Wir setzen uns in diesem Mountainbike Training intensiv mit dem Versetzen des Hinterrades auseinander. Tauche ein in die faszinierende Herausforderung, dein Hinterrad präzise zu kontrollieren und erfahre, wie du mit Leichtigkeit durch technisch anspruchsvolle Trails manövrierst. Spitzkehren ausfahren und wenn nötig als Versetzkehre meistern.
Warum das Versetzen des Hinterrads wichtig ist
Besonders enge Spitzkehren lassen sich nur bezwingen, wenn man das Hinterrad umsetzt. Spitzkehren meistern, ohne das Hinterrad umzusetzen - das ist wie Spaghettiessen mit Messer und Gabel. Es erfüllt so einigermaßen seinen Zweck, ist aber weder effizient noch elegant.
Hier kommt diese elegante Technik zum Einsatz. Mit unserer Anleitung, kontinuierlichem Üben, verbesserter Balance, inniger Freundschaft zur Vorderradbremse und korrekter Blickführung werden die kleinen Ecken im Gelände zu Lustobjekten. Irgendwann kannst Du gar nicht genug davon bekommen, versprochen. Viele der Kehren scheinen zu eng um sie flüssig zu fahren. Warum schieben, wenn man sie auch fahren kann?
Level-Einteilung zur Selbsteinschätzung
Die Level Einteilung soll dir helfen die richtige Selbsteinschätzung vorzunehmen. Ruf uns bitte an, solltest Du Dir mit dem Level unsicher sein. Wir beraten dich gern. Was passt zu dir? In welchem Kurs bist du am besten aufgehoben und kannst am meisten lernen?
- Level 2 fortgeschritten - S2 laut Singletrail Skala: Du fährst schon länger Mountainbike auf Singletrails. Da kommen auch Steine, kleinere Absätze, größere Wurzeln, engere Kurven und Kehren und vereinzelt mässig steile Abschnitte vor.
Die richtige Ausrüstung
Die Ausrüstung ist ein gern diskutiertes Thema und das zu recht. Welches Bike passt zu mir? Klickies oder Flats? Versenkbare Sattelstütze oder langt ein Schnellspanner? Hardtail oder Fully? Was für Reifen soll ich fahren? Schlauch oder Tubeless? Lenkerhörnchen oder stören die im Trail? Eher breiterer Lenker und der Vorbau kürzer? Das kann eine schier endlose Liste werden.
Dein Mountainbikees sollte deines sein und werden. Hardtail oder Fully, das ist Geschmacksache. Ein Fully bietet mehr Traktion am Hinterrad und ist im Trail mit Wurzeln und Steinen, Absätzen ect. im Vorteil.
Dein Cockpit sollte gut organisiert und auf dich eingestellt sein. Bremshebel, Schaltung ect… weniger ist hier mehr! Die Lenkerbreite sollte wie der Rahmen zu deiner Körpergeometrie passen. Lenkerhörnchen fürs bergauf fahren. Im Trail bergab engen sie deine Position der Hände oft ein.
Deine Reifen sollen was aushalten, wir sind auf Trails unterwegs und da braucht es Traktion und Pannenschutz. Gewicht hin oder her. Tubeless oder nicht, das ist Geschmackssache. Bei Rhöntrail fahren fast alle Tubeless, das hat sich im harten Trailalltag bewährt. Weniger Druck bedeutet mehr Traktion und da ist Tubeless im Vorteil. Kein MTB Reifen braucht im Trail mehr als 2 Bar. Als Tubeless Fahrer mit ca. 75-80 KG Gewicht fahren wir vorne um die 1-1.3 Bar und hinten um die 1.3-1.6 Bar.
Bei Fahrtechnik Kursen empfehlen wir dir dringend Flats zu benutzen. Deine PedaleKlick Pedale oder Flats? Du lernst die Techniken sauber und hast einen Sicherheitsvorteil. Zu Flat Pedals empfehlen wir dir einen passenden Flatpedal MTB Schuh mit spezieller Sohle oder einen festen Turnschuh oder Trekkingschuh.
