Dass bei all den Boutique-Bikes in diesem Test auch ein paar unserer Leser heimlich von einem Merida träumen, wundert vielleicht den ein oder anderen. Ausgerechnet ein Mountainbike von einem der größten Bike-Hersteller der Welt? Wo steckt da der Reiz? Zugegeben: Auch wir waren anfangs skeptisch. Doch wer beim Merida One-Forty 10k einmal genauer hinsieht, merkt schnell, dass nicht nur Hersteller mit Kultstatus oder kleine Edelschmieden in der Lage sind, Haben-wollen-Reflexe auszulösen.
Zurück zum Reiz. Der steckt bei Meridas neuem All Mountain Bike, dem One-Forty 10k, neben der schillernden Lackierung und der schicken Formgebung vor allem im Detail. So kommt der Neuling mit einem Staufach und einer Neoprentasche im Unterrohr für Proviant und Ersatzteile. Der Deckel dafür befindet sich unter dem Tretlager und wird von einer Inbus-Schraube fixiert. Der passende Schlüssel für die Schraube steckt in der hinteren Steckachse.
Doch damit nicht genug: Mini-Schutzbleche am Hinterbau und an der Gabelbrücke fangen den gröbsten Dreck ab, den magnetischen Fidlock-Flaschenhalter montiert Merida ab Werk. Auch das Minitool unterm Sattel ist im Kaufpreis enthalten.
Einen weiteren USP bietet das Merida One-Forty mit seiner hauseigenen Teleskopstütze mit 230 Millimetern Hub. Zum Vergleich: Der maximale Hub bei den Reverb-Modellen von Rockshox beträgt nur 200 Millimeter. Doch der eigentliche Vorteil von Meridas Limotec-TR-Dropper besteht in ihrem variablen Verstellbereich. So lässt sich die Sitzhöhe nicht nur via Sattelklemme, sondern auch mit der Stütze selbst verstellen. Dadurch können auch kleine Piloten für mehr Laufruhe zum längeren Rahmen greifen, ohne durch den maximalen Sattelstützen-Einschub begrenzt zu sein.
Und zu guter Letzt: Dank Flipchip an der Dämpferanlenkung kann man je nach Vorliebe auch auf ein kleineres 27,5-Zoll-Hinterrad umrüsten.
Bei der Menge an technischen Finessen und cleveren Detaillösungen drängt sich die entscheidende Frage auf: Besitzt das Merida One-Forty auch auf dem Trail das Rüstzeug zum Traum-Bike? Kurz gesagt, jein. Denn bergab spricht das Fahrwerk zwar sensibel an, verarbeitet aber trotz des üppigen Federwegs grobes Geläuf weniger souverän als die besten All Mountain Bikes dieser Preisklasse.
Auf gemäßigten Trails verträgt das One-Forty durch den langen Reach und den 65 Grad flachen Lenkwinkel aber dennoch viel Geschwindigkeit. Die steile, sehr lineare Federkennlinie bietet über den gesamten Federweg viel Gegendruck und animiert zu einer aktiven Fahrweise. So versprüht das Merida fast schon mehr Trailbike-Feeling als All-Mountain-Flair.
Gleiches gilt für die Uphill-Performance. Denn, während das Gros der modernen All Mountains immer mehr mit den noch abfahrtslastigeren Enduros verschmilzt, kommt man mit dem Merida One-Forty 10k tatsächlich noch über alle Berge. Den Grundstein dafür legen die Entwickler mit der sehr modernen und vortriebsorientierten Geometrie.
79 Grad Sitzwinkel, mehr als 500 Millimeter Reach und ein 50er-Vorbau - diese Kombination resultiert in einer sportlichen Sitzposition. Viel Druck auf der Front und Kontrolle über das Vorderrad ermöglichen diese Maße ebenfalls. Wer es auf Tour aber lieber gemütlicher angehen lässt, der wählt eine Größe kleiner, oder tauscht den Vorbau gegen ein kürzeres Modell, um die Sitzposition zu entschärfen.
Der antriebsneutrale Hinterbau unterstreicht den sportlichen Charakter des One-Forty. Trotz 148 Millimeter Federweg bleibt das Heck beim Pedalieren angenehm ruhig. Auch das Gesamtgewicht von 14 Kilo (ohne Pedale) kann sich angesichts des üppigen Hubs und der soliden Bereifung sehen lassen. So beschleunigt das Merida leichtfüßig und macht Lust auf lange Touren. Spätestens nach dieser Erkenntnis wich dann zumindest bei unseren tretfreudigen Testfahrern auch die anfängliche Skepsis endgültig dem Haben-Wollen-Reflex.
