Wenn es um Fahrräder geht, die sowohl Qualität als auch Tradition verkörpern, ist der Name „Hercules“ unverkennbar. Die Marke steht seit Beginn für robuste, zuverlässige und stilvolle Fahrräder, die Generationen von Radfahrern begleitet haben. Hercules wurde 1886 von Carl Marschütz in Nürnberg gegründet und kann so auf eine über 100-jährige bewegte Geschichte zurückblicken.
Die Anfänge in Nürnberg
Nürnberg war jahrzehntelang die Hochburg der deutschen Fahrradindustrie und die Fürther Straße deren Zentrum. Hier produzierte auch die Firma Hercules von 1895 bis 1963 Zweiräder. Wie viele der Nürnberger Fahrradpioniere war der Gründer und langjährige Eigentümer Carl Marschütz (1863-1957) jüdischer Herkunft.
Marschütz stammte aus Burghaslach, besuchte die Realschule in Fürth und ging in Neumarkt in die Lehre. 1882 beteiligte er sich an der ersten deutschen Fahrradfabrik Goldschmid & Pirzer in Neumarkt und 1886 eröffnete er mit seinen Brüdern in der Nürnberger Bleichstraße im Stadtteil Gostenhof die Fahrradfabrik Carl Marschütz & Co.
Die Räder, die Carl Marschütz damals baute, galten als sehr stabil und langlebig. So kam es zur Namensgebung von Hercules, dem Kraftmenschen, der Name des griechischen Halbgottes Hercules; er steht für Langlebigkeit und Stärke. Nach dem Umzug 1895 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und in Hercules umbenannt: 250 Arbeiter produzierten nun bereits 6.500 Fahrräder pro Jahr. 1898 eröffnete Marschütz mit dem Hercules-Velodrom den größten Saalbau Nürnbergs mit einer Radbahn.
Von Anfang an war die Vision der Firmengründer klar: Fahrräder zu produzieren, die höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden und den Menschen eine zuverlässige Fortbewegungsmöglichkeit bieten. Die Liebe zum Detail und die Hingabe zur Handwerkskunst blieben immer erhalten, was die Marke Hercules zu einer anerkannten Größe in der Fahrradindustrie gemacht hat.
Allerdings wurde die Firma 1938 arisiert und Carl Marschütz emigrierte 1941 nach Los Angeles. Er blieb Nürnberg verbunden und ließ sich nach seinem Tod im Grab seiner früh verstorbenen Frau auf dem jüdischen Friedhof beisetzen.
Vom Fahrrad zum Motorrad und zurück
Seit der Krise der Fahrradindustrie um 1900 produzierte Hercules auch Motorräder. Nach einem kurzen Intermezzo mit einer Elektro-Chaise begann Carl Marschütz 1903 mit dem noch auf den Fahrradrahmen fußenden Motorradbau. 1908 war damit zunächst aber erst einmal wieder Schluss. Stattdessen baute Hercules dann fast 20 Jahre lang Lastwagen, ehe 1926 die Motorradproduktion wieder aufgenommen wurde.
Auch danach blieb der Hersteller stets ein Konfektionär, der die Motoren zukaufte. Für die Firma ging es nach Milchkannen 1948 wieder mit einem 98-Kubik-Leichtmotorrad weiter. Zehn Jahre später übernahmen Motorenlieferant Fichtel & Sachs und eine Schweizer Holding das Unternehmen im Ende der 1950er-Jahre dahinsiechenden Motorradmarkt. Wenig später ging Hercules dann im kaum durchschaubaren Konglomerat „Zweirad Union“ unter Sachs-Führung auf.
Die Marke behauptete sich aber in der Folgezeit erfolgreich mit 50-Kubik-Mopeds und Mofas. Mit dem Einstieg von Mannesmann bei F & S im Jahr 1987 wurde dann das vorletzte Kapitel eingeläutet. Mit neuen Besitzern und großvolumigeren Motoren von Suzuki wollte es die mittlerweile in „Sachs Bikes umbenannte Firma noch einmal wissen und bewies auch in der 125er-Klasse mit der XTC und vor allem der (ebenfalls glücklosen) Madass designerisches Geschick.
Autor Leo Keller widmet rund die Hälfte des Buches den eigentlichen Hercules-Werken und jeweils ein Viertel den Kapiteln Zweirad-Union und Motorsport. Begonnen hatte auch bei Hercules alles mit der Fahrradproduktion. Firmengründer Carl Marschütz kaufte sich bereits als 19-Jähriger sein erstes Fahrrad, das damals einzige im Ort, und begann schon als Lehrling 1884 selbst welche zu bauen. Kunden, die die Robustheit der Velozipede von Marschütz zu schätzen wussten, sollen sie nach dem Halbgott als „Hercules“ bezeichnet haben. So entstand laut Leo Keller der Markenname.
