Idrosee Mountainbike Touren Tipps: Entdecke die Lombardei

Wer Torbole & Riva links liegen lässt und auf der westlichen Tunnelstraße gen Süden fährt, entdeckt den idyllischen Teil des Biker-Paradieses am Gardasee.

Erweiterter Horizont: Die Lombardei am Gardasee

So wie Riva, Torbole und Arco das Dreigestirn am Nordende des Gardasees bilden und synonym für den ganzen See stehen, ist der Nordteil nur ein Drittel der Wahrheit. Die spannendsten Spots am Gardasee verstecken sich im lombardischen Teil.

Die „Nordstaatler“ rund um Riva, Torbole und Arco vermarkten ihren Teil des Lago seit den Neunzigern konsequent als Abenteuerspielplatz. Die Lombarden sind endlich hellwach - und erkennen, welchen unermesslich reichen Schatz ihr Land am See auch für Mountainbiker birgt: mediterranes Flair an der „Gardasee-Riviera“ zwischen dem idyllischen Limone, dem luxuriösen Gardone und dem romantischen Salò.

Limone sul Garda - das Epizentrum der „Riviera dei Limoni“, der Zitronenriviera - wirkt auf mich wie das schönste Freiland-Altersheim am Lago. Die Lombarden sind endlich hellwach - und erkennen, welchen unermesslich reichen Schatz ihr Land am See auch für Mountainbiker birgt.

Ein Stockwerk höher locken die Sonnenbalkone von Tremosine (mit Vesio als dem bekanntesten Dörflein) und Tignale mit toller Aussicht auf den „Benaco“ - und mit lotrechten Abbruchkanten zum See. Wer auf der „Terrazza del brivido“, der „Schauderterrasse“ von Pieve, steht, kann den Kite-Surfern quasi auf den Schirm spucken.

Tremosine & Tignale: Balkonien für Biker

Die Sonnenterrassen hoch über dem Lago sorgen aber nicht nur für spektakuläre Tiefblicke, sondern erleichtern Bikern den Eintritt in die einsamen Hinterhöfe des Wilden Westens. Auch wer statt runter nach Limone hoch ins spannende Dachgeschoss des Alta Garda will, findet hier in Tremosine oder Tignale seinen idealen Startplatz.

Vesio auf dem Tremosine-Balkon liegt auf 600 Metern, die Tignale-Dörfer immerhin 500 Meter über dem See. Die hohen Ziele im „Parco Alto Garda Bresciano“ kratzen schließlich hart an der Zweitausendermarke. Da freuen sich die Waden, dass man nicht wie von Riva aus in 70 Metern Seehöhe starten muss.

Die berühmten Tremalzo- Serpentinen surft man dann schwere- und anstrengungslos runter zum Passo Nota. Alle Wege führen auf den Tremalzo! Aber der meiner Meinung nach lohnendste schmuggelt sich aus dem Valle San Michele sozusagen durch das südliche Hintertürchen hoch zum Rifugio Garda.

Hier am Rifugio treffen dann wieder alle zusammen: Die armen Sünder, die von Riva über die Ponalestraße, Pregasina und Passo Rocchetta kommen und noch 700 Höhenmeter bis zum Scheiteltunnel vor sich haben. Dann die Ledroseefraktion, die über die aussichtslosen Nordwälder zum Bocca dei Fortini keulten. Die Shuttle-Fans, die es genau andersherum machen.

Die ruhige Seite des Sees: Lago Tranquillo

Zehn Kilometer Tunnelblick: Durch die Uferstraße „Gardesana Occidentale“ zwar nur eine viertel Autostunde vom quirligen Riva getrennt, träumte der Wilde Westen, der lombardische Teil des Lago, in der Zwischenzeit selig vor sich hin.

No Lago-Mainstream! Uphill zum Monte Caplone (1976 m) - dem bestens im Hinterland versteckten König aller Garda-Bikeberge.

Achtung, auch das sind Fake News! Wenn der Monte Tremalzo schon nicht viel mit der berühmtesten Bikestrecke des Planeten zu tun hat, so ist er mit seinen 1973 Metern zumindest der höchste Berg in den westlichen Gardaseebergen. Der hierzulande ungehörte Monte Caplone ist nämlich genau zwei Meter höher.

