Mathieu van der Poel: Seine Mountainbike-Karriere

Radsport-Star Mathieu van der Poel wird seine Karriere bis mindestens 2028 fortsetzen. Das gab der amtierende Cross- und Straßenradweltmeister in Koblenz bekannt. «Diese Vertragsverlängerung ist für mich eine logische Entscheidung. Ich habe mich von Anfang an in den Strukturen von Philip und Christoph Roodhooft besonders wohl gefühlt.

Ich bin mit dem Team zusammengewachsen und habe immer noch das Gefühl, dass wir Fortschritte machen. Und obwohl wir gemeinsam bereits viele Erfolge erzielt haben, bin ich immer noch hungrig nach mehr. Nicht unwichtig ist dabei, dass Alpecin-Deceuninck auch multidisziplinär ist.

«Fünf Jahre fahre ich als Profi sicher noch weiter, dann sind weitere fünf Jahre als Marken-Botschafter geplant. Das ist wahrscheinlich der letzte große Vertrag meiner Karriere», sagte der 29 Jahre alte Niederländer. Eines seiner großen Ziele sind in diesem Jahr die Olympischen Spiele.

«In Tokio lief es nicht ganz so gut, deshalb freue ich mich richtig auf Paris», sagte Van der Poel. Noch hat sich Van der Poel nicht entschieden, ob er in Paris am Straßen- und im Mountainbikerennen teilnimmt oder sich auf eine Disziplin beschränkt.

Das Ausnahmetalent Mathieu van der Poel (25) hatte sich 2020 viel vorgenommen. Doch die Coronakrise hat seinen Master-Plan durchkreuzt. Im Exklusiv-Interview spricht er über den geplatzten Traum vom Olympia-Gold und seine Zukunftspläne.

„Ich habe Respekt vor meinen Konkurrenten. Nino Schurter war der härteste Brocken. Ich habe lange gebraucht, bis ich ihn besiegt habe.“ Mathieu van der Poel holt 2019 in Nové Město seinen ersten XCO Weltcupsieg - mit einem Vorsprung von 19 Sekunden vor dem Zweitplatzierten Nino Schurter.

BIKE: Mathieu, Du sitzt aktuell zu Hause in Belgien fest, auch dort gibt es Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen wegen der Coronapandemie. Hast Du bereits den Lagerkoller? MATHIEU VAN DER POEL: Nein, überhaupt nicht. Ich wohne auf dem Land, kann also entspannt biken. Trotzdem ist die Situation nicht einfach.

Ich bereite mich schon so lange auf diese Saison vor. Ich wollte alles geben, bei der Weltmeisterschaft und bei der Olympiade. Jetzt sitze ich hier zu Hause, und meine großen Ziele lösen sich in Luft auf. Die dumme Sache ist: Man kann selbst nichts dagegen tun.

Siehst Du auch etwas Positives an der aktuellen Situation? Endlich mal Zeit, statt strikter Terminplan? Ich mag mein eng getaktetes Leben. Ich liebe es, an Rennen teilzunehmen und zu wissen, schon am nächstes Wochenende muss ich wieder fit sein.

Doch ja, so einfach mal zu Hause zu sein und Zeit mit der Freundin zu verbringen, ist auch schön. Das war’s dann aber schon mit den Vorteilen der aktuellen Situation. Zu viel Zeit kann einen auch zum Grübeln bringen. Bist Du ein Mensch, der viel in Frage stellt oder zweifelt?

Null, ich bin kein Grübler. Zum Glück. Meine Rennkarriere gibt mir den Halt, den ich brauche. Zudem bin ich noch zu jung und zielstrebig, um irgendwelche Dinge in Frage zu stellen. Ich glaube, das betrifft eher Sportler, die den Biss verloren haben.

Olympia verschoben, der Worldcup und die Weltmeisterschaft in der Schwebe. Worauf bereitest Du Dich jetzt eigentlich vor? Ich versuche, fit zu bleiben und Spaß zu haben. Denn es ist wie Du sagst: Ich weiß nicht, worauf ich mich konkret vorbereiten soll.