Übernahme durch die ZEG-Gruppe
Von 1995 - 2014 gehörte die Marke Hercules zu der niederländischen Accell-Gruppe, die durch die Marken Sparta, Batavus und Koga bekannt ist. Im Januar 2014 wurde die Marke Hercules von der ZEG-Gruppe übernommen - mit diesem Abschnitt beginnt die jüngere Geschichte. Nach der Übernahme von Hercules durch die ZEG eröffnete im März desselben Jahres in Cloppenburg in der Bürgermeister-Winkler-Straße das Hercules Vertriebsbüro mit drei Mitarbeitern unter der Leitung von Bernard Meyer, einem erfahrenen Manager aus der Zweiradindustrie. Nach und nach wurden einzelne Abteilungen von Köln nach Cloppenburg geholt, sodass die Räumlichkeiten zu klein wurden.
2017 wurde das Grundstück im Ecopark erworben. Der erste Spatenstich auf dem 6000 Quadratmeter großen Grundstück in der Ecopark-Allee erfolgte im April 2018. Ein Jahr darauf im Juni 2019 zog das Hercules-Team in das neue hochmoderne und zukunftsfähige Gebäude.
Schon während der Planung des neuen Standorts wurde - in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und umweltfreundliche Mobilität immer wichtiger werden - darauf Wert gelegt, diese Prinzipien so weit wie möglich umzusetzen. So wurden im neuen Gebäude im Ecopark eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage, eine Wildblumenwiese entlang der Teststrecke und Ladestationen für E-Autos und E-Bikes eingeplant und errichtet.
Im Erdgeschoss des Gebäudes präsentieren sich jeweils die aktuellen Modelle der Saison in einem 1100 Quadratmeter großen, modern eingerichteten Showroom. Hier können sich die Fahrradfachhändler informieren und ordern, denn bei Hercules kauft nicht der Endkunde, sondern der stationäre Fahrradfachhändler.
2021, mit der Einstellung des 20. Mitarbeiters in Emstek, verabschiedete Bernard Meyer sich nach 45 Jahren aus der Fahrradbranche in den Ruhestand. Seitdem leiten Michael Honkomp (Export, Produktmanagement und Kundendienst) und Thomas Henke (Vertrieb, Marketing und kaufmännische Leitung) den Standort gemeinsam. Aktuell besteht das Hercules-Team aus insgesamt 43 Mitarbeitern. Am Standort Emstek arbeiten 23 Mitarbeiter und 14 Mitarbeiter sind im Außendienst in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Österreich tätig. Weitere Mitarbeiter sind in der Zentrale in Köln und im Auslieferungslager in Neuhof a. d. Zenn, das bis 2002 auch Produktionsstätte der Hercules-Bikes war, angestellt.
Das Produktsortiment von Hercules
HERCULES steht wie kaum eine andere Marke für zuverlässige Mobilität auf zwei Rädern. Ob E-Bike oder klassisches Trekkingrad: Die Fahrräder aus deutscher Produktion verbinden Tradition mit moderner Technik - robust gebaut, komfortabel im Alltag, wartungsarm im Einsatz. Für Kinder gibt es schicke, sportliche Schulräder, für sportliche Eltern starke E-Mountainbikes und -SUVs und in Sachen Alltagsmobilität schnittige City- und Tourenräder mit und ohne Motor.
Die Produktpalette startet bei Einstiegsmodellen mit attraktivem Preis-Leistungsverhältnis und reicht bis in die gehobene Mittelklasse. Aktuell werden die Ausbildungsberufe Zweiradmechaniker/in bzw. Zweiradmechatroniker/in und Kaufmann/Kauffrau Büromanagement angeboten. Sowohl die Entwicklung als auch das Produktmanagement ist ausschließlich in Emstek ansässig. Ein Großteil der Fahrräder wird im saarländischen St. Wendel montiert. 80 Prozent der verkauften Räder sind mittlerweile E-Bikes.
Die Verkaufsgebiete der Hercules-Räder erstrecken sich heute auf fast ganz Europa: Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien, Frankreich, Irland, Spanien, Ungarn, Polen, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Italien. Der Exportanteil liegt zurzeit bei 15 Prozent.
E-Bikes im Fokus
Vor allem im E-Bike-Bereich hat sich HERCULES in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Vom stylischen City-Flitzer bis zum vollgefederten SUV-Bike für Pendler oder Tourenfahrer - das Sortiment bietet für fast jeden Anspruch ein passendes Modell. Komfort-Funktionen wie tiefere Einstiege, gefederte Sattelstützen oder integrierte Akkus treffen hier auf starke Motoren und Reichweiten, die den Alltag spürbar erleichtern.
