McKenzie Fahrrad 28 Zoll Test: Was taugen Fahrräder aus dem Supermarkt?

Viele Menschen nutzen Fahrräder, um regelmäßig kurze Strecken in der Stadt und Umgebung zurückzulegen. Dabei muss es nicht immer ein teures Markenrad sein. Noname-Fahrräder können ebenso ihren Zweck erfüllen und ihre Besitzer zufriedenstellen.

Die Frage, ob man sich ein McKenzie Hill 400 oder ein ähnliches Modell aus dem Versandhaus oder Supermarkt zulegen sollte, oder ob ein gebrauchtes Rad vom Fachhändler die bessere Wahl ist, beschäftigt viele. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Fahrrädern aus dem unteren Preissegment und gibt eine Einschätzung, worauf man beim Kauf achten sollte.

Das Baumarktrad im Langzeittest

Um herauszufinden, was man einem Billigrad wirklich abverlangen kann, wurde ein typisches Baumarktrad einem Langzeittest unterzogen. Drei Jahre lang wurde ein günstiges Trekkingrad unter durchschnittlicher Belastung gefahren, um seine Alltagstauglichkeit zu prüfen.

Rechtzeitig zum Saisonstart stehen sie im Eingangsbereich der Discounter und Markthallen, bei Aldi, Obi, Real oder sonstwo: Fahrräder von der Stange, schlichte Stadträder, Trekkingräder oder stylische Mountainbikes. Sie heißen Ragazzi, McKenzie, Germatec, Vortex, Cyco, Hill oder Mifa - und stammen dann von letzterer, der Mitteldeutschen Fahrradwerke AG, die die großen Handelsketten mit Rädern des unteren Preissegments beliefert.

Im normalen Fahrradhandel kosten „Fullys“, vollgefederte Räder, mehr als ein Gebrauchtwagen. Trekking- und Mountainbikes sind ebenfalls sehr viel teurer als die billigen Räder zwischen Wurstabteilung und Kleintierbedarf. Einfache, schlichte, aber qualitativ höherwertige Fahrräder bekommt man ab etwa 500 Euro aufwärts.

Hier stellt sich dann fast zwangsläufig die Frage, wie dann die schicken Räder im Supermarkt für 150 bis 250 Euro verkauft werden können. Ob Räder zu solchen Preisen überhaupt den Namen Fahrrad verdient haben, daran scheiden sich die Geister.

Die überwiegende Meinung in Fachforen und Blogs ist, dass diese Räder (dabei gern als „Neuschrott“ bezeichnet) nicht viel taugen - außer sie in den Keller zu stellen und verrosten zu lassen. Zum ernsthaften Gebrauch, gar zum tagtäglichen Radfahren, seien sie absolut ungeeignet. Vielleicht mal eine Runde um den Block auf dem Fahrradweg - aber im Straßenverkehr, bei Wind und Wetter? Kann man damit gut fahren, sich auf die Straße wagen, oder zerlegen sich diese Räder tatsächlich schon nach den ersten paar Kilometern in ihre Einzelteile?

Das günstigste Fahrrad, was ausfindig zu machen war, war ein „Trekkingrad“ zum Aktionspreis von 99,- Euro in einfachster Ausstattung: keinerlei Federung (sieht man von der Federungswirkung des Gel-Sattels und der Luftreifen ab), eine 7-Gang-Kettenschaltung, dazu Ausstattung gemäß StVZO (Seitenläufer-Dynamo, Lampen, Reflektoren, Klingel), mit zu diesem Zeitpunkt angesagtem „Brezellenker“, ein sogenannter Multifunktionslenker in Form einer Acht, wobei Multifunktion hier die vielfältigen Möglichkeiten von Greifpositionen meint. Als seitliche Reflektoren waren nur billige Katzenaugen vorhanden.

Mit diesem Rad wurde nun gefahren, wie man es bei einem typischen Alltagsrad erwarten kann: Fahrten zum Einkaufen im Stadtverkehr, Transporte mit dem Kindersitz, Ausflüge ins Grüne und auch einmal längere Radtouren - immerhin wurde das Rad unter der Bezeichnung „Trekking“ angeboten.

Dass sich die Räder in ihre Einzelteile zerlegen, das kann sich kein Händler erlauben, immerhin bestehen 2 Jahre gesetzliche Gewährleistung auch auf ein Billigfahrrad, von denen das erste halbe Jahr unproblematisch einzufordern ist.

