Dass Fahrradfahren gesund ist, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Radfahren ist nicht nur Fortbewegung, sondern auch Sport. Welche Rolle aber spielt die Ernährung und wie kannst du mit ihr deine Leistungsfähigkeit auf dem Rad erhöhen? Dein Körper verbraucht enorme Mengen Energie, während du in die Pedale trittst.
Grundlagen der Ernährung beim Radfahren
Kohlenhydrate stellen die wichtigste Energiequelle für deine Ernährung auf einer Radtour und generell im Radsport dar. Die Leistungsfähigkeit, die Regeneration und die Trainingsanpassung werden durch sie beeinflusst. Proteine (Eiweiße) sind die Bausteine vieler Körperstrukturen wie Muskulatur, Sehnen und Bänder. Sie helfen dabei, Muskelmasse aufzubauen und zu erhalten und können so zu einer vorteilhaften Körperzusammensetzung beitragen. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist somit essentiell, um durch Training zerstörte Strukturen zu reparieren und die gewünschten Anpassungsprozesse zu fördern.
Der Anteil an Fetten in der Ernährung sollte kleiner ausfallen als der Anteil von Kohlenhydraten und Proteinen. Fette sind jedoch sehr wichtig für die Hormonproduktion, dienen als Wärmeschutz und verbessern die Aufnahme von Vitaminen. Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe gehören ebenso zu einer ausgewogenen Ernährung. Sie mindern Entzündungsprozesse und fördern die Produktion von roten Blutkörperchen.
Alle diese Nährstoffe sind für Sportler wichtig, um das Training durch die passende Ernährung zu optimieren. Je nach Fitness, Ziel und Trainingsumfang sollten die Mengen der jeweiligen Nährstoffe auf den Trainingsplan individuell abgestimmt werden. Zudem ist es sinnvoll, sich zu überlegen, wann man welche Nahrungsmittel isst.
Woher kommt eigentlich die Energie zum Radfahren?
Wenn du größtenteils in höheren Herzfrequenzbereichen (also zunehmend anaerob) unterwegs bist, verbrennt dein Körper anteilig mehr Kohlenhydrate als Fett. Dein Organismus bedient sich dabei zunächst aus den Kohlenhydratspeichern in deiner Leber und deiner Muskulatur. Das funktioniert natürlich nur, wenn dort entsprechende Vorräte zu finden sind, d. h. wenn Glycogen eingelagert wurde. Ist das Glykogen darin aufgebraucht, merkst du das durch Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Muskelkrämpfe.
Fährst du mit moderatem Tempo und kannst überwiegend entspannt atmen und quatschen, muss dein Fettstoffwechsel ran. Sonst geht dein Organismus automatisch den einfacheren Weg und verbrennt zunächst die vorhandenen Kohlenhydratmoleküle. Der Haken an der Sache: Wenn dein Körper auf Fett (streng genommen sind’s nur die Fettsäuren) zurückgreifen soll, dürfen keine attraktiven Mengen an Kohlenhydraten angeboten werden.
Proteine bzw. Aminosäuren nutzt dein Körper nur im Notfall, um Energie bereitzustellen. Extreme Trainings- oder Wettkampfbelastungen können genau diese Situation erfordern. Das hat zur Folge, dass sich deine Regenerationszeit verlängert. Parallel kommt’s auf die Zufuhr von Eiweiß mit der Nahrung an.
