Garmin Rally Leistungsmesser für Fahrräder: Ein umfassender Test

Mit der Rally-Serie hat Garmin mehrere Pedale zur Leistungsmessung eingeführt. Mit den neuen Rally Powermeter-Pedalen will Garmin für alle datenfokusierten Athleten das passende Leistungsmess-System anbieten. Garmin präsentiert mit der Rally-Serie neue Powermeter-Pedale für den Bike-Sport. Diese Leistungsmess-Pedale lösen die Vector-Serie ab.

Die Nachfolger der Vektor-Serie gibt’s in unterschiedlichen Ausführungen: mit Pedalkörpern für Shimano SPD, Shimano SPD-SL bzw. Look Keo. Eine Besonderheit: Neben den beiden Versionen für die Rennrad-Pedalsysteme Shimano SPD-SL und Look Keo bietet Garmin auch einen Pedalkörper an, der mit dem Offroad-Pedalsystem Shimano SPD kompatibel ist. Zudem sind Ausführungen mit einem bzw. zwei Sensoren verfügbar.

Hier eine Übersicht der verschiedenen Modelle:

  • Rally RS: Kompatibel mit Shimano SPD-SL-Cleats (Rennrad)
  • Rally RK: Kompatibel mit dem LOOK KEO-Standard (Rennrad)
  • Rally XC: Kompatibel mit Shimano SPD-System (Mountainbike, Gravel, Cyclocross)

Die 200 in der Produktbezeichnung steht für eine beidseitige Leistungsmessung, bei den 100er-Modellen wird nur in der linken Pedalachse die Leistung gemessen und die Gesamtleistung entsprechend hochgerechnet. Das Dualsensor-System XC200 liefert zusätzlich Cycling Dynamics Daten. Die Cycling Dynamics-Daten sind jedoch nur für die 200er-Rally-Modelle mit beidseitiger Leistungsmessung verfügbar.

Besonderheiten der Garmin Rally Pedale

Der Clou an den Rally-Pedalen ist zudem das Auswechseln der Pedalkörper. Die ganze Sensorik befindet sich in der Pedalachse, die über alle Modelle hinweg identisch ist. Dadurch lassen sich die Pedale auf die jeweils anderen Pedalkörper in nur knapp 5 Minuten umbauen. Sogar die Achse aus den Vektor-3-Vorgängern ist kompatibel mit den neuen Pedalkörpern. Garmin bietet dazu Conversion-Kits mit SPD-SL und LOOK KEO-Pedalkörpern für jeweils 200 € an, die SPD-Pedalkörper kosten euch 250 €.

Allerdings solltest du daran denken beide Seiten vom SPD-Pedal mehr oder weniger gleichmäßig zu verstellen. Der Umbau ist nicht kompliziert, benötigt aber unter anderem ein PH00-Schraubenzieher und ein 12er Steckschlüssel, die nicht zum gewöhnlichen Werkzeugumfang an einem Multitool gehören. Für den dauernden Umbau ist das System weder technisch ausgelegt noch schnell genug zu tauschen.

Technische Details und Montage

Die Garmin Rally XC Powermeter sind solide und hochwertig verarbeitet, was sich auch im hohen Gewicht bemerkbar macht: Ein Paar bringt 441 g auf die Waage. Der Pedalkörper ist nach IPX7 wasserdicht und besteht aus Alu. Die Cleat-Aufnahmen sind aus Stahl und auch die Trittflächen sind mit Stahlplatten versehen, um den Verschleiß zu minimieren. Die Garmin Rally XC100-Pedale gibt es für 700 €, die Rally XC200-Pedale kosten 1.200 €.

Mit einer Standhöhe von 13,5 mm, von der Pedalachse aus gemessen, fallen sie etwas dicker als gewöhnliche SPD-Pedale aus. Sie lassen sich zudem nur mit einem 15 mm Pedalschlüssel montieren, da am innenliegenden Ende der Pedalachse der Innensechskant-Schraubkopf für einen 6er oder 8er Inbus fehlt.

Bei der Rally-Serie setzt Garmin auf Metall. Die Montage am Rad dauert nur Minuten. Ein Pedalschlüssel und etwas Montagepaste und schon ist der Leistungsmesser einsatzbereit. Die Cleats noch an die Schuhe schrauben und fertig.

Wichtige Hinweise zur Montage:

  • Etwas Schmiermittel aufzutragen
  • Die Pedale mit dem entsprechenden Drehmoment - Garmin empfiehlt 34 Nm - an den Kurbelarmen festzuziehen.
  • Klären "Mit oder ohne Unterlegscheibe?" um einen Abstand von 2 mm zwischen Pedal und Kette einzuhalten und den Q-Faktor zu berücksichtigen.