Der Trick ist jedoch, dass die Geschäfte diese Räder gar nicht als fahrbereite Fahrräder verkaufen, sondern lediglich „vormontiert“: d.h., dass der Kunde nach dem Kauf noch selbst ran darf (oder eine Fahrradwerkstatt damit beauftragen): zumindest die Pedale und der Lenker müssen vom Käufer nach dem Erwerb selbst montiert bzw. eingestellt werden.

Die Gewährleistung erlischt dadurch selbstverständlich nicht, für Montagefehler ist jedoch dann der Kunde selbst verantwortlich, wenn er etwa z.B. die Pedalen entgegen der Anleitung falsch herum hineinschraubt und somit die Tretkurbel-Gewinde zerstört. Bricht z.B. der Rahmen, liegt unzweideutig ein Gewährleistungsfall vor, aber die „Fahrbereitschaft“ an sich liegt damit letztlich in der Verantwortung des Kunden. Zieht dieser nicht alle Schrauben richtig an und stürzt infolgedessen (weil z.B. die Bremsen nicht richtig greifen oder der Lenker zu sehr wackelte), kann er dafür kaum den Verkäufer haftbar machen.

Fahrgefühl und Komfort

Das Wichtigste am Fahrrad neben der Betriebssicherheit ist das Fahrgefühl. Ein Fahrrad, auf dem das Fahren keinen Spaß macht, wird dazu führen, dass man das Rad ungern benutzt. Den Fahrspaß trüben können die unterschiedlichsten Dinge. Nicht zuletzt entscheidet das Gesamtgewicht des Rades darüber, ob man gerne damit fährt oder nicht. Die ersten Punkte lassen sich relativ leicht beheben, doch am Gewicht des Fahrrades kann man nicht viel verstellen. Auch unser Testfahrrad wies mehrere dieser Probleme auf.

Das Rad wurde nur in einer Größe angeboten - für Herren, aber offenbar hatte man dabei an kleinwüchsige Männer gedacht. Der Rahmen war sehr klein dimensioniert, so dass die fehlende Höhe durch extremes Herausziehen der Sattelstütze und Hochstellen des Lenkers kompensiert werden musste.

Wer nun denkt, durch den kleinen Rahmen wäre wenigstens Gewicht gespart worden, irrt. Denn das Fahrrad ist ein optischer „Blender“: der Fahrradrahmen sieht aus wie einer aus (leichtem) Aluminium, besteht in Wirklichkeit aber aus schwerem Stahl. Die Rahmenrohre sind somit dicker, als sie eigentlich sein müssten, denn Stahlrahmen kommen auch mit geringeren Rohrdurchmessern aus. Zugunsten des moderneren Erscheinungsbildes wurde jedoch auf eine leichtere Bauweise verzichtet. Das gaukelt nach außen hin ein modernes Fahrrad vor, macht das Rad aber unnötig schwer.

Auch im Übrigen wurde Stahl statt Aluminium verwendet: Gepäckträger, Lenker, Sattelstütze - alles kein Aluminium. Nur die Bremsgabeln sind tatsächlich aus Aluminium - so konnte man das begehrte Schlagwort „Alu“ dann doch noch im Werbeprospekt unterbringen.

Auch an weiteren Stellen trickste das Fahrrad. Die „Sprungfedern“ unter dem Sattel etwa waren nicht echt, sondern durch eine entsprechende Form aus Plastik nur angedeutet.

Haltbarkeit und Defekte im Dauertest

Die nächstwichtigste Frage beim Kauf eines Rades, gerade in Bezug auf die typischen Baumarkträder, ist natürlich, wie lange es überhaupt hält.

Im Langzeittest traten folgende Defekte auf:

  1. Die Klingel brach kurz nach dem Kauf.
  2. Das Hinterrad fing kurz nach Ablauf der Gewährleistungsbeweislastumkehr an zu eiern.
  3. Der Hinterreifen wurde rissig und musste ersetzt werden.
  4. Es gab einen Platten am Vorderrad.
  5. Die Lenkergriffe saugten sich mit Wasser voll und wurden spröde.
  6. Das Gel im Gelsattel verformte sich.
  7. Die Sattelstütze rostete stark.
  8. Die Laufrolle des Seitenläuferdynamos war abgefahren.
  9. Der Scheinwerfer brach aufgrund von Korrosion.
  10. Der Vorbau des Lenkers wurde instabil.
  11. Eine der Pedale brach während der Fahrt.
  12. Der Kettenschutzring flog weg.
  13. Der Lack wies deutliche Gebrauchsspuren auf.

