Fahrradreifen Abziehen ohne Werkzeug: Tipps und Tricks

Sicher fragen Sie sich, warum man einen Reifen ohne Reifenheber (de)montieren sollte, wo es doch ein gut funktionierendes Werkzeug eigens zu diesem Zweck gibt? Aus langjähriger Erfahrung kann man behaupten, dass man in gut 90+ Prozent aller Fälle keinen Reifenheber benötigt. Je nach Reifen/Felgen/Felgenband-Kombination kann es zwar unter Umständen eng zugehen, mit der richtigen Technik ist die Montage allerdings meist ohne Werkzeug machbar. Wie gesagt: „meist“.

Grundlagen von Reifen und Felgen

Zuerst sollte man sich bewusst machen, wie ein Reifen und eine Felge aufgebaut sind. Der Reifenwulst (in dem sich ein Draht oder bei Faltreifen ein Faserstrang befindet), liegt bei einem aufgepumpten Reifen bzw. Schlauch auf beiden Seiten im Felgenhorn. Lässt man die Luft ab, kann der Reifen nach innen aus dem Felgenhorn gedrückt werden.

Demontage des Reifens ohne Werkzeug

  1. Lassen Sie die Luft vollständig aus dem Schlauch.
  2. Heben Sie an der Ihnen zugewandten Seite den Reifen über das Felgenhorn.
  3. Ziehen Sie den Reifen mit einer Seite auf die Felge.
  4. Ziehen Sie den Reifen gleichzeitig mit beiden Händen so weit wie möglich auf die gegenüberliegende Seite vom Ventil.
  5. Kontrollieren Sie, ob der Schlauch nirgendwo eingeklemmt ist.

Wenn es doch nicht ohne Werkzeug geht

Manchmal weigern sich Reifen hartnäckig. Was tun, wenn ein Reifen zu stramm sitzt? Hier sind einige Tipps von Experten:

Tipps am Reifen

Am Reifen selbst ist offenbar wenig zu tun. Natürlich muss die Größe passen, und zwar diejenige, die in der ETRTO-Angabe steht. Die „European Tyre and Rim Technical Organisation“ legt den Durchmesser genau fest. Wenn auf dem Reifen beispielsweise „40-622“ steht, sollte der Reifen auf eine Felge passen, die an der Stelle, wo der Reifenwulst beim aufgepumpten Reifen sitzt, einen Durchmesser von 622 Millimeter hat. Das ETRTO-Maß ist viel eindeutiger als die früher üblichen Angaben in Zoll.

Ist ein neuer Reifen trotz eigentlich korrekter Maße zu stramm, kann man ihn auf eine andere Felge montieren und über Nacht mit dem maximal zulässigen Druck aufgepumpt stehen lassen. Manchmal dehnt sich ein neuer Reifen dabei und lässt sich dann leichter auf das gewünschte Rad montieren. Viel mehr ist am Reifen nicht zu machen.

Vor allem hochwertige Reifen, die auch für die Tubeless-Montage geeignet sind, müssen eng sitzen, um dicht zu halten.

Ein weiterer Tipp: Online-Redakteurin Sandra Schuberth hatte Erfolg mit der warmen Sommersonne. Sandra Schuberth: “Vor einiger Zeit hatte ich mal so ein Ungetüm von Reifen, bei dem kein Trick helfen wollte. Schließlich habe ich sie auf dem Balkon in die pralle Sommersonne gestellt, in der Hoffnung, dass diese den Reifen etwas geschmeidiger macht. Ordentlich aufgeheizt klappte dann die Montage - noch nicht gut aber besser als vorher.”

Tricks mit der Felge

An der Felge gibt es möglicherweise mehr Möglichkeiten. Ein supersimpler Trick aus dem Internet ist es, das dünnstmögliche Felgenband zu verwenden. Ich habe nachgemessen: Das zum Kreis geschlossene, hellblaue Kunststoffband in meinem Tourenrad ist 0,5 Millimeter dick, das selbstklebende Tubeless-Band für mein Rennrad nur 0,1 Millimeter. Der Durchmesser multipliziert mit der Zahl Pi ergibt den Umfang eines Kreises. Ergebnis der Rechnung: Der Umfang verringert sich mit dünnem Felgenband um knapp 2,6 Millimeter. Das bringt wohl meistens wenig, doch es soll auch einen Millimeter dicke Felgenbänder geben. Dann würde der Tausch schon relevanter.

