Der Albtraum eines jeden Radfahrers: Ein Autofahrer reißt plötzlich seine Tür auf, der Radfahrer knallt rein oder wird auf die Fahrbahn geschleudert. Solche Dooring-Unfälle sind sehr gefährlich und kommen immer häufiger vor. In der Crashanlage des ADAC Technik Zentrums Landsberg wurde 2021 dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen.
Der Fahrradhelm mit dem Namen Hövding ist eine wahre Revolution auf dem Markt. Das Produkt wurde im Jahr 2005 von zwei Industriestudentinnen aus Schweden erfunden und weiterentwickelt. Letztlich dauerte es aber sieben Jahre, um den schützenden Airbag als zertifiziertes Produkt zu verkaufen. Bis heute sind über 60.000 Modelle für Fahrradfahrer vertreten, die mehr als 1.000 von ihnen schon bei einem Sturz geschützt haben. Ziel ist jedoch nicht allein die Sicherheit der Radfahrer. Vielmehr ging es darum, einen Helm zu entwickeln, den wirklich jeder gern trägt.
Funktionsweise und Vorteile des Hövding Airbag-Helms
Du trägst diesen besonderen Fahrradhelm nicht wie andere Modelle. Der Airbag wird um den Nacken gelegt und erkennt über eine spezielle Sensorik die Bewegungsabläufe beim Radfahren. Kommt es zu einem Unfall, bläst er sich innerhalb von 0,1 Sekunden auf und umschließt den Kopfbereich und den Halsbereich. Selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten und bei weiten Stürzen liegt der Kopf sicher im Luftpolster.
Im Nacken befindet sich ein Kaltgasgenerator. Er füllt den Airbag im Ernstfall mit Helium. Dadurch entsteht eine Art Kapuze, die sich schützend um den Kopf legt und das Sichtfeld frei lässt. Gefertigt ist das Produkt aus einem hoch resistenten Nylonstoff. Das bedeutet: selbst bei sehr spitzen oder rauen Oberflächen reißt das Material nicht ein. Der Helm bietet die Sicherheit also immer genau dann und an den Stellen, wo sie nötig ist. Verletzungen an der Schädeldecke, am Nacken und im Halsbereich werden vermieden.
Kernpunkt der Funktionsweise ist die Sensorik. Schließlich muss der Fahrradhelm genau erkennen, wann er aufgehen muss und wann nicht. Eine rasante Fahrt durch das Gelände ist dann also kein Problem und der Airbag bleibt geschlossen. Bei einem Sturz jedoch löst er sofort aus, obwohl ähnliche Erschütterungen herrschen. Die Sensorik besitzt einen speziellen Algorithmus, der jahrelang entwickelt und in unzähligen Tests ausprobiert wurde. Bis zu 200 Mal in der Minute werden deine Bewegungen erfasst und mit den gespeicherten Mustern verglichen.
Im Kragen befindet sich der eingebaute Airbag. Das Gewebe bewahrt ihn vor äußeren Einflüssen und Feuchtigkeit. Für eine formschöne Optik wurde zusätzlich ein modischer Überzug entwickelt. Da du am Halsbereich vermutlich auch beim Radfahren schwitzen wirst, kannst du diesen Schutzüberzug einfach abnehmen und in der Maschine waschen. Interessant ist auch die Gewichtsverteilung. Das heißt: er ist im hinteren Bereich etwas schwerer, damit er bei bestimmter Belastung eher auf dem Rücken aufliegt, zum Beispiel beim Vorbeugen.
In jedem Hövding ist ein Akku eingearbeitet, der etwa 10 - 15 Stunden hält. Danach muss er wieder aufgeladen werden. Im ausgeschalteten Zustand hält der Akku sogar bis zu 36 Tage. Energie verbrauchen in erster Linie die Sensoren, da sie ständig aktiv sind. Über den On-Schalter prüfst du problemlos den Akkustand. Die LED-Anzeige gibt an, wie gut der Akku geladen ist. Außerdem gibt es ein Tonsignal bei einem zu geringen Batteriestand. Das Laden erfolgt über USB-Ladekabel. Bei kompletter Entladung muss der Helm etwa 6 Stunden am Kabel hängen.
Der Hövding kann unabhängig vom Körpergewicht eingesetzt werden. Allerdings ist er nur bis zu einem Kopfumfang von 59 cm nutzbar. Vom Kopfumfang her ist der Fahrradhelm für alle Größen zwischen 52 und 59 cm ausgelegt. Kinder dürfen das Produkt noch nicht tragen.
