Karl Maier: Eine Legende des Motorradrennsports

Karl Maier (* 24. August 1957 in München) zählte zu den schillerndsten Persönlichkeiten im Motorrad-Bahnsport. Der "König auf der Asche" bestimmte seit Beginn der 80er Jahre sowohl national als auch international die Szene maßgeblich mit. Mit seinem vierten Sandbahn-WM-Sieg 1988 im niedersächsischen Scheeßel avancierte der Bayer zum bis dahin erfolgreichsten Langbahn-Piloten der WM-Geschichte.

Mehrmals trug sich der zweimalige deutsche "Motorradsportler des Jahres" mit Rücktrittsgedanken und kündigte seine "definitiv letzte Saison" an, doch letztendlich zog ihn das "Bahnfieber" nach etlichen "Künstlerpausen" immer wieder in das 1.000-Meter-Oval zurück, auf dem ihn inzwischen der Brite Simon Wigg mit fünf Titelgewinnen an der Spitze abgelöst hatte.

Frühe Faszination für den Motorsport

Schon früh war Karl Maier von Rennmaschinen und der für ihn prickelnden Atmosphäre bei Sand- und Grasbahnrennen fasziniert. Bereits im Alter von zehn Jahren zogen den Knirps die Grasbahn-Wettkämpfe im benachbarten Eichenried an. Mit der 125er NSU-Fox seines Onkels machte er im Hof die ersten Driftversuche.

Karrierehöhepunkte und Erfolge

  • Sandbahn-Weltmeister: 1980, 1982, 1987, 1988
  • Vizeweltmeister: Zwei Mal
  • Speedway-WM-Einzelfinale: Fünf Mal
  • Deutscher Sandbahnmeister: Fünf Mal
  • Deutscher Mannschaftsmeister: Mehrfach
  • "Motorradsportler des Jahres": 1987, 1988

Karl Maier war von 1975 bis ’97 aktiv. Maier (600 Rennen - über 150 Siege) startete u. a. in der stärksten Speedway-Profi-Liga der Welt für Manchester und Birmingham in England. Maier fuhr für Landshut und Olching und war mehrfach deutscher Mannschaftsmeister.

Speed Drifting mit Karl Maier

Noch konkreter: eine Antwort auf die Frage, wie es mit der vielleicht wichtigsten Motorradkategorie weitergehen kann; denn Superbikes vom Schlage einer BMW S 1000 RR finden im öffentlichen Straßenverkehr immer weniger Entfaltungsmöglichkeiten. Renntrainings sind eine Alternative, doch nicht jeder wohnt im Dunstkreis einer permanenten Straßenrennstrecke. Bahnsport-Ovale gibt es dagegen - welch brillante Metapher - wie Sand am Meer, sogar in Norddeutschland. Was liegt also näher, als sich mit der 1000er auf Speedway- oder Langbahnkursen auszutoben? Eben. MOTORRAD präsentiert weltexplosiv die kommende Trendsportart Nummer eins: Speed Drifting. Und kein Geringerer als der vierfache Langbahn-Weltmeister Karl Maier zeigt, wie’s geht.

Bereits einen Tag nach dem (unverbindlichen!) Telefonat organisiert er eine gut abgehangene und von BMW als Totalschaden abgeschriebene S 1000 RR des Modelljahrs 2012. Verkleidung kürzen, breiten Superbike-Lenker von AC Schnitzer montieren, Conti TKC 80 aufziehen, ABS und Traktionskontrolle stilllegen, Steigbügel (Original-Sandbahn-Fußraste für die rechte Seite) verlängern und montieren. Außerdem baut er das Hinterrad leicht schräg ein („Schiebt sonst zu sehr übers Vorderrad"). Fertig ist die Laube, und der zum (unverbindlichen!) Vorgespräch angerückte Redakteur wird mit der Frage konfrontiert, wann es denn nun endlich losgehen könne.

Im Speedway-Stadion des AC Landshut stehen Fotograf, Kamerafrau und Redakteure bereit, um das Rollout des Speed Drifters zu erleben. Karl stellt die BMW S 1000 RR mit einer solchen Lässigkeit quer, dass man Tränen der Rührung vergießen möchte. Die Fahrtechnik unterscheidet sich laut vierfachem Weltmeister nur unwesentlich vom bewährten Bahnsport-Stil: „Immer schön Gas geben, auch und besonders in den Kurven. Und vor allem niemals bremsen."

Maier heute

Der gelernte Kfz-Meister führt heute eine große BMW-Motorrad-Werksvertretung in Neufinsing, wo er seine einzige Tochter (25) aktuell ins Geschäftsleben einarbeitet. „Sie hat bei BMW eine Ausbildung gemacht und wird mal den Laden hier übernehmen“, lobt er die Tochter.

Historische Anekdoten und Verbindungen

Gemeinsam mit Alois Wiesböck und Christoph Betzl hat Karl Maier über 1700 Rennen bestritten, über 400 Siege und 900 Podestplätze erreicht, waren fünf Mal Weltmeister und vier Mal Vizeweltmeister. Betzl, der schon immer genaue Statistik führt, wusste es sofort. „Natürlich, im Weltmeisterschaftsfinale 1980 am Eichenring im niedersächsischen Scheeßel vor 30.000 Fans“, kam es wie aus der Pistole geschossen. Maier sei damals Weltmeister geworden, Wiesböck Dritter hinter Egon Müller aus Kiel. Betzl selbst sei als Fünfter ins Ziel gekommen.

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