Der Mitas Sport Force+ EV ist ein Hypersportreifen, der sowohl für den extrem sportlichen Einsatz auf der Straße als auch für den Gebrauch auf der Rennstrecke entwickelt wurde. Laut Hersteller ist der Mitas Sport Force+ EV die Evolution des regulären Mitas Sport Force und sowohl für die Straße als auch für die Rennstrecke geeignet. Er eignet sich für versierte Fahrer von Motorrädern, auch mit großem Hubraum, die nach Leistung verlangen und gelegentlich auf einer Rennstrecke ihre Runden drehen.
Technologie und Eigenschaften
Der SPORT FORCE+ EV ist eine Evolution (Weiterentwicklung) des SPORT FORCE+ mit einer speziellen Multi Compound Technologie (MCTT), die für besonders kurze Aufwärmzeiten entwickelt wurde, damit möglichst schnell exzellenter Grip bei allen Schräglagenwinkeln zur Verfügung steht. Gleichzeitig sorgt diese Mischung dafür, dass Haftung und Hochgeschwindigkeitsstabilität auch nach längerem und intensivem Gebrauch erhalten bleiben. Für die Rennstrecke wird die Verwendung von Reifenwärmern für mindestens 50 Minuten bei 80°C empfohlen, was die sehr sportliche Auslegung der Mischung unterstreicht. Multi Compound Technology (MCTT) sorgt für optimierte Traktion bei hohen Betriebstemperaturen und besten Grip bei extremen Schräglagenwinkeln.
Beim Mitas Sport Force wurde Augenmerk auf eine besonders kurze Aufwärmzeiten gelegt, damit möglichst schnell exzellenter Grip bei allen Schräglagenwinkeln zur Verfügung steht.
Grip und Temperaturverhalten
Der Grip auf trockener Straße ist beim Mitas Sport Force+ EV extrem von der Temperatur des Reifens abhängig. Wenn der Sport Force schön warm gefahren ist und auch hohe Außentemperaturen herrschen, dann klebt der Reifen richtig gut am Asphalt. Obwohl der Sport Force eine extrem kurze Aufwärmzeit hat und sofort da ist, so ist er aus unserer Sicht extrem bedürftig nach hohen Temperaturen, die nur im sehr sportlichen Betrieb erreicht werden.
Generell ist die Mischung des Mitas Sport Force+ EV im kalten Zustand durchaus als hart zu bezeichnen. Je wärmer er wird, umso weicher und klebriger wird das Gummi. Diese Eigenschaft mag auf der Rennstrecke von Vorteil sein, im gemütlichen Landstraßenbetrieb ist es aber nur sehr schwer den Sport Force genau in dieses Fenster zu bekommen. Vor allem auf leichten Supermotos mit Leistungen unter 100PS tut man sich hier schwer. Insgesamt kann man also sagen, dass der Grip des Sport Force+ EV inkonsistent ist.
Wenn der Sport Force+ EV jedoch nicht im richtigen Temperaturbereich liegt, dann kann es zu unvorhersehbaren Rutschern kommen. Im Test hatten wir sowohl am Vorderrad, als auch an der Hinterachse einige kleinere Schreckmomente. Bei niedrigen Temperaturen ist es uns extrem schwer gefallen den Sport Force+ auf die richtige Temperatur und somit auch den richtigen Betriebsdruck zu bekommen.
Nassgrip
Bei Nässe ist der Grip des Sport Force+ EV deutlich eingeschränkt. Da Regenwetter oftmals auch mit niedrigen Temperaturen einhergeht, und der Reifen ohnehin empfindlich auf Schwankungen reagiert, muss bei Nässe durchaus deutlich vorsichtiger gefahren werden. Da ein Silica-Anteil in der Mitte der Lauffläche zu finden ist, geht der Grip hier vollkommen in Ordnung. Sportliche Schräglagen und starkes Beschleunigen sollte man bei Nässe allerdings vermeiden. Generell hat uns die Nassperformance im Hinblick auf Sportlichkeit nicht besonders gut gefallen. Fur eine entspannte Weiterfahrt bei Regenschauern reicht der Nassgrip allerdings aus.
Bremsverhalten und Komfort
Die Bremseigenschaften des Sport Force+ EV sind nach unserem Empfinden stark vom Luftdruck abhängig. Mit hohem Reifendruck am Vorderrad arbeitet der Reifen zu wenig, das führt zu schlechterer Verzögerung und wenig Feedback. Bei niedrigerem Luftdruck verhält sich der Sport Force+ EV beim Anbremsen auf der Vorderachse hingegen komplett anders. Dann liefert er nämlich eine bessere Verzögerung und deutlich mehr Feedback. An der Hinterachse verzögert der Mitas in heißem Zustand ebenfalls sehr ordentlich. Ein Stempeln bzw.