Ich stehe um 7:30 Uhr auf, frühstücke und lege dann direkt mit meinem Training los. Das zieht sich. Nachmittags spiele ich Videospiele oder gucke Netflix-Serien, aktuell gerade Haus des Geldes - super spannend.

Aus sicheren Quellen wissen wir, dass Du ziemlich lange auf dem Hinterrad fahren kannst. Stimmt das? (Lacht). Ja, so lange, bis ich einen Krampf in den Armen bekomme. Vielleicht fünf Minuten lang.

Gibt es andere Freestyle-Manöver, die Dich reizen? Klar, ein schöner Whip zum Beispiel. Ich glaube, solche Freestyle-Manöver machen nicht nur Spaß, sondern machen den Sport attraktiver. Schau’ Dir Nino Schurters Whip an, die Leute lieben solche Stunts.

Es gibt da noch einen anderen Fahrer, ich glaube in der U23, er streckt während der Sprünge die Hände nach hinten. So einen No-Hander würde ich auch gerne können. Aha, Dir gefällt also Ninos Whip.

Er kann sich definitiv sehen lassen, doch es geht noch besser. Beispielsweise mit Nino über die aktuelle Situation? Nein, das juckt mich nicht. Ich komme zwar mit den meisten Fahrern klar, doch ich würde niemanden als Freund bezeichnen.

Ich glaube, das ist ohnehin schwer - zumindest unter den Top-10-Fahrern. Jeder kämpft für sich, das verlangt Abstand. Weil die meisten wichtigen Rennen abgesagt wurden, hast Du angekündigt, bei der Tour de France starten zu wollen.

Hast Du die Mountainbike-Saison bereits abgehakt? Olympia ist verschoben, und ob die Weltmeisterschaft stattfindet, ist auch fraglich. Gold bei Olympia und das Regenbogen-Jersey waren mein großes Ziel. Jetzt brauche ich ein Neues.

Die Idee mit der Tour de France kam eher aus der Not heraus. Es ist das einzige wichtige Rennen, das noch nicht abgesagt wurde (Stand 16. April / Anm. d. Red.). Die ideale Möglichkeit für meine Premiere bei der Tour de France. Mein Team und ich stehen in Kontakt mit der Orga, doch noch ist alles in der Schwebe.

Olympia findet nun 2021 statt. Verschiebst Du Deine MTB-Ziele um ein Jahr, oder startest Du nächstes Jahr nur noch auf dem Cyclocross- und Rennrad, wie Du ursprünglich geplant hast? Ich wünschte, ich könnte Euch das sagen. Doch aktuell weiß ich einfach zu wenig.

Wann ist die Krise zu Ende? Welche Rennen finden unter welchen Bedingungen statt? Da schwebt überall ein großes Fragezeichen drüber. Sobald ich mehr weiß, will ich mit meinem Team einen neuen Plan schmieden.

Manche behaupten, dass Du im Mountainbiken nur Titel sammeln willst und Dich dann wieder voll auf die Straße fokussierst? Vielleicht war das so mal der Plan. Mittlerweile ist mir die Disziplin Mountainbike ans Herz gewachsen.

Mountainbiken ist doch viel geiler.(Lacht). Mountainbiken hat definitiv seinen Reiz, auch weil es so abwechslungsreich ist."Letztes Jahr habe ich die vielleicht schwerste Entscheidung treffen müssen: XCO-WM oder Straßen-WM. Ich wählte zweiteres und kam mit nichts nach hause.

Manchmal hadere ich noch mit der Entscheidung." Mathieu van der Poel Hardcore-Mountainbiker sagen, Rennradfahrer hätten einen Stock im Arsch. Ist da ein Fünkchen Wahrheit dran? Finde ich gar nicht.

