Motorradfahren steht für Freiheit, Sport und Leidenschaft - doch das Risiko fährt dabei immer mit. Es gibt viele traumhafte Routen für Biker in der Region. Bei aller Euphorie heißt es aber auch aufpassen - auf Straßenverhältnisse und andere Verkehrsteilnehmer. Laut ADAC Unfallforschung passieren bei schönem Wetter über 90 Prozent aller tödlichen Motorradunfälle. Rund mehr als zwei Drittel der tödlich verunglückten Motorradfahrer ist auf Bundes- und Landstraßen und klassischen Ausflugsstrecken ums Leben gekommen. Gut vorbereitet zu sein ist daher das A und O einer Motorradtour.
Die größten Gefahren beim Motorradfahren und wie Sie sich schützen können
Viele alltägliche Gefahren sind den Fahrern gar nicht bewusst, allerdings sprechen die Zahlen für sich: Motorradfahrer sind um ein Vielfaches häufiger in schwere Unfälle verwickelt als andere Verkehrsteilnehmer.
1. Mangelnde Sichtbarkeit
Was ist charakteristisch für ein Motorrad? Genau - seine Wendigkeit, Kompaktheit und Schnelligkeit. Allerdings sind diese Merkmale auch die Gründe, weshalb Motorräder von Pkw- oder Lkw-Fahrern in vielen Situationen zu spät oder gar nicht wahrgenommen werden. Dagegen können folgende Punkte helfen:
- Tragen Sie Warnwesten oder farbige Bekleidung. Meiden Sie schwarze Kleidung, vor allem nachts und in der Dämmerung.
- Licht ist Pflicht: Das Licht muss beim Motorradfahren auch tagsüber eingeschaltet sein.
- Meiden Sie tote Winkel oder andere unübersichtliche Situationen.
- Seien Sie stets bremsbereit! Vertrauen Sie nicht auf Ihre eigene Vorfahrt und seien Sie auf mögliche Fehler anderer Fahrer vorbereitet.
Genau hier setzt Übung an: Sie sollten sich auf gefährliche Situationen mental und physisch vorbereiten, um im Notfall intuitiv richtig handeln zu können. Egal, ob plötzlich abbiegender Gegenverkehr, Pkw, die Ihnen die Vorfahrt nehmen oder Lkw, die die Spuren wechseln: Sie sollten den bekannten „siebten Sinn“ für solche Situationen entwickeln.
2. Unzureichende Schutzkleidung
Ein Helm allein reicht nicht. Gute Kleidung und passendes Equipment sind ein Muss für sicheres Fahren. Schutzkleidung verhindert schlimmere Aufpralle und Abschürfungen und schützt auch vor Umwelteinflüssen wie Regen, Kälte, Insektenstichen oder kleineren Steinschlägen. Die richtige Bekleidung, Stiefel mit gutem Knöchelschutz und ein Helm nach aktueller ECE-Norm sollten somit selbstverständlich sein.
Auch wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke knackt, sollten Biker auf keinen Fall auf Schutzkleidung verzichten. Gerade bei kurzen Strecken neigen manche dazu, in Jeans und T-Shirt und sogar ohne Handschuhe zu fahren. Unser Tipp: Wer es in der schweren Lederkleidung nicht aushält, kann Sommer-Textilkleidung mit Protektoren tragen, die Stabilität und einen gewissen Schutz bietet. Wer einen luftdurchströmten und hellen Integralhelm besitzt, behält auch bei hohen Temperaturen einen kühlen Kopf. Ein Außen-Temperaturunterschied zwischen „Schwarz" und „Weiß" von mehr als 30 Grad ist keine Seltenheit. Als Alternative gibt es spezielle Jethelme mit Kinnbügel für den Sommer. Apropos Helm: Kaum ist man auf der Straße, haben Insekten mit dem Visier Bekanntschaft gemacht. Bei jedem längeren Halt sollten Biker deshalb auch die Kunststoffscheibe reinigen. Wasser und ein weiches Tuch reichen. Brillenputztücher tun’s auch!
