Mountainbike Reifen: Geringer Rollwiderstand im Test

Die Reifenwahl hat mehr Einfluss auf die Fahrperformance als jedes andere Bauteil, trotz nur wenigen Quadratzentimetern Auflagefläche. Hinzu kommt, dass die Hersteller mittlerweile nicht nur zig verschiedene Profilarten mit teils irrwitzigen Modellnamen anbieten. Auch gilt es, aus verschiedensten Karkassen-Versionen und Gummiausführungen auszuwählen. Hinzu kommen diverse Durchmesser und Reifenbreiten.

Ein guter Reifen ist immer ein Spezialist - egal, ob am Vorder- oder Hinterrad, in welchem Einsatzbereich oder welcher Jahreszeit. Deshalb suchen wir den besten E-MTB-Allroundreifen im Plusformat, der das ganze Jahr über ordentlich Traktion, gute Selbstreinigung, ein hohes Sicherheitspotential sowie geringen Rollwiderstand bietet.

Die Ansprüche an einen E-Bike-Reifen sind im Vergleich zum normalen Bike im Detail etwas anders. E-Bikes wiegen mehr, bringen mehr Antriebsleistung aufs Hinterrad. Bergauf wiederum eröffnen E-Bikes dank Motor eine völlig neue Dimension an Möglichkeiten und das ohne absteigen zu müssen. Dadurch nimmt die Belastung vor allem durch einen aggressiven Antritt und mit Blick auf die Pannensicherheit zu. Verstärkte Karkassen (alle Hersteller im Test), Pannenschutzelemente unter der Gummidecke oder der Seitenwand (Conti, Kenda, Schwalbe, WTB) entgegnen diesem Trend, bringen aber etwas Mehrgewicht mit sich. Durch den höheren Druck auf das Profil und Gummi steigt der Verschleiß, vor allem am Hinterrad. Hersteller wie Bontrager, Maxxis, Schwalbe und Specialized arbeiten daher mit besonders großen Profilblöcken.

Die Bedeutung des Profils und der Gummimischung

Damit ein Reifen das ganze Jahr gut nutzbar ist, sollte das Profil für gute Selbstreinigung recht offen gestaltet sein. Hier trumpfen Conti, Maxxis (DHR) sowie Bontrager auf. Gerade diese Aufstandsfläche ist dann bergauf, bergab, in Kurven, am Schräghang, im Antritt oder beim Bremsen dafür verantwortlich, dass die Traktion spürbar höher ist als bei schmalspurigen Reifen. Zu den negativen Aspekten zählt der schwer einstellbare optimale Luftdruck, weil selbst kleine Änderungen große Wirkungen zeigen. Zudem ist das Gesamtgewicht in Summe von Reifen und Laufrad höher, die Beschleunigung daher etwas träger.

Bezüglich Performance gibt es je Reifenmodell oft verschiedene Varianten. Das Profil bleibt dabei gleich, die Unterschiede bei Gummimischung und Karkasse sind aber beträchtlich. Hochwertige Reifen bringen immer spürbare Vorteile in mehrerlei Hinsicht.

Testverfahren

Damit alle Reifen perfekt miteinander vergleichbar sind, haben wir den Test zweigeteilt. Mit Blick auf Rollwiderstand und Pannensicherheit wurde der Test auf dem Prüfstand durchgeführt. Dem Durchstichtest mit einem spitzen und flachen Stichel fallen dabei je 7,5 Prozent, dem Durchschlagtest 15 Prozent zu. Das Gewicht steuert 10 Prozent bei. Michelin und WTB Ranger (Light-Karkasse) setzen hier deutlich die Bestmarken. Wichtigstes Kriterium ist aber die Fahrleistung in der Praxis (40 Prozent). Dazu haben wir alle Reifen in etlichen Ausfahrten über die hügeligen Trails im Donau- und Altmühltal sowie im Voralpenland gejagt. Kurze Abstecher in den Bikepark waren ebenso dabei.