Auch hier gibt es lockere, nette Typen. Vielleicht scheint es so, weil bei Straßenrennen die Fahrer sich eher im Kreis ihres Teams bewegen. Mountainbiker sind Individualisten und erscheinen vielleicht nur lockerer.

Du hast in einem Interview gesagt, Dein Plan für Deine MTB-Ziele 2020 haben vier Jahre Vorbereitung gekostet. Wie kann man sich das konkret vorstellen? Ich musste erst mal UCI-Punkte sammeln, um mich in eine gute Startposition zu bringen.

Da sind die Regeln knallhart. Die Shorttrack-Disziplin hat mir in die Karten gespielt, da konnte ich schnell gute Resultate einfahren und damit auch Punkte. Außerdem musste ich meine Mountainbike-Fähigkeiten ausbauen. Seit letztem Jahr gewinne ich auch Rennen, das hilft mir mental.

Wer sich Gold bei der Olympiade als Ziel setzt, braucht gute Argumente. Du giltst als Meisterstratege. Deine Ansage, Olympia und die WM gewinnen zu wollen, wirkt eher großkotzig. Das erzeugt doch nur unnötig Druck. Ich mache das bewusst.

Ich setze mir gerne hohe Ziele. Der Druck, den ich selbst erzeuge, ist ohnehin höher als der von außen. Zudem erwarten die Leute um mich herum schon mein ganzes Leben lang Leistung von mir. Ich kenne das. Das ist eine Sache des Selbstvertrauens.

Wenn du nicht selbst dran glaubst, dann mag so eine Aussage kontraproduktiv sein. In meinem Fall nicht. Viele Sportler setzen auf Mental-Trainer. Du auch? Nein, doch ich halte es nicht grundsätzlich für Quatsch.

Würde ich ein Defizit spüren, dann hätte ich kein Problem damit, mir Hilfe zu holen. Doch ich habe mein Team und meine Familie, das reicht. Außerdem bin ich kein Typ, der viel quatschen muss. Ich mache das mit mir selbst aus.

Du strotzt vor Selbstbewusstsein. Gibt es auch Situationen, in denen ein van der Poel unsicher ist?(Pause) Nein, da fällt mir keine ein. Es muss doch Dinge geben, die Du so gar nicht kannst? Ich bin ein schlechter Sänger, und tanzen kann ich auch nicht.

Ich habe einfach kein Taktgefühl. Schnellschüsse - Mathieu van der Poel Bester Sport neben dem Radsport: Enduro (Motorrad) Größter Traum: in MTB, Straße und Cyclocross Weltmeister werden. Welcher Moment hat Dir das letzte Mal Angst gemacht: Als ich mit meiner Freundin zusammengezogen bin.

Mit welcher Angewohnheit solltest Du aufhören: Fingernägel kauen. Dein Lieblingsmotto: Du musst es so arg wollen wie den nächsten Atemzug. Mit wem würdest Du gerne für einen Monat tauschen: Christiano Ronaldo Was macht Dich aggressiv: Wenn ich bei Fortnite verliere (Computerspiel).

Was verpasst im Leben bisher?: Ich hätte gerne mehr Zeit mit Familie, Freundin und Freunden verbracht. Mathieu van der PoelGeburtstag: 19.01.1995 Nationalität: Niederlande Gewicht: 75 kg Größe: 184 cm Team: Alpecin - Deceuninck

SaisonSiegeRenntage
2025425
2024441
2023546
2022553
2021837
2020430
20191031
2018513
2017418
201606
2015028

Aktuellste Ergebnisse von Mathieu van der Poel:

DatumRennenKlassePlatzierung
15.06.2025Critérium du Dauphiné - Mountains classification2.UWT9
15.06.2025Critérium du Dauphiné - Points classification2.UWT2
15.06.2025Critérium du Dauphiné - General classification2.UWT58
15.06.2025Critérium du Dauphiné - Stage 82.UWT47
14.06.2025Critérium du Dauphiné - Stage 72.UWT114

Top-Ergebnisse in der Gesamtwertung:

JahrRennenKlassePlatzierung
2025Paris-Roubaix1.UWT1
2024Paris-Roubaix1.UWT1
2023Paris-Roubaix1.UWT1
2025Milano-Sanremo1.UWT1
2023Milano-Sanremo1.UWT1
2025E3 Saxo Classic ME1.UWT1
2024E3 Saxo Classic ME1.UWT1

Top-Ergebnisse im Zeitfahren:

RennenGeschwindigkeit (km/h)Distanz (km)Platzierung
Tour de France Stage 5 (ITT)44.7836
Baloise Belgium Tour Stage 3 (ITT)53.1715.22

Teams:

  • 2023-2028: Alpecin - Deceuninck (WT)
  • 2020-2022: Alpecin - Deceuninck (PRT)
  • 2019-2019: Corendon - Circus (PRT)
  • 2014-2018: Corendon - Circus (CT)

Größte Erfolge

Der Niederländer ist ein echter Allrounder, der sowohl auf der Straße, als auch im Gelände erfolgreich ist. In seinen Junior-Jahren wurde van der Poel drei Mal Weltmeister; zwei Mal im Cyclocross und ein Mal auf der Straße.

Zu seinen größten Erfolgen gehören die sechs Titel bei den UCI-Cyclocross-Weltmeisterschaften 2015, 2019, 2020, 2021, 2023 und 2024. Auch auf der Straße holte sich van der Poel das Regenbogentrikot.

Bei der Rad-WM 2023 in Glasgow triumphierte der Niederländer trotz eines Sturzes und krönte sich damit zum amtierenden Cross- und Straßenweltmeister. Zwei Mal, nämlich 2020 und 2022, sicherte sich der van der Poel den Sieg bei der Flandern-Rundfahrt, die zu den fünf Monumenten des Radsports gehört.

Neben seinen zwei Triumphen bei der Flandern-Rundfahrt gewann er auch zweimal den Halbklassiker Dwars door Vlaanderen, 2019 und 2022. Beim Giro d’Italia 2022 gewann van der Poel die 1. Etappe in Budapest und trug für zwei Tage das Rosa Trikot des Gesamtführenden.

Bei der Tour de France fuhr van der Poel 2021 nach seinem Sieg auf der 2. Etappe sogar fünf Tage im Gelben Trikot des Spitzenreiters in der Gesamtwertung. 2020 wurde van der Poel niederländischer Meister und gewann zudem bei der Benelux-Tour sein erstes Etappenrennen auf der UCI World Tour.

Das erste große Ziel des Jahres ist der siebte Weltmeistertitel im Cross, doch Mathieu van der Poel (Alpecin-Deceuninck) hat auch schon die Straßensaison 2025 fest im Blick. Im vergangenen Jahr absolvierte der Niederländer zunächst sieben Frühjahrsklassiker, von denen er vier gewann, und kehrte nach einer zweimonatigen Rennpause zur Tour de France ins Fahrerfeld zurück.

WM-Titel und Olympiasieg als Ziel Dennoch ist es gut möglich, dass der Klassikerspezialist aber auch wieder bei der Frankreich-Rundfahrt, wo er auf lediglich einen Etappensieg bei vier Teilnahmen kommt, am Start stehen wird - dann wieder als Anfahrer von Philipsen.

„Wenn Jasper dort sein wird, ist es mein Ziel, ihm dabei zu helfen, so viele Etappen wie möglich zu gewinnen. Das gefällt mir und es nimmt mir auch den Druck", sagte van der Poel. Während es für ihn bei der Tour nicht mehr viel zu gewinnen gibt, sind seine Ambitionen im Mountainbike umso größer.

Sowohl der Weltmeistertitel als auch Olympiagold sind große Ziele, die van der Poel in den kommenden Jahren angehen will. Letzte Chance Los Angeles Doch für einen Olympiasieg bleibe ihm nur noch eine Chance, wie er betonte: "Los Angeles 2028.