Die einfachen Fahrradhelme dieser Art besitzen ein einfaches schwarzes Design. Zunächst würde man kein Fahrradhelm hinter diesem Modell vermuten. Immerhin ist der Helm auf diese Weise auch im Sommer zu tragen. Mittlerweile gibt es aber viele bunte Designs. Die bunten Designs sind viel besser an dein Outfit anzupassen. Hier wirkt es teilweise, als ob du einen Schal trägst oder ein modisches Tuch. Entscheide selbst, welcher Look dir besser steht.
Der Hövding Helm 2.0 bewahrt dich mit seinem Airbag bei den unterschiedlichsten Unfällen im Straßenverkehr. Die Sensoren erkennen einen Sturz oder Aufprall sofort und schon bläst sich der Airbag auf. Das Besondere: die Hülle reicht um den Kopf- und den Halsbereich. Damit sind also auch die oberen Halswirbel gut geschützt. Aktiviert wird der Helm über einen kleinen Druckknopf kurz vor dem Losfahren. Du legst den Airbag um deinen Hals und schließt den Reißverschluss. Auf den ersten Blick ist es eine erweitere Jacke oder ein Schal, den du trägst. Er sichert dich jedoch deutlich besser vor Verletzungen als ein einfacher Fahrradhelm.
Hier sind einige der wichtigsten Vorteile des Hövding Airbag-Helms:
- Besserer Schutz des Kopfes und des Halsbereichs im Vergleich zu herkömmlichen Helmen.
- Freies Sichtfeld.
- Kein Schwitzen unter Kunststoff und Hartschaum.
- Modische Designs.
Hövding 3 im ADAC-Test
Mit 18 km/h fährt Stuntman Paul Wilk auf die geöffnete Autotür zu, prallt mit seinem Fahrrad gegen die Tür, hechtet drüber und landet nach einer Rolle vorwärts auf dicken blauen Gymnastikmatten. Im Flug hat mit einem lauten Knall der Hövding ausgelöst, umschließt und schützt seinen Kopf - optisch erinnert der entfaltete Airbag an eine Trockenhaube für den privaten Gebrauch. Auf den Aufnahmen der Spezialkamera erkennt man im Zeitraffer, dass sich der Airbag komplett geöffnet hat, als Stuntman Wilk etwa drei Viertel seines Saltos hinter sich hat.
"Der Airbag hat sich innerhalb kürzester Zeit, nach 80 Millisekunden, voll entfaltet", sagt Michael Peuckert, ADAC Projektleiter für Produkttests. Eine Untersuchung der Universität Straßburg bescheinigt dem Hövding einen sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen. Das kann ADAC Experte Peuckert bestätigen: "Wenn ich nach vorn oder zur Seite falle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auslöst und schützt, sehr hoch." Gut sei auch, dass der Hövding sich sehr schnell entfaltet.
Schwächen und Einschränkungen
Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm", schränkt Peuckert ein, "zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel." Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss. Peuckert: "Der Helm ist immer da, bietet sozusagen ab Millisekunde 0 vollen Schutz."
Der Hövding 3 wurde im Rahmen des großen ADAC Fahrradhelm-Tests außer Konkurrenz getestet und erhält daher kein ADAC Urteil. "Ein spannendes Produkt mit einer sehr hohen Schutzfunktion vor Kopfverletzungen, wenn er sich voll entfaltet hat", sagt Peuckert, der auch bei der Ausstattung Stärken sieht. So lässt sich der Airbag-Kragen auf den Halsumfang des Trägers einstellen, man kann den Bezug wechseln, der Akkustand wird per LED angezeigt und eine App ist verfügbar.
Als größte Schwäche sehen die Tester, dass der Airbag-Kragen bauartbedingt nicht in jeder Unfallsituation schützen kann. Dazu kommt der im Vergleich zu Helmen eingeschränkte Tragekomfort.
Hier sind einige der wichtigsten Schwächen des Hövding Airbag-Helms:
- Nicht in allen Unfallsituationen optimaler Schutz.
- Eingeschränkter Tragekomfort im Vergleich zu herkömmlichen Helmen.
- Benötigt Akku.
Alternativen zum Hövding
Ein Sicherheitssystem, das Kopf, Nacken und Oberkörper schützt und das selbst ohne Fahrradhelm? Mase will mit dem innovativen Airding einen neuen Standard in Sachen Unfallschutz auf dem E-Bike bieten. Manch einem mag die Idee bekannt vorkommen - und tatsächlich erinnert der neue Mase-Airbag-Rucksack an den Airbag-Kragen des schwedischen Herstellers Hövding. Die deutsche Firma Mase hat nun ein Schutzsystem entwickelt, das aktuell wohl die bestmögliche Sicherheit für Fahrradfahrer bietet.
