Mountainbike Umwerfer richtig einstellen: Eine detaillierte Anleitung

Den Umwerfer am Fahrrad richtig einzustellen, ist einfacher als gedacht. Mit nur wenigen Handgriffen und dem richtigen Werkzeug lassen sich präzise Schaltvorgänge erzielen. Hier erfahren Sie, wie es geht:

Wann ist eine Justierung notwendig?

Der Umwerfer rückt dann in den Fokus, wenn die Schaltvorgänge nicht mehr richtig ausgeführt werden. Typische Anzeichen sind:

  • Die Kette springt über das kleine oder größte Ritzel hinten hinaus.
  • Gänge werden beim Schalten übersprungen.
  • Die Gangwechsel werden nicht mehr oder zumindest nicht geschmeidig ausgeführt.

Vorbereitung und benötigtes Werkzeug

Bevor Sie mit der Justierung beginnen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Überprüfen Sie alle Schaltungskomponenten wie Kette, Kettenblätter und Schaltzüge.
  • Stellen Sie sicher, dass die Leitbleche des Umwerfers nicht verbogen sind.
  • Vergewissern Sie sich, dass das Schaltwerk hinten einwandfrei funktioniert.

Benötigt wird lediglich ein Schraubenzieher.

Die wichtigsten Schrauben am Umwerfer

Im Grunde geht es nur um drei Schrauben:

  • Die Einstellschraube für die Zugspannung: Sie befindet sich am Schalthebel, häufig auf der linken Seite des Lenkers.
  • Die H-Schraube: Mit ihr wird die obere Begrenzung justiert, sodass die Kette nicht vom größten Kettenblatt fällt (oberen Anschlag einstellen).
  • Die L-Schraube: Mit ihr stellt man die untere Begrenzung des Umwerfers ein, sodass die Kette nicht vom kleinsten Kettenblatt fällt (unteren Anschlag einstellen).

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einstellen des Umwerfers

Schritt 1: Kontrolle aller Schaltungskomponenten

Vorbereitend sollten alle Schaltungskomponenten überprüft werden. Der Check von Kette, Kettenblättern und Schaltzügen gehört dazu, aber auch die Kontrolle der Leitbleche des Umwerfers, die nicht verbogen sein dürfen. Wenn auch das Schaltwerk hinten so weit in Ordnung ist und sich alle Gänge problemlos schalten lassen, kann es mit dem eigentlichen Justieren des Umwerfers losgehen.

Schritt 2: Lösen der Zugspannung

Zuerst muss die Zugspannung gelöst werden. Nur so lässt sich der Zug am Umwerfer zur Justierung bewegen. Dazu wird die Einstellschraube des Schaltzugs etwa bis zur Hälfte herausgedreht.

Schritt 3: Einstellen des unteren Anschlags

Nun sollte die Fahrradkette so geschaltet werden, dass sie vorne auf dem kleinsten Kettenblatt und hinten auf dem größten Ritzel läuft. Jetzt wird der untere Anschlag mittels der L-Schraube (L für "low", also unten) eingestellt.

Tipp: Mit einer 10-Cent-Münze lässt sich der Abstand von 1,0 bis 1,5 Millimeter Platz sehr gut überprüfen. Die Münze sollte gut und ohne Spiel zwischen Kette und inneres Leitblech passen.

Der untere Anschlag ist richtig eingestellt, wenn das innere Leitblech im leichtesten Gang etwa einen Millimeter von der Kette entfernt ist und beim Kurbeln gerade so nicht schleift.

Schritt 4: Einstellen des oberen Anschlags

Nun ist der obere Umwerfer-Anschlag an der Reihe. Dazu wird die Kette genau umgekehrt geschaltet, also vorne auf das größte Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel. Mit der H-Schraube (H für "high", also oben) wird nun die Position des Anschlags eingestellt.

Auch hier ist der Abstand richtig, wenn zwischen Kette und Leitblech ebenfalls etwa 1,0 bis 1,5 Millimeter Platz bleiben.

Korrect eingestellt hast Du den oberen Anschlag, wenn die Kette gerade so nicht am äußeren Leitblech schleift, während sie hinten auf dem kleinsten Ritzel läuft.

Schritt 5: Funktionskontrolle

Sind die Anschläge des Umwerfers richtig eingestellt, wird noch seine Funktion kontrolliert. Dabei wird mit dem Schalthebel vom kleinsten in den größten Gang geschaltet. Führt der Umwerfer diesen Befehl richtig aus, passt alles. Wird die Kette zu weit geworfen, sollte der obere Umwerfer-Anschlag nochmals überprüft und nachjustiert werden.

Schritt 6: Einstellen der Zugspannung

Um das Fahrrad wieder fahrbereit zu bekommen, muss noch die Spannung der Zugseile eingestellt werden. Sie war im ersten Schritt gelöst worden. Wird jetzt der Schalthebel am Lenker benutzt, um die Gänge durchzuschalten, springt die Kette nicht auf die gewünschten Zahnkränze. Mit der Einstellschraube am Schalthebel wird nun langsam der Zug erhöht, bis die Gangwechsel korrekt sind.

Aber Achtung: Wird der Zug zu hoch eingestellt, werden die Wechsel zum nächstkleineren Kettenblatt unsauber. Entsprechend muss der Zug wieder reduziert werden.