LA werden mit ziemlicher Sicherheit die letzten Spiele sein, an denen ich teilnehme", sagte van der Poel, der dann 33 Jahre alt sein wird. Knapp zwei Wochen vor seinem 30. Geburtstag beschäftigte sich der Alpecin-Profi auch schon mit dem Karriereende.

"Ich werde sicherlich nicht Rennen fahren, bis ich 40 bin. Für 2025 formuliert van der Poel mehrere Ziele: zum einen möchte er die Erfolge bei Paris-Roubaix und der Flandern-Rundfahrt wiederholen. Wenngleich er den Gewinn beider Monumente im Regenbogentrikot als der Höhepunkt seiner Karriere ansieht.

„Das ist etwas ganz Einzigartiges“, sagte er. Würde er die Ronde 2025 gewinnen, würde er mit vier Siegen damit alleiniger Rekordhalter werden. Doch er weiß um die Herausforderung in Person von Tadej Pogacar.

Es wird schwierig, ihn zu schlagen, aber es ist eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Zum anderen möchte er nicht nur sein Regenbogentrikot bei den Cyclocross-Weltmeisterschaften verteidigen, sondern auch den Weltmeistertitel im Mountainbike Cross-Country holen.

„Das ist etwas, was mir noch fehlt. Apropos Gold im Mountainbiken. Das würde er auch gerne bei den Olympische Spielen 2028 in Los Angeles gewinnen. Dieser Triumph blieb ihm ja in Tokio 2021 versagt. Die Spiele in LA werden auch seine letzten sein.

Gut möglich, dass er 2028 auch wirklich seine Profi-Karriere beendet, da er nach eigenen Aussagen nicht fahren will, bis er 40 Jahre alt ist und es hm wichtig ist, auf einem Höhepunkt aufzuhören. So scheint auch Wechsel zu einem anderen Team unwahrscheinlich: „Alpecin-Deceuninck ist wie eine Familie für mich.

Auch wenn die Tour 2025 nach Mûr-de-Bretagne zurückkehrt, wo van der Poel 2021 mit dem Etappensieg und der Übernahme des Gelben Trikots einer seiner größten Triumphe feierte, äußert er sich zurückhaltend und verweist auf den sportlichen Kosten-Nutzen-Effekt.

„Außer den Versuchen, Etappen zu gewinnen und das Gelbe Trikot zu tragen, gibt es für mich bei der Tour nicht viel zu erreichen.“ Er sieht sich dort dann auch in der Rolle eines Super-Domestiken für Top-Sprinter Jasper Philipsen: „Mit Jasper dort ist es mein Ziel, ihm dabei zu helfen, so viele Etappen wie möglich zu gewinnen.

Wie genau sein Rennkalender die komplette Saison aussehen wird, steht noch nicht fest. Erstes großes Ziel in 2025 wird der siebte Weltmeister-Titel im Cyclocross sein. Er liebäugelt aber anstelle von Tirreno-Adriatico Paris-Nizza zu fahren.

Er liegt auf dem Boden, krümmt sich, das Gesicht schmerzverzerrt. Irgendwann steht er wieder auf - und steigt aufs Rad. „Das war es“, dachte man als Zuschauer vor dem Fernseher. Doch der Gestürzte kam zurück, er kämpfte sich nach vorne, attackierte.

Und wurde am Ende Vierter der Flandernrundfahrt. Bei seiner ersten Teilnahme, bei seinem ersten ganz großen Klassiker. „Er ist die Zukunft“, sagt der Ex-Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins über ihn. Der Name dieses Fahrers ist ein großer: van der Poel.

Adrie van der Poel gewann die Flandernrundfahrt 1986. Viel spricht dafür, dass sein Sohn Mathieu ihm nachfolgen kann. Ende April tat er es bereits, bei einem anderen Klassiker: dem Amstel Gold Race. Er war bereits geschlagen, um eine Minute zurück, doch auf der Zielgeraden führte er seine Gruppe wieder an die Spitzengruppe heran, lancierte einen 400-Meter-Sprint - und gewann.