Der zweite Check gilt dem Felgenbett: Ist es eine Tubeless-Felge? Die erkennt man unter anderem daran, dass sie im Felgenbett eine tiefe umlaufende Rinne hat, aber weiter außen, wo der Reifenwulst sitzt, ganz eben ist. Eine Norm für diese Art Felgen legt fest, dass die Rinne zwischen 2,6 und 3 Millimeter tief sein muss. Wenn diese Rinne (das sogenannte Tiefbett) vorhanden ist, verschafft sie erheblich mehr Spielraum als ein dünneres Felgenband. Auch bei fast allen anderen Felgen ist das Felgenbett einwärts gewölbt. Das ist für die Reifenmontage entscheidend. Es gilt also immer, den größtmöglichen Teil des Reifenwulstes in die Felgenmitte zu schieben, wo der Durchmesser am geringsten ist, um den Reifen schließlich an einer anderen Stelle über das Felgenhorn wuchten zu können.

Die Reifenmontage

Der Tipp, den Reifen dabei erst zuletzt in der Nähe des Ventils über die Felge zu hebeln, hat mir eigentlich nie eingeleuchtet. Wer das so macht, muss nämlich abschließend das Ventil nach innen drücken, damit der Reifen keine Beule nach außen hat. Doch bei knapp sitzenden Reifen hat die Variante „Ventil zuletzt“ definitiv einen Vorteil: Der Reifenwulst lässt sich auf fast dem gesamten Reifenumfang in die Felgenmitte schieben, also zum tiefsten Punkt des Felgenbetts.

Damit der Wulst während der Reifenmontage dort bleibt, hilft notfalls die Fingerkraft eines netten Menschen oder ein Riemen respektive Kabelbinder. Der kann auch helfen, den bereits montierten Teil des Reifens zu fixieren, während man an anderer Stelle weiterwerkelt.

Auf den letzten Zentimetern ist die Reibung zwischen Reifen und Felgenhorn besonders hoch. Hier kommt notfalls ein Montagefluid zum Einsatz, eine Art optimierte Seifenlauge. Im Prinzip tut es auch Spülwasser. Nach dem Einschmieren kommt man allerdings nur noch mit Reifenhebern weiter, denn für die Reifenmontage per Hand wird die Angelegenheit zu glitschig.

Tubeless-Reifen

Tubeless-Reifen sind eigentlich ein alter Hut: Praktisch jedes Auto fährt ohne Schlauch. Der Luftdruck presst den Reifen gegen die Felge und dichtet so das System ab. Auch beim High-End-Mountainbike und vielen Gravelbikes ist die Technik seit Jahren verbreitet. Doch aus physikalischen Gründen und wegen der empfindlicheren Reifen kommt bei Fahrrädern zusätzlich Dichtmilch zum Einsatz. Sie dichtet den Übergang zwischen Reifen und Felge und verschließt kleinere Durchstiche von selbst.

Bei diesen Sporträdern hat Tubeless oft Vorteile: Tubeless-Reifen lassen sich mit weniger Druck fahren, ohne einen Durchschlag zu riskieren, der den Schlauch beschädigen würde. Und weniger Druck bedeutet mehr Grip und mehr Komfort.

Stefan Franken, Produktmanager Tourenreifen, SCHWALBE: „Auch an Tourenrädern nutzen manche Hersteller die eigentlich vorteilhaften, breiten Tubeless-Felgen vom Mountainbike. Das ist kein Problem, wenn alle Maße stimmen. Wenn sich bei so einem ausgereizten System die unvermeidlichen Toleranzen bei Felgen und Reifen aber zufällig addieren, kann es bei der Montage etwas schwieriger werden.“

Vor- und Nachteile von Tubeless

Doch was bringt Tubeless für Tourenradler, die mit normalem Luftdruck auf halbwegs gepflegten Radstrecken reisen? Für die Technik spricht die erhöhte Pannensicherheit gegen kleine Schnitte und Durchstiche - doch die sind bei entsprechenden Reifen ohnehin selten. Auch die Gewichtsersparnis ohne Schlauch ist nicht überwältigend: Ein mittelschwerer Schlauch für durchschnittlich breite Reifen wiegt etwa 120 Gramm, die Dichtmilch etwa 60 bis 90 Gramm pro Reifen.