Der Sport Force+ EV ist kein komfortabler Tourenreifen, das will er aber auch gar nicht sein… Generell rollt der Sport Force satt und hart ab, die Eigendämpfung ist in Ordnung aber Welten von Konkurrenten wie einem S22, Power 6 oder Rosso entfernt.
Verschleiß und Laufleistung
Der Sport Force+ EV zeigt im verhaltenen Straßenbetrieb absolut keine Verschleißspuren. Nur wenn man den Reifen richtig heiß fährt und intensiv sportlich nutzt, beginnt die Oberfläche des Reifens aufzurauen und sich mit dem Asphalt erst so richtig zu verbinden. Dabei müssen aber schon richtig hohe Temperaturen und Beanspruchung auftreten. Generell brechen dann euch ein wenig die Kanten der Profilschnitte ein, was aber nicht weiter tragisch ist. Im Hinblick auf das Verschleißbild haben wir das Gefühl, dass der Mitas Sport Force+ EV für extreme Belastungen entwickelt wurde.
Der Mitas Sport Force+ EV befindet sich aktuell noch im Langzeit-Test. Die endgültige Laufleistung wird daher nachgereicht. Kunden-Feedback lässt aber auf eine ungefähre Laufleistung von 3.000-5.000km schließen.
Nachtrag 2024: Der Mitas Sport Force+ EV hat bei uns im Test eine Laufleistung von 238,6 km je 0,1mm Profiltiefe erreicht.
Stabilität und Handling
Die Stabilität des Mitas Sport Force Plus EV geht generell vollkommen in Ordnung. Auch in engen Kehren ist der Hypersportreifen wunderbar stabil. Bei höheren Geschwindigkeiten und tiefen Schräglagen liegt der Mitas ebenfalls noch gut im Radius und lässt sich dabei auch wunderbar korrigieren.
Der Mitas Sport Force+ EV überzeugt mit einem generell agilen Einlenkverhalten und lässt sich präzise in den Radius steuern. Mit etwas höherem Reifendruck fährt er sich sehr agil über das Vorderrad, wird dann aber ein wenig kippelig und lässt Präzision vermissen. Mit abgesenktem Druck geht zwar die ganz spitze Agilität verloren, dafür gewinnt man aber mehr Feedback und eine stabilere Schräglage. Durch Anpassungen am Druck kann man hier das Fahrverhalten also direkt beeinflussen.
Der Mitas Sport Force+ EV überzeugt in jeder Fahrsituation mit extrem neutralem Verhalten. Während unseres gesamten Tests konnten wir kein Aufstellmoment über das Vorderrad in Schräglage feststellen. Obwohl die GasGas SM 700 eher zum Aufstellen neigt (der Attack SM Evo richtet sich z.B. stark auf), so verhält sich der Mitas extrem vorbildlich und neigt auch beim starken Anbremsen in den Radius nicht zum Aufstellen!
Luftdruck
Der Luftdruck ist ein extrem heikles Thema beim Mitas Sport Force+ EV. In unserem Test haben wir schnell festgestellt, dass der Sport Force ein Reifen für Experten und Freunde fürs Detail ist. Schon kleine Änderungen am Luftdruck haben große Auswirkungen auf Fahrverhalten und Grip.
2,1 bar an der Vorderachse und 2,0 bar an der Hinterachse im warmen Fahrbetrieb haben wir als Idealwert auf unserer GasGas SM 700 ermittelt.
- Vorderachse: Kalt 1,9 bar bei 25°+ Außentemp.
- Hinterachse: Kalt 1,7 bar bei 25°+ Außentemp.
Generell empfanden wir auf der Supermoto einen Luftdruckbereich von 2,1 - 2,55 bar heiß im Straßenbetrieb auf der Supermoto als gut. Schwerere Maschinen wie Supersportler und Superbikes sollten sich zunächst an der untenstehenden Tabelle von Mitas orientieren.
Inkonsistenzen im Test
Der Mitas Sport Force+ EV ist kein Reifen auf den man sich setzt und auf Anhieb wohlfühlt. Gerade in der Einfahrzeit haben wir Schlimmstes befürchtet. Wer sich mit dem Reifen aber ein wenig auseinandersetzt und diesen auf sein Fahrzeug abstimmt (bzw. das Fahrzeug auf den Reifen abstimmt), der bekommt ein völlig anderes Bild vom Sport Force+ EV. Zwar fehlt es aus unserer Sicht ein wenig an Feedback, ansonsten ist der Reifen aber auf einem solidem Sportniveau. Die relativ harte Reifenmischung ist uns besonders aufgefallen. Kommt diese einmal auf Temperatur, dann bietet diese extrem viel Grip, auch auf der Rennstrecke.