Um das Phänomen „MVP“, wie er in Belgien und seiner Heimat, den Niederlanden, genannt wird, zu verstehen, kann man Zahlen anführen. Zum Beispiel: 32. So viele Rennen fuhr er in der Saison 2012/2013, damals noch in der Juniorenklasse. Die Zahl seiner Siege: 32. Was van der Poel so einzigartig macht, ist seine Vielseitigkeit: Er kann alles.

2015 wurde er zum ersten Mal Cyclocross-Weltmeister der Elite, mit nur 20 Jahren. In diesem Winter gewann er die Crossrennen fast nach Belieben und wiederholte seinen Triumph. Mit Erfolg: Er feierte bei den Dwars Door Vlaanderen seinen ersten WorldTour-Sieg, gewann den Grand Prix de Denain, war Vierter bei Gent-Wevelgem und der Flandern-Rundfahrt.

„Der Sturz 50 Kilometer vor dem Ziel war großes Pech, weil er ausgerechnet dann passierte, als vorn die Post abging“, sagt er. Danach schaffte er den Anschluss an die Spitzengruppe, doch als der spätere Sieger Alberto Bettiol 16 Kilometer vor dem Ziel attackierte, konnte van der Poel nicht mehr mitgehen.

Der Kommentar seines Vaters Adrie: „Nächstes Mal.“ Adrie van der Poel war in den achtziger und neunziger Jahren ein gefeierter Radprofi - neben der Flandernrundfahrt gewann er unter anderem Lüttich-Bastogne-Lüttich und das Amstel Gold Race. Er trug das Gelbe Trikot der Tour de France und - wie aktuell sein Sohn - das gestreifte Trikot des Cross-Weltmeisters.

Doch nicht nur väterlicherseits hat Mathieu Sportgene geerbt, sondern auch mütterlicherseits. Denn seine Mutter ist die Tochter eines berühmten Radsportlers: Raymond Poulidor. Er ist einer der populärsten Rennfahrer Frankreichs.

Zwischen 1962 und 1976 stand er achtmal auf dem Podest der Tour de France, gewonnen hat er sie nie. Auch das Gelbe Trikot durfte er - im Gegensatz zu seinem Schwiegersohn Adrie - nie tragen. Die Franzosen haben ein großes Herz für „Verlierer.“ Wobei es vermessen ist, ihn so zu nennen.

Wo immer der heute 83-Jährige auftaucht, wird er gefeiert. Und wie zum Trotz trägt Poulidor stets ein gelbes Polohemd. Seine Enkel wurden beide Radfahrer: David, geboren 1992, und Mathieu, Jahrgang 1995. Auch David ist als Querfeldein-Fahrer unterwegs, doch er musste früh erkennen, dass sein Bruder das größere Talent ist.

„Mathieu wagt mehr als ich“, sagt David. „Er sitzt anmutiger im Sattel und kann schneller klettern. Deine Leidenschaft - Dein Club. Die Karriere seines Enkels verfolgt Raymond Poulidor mit großem Interesse. Die beiden haben ein inniges Verhältnis, auch wenn die Poulidors in Frankreich und die van der Poels in Belgien leben.

„Mathieu ist ein Phänomen, sein Talent ist gewaltig. Und er hat einen starken Charakter, seine Pläne umzusetzen. Vielleicht kann er einmal die Tour de France gewinnen.“ Das Einzige, was Mathieu van der Poel bisher stoppen konnte, war eine größere Blessur: Bei einem Sturz während der Tour de l’Avenir 2015 verletzte er sich schwer am Knie und musste mehrere Monate lang pausieren.

Die folgende Cross-Saison musste er abhaken. Das war extrem schwierig für einen jungen Rennfahrer, der von frühester Jugend an von Erfolg zu Erfolg fuhr, dessen Karriere immer nur nach oben ging. „Als ich anfing, Rennen zu fahren, war das alles ein großes Abenteuer.