Die Marke setzt auf praxisorientierte Ausstattung und durchdachte Details: Nabenschaltungen mit Riemenantrieb, Hydraulikbremsen, große Displays oder clevere Gepäcklösungen machen viele Modelle zu echten Allroundern für Stadt und Land. Auch optisch hat sich bei HERCULES einiges getan: Die aktuellen Modelle kombinieren klare Linien mit modernen Farben und integrierten Komponenten. Ob sportlich oder klassisch - die Designs wirken aufgeräumt, zeitlos und unaufdringlich.
Beispiel: HERCULES Rob Fold
Besonders beliebt ist das HERCULES Rob Fold, ein kompaktes E-Faltrad, das sich ideal für Stadtfahrten, Pendler:innen oder die Mitnahme im Wohnmobil eignet. Trotz seiner handlichen Maße bietet es einen leistungsstarken Motor, eine aufrechte Sitzposition und eine überraschend stabile Fahrdynamik. Der Akku ist elegant im Rahmen integriert, und durch den Faltmechanismus lässt sich das Bike in wenigen Sekunden platzsparend verstauen.
Qualität und Innovation
Hercules gilt seit jeher als innovativer Vorreiter im Fahrradbau. Schon 1985 bewies das Unternehmen mit der Entwicklung des weltweit ersten serienreifen E-Bikes mit Heckmotor, Gepäckträgerakku und Scheibenbremsen Pioniergeist und Weitblick. Auch heute zeigt sich dieser Anspruch in jedem Modell: Ob komfortables Cityrad für tägliche Strecken, sportliches Trekkingbike für längere Touren oder robustes Mountainbike für anspruchsvolle Gelände - Hercules vereint stets hochwertige Technik mit praktischer Alltagstauglichkeit.
Besonders im E-Bike-Segment setzt die Marke auf leistungsstarke Motoren von Bosch oder Yamaha, die für kräftige Unterstützung, leises Fahrverhalten und eine hohe Reichweite sorgen. Gleichzeitig legt Hercules großen Wert auf Sicherheit und Stabilität, was sich nicht nur in den E-Bikes zeigt, sondern auch in den Kinderrädern, die leicht zu handhaben sind und jungen Fahrern maximale Sicherheit bieten.
Im Juli 2023 gelang Hercules der jüngste Coup: Das Prima E5. Das in den 80er-Jahren erfolgreiche Hercules Mofa wurde als E-Bike in Retro-Optik mit modernem Innenleben neu entwickelt und auf der Eurobike in Frankfurt am Main einem breitem Publikum vorgestellt.
Wanderer-Zweiräder
Neben Hercules hat im Ecopark eine weitere Traditionsmarke ihre Heimat gefunden: Auch die klassischen Wanderer-Zweiräder werden seit 2014 vom Hercules-Team betreut und vertrieben. Eine Synergie, die nicht besser passen könnte und von der beide Marken profitieren. Wanderer wurde 1885 als Velociped-Depot in Chemnitz gegründet und steht für höchste Fahrkultur und Wertbeständigkeit ebenso wie für elegantes Design und anwendungsorientierte Technik.
Durch die Fusion von Tradition und Technik bieten die E-Bikes von Wanderer die perfekte Kombination aus Beständigkeit und sinnvoller Innovation. Heute ist Hercules Teil der ZEG (Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft eG) und profitiert vom starken Netzwerk des größten Fahrradeinkaufsverbands Europas. Der Hauptsitz der Marke befindet sich in Köln, während sich das Vertriebsbüro im niedersächsischen Emstek befindet.
Hercules Heute
Heute, in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Gesundheit und umweltfreundliche Mobilität immer wichtiger werden, behauptet Hercules stolz seine Position als eine der angesehensten Fahrradmarken. Mit einem erheblichen Erbe im Rücken und einem Blick in die Zukunft bleibt Hercules weiterhin eine Legende auf zwei Rädern. Und sollte die Entwicklung der E-Bikes weiter voranschreiten und mit dieser auch die Marke Hercules: Der Standort im Ecopark hat genug Platz. Die Statik wurde bei der Planung so gewählt, dass das Gebäude um eine Etage erweitert werden kann.
Die Marke Hercules verbindet bis heute die Tradition der Firmengründer mit der Moderne durch klassische Ästhetik und kontinuierliche Integration modernster Technologien und Materialien, um Fahrkomfort, Leistung und Sicherheit zu verbessern. Dieser Ansatz hat dazu beigetragen, dass Hercules-Bikes sowohl bei Nostalgikern als auch bei technikbegeisterten Radfahrern beliebt sind.
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