Mit der neuen Mase Airding-Serie hat das Unternehmen Minerva-AS aus Erding (Mase) gerade eine echte Hövding-Alternative vorgestellt. Diese gibt es in drei unterschiedlichen Ausführungen: Der neue Airride sowie der Airtour sind eine Ergänzung zum klassischen Helm und schützen zusätzlich Gesicht, Halswirbelsäule, Schlüsselbeine, Schultern und den Oberkörper. 300-mal pro Sekunde misst der Airride Ihre Position, die Beschleunigung und Bewegungen auf dem E-Bike. Diese Daten werden von einem eigens entwickelten Algorithmus analysiert, um Stürze zu erkennen. Im Falle eines Falles bläst sich der Airbag dann in nur 150 Millisekunden auf und schützt so vor Verletzungen.
Für alle, die komplett auf den Helm verzichten wollen, ist dagegen der Aircruise die passende Alternative. Dieser schützt Gesicht, Halswirbelsäule, Schlüsselbeine sowie den Oberkörper - insbesondere die Schultern - und schmiegt sich nah an Kopf und Schultern an.
Eine andere Alternative zum Hövding hat das Berliner Innovationsbüro nFrontier entwickelt: den Helm Pylo. Seine Besonderheit: Er beherbergt einen Airbag für das Gesicht. „Bisherige Helme bewahren bestenfalls vor Schädel-Hirn-Traumata“, erläutert Co-CEO Daniel Büning. „Verletzungen im Gesicht kommen aber viel häufiger vor. Die Funktionsweise: Integrierte Beschleunigungssensoren überwachen laufend die Bewegungen des Radlers.
Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Alternativen zusammenfasst:
| Produkt | Hersteller | Schutzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Hövding 3 | Hövding | Kopf und Nacken | Airbag-Kragen, der sich bei einem Sturz aufbläst |
| Mase Airding Airride | Minerva-AS | Gesicht, Halswirbelsäule, Schlüsselbeine, Schultern und Oberkörper | Ergänzung zum klassischen Helm, nachhaltig durch austauschbaren Inflator |
| Mase Airding Aircruise | Minerva-AS | Gesicht, Halswirbelsäule, Schlüsselbeine sowie den Oberkörper | Alternative für Helmmuffel |
| Pylo | nFrontier | Gesicht | Airbag für das Gesicht, 3D-gedruckte Wabenstruktur |
Insolvenz von Hövding und Ausblick
Im Dezember 2023 überschlugen sich plötzlich die Ereignisse und führten zum Crash von Hövding, des europaweit bekannten schwedischen Herstellers für den alternativen Kopfschutz beim Radfahren. Ein neuer Hersteller steht dagegen in den Startlöchern. Airbag statt Helm: Das Konzept des schwedischen Unternehmens Hövding ist europaweit auch als "Airbag-Helm" bekannt. Bei einem Unfall löst dieser innerhalb von 0,1 s aus. Nun ist der Hersteller insolvent.
Hövding macht dafür die schwedische Verbraucherschutzbehörde verantwortlich. Diese habe nach negativ verlaufenen Testes des aktuellen Modells Hövding 3 am 1. November 2023 ein zunächst vorläufiges Verkaufsverbot gegen das Unternehmen erlassen und am 15. Dezember 2023 ein dauerhaftes Verkaufsverbot sowie einen Rückruf für Hövding 3 angekündigt. Laut Hövding hat das zuständige Verwaltungsgericht dem Einspruch des Unternehmens gegen die Entscheidung der Verbraucherschutzbehörde nur wenige Tage später stattgegeben. Der sofortige Verkaufsstopp und der Rückruf wurden damit aufgehoben. Der Hersteller kommt jedoch zum Schluss: „Der Schaden, der durch das Verhalten der schwedischen Verbraucherschutzbehörde entstanden ist, ist so groß, dass der Vorstand keine Grundlage für die Weiterführung des Unternehmens sieht.“
Nach der Insolvenz Ende Dezember 2023 gehört Hövding inzwischen zum Technologieunternehmen iSi mit Hauptsitz in Österreich. Auf seiner Homepage kündigt das Unternehmen an, dass Mitte 2026 der Hövding 4 auf den Markt kommen soll.
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