3. Das falsche Motorrad
Wichtig ist, dass Sie Ihre Maschine im Griff haben. Wählen Sie deshalb ein Modell, das zu Ihrer Statur und Ihrer Erfahrung passt. Ein großes, schweres Motorrad mit viel PS ist deshalb nicht für jeden Fahrer die richtige Wahl. Des Weiteren sollten Sie sich über elektronische Assistenzsysteme informieren, denn auch diese können Sie vor Stürzen bewahren. Das ABS beispielsweise ist das bekannteste Fahrassistenzsystem und gilt seit 2017 als Vorschrift für Neu-Motorräder. Ältere Modelle dürfen ohne ABS genutzt werden - seien Sie sich dessen beim Gebraucht-Motorrad-Kauf bewusst und achten Sie darauf, ob Ihr neues Gefährt über das Assistenzsystem verfügt oder nicht.
4. Gefährliche Verkehrssituationen
Kreuzungen und Einmündungen gehören zu den gefährlichsten Verkehrssituationen, denn dort treffen Sie mit Ihrem Zweirad auf andere Fahrzeuge wie Pkw und Lkw. An diesen Orten ist es besonders wichtig, vorausschauend zu fahren.
Viele Streckenabschnitte sind ebenso risikoreich. Dazu zählen beispielsweise Strecken mit schlechtem Straßenbelag wie Schlaglöchern oder Rissen im Asphalt. Aber auch der Stadtverkehr mit hohen Bordsteinkanten birgt seine Gefahren.
5. Das Wetter
Plötzliche Wetterumschwünge können ebenfalls zu problematischen Verkehrssituationen führen. Vielen Fahrern fehlt die Fahr-Praxis bei schlechteren Bedingungen. Wenn dann plötzlich ein Regenschauer zu nassen Straßen oder gar Aquaplaning führt, wissen viele Fahrer nicht, was zu tun ist. Übrigens: In unserem Ratgeberbeitrag erfahren Sie mehr über die speziellen Gefahren bei Aquaplaning.
Auch bei Trockenheit können rutschige Fahrbahnbeläge auftreten: Bitumenstreifen können glatt wie Eis werden, und auch Rollsplitt und Schotter können zu einer rutschigen Angelegenheit werden. Im Herbst können außerdem Laub und Nebelbänke zum Problem werden. Seien Sie sich deswegen über diese besonderen Bedingungen bewusst.
6. Die größte Gefahr: Überschätzung
Motorradfahren ist Sport - und das sollte Ihnen jederzeit bewusst sein. Wichtig ist, dass Sie sich mental und körperlich fit fühlen, um das Motorrad sicher zu beherrschen. Haben Sie beispielsweise in der Nacht zuvor zu wenig Schlaf bekommen oder leiden unter sonstigen Beschwerden, sollten Sie Ihr Können nicht überschätzen.
Vor allem bei Fahrten in der Gruppe ist die Gefahr der Überschätzung groß. Lassen Sie sich bei Gruppenfahrten nicht dazu verleiten, schneller zu fahren und fahren Sie im Bestfall nur Strecken, die Sie bereits kennen und sich zutrauen.
Weitere Sicherheitstipps für Motorradfahrer
- Vor der Fahrt in den Urlaub heißt es die Maschine durchzuchecken. Passen die Pneus noch? Die Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 Millimeter. Stimmt der Reifendruck? Ist die Batterie noch okay? Ist die Kette korrekt gespannt? Greifen die Bremsen? Funktionieren Schaltung und Beleuchtung?
- Wer im Stau steht oder längere Standzeiten hat, sollte den Motor ausschalten, sonst droht Überhitzung. Eine echte Gefahr stellen sogenannte „Blow Ups" dar: Beton-Fahrbahnen brechen zu Sprungschanzen für die Motorradfahrer auf. Gefahrenstellen kann man oft voraus ahnen - und Geschwindigkeit und Fahrstil entsprechend anpassen.
- Für Motorradfahrer ist es enorm wichtig, sich selbst richtig einzuschätzen und auf die Gefahrensituationen schnell und gezielt zu reagieren.
- Um die Konzentration hochzuhalten und um Körperverspannungen vorzubeugen, rät der ADAC den Bikern öfter mal eine Pause einzulegen.
- Es ist auch sehr zu empfehlen, für die Anfahrt eine zwar längere aber dafür interessante Strecke zu planen, dann beginnt der Urlaub schon an der eigene Haustür. Nur wer gut erholt ist, kann auch vorausschauend fahren. Und eines ist auch klar: Nach einem Stopp macht das Biken gleich noch mehr Spaß.
