Iwan Bikes Pfaffenhofen: Geschichte und Innovation im Motorradbau

Bei Iwan Bikes klingelt es zunächst als langjähriger Händler der russischen Gespanne von Ural in der Kasse. Mittlerweile sind aber auch die Marken Royal Enfield, Zero und Indian in Pfaffenhofen an der Ilm bei Iwan zu finden. Kernkompetenz sind allerdings Gespannumbauten aus eigener Entwicklung und Made in Bavaria.

Die Geschichte von Iwan Bikes

Seit 1993 werden in der Hallertau Gespanne gebaut. Als bei diesen Ausfahrten ihn schließlich immer wieder Leute ansprachen, kam es vom Hobby zur Geschäftsidee: Peintner gründete in Allershausen auf einem Bauernhof einen Ural-Vertrieb mit dem sinnigen Namen Iwan-Bikes. Heute sitzt er mit seiner Firma in Pfaffenhofen, und zwischen all den anderen chromglänzenden Motorrädern stehen die wuchtigen Ural-Gespanne da wie Dinosaurier aus längst vergangenen Epochen.

Früher war das so: "Wenn da Gefühlslose mit Vollgas über die Autobahn gebrettert sind, ist das Ding halt verglüht." Heute sind die Maschinen von einer guten Qualität", sagt Gespannfahrer Peintner, "mit Teilen aus westlicher Produktion und viel hochwertiger gefertigt als früher." Früher, das war 1992, als Peintner sich eines der damals noch zu Hunderttausenden hergestellten russischen Gespanne zulegte und damit durch die Gegend fuhr.

Ural-Gespanne: Eine Reise in die Vergangenheit

Die Ural war und ist irgendwo noch immer eine Kopie einer BMW R71, die von 1938 bis 1941 in Bayern gebaut wurde, und diese 750er-Maschine war als Gespannmaschine für den Beiwagenbetrieb geeignet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Motorradproduktion 1941 dann aus der sowjetischen Hauptstadt hinter den Ural verlegt, in das Städtchen Irbit, in der Nähe des heutigen Jekaterinburg. Dort wurden bis heute mehr als drei Millionen Maschinen als Ural produziert, zuerst für das Militär, dann ab 1960 für den zivilen Bereich und schließlich auch für den Export.

1938 lieferte BMW auch drei dieser bayerischen Motorräder nach Moskau, wo sie zerlegt, studiert und schließlich kopiert wurden. Von der russischen Kopie der bayerischen BMW R 71 gibt es auch eine chinesische Kopie. Diese Kopie der Kopie wurde nach 1956 unter dem Namen Yangtze gebaut, und wird auch heute noch als Changjiang 750 produziert. Als Tourist kann man heute mit diesen Gespannen an Touren teilnehmen und zum Beispiel die Chinesische Mauer ansteuern.

Wer kauft heute ein Ural-Gespann?

Wer kauft sich heute ein Ural-Gespann, das mittlerweile rund 10 000 Euro kostet und somit alles andere als ein Schnäppchen ist? "Das sind Familienväter", sagt Gespannhändler Peintner, "die sich einen Traum erfüllen wollen." Oder ältere Motorradfahrer, deren Ehefrauen nicht mehr auf dem Soziussitz Platz nehmen wollen. Manche fahren auch Gespann, weil sie so ihren Hund mitnehmen können. Oder die Kinder. Es ist ein sehr spezielles Hobby, das aber immer mehr Freunde findet.

"Du bist wie der Maschinist, es fehlt nur noch, dass man Kohlen nachlegen muss", erklärt Peintner den puristischen Reiz des Gespannfahrens. Wichtig in Bayern: Der aufklappbare Kofferraum im Beiwagen hat Bierkastengröße. Seitdem die Ural-Werke privatisiert wurden, legt man Wert auf verschiedene Ausführungen, neben der "Retro", die dem Original sehr nahekommt, gibt es Varianten wie die "Tourist" oder die "Sportsman". "Ein Renner", sagt Peintner, sei die geländegängige Ranger-Variante mit angetriebenem Seitenwagen.

