Die meistverkauften Motorräder aller Zeiten: Eine umfassende Liste

Jahreswechsel, Zeit für Rückblicke. Aber nicht primär aufs Jahr 2008. Sondern auf die Motorräder, an die man sich nach zehn, 20 oder gar 40 Jahren noch erinnert. Was hat uns 1968 oder 1978 bewegt, was 1988 oder 1998 fasziniert? Wie war damals die Zukunft?

Ein Blick zurück in die Geschichte des Motorrads

1968: Die Honda CB 750 revolutioniert den Markt

Massenproteste von Schülern und Studenten stellten 1968 die bürgerlichen Normen westlicher Gesellschaften in Frage: Sie richteten sich gegen den Vietnam-Krieg, verharmlosenden Umgang mit den beispiellosen Nazi-Verbrechen und den konservativen Muff der Aufbaujahre. Von nun an wurde das Zweirad zum lustvoll zelebrierten Freizeitgerät.

Ungeheuerlich! Denn Motorräder wollte ab Mitte der 50er Jahre in der Bundesrepublik niemand mehr haben. Wer es sich leisten konnte, war auf ein Auto umgestiegen. Binnen zwölf Jahren, von 1956 bis 1968, sank der Motorrad-Bestand auf ein Zehntel, von 2,5 Millionen auf 250000 Maschinen. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis das letzte Motorrad in irgendeiner namenlosen Garage vor sich hinrosten würde.

Und nun das: vier Zylinder, 67 PS, Vmax angeblich 190, Scheibenbremse, vier glänzende, stolz verchromte Auspuffrohre. Alle Achtung. Dabei existierte Honda erst seit 1948. Im Jahr 1958 feierte die Firma das zehnmillionste Zweirad und rammte einen wichtigen Meilenstein in die Erde: Das Modell Honda Super Cub debütierte, das "Cheap Urban Bike", ein günstiges Fahrzeug für Massenmotorisierung. Bis heute liefen 60 Millionen Stück vom Band, sie ist das meistgebaute Kraftfahrzeug der Erde.

Doch die CB 750 entwickelte eine andere Dynamik, eine neue Form von Sprengkraft. Weil sie Träume beflügelte, Fantasie freisetzte, Begierde weckte. Sie wurde weltweit zum erfolgreichen Retter der brachliegenden Motorradszene.

1978: Ein Feuerwerk an neuen Modellen

Zehn Jahre später fackelten alle Hersteller ein wahres Feuerwerk an Modellen ab. Wie zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion war auch unter den Motorradherstellern das Wettrüsten in vollem Gange.

Yamaha lancierte die 95 PS starke, Kardan-bewehrte und überschwere XS 1100. Gleichzeitig markierte Yamaha das andere Extrem: die SR 500 als Wieder-Entdeckung des klassischen Straßen-Einzylinders, ein "zurück zu den Wurzeln". Suzuki konterte mit der GS 1000 als letzte aller japanischen Tausender.

BMW setzte auf Verwöhn-Komfort und brachte die R 100 RT. Ein Modell dem eine Baureihe folgte, die nun seit 30 Jahren kontinuierlich produziert wird. Ein einzigartiger Rekord unter großen Motorrädern. Doch auch 1978 setzte wiederum Honda den Superlativ. Zwar hatte bereits Benelli in Form der Sei mit 750 und 900 cm3 Hubraum den Reihensechszylinder in Serie etabliert. Aber die 1000 cm³ messende, 105 PS starke CBX sprengte alle Konventionen.

Gleichzeitig erschien die CX 500 als braves, robustes Arbeitspferd. Ende 1978 schob Honda mit der CB 900 F Bol d’Or noch das erfolgreichste Superbike der späten 70er und frühen 80er nach.