Sicherheitstraining für Motorradfahrer
Nicht zuletzt ist ein ADAC Motorrad-Training eine gute Vorbereitung auf den Motorrad-Sommer! Natürlich träumen viele Anfänger auf dem Motorrad von einem fehlerfreien Start ins neue Hobby. Wer will nicht einfach aufsteigen, seine Maschine perfekt beherrschen und mit bester Haltung die Kurven nehmen, um ein anerkennendes Kompliment von erfahreneren Bikern zu hören? Wenn ihr wie ein Profi im Sattel sitzen wollt, hilft vor allem eins: viel Übung und Routine!
Auch älteren Motorradfahrerinnen und Fahrern grundsätzlich auch empfehlen, die eigene Gesundheit checken zu lassen. Denn "Motorradfahren ist ein Sport und dafür muss man fit sein", sagt er. Und: Wer fit bleiben wolle, der müsse trainieren. Er sieht die größte Gefahr für Unfälle, wenn die Saison im Frühling beginnt, "weil wir etwa ein halbes Jahr in der Winterpause nicht gefahren sind. Dann fehlt die Übung". Deshalb empfiehlt er jedem Fahrer und jeder Fahrerin den Sommer über immer wieder zu trainieren: Wiedereinsteiger-, Kurven- oder Brems-Training.
Mit der richtigen Einstellung und stetigem Training können Risiken beim Motorradfahren wesentlich minimiert werden. Die ADAC Fahrsicherheitszentren in Hessen und Thüringen bieten Ihnen unterschiedliche Motorrad-Trainings an. Lernen Sie, wie Sie das Motorrad bei hohen Geschwindigkeiten unter Kontrolle halten, wie Sie Grundfahrtechniken verbessern oder wie Sie sich bei gefährlichen Situationen verhalten sollen.
Typische Anfängerfehler und wie man sie vermeidet
- Anfänger passen Kurvengeschwindigkeit oft nicht korrekt an oder sie wählen Fahrtlinie und Blickführung nicht optimal. Grund hierfür ist die fehlende Erfahrung. Vor allem sollten Neulinge auf dem Bike sollten darauf achten, nicht auf die Gegenfahrbahn zu geraten, wenn die Straße in eine Kurve übergeht.
- Das eigene Motorrad nicht rangieren zu können, ist ein unangenehmer Fehler, der vor allem Neulingen schnell passiert.
- So konzentriert Neulinge auch fahren, mit dem Blinker stehen sie häufig auf Kriegsfuß. Die einen vergessen komplett zu blinken, die anderen stellen den Blinker nach dem Abbiegevorgang nicht wieder aus.
- So mancher Fahranfänger hat eine genaue Vorstellung von sich und seinen Fahrkünsten, die allerdings nicht immer zu 100 Prozent mit der Realität übereinstimmt. Auch wenn die Fahrstunden gut liefen und die Prüfung bestanden ist, solltet ihr nun zunächst Erfahrungen in der Fahrpraxis sammeln, bevor ihr lange Touren auf eurem Motorrad plant.
- Ob beim Bremsen oder beim Einfahren in Kurven - auf die richtige Körperhaltung kommt es an. Motorrad-Neulinge verkrampfen schnell in einer unbequemen Position, weil sie nicht an ihre Sitzposition denken.
- Auch das Fahren mit Beifahrer sollte trainiert werden, bevor ihr zu einer längeren Ausfahrt startet.
Die richtige Ausrüstung
- Ein Helm ist das wichtigste Sicherheitsutensil für Motorradfahrer. Er schützt den Kopf vor Verletzungen und kann im Falle eines Unfalls Leben retten.
- Neben dem Helm sollten Motorradfahrer auch geeignete Schutzkleidung wie eine Motorradjacke, -hose und -handschuhe tragen.
- Kein verantwortungsvoller Biker würde ohne seine robuste Motorradkombi aufs Motorrad steigen - auch nicht im Sommer.
- Egal, wie kurz die Routine ist oder wie sehr die Sonne euch zum Schwitzen bringt: tragt feste Motorradschuhe oder Motorradstiefel sowie passende Motorradkleidung. Zu empfehlen ist entweder eine Kombi oder eine Motorradjacke in Kombination mit einer langen Motorradhose.
- Selbstverständlich gehört zu jeder Ausfahrt ein Motorradhelm, egal ob einem Jethelm, Klapphelm oder Motocrosshelm auf den Kopf, der vor Stürzen schützt.
Denkt immer daran: Motorrad Sicherheit geht vor!