Dein Rucksack soll gut passen, auf der Hüfte sitzen und locker an der Schulter. Im Trail soll er dir nicht um die Ohren fliegen und von rechts nach links hin und her wandern. gut gepackt soll er sein.
Funktionskleidung ist Trumpf. Hitzestau oder frieren auf Tour? Nein das macht keinen Spaß und muss nicht sein. Das Zwiebelprinzip gilt auch im MTB Sport. Funktionshirt, darüber eine leichte Funktionsjacke oder Weste und die atmungsaktive Regenjacke und Hose ist auch immer gern gesehen. Witterungsangepasst muss die Kleidung sein, der Jahreszeit entsprechend ist der Rucksack gepackt.
Handschuhe bieten Grip und schützen die Hände. Wir empfehlen Langfinger Handschuhe egal bei welcher Witterung. Mützen, Caps, Bufftücher und Co.
Bei unseren Kursen/Touren/Reisen empfehlen wir dir Knie und Ellenbogen Protektoren zu tragen. Eine Pflicht machen wir daraus aber nicht.
Übungen zum Hinterradumsetzen
Stefan Herrmann, Fahrtechnik-Experte: "Das Umsetzen bei Spitzkehren ist der Einstieg ins Trial-Biken und beweist echte Bike-Beherrschung. Wer diese drei Schritte übt, macht im Nu Fortschritte. Wer jedoch unbeholfen in die Eisen geht, riskiert einen Abflug über den Lenker - also langsam rantasten."
Schritt 1: Finde den Druckpunkt
Dazu läuft Robert neben seinem Bike her und zieht die Bremse so dosiert, dass das Hinterrad ständig in der Höhe schwebt, während sein Vorderrad weiterrollt. Dosiertes Bremsen ist enorm wichtig - vor allem bei diesem Manöver. Stefans Übung: Laufe neben Deinem Bike her und bremse so dosiert mit der Vorderradbremse, dass Dein Hinterrad beständig auf einer Höhe bleibt. Dafür muss Deine Bremsanlage technisch einwandfrei funktionieren.
Schritt 2: Hinterrad hoch
Er soll auf einer Teerabfahrt die Bremse ziehen und das Heck anheben. Das kostet anfangs Überwindung! Am leichtesten fällt es jedoch auf einer Schrägen mit griffigem Untergrund (siehe Bild). Wer hier unbeholfen in die Vorderradbremse greift und zu beherzt nach vorne kippt, riskiert einen Abflug über den Lenker - die Urangst jedes Mountainbikers. Sobald Du die Vorderradbremse ziehst, gehen die Beine und Arme aus der Beugung in die Streckung. Hier gilt: langsam herantasten!
Schritt 3: Impuls setzen
Die Vorderradbremse ziehen, das Gewicht nach vorne bringen und die Hüfte nach außen schwenken. Nun kommt der entscheidende Impuls - nämlich der zur Seite. Dafür muss Deine Hüfte zum Kurvenäußeren schwingen, das Heck folgt automatisch (siehe Bild). Sobald Du merkst, dass Dein Hinterrad über der gewünschten Stelle schwebt, lässt Du die Vorderradbremse dosiert los - das Heck schnappt nach unten. Wer das Hinterrad noch eleganter umsetzen möchte, lenkt bei der Anfahrt leicht ins Kurveninnere.
Hinterradumsetzen bei Spitzkehren: So funktioniert es
- Anfahrt: Stefan fährt langsam und mit gebeugten Beinen und Armen an. Dabei fixiert er bereits einen Punkt, wo er das Vorderrad zum Stillstand bringen kann. Wichtig: Das Hinterrad muss genug Raum zum Schwenken haben.
- Bremsen und Umsetzen: Sobald das Vorderrad die gewünschte Stelle erreicht, zieht Stefan die Vorderradbremse. Gleichzeitig gehen Beine und Arme dynamisch in die Streckung und unterstützen so die Gewichtsverlagerung nach vorne. Folge: Das Hinterrad hebt ab. Gleichzeitig gibt Stefan per Hüftschwung den Impuls zum Kurvenäußeren - das Heck folgt automatisch.