Die Idrosee-Rundtour: Ein Paradies für Mountainbiker

Der Idrosee liegt fast genau in der Mitte der wunderschönen Lombardei, und doch finden wir uns hier gerade in einem fast vergessenen Landstrich Italiens wieder. Hügelketten, vergessene Dörfer und Almen, weiter nördlich hochalpines Biken auf über 2000 Meter Höhe mit Blicken auf die Gletscher des Adamello, und zum fulminanten Finale filigrane Felsnadeln, die an die Dolomiten erinnern.

Es ist Ende September. Die Tage lang genug, die Temperaturen unten mild bis warm, oben immer noch perfekt. Die Landschaft frühherbstlich, das Licht so golden wie es eben nur der Herbst kann. Für uns: Das Beste, was der Herbst zu bieten hat. Zwei Tage sind wir nun bereits mit den E-Mountainbikes am Idrosee unterwegs.

So verschieden, wie die beiden Brüder sind, wirken auf uns auch die Tage hier am Idrosee. Dazu erfrischende Zeitreisenmomente, weil hier nicht alles und jeder hinter den allerneuesten Entwicklungen herhechtet.

“Ich würde sagen - das war, was die Frequenz an Menschen auf dieser Route angeht, in etwa Durchschnitt”. Meistgelesene Artikel123Durchschnitt also. Und was für einer. Keinen einzigen Biker, ja überhaupt keinen Menschen haben wir in diesen beiden Tagen auf den Trails getroffen. Hier fühle ich mich wohl, denke ich, und verspreche mir, diese Geschichte nicht mit dem oft genutzten Vergleich zum angeblichen großen Bruder dieses Sees zu beginnen.

Wir erklimmen den Monte Manos, den ersten Gipfel unserer Tour. Einer dieser Kreuzträger, die allein stehen und einem 360-Grad-Blicke freigeben. Von hier können wir die gesamte Tour erspähen, während die herbstliche Sonne wärmt und der erste Tour-Caffè schmeckt.

Jetzt aber: Konzentration hochfahren! Auf der Rückseite des Manos mäandert ein handbreiter Gratweg durch die Bergflanke, garniert mit Spitzkehren und hohen Steinstufen. Wer sich hier nicht absolut wohlfühlt, schiebt.

Valvestino - Tal der vergessenen Dörfer

Nachmittags führt uns unser Weg mitten hinein ins Valvestino. Landwirtschaft und ein wenig Handwerk hat die Menschen hier über die Jahrhunderte ernährt. Mittlerweile holt sich der Wald weite Teile des Agrarlandes zurück, etwa in dem Maße wie die Menschen ihre Dörfer verlassen haben. Diejenigen aber, die geblieben sind, sind stolz, hier zu sein.

Friedlich wie der Name unserer Osteria wirkt es hier. Und gastfreundlich, wie es gastfreundlicher nicht sein kann. Kalorienreich sowieso. Hausgemachte Ravioli. Mit Bergkäse überbackene Polenta. Hirsch und Wildschweingulasch. Natürlich Strudel und eine Salami di Cioccolato. Dazu ein Wirt, der sich mit der Flasche Wein zu uns gesellt. Und Mama, die aus der Geschichte des Tals erzählt.

Irgendwie kümmert sich ohnehin niemand um diese Dörfer. Vor knapp 15 Jahren entschied die Bevölkerung in einem Referendum, dass sie der autonomen Region Trentino Alto Adige zugesprochen werden wolle. Ein Unding natürlich. Kurz danach kam es zu einem der vielen Regierungswechsel und die Sache lag wieder auf Eis.

Tag 2: Jahrhundertealte Kiefern & imposante Klippen

Die zweite Etappe ist die abwechslungsreichste der ganzen Rundtour, hat uns Florian versprochen, sowohl fahrtechnisch wie auch landschaftlich und kulturell. Die Gegend wirkt so einsam, dass ohne Krieg wohl niemand die Idee gehabt hätte, hier auch nur einen Weg oder gar eine Straße zu bauen.