Unfallrisiko und Statistik
Jedes Jahr steigt im Frühling die Gefahr auf zwei Rädern. Besonders zwischen Mai und Oktober kommt es vermehrt zu Motorradunfällen - mit teils schweren Folgen. Experten raten zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, vor allem im Alter. Der aktuelle Verkehrssicherheitsbericht der Landesregierung verzeichnet für das Jahr 2024 1.286 Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern, ein Plus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 1.183 Personen wurden dabei verletzt, 20 starben.
Laut Verkehrssicherheitsbericht der Landesregierung Schleswig-Holstein kommt es vor allem bei Männern im Alter von 18 bis 25 Jahren und im Alter von 55 bis 65 Jahren zu Motorradunfällen. Die meisten enden mit Verletzungen oder sogar tödlich. Männer verunglücken dabei viermal häufiger als Frauen.
Die mit Abstand häufigste Ursache für Unfälle, die von Motorradfahrenden verursacht werden, ist zu schnelles Fahren.
Verhaltensweisen zur Unfallvermeidung
- Fahren Sie defensiv: Motorradfahrer sollten stets vorausschauend und umsichtig fahren.
- Überprüfen Sie regelmäßig Ihr Motorrad: Vor jeder Fahrt sollten Sie Ihr Motorrad auf mögliche Schäden oder Probleme überprüfen.
- Vermeiden Sie Alkohol und Drogen: Der Konsum von Alkohol und Drogen beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit und das Urteilsvermögen von Motorradfahrern.
- Seien Sie immer sichtbar: Verwenden Sie helle und reflektierende Kleidung, um Ihre Sichtbarkeit auf der Straße zu erhöhen.
- Entwickeln Sie persönliche Strategien, um besser Motorrad zu fahren.
- Fahren Sie stets defensiv und zurückhaltend und rechnen Sie mit möglichem Fehlverhalten von anderen Verkehrsteilnehmern!
- Besonders im dichten Verkehr und bei Gruppenfahrten ist die Position anderer Verkehrsteilnehmer für geplante Fahrmanöver entscheidend. Hier gilt es, den Überblick zu bewahren.
- Versuchen Sie keine Fahrmanöver mit der Brechstange.
- Erwarten Sie stets das Unerwartete. Je weniger Sie sehen, desto wichtiger wird Ihre Vorstellungskraft von möglicherweise bevorstehenden Abläufen und Ereignissen.
Tipps für das Kurvenfahren
- Trainieren Sie die spezielle Blickführung für Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf.
- Trainieren Sie den schnellen und ausgeprägten Schräglagenwechsel.
- Trainieren Sie deshalb das Zusammenspiel von Gas, Kupplung, Vorderrad- und Hinterradbremse bei zügiger Kurvenfahrt und in Schräglage.
- Wählen Sie die Fahrlinie auf Ihrem Fahrstreifen möglichst rechts, vor allem in Linkskurven.
Die Broschüre "MOTORRAD FAHREN - gut und sicher"
Gemeinsam haben die MOTORRAD-Redaktion und das ifz große Teile des 52-Seiters überarbeitet und liefern damit in bewährter Form viel Wissenswertes über Fahrtechniken, Tipps für den Motorradalltag und vieles mehr.
"Wissen, wie es richtig geht, heißt sicherer Motorradfahren" fasst Matthias Haasper, Leiter des Instituts für Zweiradsicherheit den Erfolg der Traditionsbroschüre von MOTORRAD und ifz zusammen. "Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für sicheres Motorradfahren bestmöglich zu stärken und alle Fahrerinnen und Fahrer mit wichtigem Know-how und wertvollen Tipps zu unterstützen", erklärt Haasper weiter. Erneut liefern die MOTORRAD-Redaktion und das Team vom ifz in hochkonzentrierter Form nahezu alle zentralen Fakten, die für Motorradfahrende relevant sind.
Die Broschüre "MOTORRAD FAHREN - gut und sicher" stellt mit ihren Inhalten quasi die "Colorado-Tüte" des Motorradwissens dar, voll mit Motorrad-Know-how, in der Basiswissen, Fahrtechniken, Hintergrundinformationen und Sicherheitstipps für den Motorradalltag aufs Wesentliche komprimiert und gut lesbar in 13 Kapiteln zusammengestellt.
"Besonders ausführlich werden die Bereiche effektives Bremsen und sicheres Kurvenfahren erläutert" hebt Uwe Seitz hervor.
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