Batterie und Konnektivität

Hier verbirgt sich bei den Garmin Rally-Pedalen die farbige Status-LED. Sie verrät, ob sich das Pedal gerade koppelt, ein Software-Update von einem Smartphone oder einem Garmin Edge-Bikecomputer zieht oder ob die CR1/3N-Knopfzelle zur Neige geht.

Im Vergleich zu manchen Konkurrenten, wie z. B. Favero, vertraut Garmin auf nicht wiederaufladbare Batterien, was sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt: Die Batterie hat mit 120 Fahrstunden (laut Hersteller) eine hohe Laufzeit und kommt ohne eine zusätzliche Ladebuchse im ohnehin schon mit Technik vollgestopften Pedalkörper aus. Geht der Strom unterwegs doch aus, lässt sie sich leicht durch eine Ersatzbatterie tauschen. Dazu wird die Batterieabdeckung auf der Außenseite der Pedalachse mit einem 4er Inbus geöffnet.

Der Nachteil ist, dass man stets den Batteriestand im Auge behalten muss und nicht einfach das Pedal kurz vor der Fahrt an die Steckdose hängen kann. Laut Garmin soll eine Batterie für bis zu 120 Stunden halten. Die Rally Sensoren können sich wahlweise per ANT+ oder Bluetooth verbinden. Im Normalfall rate ich zu einer ANT+ Verbindung.

Nach der Erstmontage müssen die Pedale einmalig entweder per Bike-Computer oder per Garmin Connect-App eingerichtet werden. Dazu beherrschen die Rally-Pedale neben ANT+ auch die Verbindung über Bluetooth. Die Pedale funktionieren mit vielen kompatiblen Fahrradcomputern, wie von Wettbewerber Wahoo oder der Zwift-App auf dem Smartphone.

Funktionen und Cycling Dynamics

Die Leistungsmesser-Pedale sind zu diversen Garmin Wearables bzw. Edge Fahrradcomputern kompatibel. Ich habe sie bislang mit einem Edge 1030 Plus, Edge 1040, Edge 1050 und Edge 840 eingesetzt. Die Pedale werden auf dem Edge wie jeder andere Sensor eingebunden. Dies ist im Prinzip selbsterklärend.

Am einfachsten ist es, dabei gleich die richtige Kurbellänge einzugeben (lässt sich aber auch später nachholen). Auf jeden Fall sollte in den Einstellungen zu dem Sensor der Punkt "Kalibrierungsmeldung" aktiv sein, damit auf dem Edge ein Hinweis zum Durchführen einer Kalibrierung angezeigt wird. Es ist nun einmal ganz wichtig, vor jeder Tour die sogenannte statische Nullkalibrierung durchzuführen. Dabei ist es nicht unwichtig auf die Temperatur zu achten.

Den vollen Leistungsumfang und das angenehmste Benutzererlebnis hat man jedoch mit einem Garmin Edge-Computer. Nur über die ANT+ Verbindung werden alle Informationen übertragen, die in der „Cycling Dynamics“-Seite auf einem Garmin Edge-Bikecomputer dargestellt werden können.

Neben Standardwerten wie Leistung und Trittfrequenz erhält man so Infos zur Dysbalance zwischen linkem und rechtem Bein, der Fußstellung auf dem Pedal als Abweichung vom Zentrum, und Infos zu den Leistungsphasen während der Kurbelrotation - ein friendly Reminder daran, dass man auch schön rund tritt und nicht nach der Powerphase die Füße faul auf den Pedalen ablegt.

In der Auswertung auf einem Garmin Edge, eurer Garmin Connect-App oder im Garmin-Online-Portal wird zudem noch die Zeit im Stehen von der Zeit im Sattel getrennt dargestellt und alle Daten grafisch aufbereitet. Die Cycling Dynamics Werte, die es so (meines wissens nach) nur bei Garmin gibt überschütten dich quasi mit Informationen.

Unterwegs auf dem Edge zeigt dir die spezielle Cycling Dynamics Seite viele Infos an. Auf den Forerunner und Fenix Uhren wird es durch das kleinere Display weniger und bei Radcomputern anderer Hersteller (Wahoo, Sigma) bleibt es halt bei den Powermeter-Basisdaten. Vor allem im Garmin Connect Portal bekommst du da jede Menge neue Datenzeilen und einen ganzen Block „Cycling Dynamics“ präsentiert. Übrigens sowohl am Computer als auch in der App.

