backsweep. Wieder ein Winkel, diesmal die Biegung des Lenkers nach hinten. Ergonomisch gesehen eröffnet der Backsweep eine breite Spielwiese.

Ein Lenker mit einem geringen Backsweep zwischen 5° und 8° erleichtert eine dynamisch angewinkelte Ellenbogenposition direkt aus dem Fahrtechniklehrbuch und sorgt so für viel Kontrolle über das Vorderrad und viel Bewegungsfreiheit beim Wegschlucken von Wellen oder Drops. Hersteller wie Syntace oder SQlab bieten deshalb Modelle mit einem relativ hohen Backsweep von 12° oder 16° an, die für eine natürliche Handposition sorgen.

Welche Vorteile bieten MTB-Lenker aus Carbon?

Wie beim Rahmenmaterial dominieren auch beim Lenker die Werkstoffe Carbon und Aluminium die MTB-Welt. Er kann aber auch mit mehr Eigendämpfung entwickelt werden, um Vibrationen zu filtern, was zu weniger Ermüdung führt. Carbon ist allerdings auch teurer als Aluminium.

Da das Material empfindlich auf eingedrückte oder geknickte Fasern reagiert, ist ein Drehmomentschlüssel hier Pflicht. Außerdem ist Carbon-Montagepaste sehr nützlich, um die benötigten Klemmkräfte zu reduzieren.

Welche Vorteile haben MTB-Lenker aus Aluminium?

Auch Alu ist ein hervorragendes Lenkermaterial. Mit Aluminium lassen sich bei vertretbarem Gewicht sehr steife Lenker bauen, die zudem bei Stürzen oder intensiver Belastung unempfindlicher sind.

Zudem ist Aluminium nahezu beliebig oft recycelbar und damit trotz der relativ hohen Energiekosten bei der Herstellung ein recht umweltfreundlicher Werkstoff. Nicht zuletzt sind Aluminium-Lenker günstiger.

SQlab Lenker Modelle

SQlab Lenker 310

Den 310 3.0 beschreibt SQlab als Fahrradlenker für ein komfortorientiertes Mountainbike, das auf Touren und in leichtem Gelände eingesetzt wird ebenso wie für Urban- und Fitnessbikes. Mehr Stabilität trotz starker Biegungen, die für die Ergonomie entscheidend ist, das war das Entwicklungsziel des Herstellers.

Beim Lenker 310 3.0 sorgen 18 Grad Backsweep für einen geraden Übergang von Unterarm zur Hand und entlastet Schultern und Nacken.

  • Einsatzbereich: MTB Tour & Travel
  • Klemmung: 31,8
  • Material: Aluminium
  • Preis: 99,95 €

Lenker 302 von SQlab

Für Trekkingräder hat SQlab den Lenker mit der Bezeichnung 302 entwickelt. Dabei sorgt der Rise für eine aufrechtere Sitzposition auf dem Rad. Der Downsweep bietet Entspannung für Nacken und Schultern. Mit seiner Breite von 700 Millimetern soll er für Sicherheit und Stabilität sorgen.

Damit zwischen Hand und Unterarm kein Knick entsteht, der für Taubheitsgefühle oder einschlafende Finger verantwortlich sein kann, hat SQlab dem Lenker einen Backsweep von 24 Grad spendiert. Hinzu kommt ein 15 Grad Downsweep, durch den die Haltung auf dem Trekkingbike ergonomisch und entspannt werden soll.

  • Einsatzbereich: Trekking
  • Klemmung: 31,8
  • Material: Aluminium
  • UVP: 99,95 €

SQlab 321 - der City-Fahrradlenker

Mit dem Fahrradlenker 321 hat SQlab einen Citylenker im Programm für all diejenigen, die eine sehr aufrechte Sitzposition bevorzugen. Der große Backweep von 35 Grad lässt die Arme in eine natürliche Position finden.

SQlab aus Taufkirchen bei München verspricht die höchste Stufe an Sicherheit, da alle Comfortlenker nach MTB-Standard gefertigt seien. Hinzu kommt, dass die Lenker beim Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -sicherheit das Prüfprotokoll für Downhill-Lenker bei einem maximalen Systemgewicht (Fahrrad, Mensch & Gepäck) von 180 Kilogramm bestanden haben.

Die drei neuen Lenker sollen Radfahrerinnen und Radfahrern Sicherheit und Stabilität bieten, die Haltung auf dem Rad ergonomisch gestalten und taugen allesamt auch für den Einsatz am E-Bike.

NEWMEN Handlebar Advanced 318.25 VGS Carbon-Lenker

NEWMEN nennt die Technologie zur Breitenverstellung „VariGrip“ (VGS). Der Lenker besitzt zwei einlaminierte Innengewinde-Stücke in den Lenkerenden. Die dazu passenden NEWMEN VGS-Griffe mit dem entsprechenden Außengewinde lassen sich in verschiedenen Abständen auf den Lenker aufschrauben und damit die Lenkerbreite variieren.

NEWMEN bietet nicht nur einen, sondern gleich mehrere VariGrip-Lenker an, sowohl als Handlebar Evolution SL 318.25 VGS-Aluminiumvariante als auch in der von uns getesteten Carbon-Version Handlebar Advanced 318.25 VGS.

Alle Lenker kommen mit 31,8 mm Durchmesser an der Klemmung, eine 35-mm-Variante ist in Planung. Die Lenker sind um je 8° Backsweep und 8° Upsweep nach hinten und oben gekrümmt. Bei der Breite darf man zwischen zwei Modellen wählen, die entweder 710-760 mm oder 760-810 mm abdecken. Je nach Breite stehen zudem Modelle mit 10, 25 oder 40 mm Rise zur Verfügung.

Die Lenkerbreite lässt sich um 50 mm variieren, somit lässt sich die Griffposition pro Seite um 25 mm anpassen. Das M15x1,5-Gewinde hat eine Steigung von 1,5 mm. Auf den Lenkerenden ist eine Skala eingraviert, die es besonders einfach macht, die passende Breite zu finden.

Im Bereich der Vorbauklemmung ist der Lenker leicht aufgeraut, was für etwas mehr Reibung und einen sicheren Sitz sorgt.

Überblick: MTB-Lenker im Test

Hier ist ein Überblick über einige der im Test erwähnten MTB-Lenker:

Marke Modell Material Breite Besonderheiten
SQlab 310 3.0 Aluminium Variabel Ergonomisch geformt, für Touren und Urban Bikes
SQlab 302 Aluminium 700 mm Für Trekkingräder, aufrechtere Sitzposition
SQlab 321 - - Citylenker, sehr aufrechte Sitzposition
Race Face SixC Carbon 800 mm Breit, leicht, stabil
Renthal Fatbar Carbon Variabel Leicht, stabil, verschiedene Ausführungen
NEWMEN Handlebar Advanced 318.25 VGS Carbon 760-810 mm Breitenverstellbar, VariGrip Technologie

Die Auswahl des richtigen Mountainbike-Lenkers beeinflusst maßgeblich das Fahrgefühl und die Kontrolle auf dem Trail. Wichtig sind mehrere Faktoren, darunter Breite, Material und Ergonomie.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0