1988: Innovation und Vielfalt

Zehn Jahre später, 1988, legte Honda seinen unverwüstlichen 52-Grad-V2 auf, der parallel in VT 600 C, NTV 650 und der XRV 650 Africa Twin Einstand feierte. Deren wilde, doch stilvolle Kriegsbemalung ist längst ebenso legendär wie ihre unbedingte Fernreisetauglichkeit. Ein toller Baukasten! Daneben erblickte 1988 einer der charaktervollsten und flottesten Sportler das Licht der Welt: die V4-bestückte VFR 750 R, bis heute besser bekannt unter ihrem Kürzel „RC 30“.

Helmut Dähne fuhr seine berühmte Rekordrunde auf der Nordschleife mit der bestens ausgewogenen, zeitlos jung gebliebenen RC 30. Harley-Davidson brachte 1988 die 1200er-Sportster heraus und Yamaha erstmals die XV 535 Virago nach Deutschland. Sie stieg zum meistverkauften Motorrad in Deutschland empor. Zeitgleich präsentierte Kawasaki die erste ZX-10. Mit ihr knüpfte Kawa an die Tradition der Powerbikes Z 900 und Z 1000 an.

BMW trieb mit der K1 das plastikverschalte, bonbonfarbene Zeitalter auf die Spitze, das Honda mit CBR 600 und CBR 1000 begründet hatte. BMW-Mechaniker hassten die extrem verbaute K1, sollen angeblich in alle Richtungen geflüchtet sein, sobald eine in die Werkstatt kam. Bodenständiger blieb dagegen der größte Einzylinder weltweit, in der Suzuki DR 750 Big.

1998: Supersportliche Ära

1998 läuten Yamaha R1, MV Agusta F4 und Aprilia RSV mille die supersportliche Ära ein. Die Yamaha FZS 600 Fazer begründet eine neue, attraktive wie fahr-aktive Mittelklasse.

Aktuelle Trends und meistverkaufte Modelle in Deutschland

Der deutsche Motorradmarkt verzeichnete im Jahr 2024 einen bemerkenswerten Aufschwung. Wie Zahlen des Industrieverbands Motorrad (IVM) wurden insgesamt 246.870 neue Motorräder und Roller zugelassen, was so viele Neuzulassungen wie seit über zwei Jahrzehnten bedeutet.

Allerdings sind diese Zahlen nicht unbedingt repräsentativ für den echten Markt, da viele dieser Motorräder sogenannte Tageszulassungen waren - Fahrzeuge, die zwar registriert, aber noch nicht an Endkunden verkauft wurden. Dadurch können Händler sie noch unter der Abgasnorm Euro 5 verkaufen. Tatsächlich war die echte Nachfrage im Jahr 2024 deutlich geringer.

Die Top Ten der meistverkauften Motorräder 2024 in Deutschland

  1. BMW R 1300 GS
  2. Kawasaki Z 900
  3. Honda CB 750 Hornet
  4. BMW R 1250 GS
  5. Honda XL 750 Transalp
  6. Yamaha MT-07
  7. KTM 690 SMC
  8. Yamaha Ténéré 700
  9. BMW F 900 R
  10. Kawasaki Z 650

Diese Rangliste verdeutlicht, dass die deutschen Motorradfahrer auch im Jahr 2024 auf bekannte Modelle setzen. Besonders die GS-Serie von BMW bleibt unangefochten die Nummer eins auf den Straßen.

Die beliebtesten Marken auf dem deutschen Motorradmarkt

BMW dominiert den deutschen Motorradmarkt weiterhin souverän. Mit einem Marktanteil von knapp 19 Prozent führt das bayrische Unternehmen die Liste an, vor allem dank ihrer beliebten GS-Modelle. Auch andere namhafte Marken wie Harley-Davidson, Triumph und Ducati sind stabil vertreten und konnten ihre Positionen halten.

In Sachen erfolgreichste Marken steht nach wie vor BMW mit 19,3% Marktanteil (2022: 21,4%, 2021: 23,5%) an der Spitze. Die Bayern dürften ihre Pole Position aber wohl bald in Gefahr sehen, da Honda ihnen mit einem Marktanteil von 17,2% zunehmend dichter auf den Fersen ist.