Ernährung im Alltag für Radfahrer
Grundsätzlich gilt im Radsport wie im Alltag, eine ausgewogene Ernährung anzustreben. Auf dem Speiseplan könnten folgende Nahrungsmittel stehen, um gut versorgt zu sein:
- 5 Portionen (Handgröße) Obst und Gemüse (ca. 500g) pro Tag
- Regelmäßig Vollkornprodukte (insbesondere an sportfreien Tagen)
- Regelmäßig Seefisch
- Rotes Fleisch <300g pro Woche
Folgende Lebensmitteln sollten möglichst vermieden werden:
- Wurstwaren
- Süße Getränke
- Hochverarbeitete Lebensmittel
- Alkohol
Um eine ausgewogene Radsport-Ernährung zu ermöglichen, könnte man folgende Lebensmittel im Haushalt vorrätig haben, damit man sich eine Mahlzeit schnell und ohne großen Aufwand zubereiten kann:
- Saisonales und regionales Obst und Gemüse
- Haferflocken
- Dinkelmehl
- Couscous
- Naturreis
- Quinoa
- Nudeln
- Linsen
- Hirse
- Dinkelbrot/Sauerteigbrot
- (Süß)Kartoffeln
- Olivenöl
- Balsamico
- Ahornsirup und/oder Honig
- Getrocknete Datteln
- Trockenfrüchte nach Wahl
- Nussmischung
- Kürbiskerne
- TK Früchte
- Gehackte Tomaten
- Kichererbsen
- Kidneybohnen
- Aus dem Kühlregal:
- Joghurt
- Magerquark
- Fetakäse
- Mozzarella
- Hüttenkäse
- Eier
- Fisch/Fleisch
Das Richtige vor dem Radfahren essen
Isst man die Tage vor einer längeren Radausfahrt (>1,5h) kohlenhydratreich, so werden die Kohlenhydratspeicher gefüllt sein. Mit einem ausgewogenen Frühstück werden die Glykogenspeicher noch einmal aufgefüllt. 2-3 Stunden vor dem Start kann ein Frühstück mit Haferflocken und Banane oder 5-6 Scheiben Toast mit Marmelade hilfreich sein. Soll es etwas Herzhaftes sein, ist der typische Teller Nudeln mit Tomatensauce oder Reis mit etwas Salz und Olivenöl empfehlenswert.
Um nicht nach kurzer Zeit aufgrund von Magen-Darm Problemen vom Rad absteigen zu müssen, ist es hilfreich, folgende Dinge bei der Mahlzeit vor der Ausfahrt zu vermeiden:
- Konzentrierte Nahrungsmittel
- Hoher Fettanteil
- Individuelle Unverträglichkeiten
- Erhöhte ballaststoffreiche Nahrungszufuhr
Vorher: Kohlenhydrate und Koffein. Wer ein Rennen oder eine anstrengende Tour vor sich hat, der sollte sich mit der Aufladung seiner Kohlenhydratspeicher beschäftigen. Die Kohlenhydrat-Aufladung, auch als Carb-Loading bekannt, ist eine Methode, um die Glykogenspeicher in den Muskeln vor einem Wettkampf oder auch sehr intensiven Trainingstagen zu maximieren.
Dies geschieht in der Regel in den letzten drei Tagen vor dem Wettkampf oder einer längeren, anstrengenden Radtour. Am Tag des Wettkampfs oder einer langen Tour sollte das Frühstück leicht verdaulich und kohlenhydratreich sein. Es ist ratsam, das Frühstück etwa drei bis vier Stunden vor dem Start zu sich zu nehmen, um genügend Zeit für die Verdauung zu haben.
Ernährung während der Radtour
Damit du während einer längeren Radtour nicht an Energie verlierst, ist es wichtig, regelmäßig nachzutanken. Ideal sind schnell verfügbare Kohlenhydrate - etwa in Form von Bananen, getrockneten Früchten oder Honigwaffeln. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: Sie sind kompakt, leicht zu transportieren und voller Energie. Ideal sind Produkte, die sowohl schnelle (kurzkettige) als auch langsam (langkettige) freisetzende Kohlenhydrate enthalten.
Während der Pausen gilt es Mahlzeiten zu wählen, die ballaststoff- und fettarm sind (z.B. Reis, Nudeln oder Kartoffeln). Am besten ist es, die jeweiligen Lebensmittel vor der Tour zu testen, ob der Magen-Darm Trakt sie gut verträgt und ob sie schmecken.
Gerade für Hobbysportler sind diese Riegel perfekt geeignet, da sie die notwendigen Kohlenhydrate in abgepackter Form bereitstellen und du dir während der Tour bezüglich der Mahlzeiten keine großen Gedanken machen musst. Je nachdem wie lang und intensiv die Ausfahrt wird, solltest du vorher überlegen, welches Getränk du mitnehmen möchtest. Wir wollen die folgende einfache Möglichkeit an die Hand geben, die sich bewährt hat:
Ist es eine lockere Ausfahrt geplant, bei der du ständig sprechen kannst und welche nicht länger als zwei Stunden dauert, kannst du das SLOW CARB verwenden. Ist es jedoch eine intensivere Ausfahrt, bei der Atmen und Sprechen zeitgleich nicht mehr so gut funktionieren, greifst du besser zum FAST CARB (da hier mehr Kohlenhydrat zugeführt werden und diese schneller ins Blut gehen).