Ein Argument, das vor allem bei Rennradlern zieht, ist der verringerte Rollwiderstand. Weil sich ein Schlauchlosreifen beim Abrollen leichter verformt als die Kombination aus Reifen und Schlauch, lassen sich offenbar ein paar Watt sparen: Einige Profiteams bei der Tour de France waren schlauchlos unterwegs.

Praktische Gründe gegen Tubeless am Gebrauchsrad

Das beginnt bei der Reifenmontage: Tubeless-Reifen müssen schlagartig mit viel Luft befüllt werden, um dicht abzuschließen. Das erfordert einen Kompressor oder eine spezielle Pumpe mit Druckbehälter. Das Einfüllen der klebrigen Dichtmilch und die Demontage eines so betankten Reifens können in eine ziemliche Sauerei ausarten. Zudem muss die Dichtmilch alle paar Monate nachgefüllt werden, um bei Pannen zuverlässig abzudichten (ohne Pannen hält auch eingetrocknete Milch dicht). Nicht zuletzt erfordert ein Tubeless-Reifen auch häufigeres Nachpumpen als ein guter Butylschlauch, das Ventil verklebt zudem leicht.

Unser Fazit: An Sorglos-Rädern ist es derzeit nicht die richtige Technik. Nur für besonders dornige Reisereviere oder optimierte Sporträder ist Tubeless ein Fortschritt.

Wann sollte man Fahrradreifen wechseln?

Anders als bei Kraftfahrzeugen ist ein abgefahrenes Reifenprofil bei Fahrrädern in der Regel kein Problem. Wird allerdings bereits die Pannenschutzeinlage auf der Lauffläche sichtbar, ist es definitiv Zeit, den Reifen an Ihrem Fahrrad zu wechseln. Gleiches gilt natürlich auch, wenn dieser deutliche Schäden aufweist oder die Luft entweicht.

Eine pauschale Aussage, wie oft Sie die Fahrradreifen wechseln sollten bzw. ab welchem Alter, lässt sich nicht treffen, da deren Lebensdauer von vielen verschiedenen Faktoren abhängt.

Benötige ich Werkzeug zum Reifenwechsel?

In der Regel ja. Ist das betreffende Laufrad mit einer Schraubenachse fixiert, benötigen Sie einen geeigneten Schraubenschlüssel, um diese zu lösen. Außerdem empfiehlt sich die Anschaffung eines Reifenhebers, wenn Sie Ihren Fahrradreifen wechseln möchten. Ohne Reifenheber geht es zwar theoretisch auch, aber es gestaltet sich oft deutlich schwieriger. Mit einem guten Fahrradwerkzeug haben Sie üblicherweise alles zur Hand, was Sie brauchen.

Kosten für den Reifenwechsel in der Werkstatt

Wollen Sie in einer Fachwerkstatt den Fahrradreifen wechseln lassen, können die Kosten je nach Anbieter stark variieren. Für die reine Montage müssen Sie pro Rad mit 8 bis 20 Euro rechnen. Hinzukommen die Kosten für den neuen Reifen, welche einer noch größeren Preisspanne unterliegen: Es gibt günstige Reifen ab 10 Euro oder hochwertige Produkte, für die Sie 60 Euro oder mehr bezahlen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Reifenwechsel

  1. Stellen Sie den kleinsten Gang in Ihrer Fahrradschaltung ein.
  2. Drehen Sie Ihr Fahrrad um, sodass es auf Sattel und Lenker steht.
  3. Hat Ihr Fahrrad eine Felgen- oder Cantileverbremse, müssen Sie zunächst die beiden Bremsbacken zusammendrücken und das Bremsseil aushängen, ehe Sie den Fahrradreifen wechseln.
  4. Als nächstes müssen Sie die Achse des Laufrades lösen. Beim Vorderrad geht das in der Regel recht einfach, indem Sie lediglich den Schnellspanner öffnen. Verfügt Ihr Fahrrad hier stattdessen über eine Schraubenachse, müssen Sie die Schrauben zu beiden Seiten mit einem geeigneten Schraubenschlüssel lockern, bis sich das Rad herauslösen lässt.
  5. Wollen Sie das Hinterrad ausbauen, müssen Sie auch hier zunächst die Schraubachsen lösen, wie gerade beschrieben. Falls Ihr Fahrrad über eine Kettenschaltung verfügt, können Sie deren Schaltwerk nach hinten drücken, wodurch sich die Kette löst. Hat Ihr Fahrrad hingegen eine Nabenschaltung, müssen Sie noch den Schaltzug lösen. Drehen Sie dazu den hinteren Teil der Schaltung in Richtung Vorderrad, bis Sie den Schaltzug samt Schraube herausziehen können. Lösen Sie den Zug vollständig aus der Halterung am Hinterrad.
  6. Ist das Rad frei, wird es Zeit, den Fahrradreifen zu wechseln.
  7. Ziehen Sie den neuen Reifen wieder auf das Rad, indem Sie dem Mantel mit dem Finger auf die Felge pressen (erst auf der einen Seite und dann auf der anderen).
  8. Montieren Sie das Laufrad wieder an Ihrem Fahrrad. Achten Sie dabei auf die korrekte Laufrichtung des Reifens.