- Bremse lösen: Sobald das Hinterrad die gewünschte Stelle erreicht hat, löst Stefan die Bremse dosiert - das Hinterrad senkt sich. Freie Fahrt.
FALSCH - Fehleranalyse: Wer nur plump die Vorderradbremse zieht, ohne die Bewegung nach vorne zu unterstützen, kriegt sein Hinterrad nie hoch. Denn ohne Druck auf dem Vorderrad geht nichts. Außerdem vergisst Stefan hier den Impuls zur Seite zu geben. Schließlich will er sein Heck ins Kurvenäußere schwenken.
Moderne Versetz-Methode Schritt für Schritt
Wird der Kurvenradius beim engen Kehren noch enger, ist ein Versetzen des Hinterrades nötig. Dieses fahrtechnisch und mental sehr anspruchsvolle Manöver ist auf dem E-MTB genauso gut machbar wie auf Mountainbikes ohne Motor und Akku. Da auch hier wieder das Grundprinzip „vom Leichten zum Schweren“ gilt, stehen vor der Praxis im Spitzkehren-Trail mehrere Lernschritte in der Ebene und auf breiten Wegen bergab auf dem Programm.
Fokus auf Parkplatz-Version: Eine spaßige aber für das Gelände wenig zielführende Variante ist es, auf dem Parkplatz das Heck rumzuwerfen. Lösung: Die moderne Versetz-Methode (geprägt von Bikebergsteiger Harald Philipp) step by step angehen! Dabei geht es weniger darum aktiv das Hinterrad nach außen zu werfen, sondern um das Prinzip „das Hinterrad folgt dem Vorderrad“!
Hinterrad versetzen:
- Mithilfe der Vorderradbremse und einer Tief-Hoch-Bewegung (Beine strecken sich) das Hinterrad in die Luft bringen. Körperspannung dabei halten und zentral bleiben. Klein anfangen und langsam anfahren! Damit muss man sich wohlfühlen, Überschlagsängste werden dann weniger.
- Gleichzeitig zum dosierten Bremseinsatz vorne eine ZENTRALE Tief-Hoch-Bewegung vollziehen mit Körperspannung. FALSCH: Viele lassen sich nach vorne schieben! Nun eine imaginäre Kehre dort nutzen, um die Schräglage des Bikes (Sattel ans innere Bein legen) und ein starkes Einlenken vorne hinzuzunehmen.
- Dann wieder den Nosewheelie-Impuls setzen und das Hinterrad wird dem Vorderrad folgen, wenn man aus der blockierten Vorderradbremse in das schleifende Vorderrad kommt. Dank schleifender Vorderrad-Bremse folgt das Hinterrad dem Vorderrad und wird versetzt.
- In den Übungskehren im Trail die häufig wiederholte Technik anwenden - step by step! Innere Linie wählen, zentral tief gehen.
TIPP: Anfangs die neue Technik auf der starken Seite üben, dann aber auch schnell die schwache Seite trainieren, wenn die Technik einmal sitzt!
Weitere Techniken für mehr Spaß auf dem Trail
Nachdem Du die Basics in Sachen MTB-Fahrtechnik beherrschst und einen Trail mit viel Flow fahren kannst, ist es nun Zeit, sich weitere Techniken wie zum Beispiel einen Bunny Hop oder einen Wheelie anzueignen. Ziel ist es, noch mehr Spaß auf dem Mountainbike zu haben! Das schönste nämlich - neben einem Trail mit vielen Kurven und Anliegern - sind Trails mit viel „Airtime“.
Bunny Hop
Der Bunny Hop ist ein echter Klassiker und stammt aus der MTB-Gründerzeit. Eigentlich sollte ihn jeder Mountainbiker beherrschen. Der Bunny Hop funktioniert so:
- Auf das Hindernis in Grundposition (siehe Mountainbike-Fahrtechnik Teil I) mit nötiger Geschwindigkeit anrollen.