Bist du mit professioneller Trainer-Unterstützung unterwegs, wird der Trainer aus den Daten sicherlich einige Erkenntnisse gewinnen können. Dann bekommst du Hinweise um das Training besser zu gestalten und deine Leistung zu steigern.

Die Cycling Dynamics umfassen:

  • Links/Rechts-Balance
  • Power Phase (wann beginnt und endet die Antriebskraft im Tretzyklus)
  • Platform Center Offset (Fußstellung auf dem Pedal)
  • Zeit im Sitzen vs. Stehen

Genauigkeit und Vergleichsmessungen

Wir haben die Garmin Rally XC Powermeter auf unterschiedlichen Gravel- und Mountainbikes getestet und mit einem weiteren Leistungsmesser aus einem Gravel-E-Bikemotor verglichen, dessen Werte von Vibrationen durch Fahrbahnunebenheiten nur wenig beeinflusst werden. Im Vergleich liefern die Garmin Rally XC Powermeter leicht erhöhte Wattzahlen, was wenig verwunderlich ist, da sie näher am Ort der Krafteinwirkung messen und Leistungsverluste, wie z. B. durch eine flexende Kurbel, nicht einkalkulieren müssen.

Aussagekräftig wird das Messergebnis der Garmin-Powermeter durch die besonders homogene Erfassung der Leistungsdaten: Sie liefern über jede Fahrt hinweg kontinuierlich plausible Werte, ohne nach oben oder unten hin abzudriften, Leistungsspitzen und Messaussetzer zu erzeugen oder von Fahrbahnunebenheiten irritiert zu werden.

Absolute Leistungswerte aus unterschiedlichen Powermetern sind ohnehin nur bedingt vergleichbar. Relevant sind im Endeffekt die relativen Leistungsunterschiede über mehrere Fahrten hinweg, um die eigene Progression zu beurteilen, und hier kann die Garmin Rally XC-Serie glänzen.

Das Ergebnis der Vergleichswerte der Leistungsmessung hinsichtlich der Messtoleranzen: Die Abweichungen lagen im Bereich von rund einem Prozent, was der angegebenen Messgenauigkeit entspricht und auf dem Niveau moderner Top-Powermeter liegt.

Im Ergebnis wichen die Werte recht konstant um rund 3 Watt ab - was völlig plausibel ist, da der Kettenblatt-Spider, an dem SRM misst, sich noch eine Kurbellänge weiter weg vom Fuß befindet.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Vielseitigkeit durch austauschbare Pedalkörper
  • Präzise Messung der Leistung
  • Cycling Dynamics für detaillierte Trainingsanalyse
  • Kompatibilität mit Garmin Edge Computern und anderen Geräten
  • Einfache Montage und Einrichtung
  • Solide Verarbeitung und wasserdichtes Design

Nachteile:

  • Höheres Gewicht im Vergleich zu anderen Pedalen
  • Batteriebetrieb erfordert regelmäßige Kontrolle
  • Der Preis ist relativ hoch
  • Voller Funktionsumfang nur mit Garmin Edge Computern

Alternativen

Wenn du mit einem Garmin Edge GPS-Radcomputer unterwegs bist, dann können die Rally Powermeter Pedale genau das richtige für dich sein. Du bekommst präzise Messung mit vielen Zusatzdaten bei einfacher Handhabung und tiefer integration ins Garmin Ökosystem. Der Preis liegt im angemessenen Rahmen für beidseitige Leistungsmessung.

Hier sind einige Alternativen zu den Garmin Rally Pedalen:

Produkt Bauart Optionen Besonderheiten
Favero Assioma Pro MX Pedal-Powermeter, beidseitig einseitige Messung Kompatibel mit Shimano SPD-Cleats, integrierter Akku, PCO-Wert Anzeige
SRM X-Power Road Pedal-Powermeter, beidseitig einseitige Messung Passend zu Shimanos SPD-SL-Cleats, geringer Sohlenabstand, fest verbauter Akku
Stages Power LR Kurbelarm-Powermeter beidseitige Messung möglich Messung im Kurbelarm
Rotor INPower 3D+ Kurbelarm-Powermeter einseitige Messung Sendet nur per ANT+

Aufgrund meiner Erfahrungen würde ich das Rally XC100 nicht mehr kaufen sondern dem Favero Assioma Pro MX Pedalsystem den Vorzug geben. Es ist leichter (ca. 380 g vs. 450 g), hat eine geringere Stackhöhe (11,2 mm vs. 13,5 mm) und eine hervorragende Ersatzteilversorgung. Allerdings ist es mit einem fest verbauten Akku versehen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0