Plusreifen im Bereich 2,6 bis 2,8 Zoll gehört definitiv die Zukunft am E-MTB. Sie bieten im Vergleich zu den schmäleren Kollegen beste Traktion, Sicherheit und Komfort bei ähnlicher Effizienz und überschaubarem Mehrgewicht. Im Detail unterscheiden sich die Testreifen aber teils beträchtlich.

Am Ende empfiehlt sich der Conti Baron als super Allrounder mit exzellentem Grip. Beim Preis-Leistungsverhältnis geht kein Weg am Specialized Butcher vorbei.

Testergebnisse und Empfehlungen

Hier eine Zusammenfassung der besten E-MTB-Reifen aus dem Test 2024:

  1. Maxxis Assegai Double Down 3C Maxx Grip TR 29 x 2,5" WT (Vorderreifen): Rollt sehr zäh, bietet aber hervorragenden Grip in Kurven und auf Wurzelpassagen. Solider Pannenschutz.
  2. Maxxis Minion DHR II DH Casing Dual TR 29 x 2,4" WT (Hinterreifen): Punktet mit guten Werten auf den Prüfständen und ideal für den E-MTB-Einsatz. Bietet Traktion pur.
  3. Michelin E-Wild Front Racing Line 29 x 2,6" (Vorderreifen): Klebt wie Pattex auf Steinen, Wurzeln und Schotterpassagen. Aggressive Moves lassen den vortriebsschwachen Pneu etwas walken.
  4. Michelin E-Wild Rear Racing Line 29 x 2,6" (Hinterreifen): Bietet satten Grip, superweicher Gummi spielt auf Wurzeln und in Kurven seinen Vorteil aus. Etwas instabiler in schnellen Kurven.
  5. Pirelli Scorpion E-MTB S 29 x 2,6" (Vorderreifen): Punktet speziell auf gemischten Untergründen mit klebrigem Gummi. Sehr guter Kurvengrip, auch im feuchten Terrain.
  6. Pirelli Scorpion E-MTB R 29 x 2,6" (Hinterreifen): Leichtester E-Reifen im Test. Seriöser Halt in Kehren und im Trockenen. Die Traktion überzeugt ebenso.
  7. Schwalbe Eddy Current Front Super Trail Soft 29 x 2,6" (Vorderreifen): Grip-Feuerwerk an der Vorderachse. Starke Rolleigenschaften, sehr gutes Gewicht!
  8. Schwalbe Eddy Current Rear Super Gravity Soft 29 x 2,6" (Hinterreifen): Schier unzerstörbar und erzielt beim Pannenschutz Bestwerte.
  9. Vittoria E-Mazza Enduro Graphene 2.0 29 x 2,6" (Vorderreifen): Liefert Topwerte beim Rollwiderstand, der Durchstichschutz ist ebenso klasse.
  10. Vittoria E-Martello Enduro Graphene 2.0 29 x 2,6" (Hinterreifen): Bietet speziell auf technischen Uphills gute Traktionswerte.

Die besten Tour- & Trail-Reifen für dein MTB 2024

Auch Tour- und Trail-Reifen sollen Gripstark und dennoch effizient rollen. Welche Reifenhersteller das am besten gestrickt bekommen, lest ihr hier:

  1. Schwalbe Nobby Nic Super Ground Soft 29 x 2,4" (Vorderreifen): Mit vorhersehbarem Handling und enorm viel Traktion/Grip unterstreicht der Nobby sein Alleskönnertalent. Sehr gute Pannenschutzwerte.
  2. Schwalbe Wicked Will Superground Speed Grip 29 x 2,4" (Hinterreifen): Leicht, exzellente Rollwiderstandswerte und solide Pannenschutzeigenschaften bietet der Wicked Will. Dazu punktet er im Gelände: Er liefert viel Traktion, auf der Bremse blockiert er kaum.
  3. Continental Mountain King Protection TR 29 x 2,3" (Vorderreifen): Contis extrem leichter, top rollender Mountain King ist seit Jahren im Portfolio. Das sehr offene Profil eignet sich mehr für Flowtrails, Traktion und Halt auf festem Erdboden sind okay.
  4. Continental Cross King Protection TR 29 x 2,3" (Hinterreifen): Der superleichte Cross King sorgt für ein lebendiges Heck: Er rollt äußerst flott, grippt in Kehren stets berechenbar und sicher.
  5. Goodyear Escape Ultimate TC 29 x 2,35": Den Escape empfiehlt der US-Gigant für vorne wie hinten, er punktet auf harten Böden und langen Touren. Der Rollwiderstand ist gering, beim Pannenschutz ist der relativ leichte Pneu Schlusslicht.
  6. Kenda Regolith Pro SCT TR 29 x 2,4" (Vorderreifen): Kendas Regolith patzt im Labor beim Durchstichtest, Rollwiderstand und Durchschlag meistert er sehr gut. Im Gelände schmiegt er sich toll dem Boden an, verwöhnt dabei mit solider Traktion.
  7. Kenda Karma 2 Pro SCT TR 29 x 2.4 (Hinterreifen): Heckseitig ist im Hause Kenda der Karma für die Traktion zuständig. Dabei macht er einen seriösen Job, nur beim Bremsen könnte er berechenbarer sein.
  8. Maxxis Forekaster Exo 3C Maxx Terra TR 29 x 2,4" WT (Vorderreifen): Einfache Tubeless-Montage, stabiler Sitz: Der recht schwere Forekaster gefällt auf Anhieb. Kurvengrip, Seitenhalt und Traktion glänzen in jeder Traillage, dazu rollt er noch im sehr guten Bereich.
  9. Maxxis Rekon Exo Dual TR 29 x 2,4" WT: Der Rekon bietet Maxxis-typisch hohe Traktion und tollen Seitenhalt, neigt in Kurven nur minimal zum Ausbrechen. Der Durchschlagschutz ist klasse, der Durchstichschutz im Mittelfeld.
  10. Specialized Purgatory Grid T9 2Bliss 29 x 2,4": Der wuchtige Purgatory an der Front beißt sich toll ins Erdreich, auch auf Wurzeln greift das weiche Gummi ideal. Dieses sowie das extreme Gewicht kosten in Sachen Vortrieb aber ganz schön viele Körner.
  11. Specialized Ground Control Grid T7 2Bliss 29 x 2,35": Wie sein Kompagnon vorne, zählt der preiswerte Ground Control nicht zu den spritzigsten, dafür im Gelände zu den gripstärksten Pneus. Seitenhalt und Traktion, speziell auf der Bremse, sind exzellent!
  12. Vittoria Agarro Trail Graphene APF 29 x 2,6": Der extrabreite, sehr schwere Agarro zeigt sich kaum defektanfällig und rollt erstaunlich flott. Auf Touren ist er smooth unterwegs, etwas kritischer wird es bei extremen Fahrmanövern: Bei Schräglage in Seitenhalt und Kehren bricht er früher aus als andere.
  13. Vittoria Syerra Downcountry 4C Graphene 2.0 TLR 29 x 2,4": Der asketische Pneu für den „Downcountry“-Einsatz punktet im Labor mit sehr guten Rollwiderstands- und Pannenschutzwerten. Auch in der Praxis rollt er munter.