Zusätzliche Tipps und Tricks

  • Beginnen Sie gegenüber vom Ventil, da ist der Widerstand am geringsten.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie beim Aufziehen vom Reifen (Gummi) am Ende wieder gegenüber vom Ventil stehen.
  • Nutzen Sie die Kuhle in der Mitte des Felgenbetts, um den Reifenwulst dort zu platzieren.
  • Verwenden Sie Tubeless-Felgenbänder, da diese dünner sind und mehr Platz im Felgenbett schaffen.

Montageprobleme und Lösungen

Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter. Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.

Wenn der Felgendurchmesser zu klein und der Reifendurchmesser zu groß ist, kommt der Reifen unabhängig vom Reifendruck nicht richtig zum Sitzen. Abhilfe schafft meistens ein Zentrieren des Reifens von Hand bei sehr geringem Druck. Bearbeite den Reifen mit dem Daumen, bis die Felgenkennlinie des Reifens an allen Stellen parallel zur Felge verläuft.

Westwood-Felgen

Eine "Hakenfelge" ist heutzutage der Normalfall - also eine Felge, bei der die Felgenhörner oben mit einem Haken nach innen abschließen. Es gibt aber auch noch viele, sogenannte "Westwood" Felgen im Markt. Hollandräder sind z. B. häufig darauf unterwegs. Diese klassischen Felgen haben keinen Haken, der den Reifen festhält und zentriert. Zudem bestehen Westwood-Felgen aus Stahl mit einer sehr glatten Oberfläche. Diese Felgen erfordern bei der Montage besondere Aufmerksamkeit.

Manuelle Zentrierung: Bevor der Reifen stramm aufgepumpt wird, muss sichergestellt werden, dass er zentrisch auf der Felge sitzt. Anders als bei einer Hakenfelge rutscht der Reifen beim Aufpumpen nicht automatisch in die richtige Position. Wenn der Reifen ungleichmäßig sitzt, kann er leicht von der Felge abspringen.

Luftdruck max. 5 Bar: Generell sind solche Felgen nicht hochdrucktauglich. Den maximal möglichen Luftdruck des Reifens kann man auf solchen Felgen meist nicht ausschöpfen. Durch die ETRTO-Norm ist der Luftdruck auf 5 Bar begrenzt. Wir empfehlen, noch etwas mehr Sicherheitsreserve einzukalkulieren und es bei vier Bar zu belassen. Daraus ergibt sich auch, dass diese Felgen für schmale Reifen oder schwere Fahrer nicht gut geeignet sind.

MTB-Carbonfelgen ohne Haken

Mittlerweile gibt es auch moderne MTB-Carbonfelgen ohne Haken auf dem Markt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen funktioniert die Reifenmontage darauf aber problemlos.

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Wenn ihr einen dritten Tee-Löffel dabei habt macht ihr das ganze nochmal. Habt ihr aber nur 2 dabei ist das auch kein Problem denn dann könnt ihr den ersten Teelöffel (den mit dem dünneren Ende) rausziehen und erneut wieder 5-7cm vom anderen Tee-Löffel unter den Mantel schieben, und den Mantel dann über die Felge hebeln.

So damit habt ihr schon einen Großteil geschafft. Sollte sich der Fahrradschlauchmantel nun noch nicht von der Felge leicht lösen können müsst ihr nochmal einen Tee-Löffel unter den Mantel schieben und den Mantel wieder über die Felge hebeln.

Das am besten solange bis ihr den Mantel so über die Felge ziehen könnt. Fertig. Der Mantel ist nun ab.

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