Marianne Pauline entstammte der angesehenen hugenottischen Kaufmannsfamilie Thieriot, in der sie eine glückliche Kindheit in Wohlstand verlebte.
Ferdinand Wilhelm Mende wurde am 19. Februar 1807 in Leipzig geboren.
Veranlasst durch „langes und schweres Leiden“, beging er 58-jährig überraschend Suizid; laut Leichenschreiberei ertrank er im „Parthefluss“.
Im Testament vom 08.05.1838 (Nachträge vom 29.10.1855/ 09.08.1856) hatte er bereits seinen Nachlass akribisch geregelt, unter anderem wohltätige Stiftungen großzügig bedacht bzw. begründet.
Schon zu Lebzeiten hatte er 1856 anonym der Stadt Leipzig 50.000 Thaler (1 Thaler = 3 Mark) für die Errichtung eines neuen Waisenhauses geschenkt.
Testamentarisch stiftete er 20.000 Thaler für „verschämte“, unbemittelte Söhne und Töchter von in Leipzig verstorbenen Gelehrten, Kaufleuten und Künstlern „zur Erlernung und Errichtung eines Erwerbsgeschäftes“.
5.000 Thaler erhielt die Leipziger Pestalozzi-Stiftung.
Herzenssache war ihm die Schaffung einer Stiftung mit 5.000 Thalern für „arme unglückliche Blinde“ Leipzigs.
Nach Mendes Tod am 08.05.1857 übernahm zunächst seine Witwe erfolgreich als Inhaberin das kaufmännische Geschäft und wurde deshalb am 19.05.1857 Leipziger Bürgerin.
Einträgliche Immobiliengeschäfte, vorausschauende Geldanlagen, diskrete Kreditvergaben an Leipziger Persönlichkeiten und ihr vielfältiges Netzwerk, u.a. mit Rechtsanwalt und Testamentsvollstrecker Dr.
Nach dessen frühen Tod 1864 schenkte sie dem Bildermuseum Kunstwerke aus seinem Nachlass und etablierte sich selbst als Stifterin durch Schenkung ihres 5.500 Quadratmeter umfassenden Grundstücks (damals Querstraße 26 / Salomonstraße 16) an die Mende‘sche Blindenstiftung (30.12.1867 ihre Erklärung, Rechtsakt am 16.03.1868).
Gemeinsam mit den Blindenstiftungen von Becker und Biener sollte durch „die Wohlthat … der hochherzigen Frau Schenkgeberin“ für die Stadt ein Blindenasyl geschaffen werden, „welches sowohl die Erziehung blinder Kinder als die Versorgung unheilbar Blinder zu übernehmen geeignet“ war.
Im Unterschied zu ihrem Mann bestand sie darauf, das Blindenasyl auch unheilbar Blinden des gesamten Königreiches Sachsen zu öffnen.
Langwierige Diskussionen im Stadtrat, Rechtsstreitereien, die unterschiedlichen Zweckbestimmungen der drei Blindenstiftungen und unzureichendes Stiftungskapital für den Bau verhinderten die Erfüllung des Mende‘schen Stiftungszwecks, auch wenn zeitweise das Grundstück u.a.
Sie verbrachte viel Zeit auf dem aus dem Besitz ihres Mannes stammenden Gut bzw. Villa (ehemaliges Lindner‘sches Gut) in der Südstraße 5 in Schönefeld.
Unbekannt blieb der Öffentlichkeit ihr Kauf von „9 Flöten, 5 Hoboen, 2 englische Hörner, 13 Klarinetten, 7 Fagotte, 8 Hörner, 8 Trompeten, 7 Posaunen, 2 Tubas“ für das Gewandhausorchester in Höhe von 9.289 Mark.
Das lt.
Nachweisbar ist ihr Testament vom 09.04.1869 mit Codizill vom 01.12.1877, das nach den Familienmitgliedern Thieriot und Mende auch ihre Angestellten auf Gut Schönefeld großzügig bedachte, ebenso die Leipziger Armenanstalt mit 6.000 Mark.