Es ist keine Überraschung, dass BMW 2024 bei den Motorrädern seine Spitzenposition auf dem heimischen Markt verteidigen konnte. Mit 28.581 Neuzulassungen lag die bayerische Marke eindrucksvolle 19,2 Prozent über dem Vorjahr und kam auf einen Marktanteil von 18,7 Prozent. BMW verdankte den Erfolg vor allem seinem Bestseller, der großen Boxer-Enduro R 1300 GS, die auf 7174 Neuzulassungen kam.

Mit 21.431 Neuzulassungen schnitt Honda 2024 als einziger Hersteller in den Top Ten der Klasse über 125 cm3 schlechter ab als im Vorjahr, mit einem Minus von 3,3 Prozent. Allerdings behauptete der weltgrößte Motorradhersteller seinen zweiten Platz auf dem deutschen Markt deutlich. Bestseller blieb die günstige und zugleich schicke CB 750 Hornet mit 2935 Neuzulassungen auf Platz drei.

Eigentlich könnte sich KTM über den dritten Platz auf dem deutschen Markt freuen, wenn die Bronzemedaille nicht teuer erkauft worden wäre. Die Händler mussten wegen der irrsinnigen Überproduktion viele Modelle durch eine brutale Rabattschlacht in den Markt drücken. So ist der gewaltige Sprung von 34 Prozent auf 15.559 Neuzulassungen zu erklären, allein im Dezember waren es 3275 Stück.

Auch wenn Kawasaki 2024 einen Platz auf dem deutschen Markt verlor, konnten die Japaner mit Rang vier zufrieden sein. Die Marke kam auf 15.460 Neuzulassungen - ein beachtliches Plus von 20,2 Prozent.

Auch Yamaha wuchs 2024 auf dem deutschen Markt, und zwar um 20,6 Prozent. Die Marke verblieb mit 12.296 Neuzulassungen allerdings auf dem fünften Rang. Bestseller wurde erneut das Mittelklasse-Naked-Bike MT-07 auf Platz sechs mit 2513 Neuzulassungen, also über 500 mehr als im Vorjahr.

Harley-Davidson gelang das Kunststück, kein einziges Modell in den Top 50 der deutschen Neuzulassungen zu haben und trotzdem mit 8706 Stück Rang sechs zu belegen. Kein Modell der US-Marke verkaufte sich herausragend in Deutschland, aber viele auf ähnlichem Niveau.

Triumph hatte sich 2024 auf den siebten Platz der Neuzulassungen verbessert. Die englische Marke legte um 11,9 Prozent auf 6991 neue Fahrzeuge im Straßenverkehr zu.

Die Gründe für den Erfolg der Top-Modelle

Was zeichnet die in Deutschland zehn bestverkauften Motorräder aus? Warum liegen sie in der Käufergunst vorne? Preis, Design, Technik, Emotion? Eine Analyse des Motorradmarktes bis September 2015 zeigt, dass budgetorientierte Motorräder, die verlässliche Technik und narrensicheres Handling zu überschaubaren Kosten bieten, besonders gefragt sind.

Die Yamaha MT-07 veranschaulicht, wie wichtig budgetorientierte Motorräder sind, verdeutlicht aber auch, dass es im Programm eines Motorradherstellers nicht schaden kann, mit neuen, ansprechend designten, attraktiven Modellen Impulse für Käufe zu setzen.

Aktuelle Herausforderungen und Trends auf dem Motorradmarkt

Die Einführung der Euro-5+-Norm hat die Zulassungszahlen in Deutschland deutlich beeinflusst. Aufgrund zahlreicher Tageszulassungen zum Jahresende 2024 ist ein Vorjahresvergleich derzeit nicht belastbar. Deshalb ist es wichtig, die aktuellen Trends und Entwicklungen genau zu beobachten, um fundierte Prognosen für die Zukunft des Motorradmarktes treffen zu können.