Obwohl der Reifen wunderbar agil und präzise zu fahren ist, so wurden wir am Ende aus dem Sport Force+ EV nicht so richtig schlau. Der Reifen hat sich im gesamten Testzeitraum unter recht ähnlichen Bedingungen oftmals komplett unterschiedlich verhalten. Vom Grip-Monster zum unberechenbaren Rutscher, der Sport Force+ EV scheint alles zu sein. Obwohl Druck und Außentemperatur gepasst haben, so kam es öfter vor, dass die Traktionskotrolle am Hinterrad und das Kurven-ABS!!! am Vorderrad etliche Male eingegriffen hat. Auch ein Rutscher über BEIDE! Räder in moderater Schräglage sorgte für einen Schreckmoment. Im Rahmen der gleichen Tour und bei ähnlicher Gangart war es dann aber auch wieder so, dass der Reifen in jeder Situation höchsten Grip in allen Lebenslagen bot. Welche Faktoren Einfluss auf das Verhalten genommen haben, konnten wir leider bis zum Abschluss unseres Tests immer noch nicht sicher feststellen. Sowohl der Druck, als auch die Außentemperatur waren in den benannten Situationen recht ähnlich oder sogar identisch. Fakt ist, dass dieses inkonsistente Verhalten nicht nur für Schreckmomente sorgt, sondern auch Vertrauen kostet.
Fazit
Der Mitas Sport Force+ EV ist kein schlechter Reifen, allerdings auch keine Top-Ware, die ab dem ersten Meter überzeugen kann. Es bedarf einiger Beschäftigung mit dem Reifen, um das Maximale herauszuholen. Wer den Mitas Sport Force+ EV allerdings sorgsam auf sein Fahrzeug abstimmt und den “Sweet-Spot” gefunden hat, der bekommt einen zuverlässigen “Kleber” auf der Straße und Rennstrecke gleichermaßen, sofern man den Reifen auf Temperatur hält.
Gerade Supermotos und kleinere Maschinen bis 80PS können den Sport Force+ EV auf der Rennstrecke wohl eher nicht überfordern. Das richtige Temperaturfenster spielt eine große Rolle. Schon geringste Schwankungen machen den Unterschied zwischen unvorhersehbarem Rutscher und Grip ohne Ende. An besonders heißen Tagen und bei sehr sportlicher Gangart fühlt sich der Hypersportreifen von Mitas erst so richtig wohl. Generell ist der Sport Force+ EV eine gute und günstigere Wahl für Kenner und alle, die sich gerne mit ihrem Pneu beschäftigen und sehr sportlich unterwegs sind.
Alternativen im Test: No-Name-Reifen im Vergleich
Neben dem Mitas Sport Force+ EV wurden auch andere No-Name-Reifen getestet, um einen umfassenden Überblick zu bieten:
- Full Bore USA: Bietet eine bessere Rückmeldung als Shinko, aber es fehlt an Agilität. Shimmy-Neigung.
- Maxxis: Leichtes Einlenkverhalten, aber mangelnde Neutralität bei hohen Schräglagen.
- Nankang: Bicompound-Gummimischung, aber Abstimmung überzeugt nicht vollständig.
- Shinko: Konzeptionell älterer Reifen mit mäßiger Handlichkeit und wenig Gripreserven.
Im direkten Vergleich zeigt der Mitas Sport Force die beste Performance, insbesondere bei Nässe, obwohl noch Ausbaupotenzial vorhanden ist.
Testergebnisse im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die Testergebnisse der verschiedenen No-Name-Reifen zusammen:
| Reifen | Landstraße/Autobahn (Punkte) | Nasstest (Punkte) | Fazit |
|---|---|---|---|
| Mitas Sport Force | 129 | 79 | Handlich, sportlich, günstig: Der Mitas Sport Force fährt sich deutlich anders als die Konkurrenz im Test. Und auch bei Regen geht er nicht vorzeitig in die Knie. |
| Maxxis | 118 | 76 | Der Supermaxx erntet am Ende des Tages trotz Platz zwei auch nur ein „bedingt empfehlenswert“: Ist die Straße trocken, bleibt er noch akzeptabel. |
| Nankang | 111 | 66 | Die mäßige Handlichkeit und die geringen Haftreserven fordern gerade bei nassem Asphalt ihren Tribut: Bereits in verhaltener Schräglage müssen weite Bögen gefahren werden, um nicht ins Rutschen zu kommen. Insgesamt fällt der Grenzbereich viel zu schmal aus. |
| Full Bore | 103 | 56 | Selbst bei Idealbedingungen bleibt die Performance des Full Bore mit seiner trägen Art, wenig Feedback und deutlicher Shimmy-Neigung dürftig. |
| Shinko | 91 | - | Der konzeptionell wohl älteste Reifen im Test (basierend auf Yokohama-Reifen aus den 90er-Jahren) zeigt sich auf der Landstraße besonders störrisch. Bereits ab geringen Schräglagen sind deutliche Gege... |
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