Die besten All-Mountain-Reifen 2022 im Test

Von wegen Gummi trocknet aus: Auch wenn diese Testergebnisse aus 2022 stammen - Testsieger-Gummis sind auch heute noch richtig gute Investitionen - und teils drastisch runtergesetzt:

  1. Schwalbe Nobby Nic TLE Super Ground Addix Soft 29 x 2,4" (Testsieger 2022): Die Neuauflage des Nobby Nics ist ein voller Erfolg. Auch mit dünnerer Karkasse bietet er prima Pannenschutz und rollt sehr flott - perfekt für Tourenfahrer. Der Grip der Addix-Soft-Variante ist ebenfalls richtig klasse.
  2. Schwalbe Nobby Nic TLE Super Trail Addix Speedgrip 29 x 2,4" (Testsieger 2022): Die Trail-Karkasse bietet mehr Schutz, ist dennoch nicht zu schwer. Die Speedgrip-Mischung ist spürbar gripschwächer. Tourer, für die Pannenschutz und Rollverhalten zählt, fahren diesen Nobby vorne und hinten.
  3. Maxxis Minion DHF 3C Maxx Grip Exo TR 29 x 2,5" WT: Testfazit: Der beliebte Vorderreifen Minion DHF (F = Front) ist ein Grip-Monster in jeder Trail-Lage.

Weitere wichtige Aspekte bei der Reifenwahl

  • Reifenbreite: Breite Reifen bieten mehr Grip und Komfort, während schmale Reifen Gewicht sparen.
  • Profil: Grobes Profil für felsige Untergründe und Wurzeln, feines Profil für geschmeidiges Rollen auf Asphalt.
  • Gummimischung: Weiches Gummi für Grip, hartes Gummi für leichteres Rollen.
  • Tubeless vs. Schlauch: Tubeless-Reifen bieten weniger Gewicht, mehr Grip und besseren Pannenschutz.
  • Luftdruck: Der richtige Luftdruck ist entscheidend für Komfort, Grip und Pannensicherheit.

MAXXIS Reifentechnologien

MAXXIS bietet verschiedene Karkassen und Gummimischungen für unterschiedliche Einsatzzwecke:

  • EXO: Leichteste und flexibelste Karkasse mit geringstem Durchschlagschutz.
  • EXO+: Bietet mehr Schutz beim Durchschlag.
  • Doubledown: Ideal für harte Enduro-Kurse mit messbarem Plus an Pannenschutz.
  • Downhill Casing: Robusteste Karkasse mit maximalem Pannenschutz.

Gummimischungen:

  • MPC: MAXXIS Performance Compound.
  • Super Tacky: Griffigste MAXXIS-Einfachmischung.
  • DualCompound: Lauffläche aus zwei verschiedenen Gummimischungen.
  • 3C MaxxTerra: Gute Rolleigenschaften mit gutem Grip.
  • 3C MaxxGrip: Höchster Grip und größte Dämpfungseigenschaften.

Praktische Tipps für die Reifenpflege

  • Felgenband: Hochwertige Felgenbänder reduzieren das Pannenrisiko.
  • Flickzeug: Für Butylschläuche hat sich Flickzeug von TipTop bewährt.
  • Luftdruckprüfer: Ein kompakter Luftdruckprüfer hilft bei der regelmäßigen Kontrolle.
  • Montagefluid: Schwalbe EasyFit hilft, wenn störrisch aufzuziehende Reifen nicht in ihre Endposition springen wollen.
  • Reifenheber: Intelligente Reifenheber wie der Maxalami NoodLever können mehr: Er hebelt nicht nur, sondern hat auch eine clevere De- und Montagefunktion.
  • Talkum-Puder: Wer mit Schlauch fährt, sollte die Reifen-Innenwand wie auch den Schlauch mit Talkum benetzen.
  • Tubeless-Dichtmilch: Sie steht bei Tubeless-Systemen für den bekannten Selbstheilungseffekt während der Fahrt.

Labor- und Praxisprüfungen

Die Werte zur Pannensicherheit wie Durchstich-, Durchschlagsfestigkeit, Rollwiderstand sowie der Montagefreundlichkeit wurden im Labor überprüft. Daher sind alle Werte direkt miteinander vergleichbar und unterliegen keiner Schwankung durch verschiedene Fahrer, Strecken, Temperaturen oder ähnlichem!

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