Aber ich habe auch gelernt, auf meinen Vater zu hören, der mir ein guter Lehrmeister war“, sagt Mathieu van der Poel. Marianne Vos, wie van der Poel ein Multitalent auf dem Rad, bewundert ihren Landsmann für sein Talent, aber mehr noch für seine Disziplin.

„Mathieu hat ein tolles Gespür für die Rennen, und es sieht aus, als fiele ihm alles leicht. Aber er trainiert viel. Er macht einen harten Job, und das zahlt sich aus. Man sieht es an den Resultaten.“ Marianne Vos ist eine von sehr wenigen Athletinnen, die auf dem Rennrad, dem Cyclocrossrad und dem Mountainbike erfolgreich sind.

Bei den Männern gibt es nur einen Menschen, der alle drei Disziplinen auf Weltklasseniveau beherrscht: Mathieu van der Poel. Der Schweizer, der in jener Saison alle Weltcups gewinnen konnte, sagte später: „In keinem anderen Rennen fühlte ich mich so bedroht.“

Für van der Poel war dieser zweite Platz ein weiterer Beweis seiner Vielseitigkeit und seines großes Talents. Dementsprechend heißt eines seiner großen Ziele: das Mountainbike-Cross-Country-Rennen der Olympischen Spiele von Tokio im kommenden Jahr.

„Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist mein größtes Ziel“, sagt van der Poel. „Und da Querfeldein nicht olympisch ist und wir in den Niederlanden über einige gute Straßenfahrer verfügen, sehe ich meine größte Chance auf einen Startplatz im Mountainbike.

Meine Starts bei den Weltcups haben mir gezeigt, dass ich auf dem Mountainbike recht gut unterwegs bin, obwohl ich mich bisher nicht sehr speziell vorbereiten konnte.“ So wie er sich auf dem Rennrad präsentiert, zählt er auch auf dieser Radgattung zu den stärksten Eintagesfahrern der Welt.

So behauptete er sich im Vorjahr etwa gegen eine Übermacht der WorldTour-Profis und wurde als Einzelkämpfer niederländischer Straßenmeister. Zudem wurde er 2018 Vize-Europameister. Van der Poel hat gezeigt, dass er bei den Klassikern bestehen kann.

Mit einer Körpergröße von 1,85 Metern und einem Gewicht von 74 Kilogramm hat er ideale Voraussetzungen für die schweren He­rausforderungen in Flandern und in den Ardennen. Angesichts dieser Aussichten, dieser Leistungen, dieses Talents wird es eine der spannendsten und entscheidendsten Fragen des Profiradsports werden: Wo unterschreibt MVP?

Für welches WorldTour-Team wird er fahren? Für wen wird er siegen? Noch startet er für das kleine „Zweitliga-Team“ Corendon-Circus. Doch es gibt wohl keinen Teammanager, der ihn nicht liebend gern verpflichten würde.

Bereits um seinen „ewigen Rivalen“ bei den Crossrennen, den Belgier Wout van Aert, haben viele Teams geworben. Van Aert ist zu dieser Saison komplett auf die Straße gewechselt - und zählt bereits jetzt zu den stärksten Klassikerspezialisten.

Doch als Patrick Lefevere, der Teamchef von Deceuninck-Quick-Step, darauf angesprochen wurde, welchen der beiden Cross-Stars er lieber in seiner Mannschaft hätte, antwortete er: „Ich würde mich für van der Poel entscheiden, da er mehr der Siegertyp ist.

Mathieu van der Poel ist nicht nur auf dem Rad ein Multi-Talent. Er ist Weltspitze auf der Straße, im Cyclocross und auf dem Mountainbike. Zuletzt zeigte der 29-Jährige sein Talent in einer anderen Sportart: Golf.

Der Niederländer ergänzte Tage auf dem Grün in den letzten Jahren immer wieder zu seinem Trainingsplan. Für van der Poel ist eine Golf-Laufbahn nach der Rad-Karriere durchaus denkbar.

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