Mathieu van der Poels Gravelbike-Ausrüstung: Ein genauerer Blick auf das Canyon Grail CFR

Mathieu van der Poel hat die Gravel-Weltmeisterschaften 2024 in Flandern auf einem Canyon Grail CFR gewonnen. Doch mit der klassischen Serienausstattung, wie es das Rad bei Canyon zu kaufen gibt, hat van der Poels Gravelbike kaum etwas gemein - nicht einmal die Farbe, die Perlmutt schimmert.

Die Basis: Der Rahmen des Canyon Grail CFR

Basis des Gravelbikes ist der Rahmen des Grail CFR. Van der Poel fährt allerdings nicht wie auf der Straße einen L- sondern einen M-Rahmen.

Cockpit und Sattel

Als Lenker-Vorbau-Einheit nutzt er das Ergocockpit CP0047 mit einer Lenkerbreite zwischen den Hoods von 370 Millimetern. Der Flare liegt bei 16 Grad. Der Vorbau ist 110 Millimeter lang.

Am Grail montiert wurde die Sattelstütze Canyon SP0055 mit einem Setback von 10 Millimetern. Wie auch beim Straßenrad sitzt MvdP auf einem Selle Italia-Sattel Flight Boost Mathieu van der Poel Edition. An die Sattelstütze befestigte der Mechaniker noch eine CO2-Kartusche.

Antrieb und Bremsen

Equippt ist das Grail CFR mit Shimano Dura Ace-Rennradkomponenten bei Antrieb, Bremse und Pedalen. Also der Shimanos Dura-Ace Di2-Gruppe mit elektronischer Zwölf-Gang-Schaltung inklusive Scheibenbremsen und einem Shimano-Powermeter. Die Kettenblätter haben im Gegensatz zur Straße „Zähne verloren“.

Laufräder und Reifen

Nicht ganz ersichtlich sind die Laufräder. Es sind 45 bis 50 Millimeter hohe ungelabelte Carbonfelgen mit Shimano Dura Ace-Naben.

Bei den Reifen entschied sich van der Poel für schnelle Terreno Zero seines Ausrüsters Vittoria. Mit 38 Millimetern fielen diese etwas schmaler aus als bei vielen aktuellen Gravelbikes. So rollt auch das serienmäßige Grail CFR auf etwas breiteren Gummis von Goodyear oder Schwalbe.

Weitere Details und Anpassungen

Obwohl Canyon der zweiten Generation des Grail ein Staufach für ein Pannen-Set im Unterrohr spendierte, setzte “MvdP” lieber auf die altmodische Lösung und fixierte eine CO2-Pumpe von SKS, Modell Airbuster, per Klebeband an der Carbonstütze. Das Ganze schaut zwar etwas nach einer Bastellösung aus, dürfte bei einem Reifenschaden aber die schnellere Alternative sein.

Das alte Grail machte noch durch den Doppellenker von sich Reden, am aktuellen Modell ist ein formschönes One-Piece-Cockpit geschraubt. Van der Poel fuhr eine nicht erhältliche Rennversion mit 110/370 Millimetern.

Das Cockpit an van der Poels Rennmaschine bietet Canyon auch für Hobbysportler an - allerdings nur als Nachrüstoption und nicht in den Profi-Dimensionen des Allround-Talents. Bei einer Vorbaulänge von 110 Millimetern war dessen Sonderanfertigung nur 370 Millimeter breit. Ab Werk schrauben die Koblenzer mindestens 420 Millimeter breite Lenker-Vorbau-Kombis an die Räder, die Vorbauten variieren je nach Rahmengröße zwischen 60 und 80 Millimetern. Die sportlichste Version im Zubehör-Shop misst 110/400 Millimeter.

Das Canyon Grail CFR XPLR im Detail

Das Canyon Grail CFR XPLR will im Gravel-Race-Bike-Vergleich 2025 zeigen, was es draufhat. Mit einer Renn-DNA, die bereits Mathieu van der Poel zum Weltmeistertitel begleitet hat, kombiniert das Bike im Test Top-Ausstattung, Aero-Optimierungen und smarte Features in einem Paket. Der Koblenzer Direktversender Canyon ist bekannt für Rennmaschinen mit Innovationsdrang - und das neue Grail CFR XPLR bleibt dieser Linie treu. Auf dem Papier bringt das Grail CFR XPLR alles mit, was ein modernes Race-Gravel-Bike ausmacht.

Auch optisch hebt sich das Grail CFR XPLR ab. Je nach Modellstufe - CF SL, SLX oder CFR - wird die Lackierung aufwendiger. Mit 7,7 kg in Größe M zählt das Grail CFR XPLR zu den leichtesten Bikes im Testfeld, bleibt aber hinter Leichtbau-Ikonen wie dem Specialized S-Works Crux oder Parapera Anemos² zurück. Dafür punktet es mit Aero-Optimierung und einer kompromisslosen Ausstattung aus dem Hause SRAM.