- Vor dem zu überspringenden Hindernis den Schwerpunkt durch Beugen der Ellenbogen und Knie nach unten bringen.
- Durch kraftvolles Abdrücken der Beine auf den Pedalen und Aufrichten des Oberkörpers wird der Absprung eingeleitet. Achtung: Bei einem Fully federt zunächst das Fahrwerk etwas ein!
- Zu Beginn des Absprungs den Schwerpunkt etwas nach hinten verlagern - so hebt zunächst das Vorderrad ab.
- Ist das Vorderrad in der Luft, die Hüfte Richtung Lenker schieben und die Arme nach vorne drücken - so wird das Hinterrad angehoben.
- Durch gleichzeitiges Anwinkeln der Knie gewinnt das Hinterrad an Höhe.
- Am Scheitelpunkt die Beine wieder strecken, um die Ladung später abfedern zu können.
- Kurz vor der Landung wieder zurück in die Grundposition.
- Die Energie des Aufpralls durch Anwinkeln der Knie und Ellenbogen absorbieren.
- Die Landung selbst sollte gleichzeitig mit Vorder- und Hinterrad erfolgen.
Für den Bunny Hop ist entsprechende Körperspannung sowie das richtige Timing wichtig.
Drop
Der Drop ist die einfachste Form eines Sprunges. Auf die Absprungkante mit ausreichender Geschwindigkeit zurollen. Die Kante des Drops sollte nicht der höchste Punkt sein - deshalb erst kurz vor dem Absprung zum einleitenden Bunny Hop ansetzen. Die Landung sollte auf beiden Rädern gleichzeitig erfolgen. Achtung! Taste Dich langsam an Drops heran. Fange mit kleinen Höhen an und steigere Euch Stück für Stück. Ideal sind Bordsteinkanten oder kurze Treppen, um das richtige Timing zu üben. Bei höheren Drops sollte die Landung unbedingt schräg am Berg erfolgen.
Sprung über einen Double oder Table
In Grundposition mit nötiger Geschwindigkeit anrollen - diese darf weder zu langsam noch zu schnell sein, um die Landung optimal zu treffen. Kurz vor der Absprungkante wie beim Bunny Hop aktiv abspringen. Nach dem Absprung den Schwerpunkt Richtung Grundposition bringen. Ist der Drop höher, sollte die Landung nicht im Flachen liegen. Tipp: Gerade der Sprung über einen Double erfordert etwas Überwindung, da Absprung und Landung durch ein sogenanntes Gap getrennt sind. Fang am besten auf kleinen Tables an. Hier gibt es kein furchteinflößendes Gap und eine zu kurze Landung hat keine weiteren Folgen.
Wheelie
Der Wheelie beeindruckt nicht nur, sondern kann auch nützlich sein - um zum Beispiel Bodenwellen schnell auf dem Hinterrad abzusurfen oder die Balance zu trainieren.
- In Schrittgeschwindigkeit anrollen. Der Gang sollte weder zu hoch noch zu niedrig eingestellt sein.
- Um das Vorderrad zum Steigen zu bringen, den Oberkörper zuerst nach vorne verlagern.
- Durch gleichzeitiges Antreten und Verlagerung des Oberkörpers nach hinten steigt das Vorderrad.
- Das Vorderrad nun so weit nach oben bringen, dass der Schwerpunkt direkt über dem Hinterrad liegt.
- Während des Vorgangs ist der Rücken gerade; ein Finger liegt auf der Hinterradbremse.
- Die Höhe des Vorderrads halten. Sinkt es ab, entweder etwas kräftiger antreten oder den Schwerpunkt weiter nach hinten verlagern. Steigt es zu weit, kann durch sanftes Ziehen der Bremse das Vorderrad wieder abgesenkt werden.
- Seitliche Balance halten!
Noch ein Tipp zum Schluss: Gerade die letzten zwei Techniken erfordern viel Gefühl und vor allem Übung. Man kann es also nicht oft genug sagen: Nur Übung macht den Meister! Um Springen zu lernen, eignen sich besonders Bikeparks wie zum Beispiel in Oberammergau oder Leogang.
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