Auch der wachsende Markt für Elektromotorräder spielt eine immer größere Rolle. Obwohl die Verkaufszahlen von Elektromotorrädern noch relativ gering sind, verzeichnen sie ein stetiges Wachstum und könnten in Zukunft eine wichtige Rolle auf dem Motorradmarkt spielen.

Die meistverkauften Motorräder aller Zeiten: Eine subjektive Auswahl

Der Versuch, die besten Fahrräder aller Zeiten aufzulisten und diese Liste auf 10 zu beschränken, ist sicherlich ein strittiger Punkt. Sie können also sicher sein, dass Sie hier auf Modelle stoßen werden, die Ihrer Meinung nach keine Beachtung verdienen. Schon der Begriff „bestes“ ist umstritten. Was bedeutet es: kommerzieller Erfolg, unglaubliche Leistung, Qualität der Materialien oder originelles Design?

Einige der bemerkenswertesten Modelle

  • Brough SS 100: Seine Geschwindigkeit, Qualität und Technik haben ihn zu einer Legende gemacht.
  • Honda Cub: Keine andere Maschine auf der Welt hat es bisher geschafft, einer so großen Zahl von Menschen eine solche Unabhängigkeit zu bieten. Es ist das meistverkaufte motorisierte Fahrzeug der Welt.
  • Honda CBR600F: Ein weiteres nahezu perfektes Beispiel für ein Fahrzeug von Honda. Ihre Reihe von Titeln in der Supersport-Weltmeisterschaft auf der Straße spricht Bände.
  • Yamaha R1: Jeder, der das Glück hatte, kurz nach der Markteinführung hinter dem Lenkrad der originalen Yamaha R1 zu sitzen, wird sich für immer an diesen Moment erinnern; nichts war mit ihren 150 PS zu vergleichen.
  • BMW R1200GS: In den letzten zehn Jahren ist BMWs Ruhm als Motorrad für solche Abenteuer beispiellos geworden.
  • Honda CB750: Dies brachte die rückständige britische Motorradindustrie endgültig ins Wanken. Manche mögen die Honda CB750 dafür hassen, aber niemand kann ihr die Schuld an den Unzulänglichkeiten ihrer Konkurrenten geben.

Aktuelle Zulassungszahlen und Marktveränderungen (Juli 2025)

Aktuelle Statistiken zeigen, dass der Motorradmarkt im Juli 2025 einige interessante Veränderungen erlebt hat. BMW liegt hinter Kawasaki Z900 und Vespa GTS 310 Super nur noch auf Platz 3 der Zulassungsstatistik.

Top 10 Neuzulassungen Juli 2025 - Motorräder, Roller & 125er

Marke Anzahl Marktanteil Veränderung (Vorjahr)
1 Honda 2.480 20.50 % + 20.1 %
2 BMW 2.391 19.77 % + 2.8%
3 Kawasaki 1.922 15.89% + 23.2%
4 Yamaha 996 8.23% - 7.9%
5 Ducati 675 5.58% - 2.5%
6 Triumph 613 5.07% - 5.7%
7 Harley-Davidson 468 3.87% - 23.2%
8 Aprilia 386 3.19% + 8.7 %
9 Suzuki 319 2.64% - 38.3 %
10 CF Moto 310 2.56% - 1.3 %
11 KTM 254 2.10% - 75.0 %
12 Royal Enfield 248 2.05% - 9.2 %
13 Voge 183 1.51% + 96.8 %
14 Moto Guzzi 171 1.41% - 29.0 %
15 Indian Motorcycles 116 0.96% - 35.2 %
16 Husqvarna 92 0.76% - 81.3 %
17 Betamotor 58 0.48% - 49.6 %
18 Benelli 53 0.44% - 40.4 %
19 Zero Motorcycles 37 0.31% + 27.6 %
20 Fantic Motor 29 0.24% - 43.1 %
21 QJ-Motor 21 0.17% - 25.0 %
22 Tayo Motors 15 0.12% + 650.0 %
23 Brixton 11 0.09% - 70.3 %
24 GasGas 11 0.09% - 93.8 %
25 Sherco 10 0.08% - 16.7 %

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