Strategisch heißt das: Körpereigene Kohlenydratspeicher unterwegs nur anteilig nutzen und idealerweise langsam aufbrauchen. Das gelingt wiederum nur dann, wenn du unterwegs kohlenydrathaltige Snacks und/oder Gerichte zu dir nimmst. Generell empfiehlt es sich, zu Beginn der Fahrt eher Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, die den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lassen - von fest zu flüssig und aus verschiedenen Quellen.
Unterschiedliche Zuckerarten transportiert der Körper nämlich über verschiedene Transportsysteme in den Darm. Am schnellsten ist der Transporter für Maltose, Maltodextrin, Glukose und Sukrose, sie haben die höchste Aufnahmerate, belasten in größeren Mengen den Verdauungstrakt aber auch stärker. Etwas langsamer landen Fruktose, Galaktose und Isomaltulose im Darm. Sinnvoll ist eine Mischung aus verschieden „schnellen“ Kohlenhydraten, als ideal gilt ein Glukose-Fruktose-Mix von 2:1.
Trinken: Bei Hitze wichtig, bei Kälte auch. Schon eine Dehydrierung von vier Prozent schränkt die Ausdauerleistung ein, stellte eine aktuelle britische Studie fest. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Radsportler deshalb schon „in den ersten eineinhalb bis zwei Stunden regelmäßig trinken“. 500 Milliliter Flüssigkeit pro Stunde sollten es sein. Im Grunde reicht Wasser mit einer Messerspitze Kochsalz, um den Mineralverlust durchs Schwitzen auszugleichen.
Wichtig ist, die übers Getränk aufgenommene Energie mit der aus Gel, Riegel und Co. zu verrechnen, sonst wird es schnell zu viel. Um die zu vermeiden, sollte ein Sportgetränk als leicht hypoton (weniger gelöste Teilchen als im Blut) oder isoton (gleich viele gelöste Teilchen wie im Blut) ausgezeichnet sein. Eine Schorle, die aus einem Teil Saft und zwei Teilen Wasser besteht, gilt als isoton.
Ernährung nach der Radtour
Gerne belohnt man sich nach einer Ausfahrt, aber man sollte auch einen kritischen Blick auf die Belohnung werfen. Nach dem Radfahren gibt es eine Stunde lang das sogenannte „Open Window“, in welchem der Körper besonders aufnahmefähig für Nährstoffe ist: Jeder Mensch profitiert von der richtigen Kombination von Kohlenhydraten und Proteinen, um schneller regenerieren zu können. So werden die beanspruchten Muskelgruppen bei der Regeneration unterstützt und Muskelverletzungen vorgebeugt.
Egal wie gut Sie sich unterwegs verpflegen, Sie werden auf langen Strecken nicht die gesamte Menge an verbrauchten Kalorien über Gels und Co. wieder aufnehmen können. Dieses Defizit beginnen Sie bestenfalls möglichst bald nach der Zieleinfahrt oder dem Ende der Trainingseinheit auszugleichen. „Eine Milch mit Kakao ist dafür schon mal super“, sagt Christian Kramer. Die lässt sich leicht aufnehmen, weil man nicht kauen muss, liefert schnell verfügbare Kohlenhydrate und Eiweiß.
Sich wahllos den Inhalt des Süßigkeitenschranks einzuverleiben oder die Speisekarte des Fast-Food-Restaurants rauf und runter zu bestellen, ist dagegen ernährungstechnisch wenig sinnvoll, und außerdem ist „Heißhunger nach der Belastung auch ein Anzeichen dafür, dass man unterwegs zu wenig Energie aufgenommen hat“.
