Heinz Stücke: 51 Jahre mit dem Fahrrad um die Welt

Heinz Stücke, geboren 1940 in Hövelhof in Westfalen, ist ein deutscher Weltenradfahrer, der 51 Jahre lang die Welt bereiste. Als Jugendlicher begeisterte er sich für die Abenteuerromane von Karl May. Nach seiner Ausbildung zum Werkzeugmacher nutzte er seinen Urlaub für ausgedehnte Fahrradtouren.

Im November 1962 startete er zu seiner Weltreise mit dem Fahrrad, die zugleich zu seiner Lebensreise wurde. Erst 2014, nach 51 Jahren, 196 bereisten Ländern und 648.000 Kilometern, kehrte er in seinen Heimatort bei Paderborn zurück.

Die Anfänge und die Ausbildung zum Werkzeugmacher

Nach dem Ende seiner Schulzeit entschied sich Stücke für eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Sein Vater arbeitete als Tischler und warnte ihn vor einer höheren Bildung, die er als "brotlose Kunst" ansah. Die Ausbildung absolvierte er bei den Metallwerken Windelsbleiche in Schloss Holte. Zu Beginn seiner Ausbildung musste er wochenlang feilen. Im Herbst 1958 legte er seine Gesellenprüfung ab.

Frühe Radtouren

Schon während seiner Ausbildung unternahm Heinz Stücke immer wieder lange Radtouren. Zwei Wochen nach seiner Gesellenprüfung startete er zu einer Tour rund um das Mittelmeer. Er reiste durch die Türkei, Syrien und Ägypten. In Luxor besuchte er die alten Pharaonen. Weiter ging es mit dem Fahrrad ums Mittelmeer, bis er in Tunis ankam, wo der Krieg in Algerien seine Weiterreise verhinderte. Im Februar 1959 kehrte er ohne Geld nach Hause zurück.

Die Weltreise beginnt

Nachdem er wieder für eine Weile gearbeitet hatte, fuhr er 1962 erneut los. Gewissermaßen der Probelauf für Heinz Stückes Weltreise mit dem Fahrrad, die zugleich zu seiner Lebensreise wird. Stattdessen erkundet Heinz Stücke in den 1960ern Ägypten, genießt 1963 in Äthiopien eine Audienz bei Kaiser Haile Selassie, der ihn finanziell unterstützt.

Finanzierung der Reise

Ernsthaft zu Geld gekommen ist Stücke mit seinem Abenteuer nicht; seine Einnahmen finanzieren stets seine Weiterreise. Die großzügigen Spenden, die Heinz Stücke oft dafür erhält, finanzieren teilweise seine Reise, zusätzliches Geld verdient Stücke in den 1980ern durch den Verkauf seiner Bilder und seiner Story über eine Londoner Agentur. Mitte der 60er-Jahre verkaufte er eine kleine Broschüre über seine Reisen und Abzüge seiner Fotos. In jedem Land sprach er die größeren Zeitungen an, ob sie seine Geschichte kaufen möchten. Zusätzlich hielt er Vorträge und bekam so das Geld zusammen, um mit dem Schiff nach Südamerika zu fahren.

Unterwegs mit dem Fahrrad

45 Jahre lang war er mit demselben Fahrrad unterwegs - 16-mal hatte ich einen Rahmenbruch. Auch 5000 m hohe Pässe bin ich immer hochgekommen. Wenn du auf 1000 m losfährst, dann dauert es eben drei Tage, bis du auf 5000 m oben bist. Aber das spielt ja keine Rolle! Dein komplett aufgepacktes Rad wog stolze 50 bis 60 Kilo.

Auch vor 5000 Meter hohen Bergen, wie etwa 1975 in Indien, macht der Weltreisende nicht Halt, überwindet sie oft schiebend. Ich bin viele Vulkane hochgelaufen, das ist zwar keine Felskletterei, aber dann konnte es schon mal sein, dass du vor eine Stelle mit einem Abbruch kommst und du hundert Meter steil absteigen musst. Das ist dann eine Situation, die du nicht völlig kontrollieren kannst. Sonst hab ich immer alles unter Kontrolle gehabt.