Besonders lange wirkten ihre ertragreichen Vermächtnisse.
So erhielt nach ihrem Tode 1881 - sie wurde auf dem Alten Johannisfriedhof bestattet - der sächsische Staat als Universalerbe den größten Teil ihres Vermögens: 4,66 Millionen Mark (!), verwaltet vom „Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts“ sowie vom Innenministerium.
Jahrzehntelang arbeitete die Stiftung zuverlässig; aber nach massiver Geldentwertung in der Inflationszeit und den wirtschaftlichen Folgen des 2.
Bestehend blieb ihr Vermächtnis an die Stadt Leipzig.
Pauline Mende hatte dafür 50.000 Thaler zum „Baue eines dieselbe verschönernden Brunnens von monumentaler Architektur auf einem freien Platze in der inneren Promenade“ bereitgestellt.
1927 kolportierte der „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch in Leipziger Zeitungen Gerüchte und nachgewiesene Falschmeldungen wie: „Marianne Pauline Mende sei Bordellbesitzerin“ gewesen, sie habe zu Lebzeiten die Benennung einer Leipziger Straße als „Mendestraße“ gefordert, sie habe aus Ärger über den ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Koch die Stadt Leipzig nicht als Universalerben eingesetzt.
Schenkung von Kunstwerke aus dem Nachlass ihres Sohnes an das damalige Städtische Museum („Bildermuseum“, heutiger Besitzer: Museum der bildenden Künste) 1864:
- Ganymed, den Adler tränkend, Marmorplastik von Bertel Thorvaldsen (1817) (MfbK, P82 in Ausstellung)
- Die Memnonsäulen bei Theben, Öl auf Leinwand von Johann Jakob Frey (1858) (MfbK, G38 im Depot)
- Die Sixtinische Madonna (Kopie nach Raffael), Öl auf Leinwand von Lorenz Clasen (1864) (MfbK, G186 im Depot)
- Markuskirche in Venedig, Öl auf Leinwand von Carl Ferdinand Sprosse (1862) (1882 Geschenk von Therese und Marie Thieriot aus dem Nachlaß Pauline Mende; MfbK, G529 Depot)
Sächsische Mende-Stiftung vom 05.12.1882 mit Statut zur detaillierten Verwendung der zu erwartenden Jahreserträge (im Schnitt zwischen 170.000 bis 180.000 Mark).
Die Sammelstiftung verteilte jährlich (nach Abzug von Steuern und Jahresvermächtnissen):
- 15.000 Mark Zuwendung an die Müllersche Stiftung für hinterlassene Töchter von Staatsbeamten
- 15.000 Mark zur Unterstützung von Witwen von Landgeistlichen und Landschullehrern
- 15.000 Mark Unterstützung für bedürftige Witwen und hinterlassene Töchter aus gebildeten Ständen
- 3.000 Mark für die Gesangsbuchkasse des evangelischen-lutherischen Landeskonsistoriums
- Reservefond für die Staatsregierung für außerordentliche Notfälle
Der verbleibende Jahresertrag wurde durch das Gesamtministerium unter Einbindung der Kreishauptmannschaften genutzt: zur unmittelbaren Unterstützung hilfsbedürftiger Personen sowie zu gemeinnützigen Zwecken.
So bekam die Kreishauptmannschaft Leipzig 1883 z.B. 9.750 Mark, wovon die Entbindungsanstalt Leipzig 500 Mark und die klinischen Anstalten der Leipziger Universität 6.000 Mark erhielten.
Leipziger Mende-Brunnen: errichtet im Stil der Neorenaissance unter der Leitung des Architekten Adolf Gnauth (Nürnberg), nach dessen Tod unter Stadtbaurat Hugo Licht vollendet.
Das Figurenensemble als Allegorie auf die Bedeutung des Wassers gestaltete der Bildhauer Jacob Ungerer (München).
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