Der Stopp im Biergarten auf der Radtour
Bei der Freizeit-Radausfahrt ist der Biergarten-Stopp oft eine passende Gelegenheit, den Tag Revue passieren zu lassen. Oft wird jedoch nicht bedacht, dass Alkohol ein Zellgift ist, welches die Regeneration negativ beeinflusst. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt als maximal verträgliche Menge pro Tag 10 Gramm Alkohol für Frauen und 20 Gramm für Männer. Bevor man dennoch Alkohol trinkt, ist es zumindest empfehlenswert, zunächst etwas zu essen, um den Körper mit Kohlenhydraten und Proteinen zu versorgen.
7 Tipps zur Verpflegung auf längeren Radtouren
Hier kommen 7 Tipps zur optimalen Verpflegung auf längeren Tagestouren mit dem Rad:
- Überlege dir vorher, wo du dir (im Notfall) unterwegs etwas zu trinken und zu essen kaufen kannst. Pack’ dir etwas Kleingeld ein.
- Notration nicht vergessen: Ein Riegel oder eine Hand voll Nüsse und Trockenfrüchte oder eine Banane passen in jede Trikottasche.
- Frühstücke reichlich und ausgewogen.
- Befülle deine Trinkflasche(n). Wenn du zwei Flaschenhalter am Rad hast, nimm’ stilles Wasser (bevorzugt mineralstoffreicher) und ein isotonisches Getränk mit.
- Plane auf längeren Radtouren bzw. Tagestouren nach ca. 2 Stunden Fahrtzeit einen Snack und nach 4 Stunden eine Mahlzeit ein.
- Wenn du unterwegs einkehrst: Bevorzuge Gerichte mit reichlich Kohlenhydrat- und Proteinlieferanten.
- Verzichte unterwegs auf Alkohol. Deine Reaktionsfähigkeit wird’s dir danken. Dein Flüssigkeitshaushalt ebenso.
5 Take Home Message
Folgende Ratschläge solltest du im Alltag beachten, um eine gute Grundlage für einen gesundheitsbewussten Radalltag zu legen:
- Bevorzuge im Alltag hochwertige Grundnahrungsmittel und versuche, 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen (1 Portion entspricht der Größe der Hand)
- Starte Radtouren mit vollen Kohlenhydratspeichern: Vorher gut essen (Fette & Ballaststoffe vermeiden)
- Gerade bei längeren Touren helfen Riegel und Sportgetränke, um länger durchhalten zu können
- Verpflege dich nach der Tour mit Kohlenhydraten und Proteinen
- Alkohol wenn dann in Maßen genießen (und vorher essen!)
Richtwerte für die Nährstoffaufnahme
Hier sind einige Richtwerte für die Nährstoffaufnahme, die Radsportler beachten sollten:
- Protein: 1,2 bis 1,7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich, um den Muskelerhalt zu unterstützen.
- Kohlenhydrate: 5 bis 7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich, idealerweise in Form von komplexen Kohlenhydraten.
- Fett: 0,6 bis 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
- Kohlenhydrate während der Tour: Mindestens 30 Gramm pro Stunde bei Touren, die länger als eine Stunde dauern.
Jeder Körper ist anders - teste deine Verpflegung vorab und finde heraus, was dir am besten schmeckt und bekommt. Wir sind uns sicher, dass du den Unterschied merken wirst. Und nicht vergessen: Geschmäcker, Vorlieben und Verträglichkeiten sind von Mensch zu Mensch verschieden. Probiere es einfach mal aus.
Tabelle: Ernährungsplan für einen Wettkampftag
| Zeitpunkt | Mahlzeit/Getränk | Zweck |
|---|---|---|
| 3-4 Stunden vor dem Wettkampf | Haferflocken mit Banane und Honig, Apfelsaft, Wasser | Auffüllen der Glykogenspeicher, ausreichende Flüssigkeitszufuhr |
| 30-60 Minuten vor dem Start | Energieriegel oder Banane, Wasser | Schnelle Energiezufuhr |
| Während des Wettkampfs (alle 20-30 Minuten) | Energieriegel oder Gel, Stück Obst | Konstanter Energiefluss |
| Während des Wettkampfs (alle 15-20 Minuten) | Isotonisches Sportgetränk | Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr |
| Nach dem Wettkampf (innerhalb 30 Minuten) | Mischung aus Kohlenhydraten und Proteinen | Schnelle Regeneration, Auffüllen der Glykogenspeicher |
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