Geschwindigkeit zu jedem Preis? Das Canyon Grail CFR XPLR zeigt seinen Charakter direkt an den Reifen: Die Goodyear XPLR Semi-Slicks in 40 mm sind in erster Linie für Speed gemacht und speziell abgestimmt auf die breiten Zipp-Carbon-Laufräder mit 33 mm Innen- und 40 mm Außenmaulweite. Auch bei der Reifenfreiheit bleibt Canyon dem Racing-Konzept treu - mit 46 mm vorne bietet das Grail genug Platz für griffige Pneus, doch hinten ist bei 42 mm Schluss. Das bedeutet weniger Spielraum für schlammige Gravel-Rennen oder felsiges Terrain.

Beim Cockpit setzt Canyon auf eine Mischung aus Aero, Ergonomie und Kontrolle. Das Pro Cockpit mit 40 cm Breite in den Hoods und 47 cm in den Drops sorgt für eine aggressive Race-Position, ist jedoch kein Serienstandard und muss separat für 379,95 € erworben werden. Die nach unten gezogenen Drops mit negativem Rise sind optisch markant, sollen für eine tiefere, ergonomisch stabile Griffposition sorgen und sind ein klarer Kontrast zum ROSE BACKROAD FF, das mit erhöhten Drops den entgegengesetzten Weg geht.

Obwohl es als Race-Gravel-Bike konzipiert ist, überrascht das Grail CFR XPLR mit allen Features und Anschraubpunkten, die man sonst nur von Adventure-Gravel-Bikes gewohnt ist. So sorgen drei Flaschenhalter-Mounts, ein Rahmenfach, eine Rahmentasche mit Fidlock-Magnetverschluss, eine Top-Tube-Bag-Halterung und nachrüstbare Mountingpoints an der Gabel für ein absolut durchdachtes Transportkonzept, das gerade auf der Langstrecke seinen Nutzen voll ausspielen kann. Als Kirsche-on-top gibt es noch Schutzblech-Ösen für den Ganzjahreseinsatz.

Fragt man andere Hersteller, warum sie keine Ösen am Race-Bike verbauen, hört man Argumente wie „zu hohes Gewicht”, „uncleane Optik” oder „zu hoher Preis”. Schaut man sich das Canyon Grail CFR XPLR an, sieht man jedoch nichts davon. Das Gewicht von 7,70 kg liegt ebenso deutlich unter dem Testfeld-Durchschnitt wie der Preis von 8.499 € und optisch steht das Grail, gerade wegen der clean integrierten Rahmentasche, verdammt gut da.

Auch die Geometrie zeigt eine klare Ausrichtung auf Speed und eine hohe Anpassung an die Bedürfnisse von Gravel-Racern. Mit einem Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,44 zählt das Grail zu den sportlichsten Bikes im Testfeld, nur das ROSE BACKROAD FF ist hier noch aggressiver. Der lange Reach kombiniert mit einem kurzen 80-mm-Vorbau erinnert an moderne MTB-Geometrien und sorgt für viel Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten, ohne die Lenkung zu träge werden zu lassen. Der 71,5° steile Lenkwinkel verspricht ebenfalls Agilität in Kurven. Das wird gekontert von dem sehr langen Radstand von 1.057 mm, den nur das Adventure-Gravel-Bike MERIDA SILEX übertrifft. Eine wilde Mischung aus Eigenschaften, die Laufruhe auf ruppigen Gravel-Pisten bei hohen Geschwindigkeiten versprechen, ohne dabei zu träge oder unsportlich zu werden.

Fahreigenschaften und Komfort

Schon auf den ersten Metern wird klar: Das Canyon Grail CFR XPLR ist ein echter Racer - schnell, effizient und mit einer ordentlichen Prise Renn-DNA. Die Sitzposition vermittelt direkt ein sportlich-direktes Gefühl, ohne zu stark aufzudrängen. Im Antritt zeigt sich das Grail effizient und kraftvoll, auch wenn ihm die übermäßige Explosivität eines Parapera Anemos² oder Specialized Crux fehlt. Dafür überzeugt es mit einem angenehmen Tempoaufbau und ordentlichen Vorwärtsdrang, der besonders auf längeren, schnellen Abschnitten glänzt. Das Handling ist typisch Canyon: direkt, intuitiv und berechenbar sowie auffällig laufruhig. Die hohe Laufruhe und das kontrollierte Lenkverhalten sind dabei vor allem dem langen Radstand und dem kurzen Vorbau zu verdanken. Sobald man auf langen Geraden oder in schnellen Abfahrten in die Drops greift, fährt sich das Bike wie auf Schienen, fordert dafür aber auf engen Trails und verwinkelten Kursen eine aktive Fahrweise - hier zeigt sich das Grail weniger verspielt als ein SCOTT Addict Gravel RC oder das ultrawendige S-Works Crux mit seiner Cyclocross-DNA, bringt dafür aber deutlich mehr Laufruhe und Kontrolle, wenn es dann zur Sache geht.