Umso imposanter ist es, durch jahrhundertealte Kiefern und imposante Klippen zu kurven. In Bondone war ich das letzte Mal vor sicher fast 20 Jahren. Verändert hat sich nicht allzu viel und das ist gut so.

Tag 3: Dem Horizont entgegen und darüber hinaus

Wieder waren es militärische Überlegungen, die diese Wege entstehen ließen, aufgemauert für die Ewigkeit. Spätestens wenn die Bergseen der “Laghetti di Bruffione” zur Talseite ins Blickfeld geraten, weißt man wieder: So in etwa fühlt sich der Biker-Himmel an. “Im Prinzip alles fahrbar” - Uphill-Skills vorausgesetzt. Klassisches E-MTB-Terrain.

Während der anschließenden Abfahrt erreichen wir die Malga Bruffione, eine von nur gut 20 Almen, die den Bagoss herstellen dürfen. Der Bagoss ist der hiesige DOC Käse, und auf diesen ist man stolz. Die Einwohner von Bagolino - die Bagossi - kamen einst durch ihre Verbindung zu Venedig an das gelbe Gold, den Safran.

Tag 4: Durch die Dolomiten der Brescianer

Wir spüren, dass die drei Etappen bereits Tribut fordern. Auf dem Papier erwartet uns heute noch einmal ein ordentliches Pfund: 60 Kilometer werden noch zusammen bis zum Idrosee. Vor allem noch einmal sportliche 1450 Höhenmeter und 2600 Tiefenmeter.

Ab dem Passo Croce Domini erwartet uns ein ähnlicher Panorama-Superlativ wie tags zuvor, kilometerweit entlang glitzernder Bergseen auf über 2000 Meter Höhe, mit dem großen Unterschied, dass wir heute auf einfacherem Untergrund dahinfliegen dürfen. Mit dessen Geschichte im Kopf und einer dramatischen Szenerie vor dem Lenker tasten wir uns die ersten paar Hundert Meter steilen und losen Trail-Einstiegs hinunter.

Panoramaexplosion und Charakterfrage zugleich! Eine Kammlinie, nahezu immer auf dem Grat zwischen Idrosee und Valle del Caffaro, alleinstehend und offensichtlich endlos lang, verspricht Weitblicke über den See in der einen und über das Valle del Chiese hinweg ins Hochgebirge auf der anderen Seite.

Bevor wir allzu schnell den See erreichen, biegt sie noch einmal scharf rechts ab und tritt in die Pedale. Kurz bevor wir die Straße erreichen, wartet die ehemalige Cross-Country-Racerin an einem restaurierten Rustico und reicht uns frische Feigen.

Die 4 Etappen um den Idrosee

Der Idrosee liegt auf 368 Metern Höhe in den Judikarien, westlich des Gardasees, gerade mal 45 Autominuten von Riva del Garda entfernt. Auch hier ragen die Berge über die 2000-Meter-Marke hinaus und sind von alten Militärpfaden durchzogen.

Allerdings sollte man für den viertägigen Grande Giro del Idro gute Kondition und Fahrtechnik mitbringen. Fahrtechnisch anspruchsvoll sind die teils ruppigen und von hohem Gras eingewachsenen Pfade, die ans Hochgebirge erinnern.

Gesamt-Länge: 164 Kilometer / 6500 Höhenmeter

Etappe 1: Von Idro nach Persone

  • Länge: 29,5 Kilometer
  • Bergauf: 1550 Höhenmeter
  • Bergab: 1050 Tiefenmeter
  • Schwierigkeit: 70 % leicht, 20 % mittel, 10 % schwer

Die Route: Nach erstem Anstieg lohnt ein Abstecher zum Ex-Forte Valledrane, dann auf kurzem Trail zurück zur Hauptroute und weiter zum Rifugio Cavallino della Fobbia (Akku-Lademöglichkeit). Gute Fahrer nehmen anschließend den Militärpfad zum Gipfel des Aussichtsbergs Monte Manos (1515 m) und entscheiden dort, ob sie über den steilen und ausgesetzten Trail (S3) nach Osten abfahren.