Partnerschaft mit Indian Motorcycle

Das jüngste Werk ist ein Beiwagen für die nagelneue Indian Chief Bobber mit dem hauseigenen Bellavista Boot. Eines der weltweit ersten Gespanne auf Basis der aktuellen Indian Scout kommt aus Pfaffenhofen.

Indian Chief Bobber Gespann

Basis des Umbaus ist der neuen Beiwagenrahmen, den Iwan Bikes aus nahtlosem, handgeschweißtem Rundrohr fertigt. Der Rahmen ist universell ausgelegt und kann mit Alufelgen oder Speichenrädern für Autoreifen sowie mit normalen Motorradreifen besohlt werden. Egal welche Bereifung gewählt wird: Das Rad ist immer scheibengebremst. Mit dem Hauptrahmen der Indian wird der Iwan-Rahmen an vier Punkten verschraubt. Das Drahtspeichenrad ist stilecht per Zentralmutter an der Nabe fixiert und trägt einen Autoreifen der Dimension 175/55R15.

Das Boot selbst hat einen abschließbaren Kofferraum und kann auf Wunsch mit Sitzheizung geliefert werden. Weitere Optionen sind ein Windschild und ein Gepäckträger. Der mattschwarze Lack des Beiwagens wurde vom Motorrad übernommen und um Airbrushs aus der Modellgeschichte von Indian ergänzt. Eine Hommage an 120 Jahre Indian Motorcycles.

Indian Motorcycle®, erster Motorradhersteller Amerikas, hat am 03.08.2013 die lange erwarteten Details zur völlig neu entwickelten Motorrad-Baureihe Indian® Chief® 2014 bekannt gegeben. Vor Tausenden von Motorradfans enthüllte Indian Motorcycle am Samstag, 3. August um 21 Uhr vor dem Sturgis Motorcycle Museum and Hall of Fame in der Innenstadt von Sturgis die drei Modelle der Baureihe Indian Chief. Die Enthüllungsfeier mit anschließender Party zelebrierte einen Wendepunkt in der Motorradgeschichte: Die Wiedergeburt der legendären, ältesten Motorradmarke Amerikas.

Weitere Marken und Angebote

Neben den Ural-Gespannen und den Umbauten für Indian bietet Iwan Bikes auch Modelle von Royal Enfield und Zero an. Zudem bietet eine Reihe von Herstellern weiteres Zubehör wie Auspuffanalgen, Chromverzierungen, Packtaschen, Sitze, Lenker, Luftfilter und vieles mehr...

Royal Enfield: Eine weitere Legende

Klassisch waren sie schon immer, die Royal Enfields aus Indien. Jetzt hat die traditionsreiche ehemalige englische Motorradmarke die Continental GT von 1965 mit modernen Zutaten wieder aufleben lassen. Kein Retrobike war wohl bislang dermaßen authentisch. Um den Charakter als Café Racer gerecht zu werden, hat Royal Enfield den Hubraum seines luftgekühlten Einzylinders auf 535 Kubikzentimeter aufgebohrt.

Royal Enfield wurde 1901 gegründet und ist die älteste durchgehend produzierende Motorradmarke der Welt. Die Produktion in England endete 1970 mit einer Pleite. Seither entstehen die Traditions-Bikes beim Madras-Konzern in Indien, der bereits seit 1953 Maschinen montiert. Seit 1994 firmiert "Enfield India" wieder als "Royal Enfield" und exportiert Motorräder in alle Welt. Ein erhabenes ”cooles“ Gefühl übermannt einen. Jedem PS-hungrigen Zweifler möchtest man nun breit grinsend zuflüstern: ”Wem jagst Du da hinterher?“ Dem Royal-Enfield-Fahrer genügt das Hier und Jetzt auf dieser Maschine, die ihn mit viel Anlauf mit bis zu knapp 130 km/h über die Straße tragen kann.

Technische Daten Royal Enfield Classic 500

Merkmal Details
Motor Luftgekühlter Viertakt-Einzylinder-Motor
Hubraum 499 ccm
Leistung 20,3 kW/27,2 PS bei 5950 U/min

Adresse und Kontakt

IWAN-BIKES GmbH - Raiffeisenstr. 24 - 85276 Pfaffenhofen an der Ilm

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