Begegnungen und Erlebnisse

Nein, ich hab mich immer für die Menschen begeistert. Mit meinem Rad brauchte ich die Leute nicht anzusprechen - die haben mich angesprochen. Das Fahrrad mit der Weltkarte und den Namen der Städte darauf, das war ja so interessant. Mensch, und ich hab ja dann Einladungen zu Leuten gekriegt. Die aber kamen auf mich zu und dann erzählt man einfach ein bisschen. Ich hab die Leute gleich eingewickelt mit meinen Geschichten. Die hab ich verschenkt, woraufhin viele sie bezahlen wollten. „Ja, Geld kann man ja immer gebrauchen“, hab ich dann gesagt.

Ich hatte ein Zelt dabei, das ich aber gar nicht so oft gebraucht hab - ich wurde ja so oft zu Leuten eingeladen. So wie in Südamerika. Ich habe 5000 Nächte im Zelt verbracht, bin oftmals zu Leuten eingeladen worden und hab 5000 Nächte in billigen Unterkünften geschlafen.

Die größte Publicity aller Zeiten hatte ich in Japan. Dort habe ich 1971 in Fernsehshows mitgemacht! Als ich in den 90er-Jahren zum zweiten Mal dort war, habe ich rund 20 000 Reisedokumentationen verkauft.

Ich war dort als Fotograf angestellt. Pelé und alle anderen Spieler hatte ich vor der Linse! Das Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien war hochinteressant. Ich durfte beim Turnier immer hinters Tor und dort fotografieren. Das war schon ein Erlebnis, schließlich war ich auch selbst ein guter Kicker.

Insgesamt sechsmal. Jedes Mal habe ich einfach so lange gewartet, bis es wieder da war. Und als zuletzt mein Fahrrad in England gestohlen wurde, haben alle Medien auch weltweit darüber berichtet. Als das Rad wieder auftauchte, erhielt ich sogar einen Glückwunsch-Anruf aus Japan. Und ich verursachte in den Tagen danach auch immer wieder Staus, weil die Leute mit dem Auto langsam neben mir fuhren, um mir mitzuteilen, wie froh sie sind, dass ich mein Fahrrad wieder zurückbekommen habe.

Rückkehr nach Hövelhof

Seine Reise beendet Heinz Stücke 2014 in Hövelhof, weil er mit zunehmenden Hüftschmerzen kämpft. Ja, das ist die Arthrose, die Hüften sind abgenutzt. Wahrscheinlich kommt das davon, denn ich hab manchmal enorme Kraftanstrengungen unternehmen müssen. So ging zuerst die linke, dann die rechte Hüfte kaputt.

Erstmal hab ich meine Bilder nach den 240 Ländern und Territorien, die ich bereist habe, sortiert. Elf Schränke sind das inzwischen plus vier Schubladen - mit etwa 100.000 Fotos.

Die Bedeutung des Fahrrads

Das Tripad war die größte Konstante in Heinz’ Leben. Immerhin war er über 40 Jahre mit diesem Rad unterwegs. Außerdem schrieb er fein säuberlich Namen von Orten, die er besucht hatte auf den Rahmen und die Schutzbleche. Dazu der doppelte Lenker, die Kisten am Gepäckträger und ein ebenfalls aufwendig bemaltes Metallschild - das Fahrrad fiel auf und sorgte oft für Aufsehen. Es öffnete Heinz in seinem Leben viele Türen, wenn er darüber mit den Menschen ins Gespräch kam, Einladungen erhielt und neue Freunde kennenlernte.

Heinz Stücke heute

Seit 2014 wohnt er wieder in seinem Heimatdorf. Das Haus in seinem Heimatdorf Hövelhof bei Paderborn hat der Senior in ein privates Museum verwandelt. Besucher seines Museums-Hauses dürfen eine Spende hinterlassen. Seit es auf Netflix eine Dokumentation über ihn gibt „The man who wanted to see it all“ bekommt er noch mehr Post und noch mehr Besuch von Menschen, die mehr über sein Leben erfahren wollen.

Ich habe über 100 000 Fotos im Archiv. Selbst die letzten zehn Jahre über bin ich zu Hause täglich mit der Aufarbeitung des Materials von meinen Reisen beschäftigt.

Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, dass es in unserer interdependenten Welt möglich ist, ohne Steuern, Versicherung, Gesundheitsvorsorge und Wohnung glücklich zu sein. Natürlich ging alles auf Kosten anderer Dinge. Ich hatte keine Frau, keine Familie, kein Geld, keine Sicherheit. Dafür war ich frei und weitgehend unabhängig vom Konsum - der den meisten Menschen die Befriedigung verschafft für ihre ansonsten sinnlose und oft verhasste Arbeit.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0