Auf flowigen, schnellen Kursen und langen Highspeed-Geraden fühlt sich das Grail voll in seinem Element und das ergonomische Cockpit bringt einen tief in die Aero-Sitzposition. Auch in Sachen Komfort hat Canyon mitgedacht. Das Aero-Cockpit liefert spürbaren Flex, während der Rahmen eine gute Balance zwischen Steifigkeit und Dämpfung bietet - gerade im Vergleich zu deutlich härteren Vertretern wie dem ROSE BACKROAD FF. Der Antritt ist direkt und effizient, das Grail hält die Geschwindigkeit mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Wer gerne schnell, kontrolliert und effizient fährt, wird das Grail lieben.

Reifenwahl und Geländetauglichkeit

Auf ruppigem Terrain sorgt der lange Radstand für Spurtreue, die jedoch durch die 40 mm breiten Semi-Slick-Reifen etwas eingeschränkt wird. Die Goodyear XPLR warten durch ihre glatte Lauffläche mit Top-Speed auf Asphalt und Hardpack auf, werden aber in gröberen Gefilden zur Achillesverse vom Canyon Grail CFR XPLR. Auf losem Schotter fehlt es an Biss, in nassen Kurven an Seitenhalt und auf matschigem Untergrund an Traktion. Ein Reifen-Upgrade mit mehr Volumen und Profil könnte das Offroad-Potenzial deutlich verbessern. Die Gabel lässt mit 46 mm Reifenfreiheit auch größere Upgrades zu, der Grip an der Front ist zugegeben auch deutlich wichtiger, um bei rutschigen Rennen die Kontrolle zu behalten. Die 42 mm Reifenfreiheit am Heck wirken jedoch wenig modern und könnten bei klebrigem Matsch zum echten Problem werden.

Fazit

Insgesamt erweist sich das Grail als durchdachtes Gesamtkonzept, das genau an die Anforderungen von Gravel-Rennen angepasst wurde. Während viele Race-Gravel-Bikes Kompromisse bei Komfort und Transportmöglichkeiten eingehen, bietet das Grail zudem eine moderne Balance aus Aero-Optimierungen und Funktionalität. Wer eine Rennmaschine sucht, die sowohl auf der Rennstrecke als auch im Trainingsalltag überzeugt, ist hier richtig. Trotz unterdurchschnittlichem Gewicht und Preis bietet das Grail CFR XPLR eine starke Mischung aus Race-Performance und Vielseitigkeit.

Das Canyon Grail CFR XPLR ist eine erstklassige Wahl für lange, schnelle Gravel-Rennen mit hohem Hardpack-Anteil. Seine ausgewogene Geometrie kombiniert Stabilität mit Agilität, die vor allem auf anspruchsvollen Kursen mit hohen Geschwindigkeiten überzeugt. Dank zahlreicher durchdachter Features punktet das Grail CFR XPLR mit einer seltenen Kombination aus kompromissloser Race-DNA, Komfort und Alltagstauglichkeit. Für matschige Kurse oder anspruchsvolle Offroad-Passagen fehlt dem Grail etwas die Reserve: hier gibt es deutlich bessere Alternativen. Ein Upgrade auf griffigeren Pneus kann das Potenzial aber spürbar erweitern.

Das Canyon Grail CFR XPLR schafft den Spagat zwischen Race-Performance und Vielseitigkeit wie kaum ein anderes Bike im Test. Auch wenn es nicht das explosivste oder agilste Bike im Vergleich ist, punktet es mit einem einzigartigen Gesamtpaket, das so kein anderes Bike im Vergleich bieten kann. Dank seines intuitiven und stabilen Handlings bleibt es auch bei hohem Tempo souverän und sicher. Wer ein durchdachtes, innovatives und vielseitiges Race-Gravel-Bike sucht, liegt mit dem Canyon Grail CFR XPLR also goldrichtig.