Doch nicht alles ging im Laufe des Testzeitraumes kaputt, manche Fahrradteile erwiesen sich als äußerst beständig:

  • Die Bremsen (lediglich die Bremsklötze mussten ausgetauscht werden).
  • Das Vorderrad samt Vorderreifen.
  • Die Gangschaltung.
  • Das Rücklicht mit Standlichtfunktion.
  • Der Drahtgepäckträger.
  • Die Kette.
  • Der Ständer.
  • Die Schutzbleche.
  • Tretlager und Kurbeln.
  • Die Katzenaugen in den Speichen.

Kostenaufstellung nach drei Jahren

Rechnet man alle Ersatzteile zusammen, übersteigen die Kosten hierfür den Anschaffungspreis des Fahrrades um genau 50 Euro, es wurden also Ersatzteile für 149 Euro beschafft. Letztendlich hat sich der Preis für das Fahrrad nach 3 Jahren Fahrt dadurch um 150% auf 248 Euro erhöht - Arbeitszeit für Reparaturen und Ersatzteileinbau nicht eingerechnet.

Im Ergebnis sind aus den unschlagbaren 99 Euro nach 3 Jahren Fahrt also knapp 250 Euro geworden. Doch auch dies ist immer noch sehr viel günstiger als ein höherwertiges Fahrrad.

Fazit: Lohnt sich der Kauf eines Billigrades?

Es kann wie gesehen eine billige Alternative sein, nämlich dann, wenn man Selbstreparieren nicht scheut. Es ist eine günstige Möglichkeit, an ein „Fahrradgrundgerüst“ zu gelangen, das die ersten Monate erst einmal fährt. Man muss aber davon ausgehen, dass man mindestens noch einmal denselben Betrag in Ersatzteile investieren muss - und immer wieder den Werkzeugkasten auszupacken hat.

Lässt man die Reparaturen in einer Werkstatt ausführen und montiert nicht selbst, wird es noch sehr viel teurer. Radfahrer, die sich die Hände nicht schmutzig machen möchten, sollten von Baumarkträdern daher Abstand nehmen und sich für höherpreisige Räder entscheiden, die aus höherwertigeren Teilen zusammengesetzt sind, da sich der vermeintlich billige Fahrradkauf sonst sehr schnell in eine Kostenfalle verwandelt.

Wer nur Rad fahren, aber nicht reparieren will, sollte bereits am Anfang mehr Geld in eine qualitativ bessere Ausstattung investieren.

Wer jedoch auch gerne mal an seinem Fahrrad herumschraubt, wer das Fahrrad an sich als Hobby betrachtet, der kann durchaus auch mit einem Billigrad glücklich werden. Ein Käufer eines Supermarktrades muss wissen, was er tut - oder sich das Wissen über Montage und Instandsetzung selbst aneignen. Das und die vielen kleinen Reparaturen kosten Geld und Zeit.

Zu einem gewissen Teil bleibt der Kauf eines Billigstrades jedoch auch Glückssache, denn man weiß nie, wie lange ein Teil halten wird oder wann es zu ersten Ausfallerscheinungen kommt. In einem Punkt hat diese Art von Rädern jedoch einen eindeutigen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: sie ist relativ sicher vor Diebstahl.

McKenzie Hill 700 im Test

Mit einem Budget von 500 Euro wurde ein Fully-Mountainbike im Großmarkt gesucht und mit dem McKenzie Hill 700 für 449 Euro (reduziert auf 399 Euro an der Kasse) gefunden. Das Bike verfügt über eine Shimano-Schaltung, hydraulische Scheibenbremsen, RST-Federgabel, KS-Dämpfer und Michelin-Reifen.

Die Endmontage ist für Laien zu schaffen, jedoch fielen bereits hier Ungereimtheiten wie Tropfnasen an den Schweißnähten, eine Kabelführung mit Kabelbindern und schlecht gefertigte Tretlagerschalen auf.

Die Steifigkeit des Bikes wurde als hervorragend bewertet, das hohe Gewicht von 17,1 Kilo jedoch als Nachteil. Die Funktion der Promax-Scheibenbremsen und des Schaltungs-Mix aus Shimano-Komponenten wurde als passabel eingestuft. Die Federelemente erwiesen sich jedoch als bockig und ohne Dämpfung. Der Hinterbaudämpfer funktionierte nur bei schweren Fahrern zufriedenstellend.

Das McKenzie Hill 700 schnitt in puncto Wippen und Pedalrückschlag am schlechtesten ab.

Ein gutes Bike besteht aus mehr als der Summe seiner Teile. Die Ausstattung des McKenzie Hill 700 geht für den Preis in Ordnung. Der Rahmen jedoch ist so schlecht konstruiert und gefertigt, dass wir Einsteigern definitiv davon abraten.

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