Übernachten: In Persone: Antica Osteria Pace - hier werden bei überragender Herzlichkeit Polenta mit Wildschwein, hausgemachte Teigtaschen und jede Menge andere Leckereien serviert.

Etappe 2: Von Persone nach Bagolino

  • Länge: 40,4 Kilometer
  • Bergauf: 1630 Höhenmeter
  • Bergab: 1770 Tiefenmeter
  • Schwierigkeit: 65 % leicht, 20 % mittel, 15 % schwer

Die Route: Es geht steil bergauf durchs Valle dell’Armarolo bis zur Almlandschaft Denai hinauf. Steil geht es auch hinauf zur Bocca di Caplone und damit direkt auf die Frontlinie des Ersten Weltkriegs (zahlreiche Schützengräben). Die folgende Abfahrt ist ein bunter Mix.

Übernachten: Albergo Al Tempo Perduto in Bagolino, altempoperduto.it“Zur verlorenen Zeit” heißt diese Unterkunft übersetzt, “in vergangene Zeit“ wäre noch treffender. Einfache sympathische Zimmer und kulinarisch das Beste aus dem „Bagòss“, dem Käsestolz dieses Tals.

Etappe 3: Von Bagolino nach Gaver

  • Länge: 33,1 Kilometer
  • Bergauf: 1780 Höhenmeter
  • Bergab: 1020 Tiefenmeter
  • Schwierigkeit: 50 % leicht, 40 % mittel, 10 % schwer

Die Route: Ab jetzt folgt man der alten Militärstraße Richtung Norden, die irgendwann teils alles an Uphill-Skills fordernd den Passo delle Cornelle erreicht. Von hier im steten Auf und Ab immer dem Horizont entgegen. An der Malga Bruffione unbedingt den Bagòss verkosten.

Übernachten: Locanda Gaver, locandagaver.itEinfache Zimmer, herrliche Lage und wieder ein einfaches und umso geschmackvolles „Bergleressen“ der Region.

Etappe 4: Von Gaver nach Idro

  • Länge: 63,1 Kilometer
  • Bergauf: 1440 Höhenmeter
  • Bergab: 2570 Tiefenmeter
  • Schwierigkeit: 65 % leicht, 25 % mittel, 10 % schwer

Die Route: Die heutigen Höhenmeter führen zum Passo Croci Domini (an Wochenenden viel befahren). Es folgt eine lange Panorama-Traverse auf Asphalt- und Schotterwegen zum Passo Maniva hinauf (Kaffeepause / Lademöglichkeit). Volle Konzentration fordert der am Bivacco Tita Secchi beginnende Trail, der sich teils ausgesetzt und teils wild bergauf und bergab durch die zerklüfteten Bergmassive schlängelt.

Der Supertrail am Monte Breda

“Die Trails am Idrosee führen durch einsame, halbhohe Berge und haben ihren ganz eigenen, wilden Charakter. Dort, wo sich eine Linie zwischen Strichen, Farben und Symbolen abhebt, verläuft der Weg oberhalb des Lago d’Idro, ein Kamm-Trail zwischen Idrosee und Valle del Caffaro.”

Der Trail teilt sich in drei völlig unterschiedliche Abschnitte:

  1. Extrem schmal und ausgesetzt
  2. Technisch variantenreich
  3. Flowig

Am Ende des Schotterwegs schieben wir das Bike ein paar Minuten hinauf zum Gipfel des Monte Breda (1504 m), der mit einem kleinen Kreuz markiert ist.

Infos zur Tour

  • Länge: 27 Kilometer
  • Bergauf: 1152 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: mittel bis schwer
  • Startpunkt: Anfo, Parkplatz unweit der Lago-d’Idro-Glamping-Boutique.
  • Einkehr/Übernachtung: Rif. Rosa di Baremone, www.rosadibaremone.it

Bikeshops und -verleih

In der „Tabaccheria Ferrero“ mitten im Dorfzentrum von Gardola/Tignale kann man sich Bikes und E-Bikes ausleihen. Ansonsten bekommst du drüben in Riva, Torbole und Arco alles, was das Bikerherz begehrt!

Landkarten

In der Tabaccheria Ferrero bekommst du eine klasse 1:25 000-Karte mit eingezeichneten Trails.

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