Mit dem Ziel, die Wahrnehmung der in seinem Heimatland Taiwan hergestellten Fahrräder zu verbessern, gründete Ike Tseng 1972 die Marke Merida - mit Erfolg. Denn gemeinsam mit Branchen-Riesen, wie Giant und Co, ist Merida heute Anwärter auf den Titel “größter Bike-Hersteller der Welt”. Im Gegensatz zu den meisten kleineren Schmieden in diesem Test beschränken sich die Taiwanesen aber nicht nur auf den Bau von Mountainbikes. Ganz im Gegenteil: Der Anteil geländetauglicher Zweiräder ohne Motor beläuft sich nur auf 30 bis 40 Prozent.
Technische Daten und Noten Merida One-Forty 10k
Herstellerangaben:
- Preis: 11.699 Euro
- Erhältlich im Fachhandel
- Rahmenmaterial: Carbon
- Rahmengröße: XS / S / M / L / XL (getestete Größe L, 44 cm)
Messwerte:
- Gewicht o. Pedale
*Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder.
Weitere Merida Modelle im Test
Neben dem One-Forty 10k wurden auch andere Merida Mountainbikes getestet. Hier ein kurzer Überblick:
Merida eONE-EIGHTY
Obwohl es für die anspruchsvollsten Enduro-Strecken und Jumplines im Bikepark ausgelegt ist, war das E-MOUNTAINBIKE-Team vom „einsteigerfreundlichen Handling“ sowie dem hohen Sicherheitsgefühl beeindruckt, „besonders, wenn man mit Mach 5 Streif-ähnliche steile Abfahrten runterballert“.
Das smoothe Fahrwerk schlucke bergab kleine Unebenheiten „als würden sie einfach weggehext“. „Das zaubert vor allem Anfängern ein Lächeln ins Gesicht, da es selbst auf verblockten Trails, die man sich früher nicht getraut hätte, mehr Sicherheit vermittelt.“
Nach ihrer Testphase bestätigte die E-MOUNTAINBIKE-Redaktion unser Designziel: Das eONE-EIGHTY sei ein großartiger Begleiter für Fahrerinnen oder Fahrer, „die einen Bikepark oder Trailpark ohne Lift vor der Haustür haben oder gerne große Touren mit steilen, ruppigen Trails runterballern“.
Das Fazit der Redaktion:„Das MERIDA eONE-EIGHTY ist ein vielseitiges E-MTB, ideal für Biker, die lange Touren und steile, ruppige Trails ohne Lift im Loop fahren möchten. Der tiefe Stand sorgt für ein sicheres Fahrgefühl, besonders bei hohem Tempo und auf technischen Abfahrten. Das weiche Fahrwerk und der kraftvolle Bosch CX-Motor bieten Komfort und gleichzeitig genug Power.
Merida MATTS J. 24+
Die taiwanesische Firma Merida zählt zu den größten Bike Herstellern der Welt. Zweifelsohne ist das MATTS J. 24+ ein kleiner Bruder der berühmten "Big" Serie von Merida. Wenn dein Sprössling ganz heiß auf Trails und richtig mountainbiken ist, passt das MATTS J. 24+ höchst wahrscheinlich ziemlich gut in seine Vorstellung eines Traumbikes. Die Qualität der Anbauteile geht als "normal" durch.
Merida BIG.NINE SLX
Als einer der größten Rahmenproduzenten der Welt gehört es für Merida zum guten Ton auch beim BIG.NINE SLX eine erstklassige Verarbeitungsqualität abzuliefern. Bei der Geometrie trifft das BIG.NINE SLX genau in die Mitte zwischen verspieltem und laufruhigem Charakter. Die relativ hohe Front lässt einen aufrecht im Sattel Platz nehmen.
Bei der Schaltung verbaut Merida nur absolut hochwertige Komponenten. Ein üppiges Garantieversprechen zeugt auch von einem nachhaltigem Wirtschaften. Mit 25 Jahren Garantie legt Merida die Messlatte hoch!
Merida eONE-SIXTY SL 2025
Mit dem MERIDA eONE-SIXTY SL 2025 präsentiert die Brand ein spaßiges Trail-E-MTB, das aber auch anspruchsvolle Trails mühelos meistert.
Merida Big.nine & Big.seven
Das neue Big.nine & Big.seven wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Team von Grund auf neu entwickelt. Der fokussierte Einsatzbereich und die Ziele für die Entwicklung waren klar: CrossCountry Racing und Marathon, maximaler Vortrieb bei bestmöglichem Komfort.
Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen!
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