Weitere Gravelbikes bei der WM 2024

Neben Mathieu van der Poel setzten auch andere Fahrer auf unterschiedliche Ausrüstungen:

  • Das Trek Checkmate von Jasper Stuyven: Schaltgruppe Sram Red Xplr, Laufräder Bontrager Aeolus Pro 49V, Reifen Pirelli Cinturato Gravel H, 40 mm.
  • Das Pinarello Dogma X von Connor Swift: Schaltgruppe Shimano Dura-Ace Di2, Laufräder Shimano Dura-Ace C50, Reifen Continental Terra Speed, 40 mm.
  • Das Specialized S-Workx Roubaix von Tim Merlier: Schaltgruppe Shimano Dura-Ace Di2, Laufräder Roval Terra CLX, Reifen Specialized Pathfinder.
  • Das Cannondale Supersix Evo von Lander Loockx: Schaltgruppe Shimano Dura-Ace Di2 & GRX Di2, Laufräder Scope R4, Reifen Pirelli Cinturato Gravel H, 35 mm.
  • Das Orbea Terra OMR von Paul Voß: Deutscher Meister auf dem Gravelbike, jedoch gestoppt vom Defekt-Teufel bei der WM.

Mathieu van der Poel und Canyon: Eine erfolgreiche Partnerschaft

Nicht nur van der Poel feierte in Leuven/Belgien ein Triple, indem sich der Alleskönner nach den WM-Titeln auf der Straße (2023) und Querfeldein (2015, 2019, 2020, 2021, 2023, 2024) auch noch das Regenbogen-Trikot im Gravel sicherte. Auch Canyon stellt damit zum dritten Mal in Folge einen Gravel-Weltmeister, nachdem die Titelkämpfe seit 2022 unter dem Dach des Radsportweltverbands UCI ausgetragen werden.

Nachdem Gianni Vermeersch (Belgien) bei der Erstauflage der offiziellen Gravel-WM noch auf einem umgebauten Ultimate CFR, eigentlich ein leichter Race-Allrounder für anspruchsvolle Bergetappen, triumphiert hatte, setzte van der Poel wie auch schon Kaisa Niewiadoma (Polen) im Vorjahr auf das Grail CFR. Ein geländetauglicher Spezialist mit Rennambitionen.

Die auffälligste Änderung, neben der Perlmutt-Sonderlackierung, zeigt sich am Antriebsstrang: Der 29-Jährige wechselte die Gänge mit Shimanos Dura-Ace Di2, wobei die Übersetzung mit der Kettenblatt-Kombi 52/36 etwas kleiner als bei seinem Straßen-Setup ausfiel. An die Serienräder sind geländetaugliche Schaltgruppen von Shimano (GRX Di2) oder SRAM (Red XPLR AXS) geschraubt.

Die Laufräder: Ein Rätsel

Interessant wird es mit Blick auf die Laufräder an van der Poels Rennmaschine, schließlich waren die relativ hohen Carbonfelgen ohne die üblichen Decals markiert. Der aktuelle Doppel-Weltmeister aus Cyclocross und Gravel war demnach entweder mit einem noch unveröffentlichten Laufradsatz von seinem Sponsor Shimano unterwegs oder fuhr mit einem Fabrikat eines anderen Herstellers.

Aeroad CFR Disc MVDP: Ein weiteres Meisterwerk

Gemeinsam mit Canyon hat er sein Motto „Poetry in Motion“ in einem einzigartigen Design umgesetzt. Als Hommage an den actiongeladenen Stil des Jahrhunderttalents symbolisiert die feuerrote Sonderlackierung des Aeroad CFR Disc MVDP dessen glühenden Elan. Über das Design, an dem er selbst mitgewirkt hat, sagt van der Poel: „Das Aeroad CFR ist das schnellste Bike, das ich je gefahren bin - in jeder Hinsicht sensationell. Für eine Extraportion MVDP-Flair zieren exklusive Details das Aeroad CFR MVDP. Style bedeutet nichts, wenn du nicht auch schnell bist. Und was das angeht, ist das Aeroad CFR MVDP kaum zu überbieten. Jeder Zentimeter dieses Bikes ist auf maximale Performance getrimmt.

Ein aerodynamisch optimiertes Canyon CP0018 Carbon-Cockpit integriert alle Leitungen sauber in ein elegantes, verstellbares und transportfreundliches Design. Die Canyon SP0046 Aero-Sattelstütze liefert durch das aerodynamisch optimierte Rohrprofil zusätzliche Watt-Einsparungen. Auch die aktuelle Shimano Dura-Ace Gruppe setzt neue Standards in Sachen Schaltperformance. Mit 12-fach-Kassette, modernster Semi-Wireless-Technologie, überragender Effizienz und edlem Design lässt diese Schaltgruppe Rennradherzen höher schlagen. Das Setup wird von Mathieus eigenem Sattel, dem Selle Italia Flite Carbonio Superflow MVDP Edition, abgerundet. Dieser Sattel mit speziellem Design und ultraleichtem Carbon-Gestell ist auch van der Poels erste Wahl für die größten Rennen. Genau wie van der Poel selbst setzt das Aeroad CFR MVDP neue Standards in Sachen Performance.

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