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Sauberkeit: Das Fahrrad - speziell Kette, Schaltwerk, Umwerfer, Kassette und Kettenblätter - sollte nicht allzu dreckig sein. Reinigen Sie Ihr Bike zuvor mit einem Reiniger.
  • Schaltzüge und Schalthüllen: Auf die Schaltzüge und Schaltaußenhüllen sollte man besonderes Augenmerk legen. Die Hüllen dürfen nicht beschädigt oder gar geknickt sein. Auch der Zugverlauf sollte keine zu engen Kurven aufweisen.
  • Winkeleinstellung: Einstellung kleinstes Kettenblatt/größtes Ritzel - mit B-Schraube Vorspannfeder und damit die Höhe des oberen Schaltröllchens verstellen - Abstand größtes Ritzel-Schaltröllchen sollte ca. 1 bis 1,5 Kettenglieder betragen.

Die Wahl des passenden Mountainbike-Umwerfers

Umwerfer für Mountainbikes gibt es von Shimano und SRAM in einigen Varianten, die sich technisch grundlegend unterscheiden. Wenn Du einen neuen Umwerfer verbauen willst, ist es wichtig, das richtige Modell für Dein Bike auszuwählen. Dabei kannst Du den bisher verbauten als Vorlage nehmen oder in der Beschreibung des Herstellers nachschauen, welche Bauart mit Deinem Rahmen kompatibel ist.

In den folgenden Aspekten unterscheiden sich Umwerfer hinsichtlich der Kompatibilität zum Rahmen:

  • Befestigung am Rahmen (High- oder Low-Direct-Mount, E-Type, High-Clamp, Mid-Clamp, Low-Clamp)
  • Zugführung (Front-Pull, Down-Pull, Top-Pull oder Dual-Pull)

Außerdem solltest Du die Reifenfreiheit beachten. An Bikes mit besonders kurzen Kettenstreben kann es sonst vorkommen, dass der Umwerfer mit den Seitenstollen breiter Reifen kollidiert, wenn Du auf das kleine Kettenblatt schaltest.

Die korrekte Montage des Umwerfers

Bevor Du den Umwerfer an Deinem Mountainbike einstellen kannst, solltest Du sicherstellen, dass er korrekt montiert ist. Von oben betrachtet sollte das Leitblech parallel zu den Kettenblättern stehen. Außerdem ist die Höhe wichtig. Zu niedrig montiert, stößt der Umwerfer gegen die Zähne des Kettenblattes. Zu hoch und er schaltet nicht korrekt. Die Leitbleche müssen parallel zur Kette verlaufen. Zwischen Leitblech und Kettenblatt sollten an der engsten Stelle ca. 2-3 mm Abstand sein.

Von der Seite geschaut, sollte zwischen dem Leitblech und Deinem größten Kettenblatt eine Lücke von etwa zwei bis drei Millimeter zu sehen sein. Beide Parameter - also die Richtung und die Höhe des Leitblechs - kannst Du variieren, indem du die Schelle oder Direct-Mount-Befestigung des Umwerfers leicht löst und nach dem Ausrichten des Leitblechs wieder festziehst. Achte dabei auch auf die empfohlenen Drehmomente!

Häufige Probleme und deren Lösungen

Auch nach sorgfältiger Einstellung kann es zu Problemen kommen. Hier einige mögliche Ursachen und Lösungen:

  • Verbogenes Leitblech: Ist das Leitblech des Umwerfers verbogen oder hat deutliches Spiel, sollte ein neuer Umwerfer verbaut werden.
  • Verschlissene Kette oder Kettenblätter: Der Verschleiß kann die Schaltqualität beeinflussen. Tauschen Sie verschlissene Teile aus.
  • Verklemmter Schalthebel: Reinigen und ölen Sie den Schalthebel bei Bedarf.

Typen von Umwerfern

Im Detail unterscheidet man zwei Arten von Umwerfern: Down-Swing und Top-Swing. Die erste Variante ist fest am Sitzrohr platziert, das zweite Modell weiter unten. Letztlich entscheiden der Fahrradtyp und der Platz am Fahrradrahmen darüber, welche Option zum Einsatz kommt. Innerhalb beider Gruppen differenziert man jeweils noch zwischen Top-Pull (hier erfolgt die Zugführung nach oben), Down-Pull (die Zugführung geht nach unten) sowie Dual-Pull (Zugführung von zwei Richtungen aus).

Umwerfer-Standards von Shimano

Allein bei Shimanos Dauerbrenner XT gibt es 18 verschiedene Varianten. Darauf müssen Sie achten:

  • Top Swing/Low Clamp: Diese Variante wird kurz oberhalb des Innenlagers geklemmt und verlangt ebenfalls ein klassisch rundes Sitzrohr. Den Durchmesser gleichen bei Shimano Spacer aus.
  • Down Swing/High Clamp: Diese Version ist für die Montage an runden Sitzrohren geeignet. Bei Shimano werden verschiedene Rohrdurchmesser durch die beiliegenden Spacer ausgeglichen.
  • E-Type: Der E-Type-Umwerfer wird über eine Montage-Platte auf das Innenlager geschraubt. Dafür fällt ein Distanzring auf der Montage-Seite weg. Vor allem bei ungewöhnlichen Rahmenformen, aber nur bei BSA Lagern geeignet.
  • Direct Mount Low/Top Swing: Dieser Shimano-Umwerfer wird ohne Schelle direkt am Rahmen montiert. Die Umwerfer sind an verschiedene Kettenblattabstufungen (36, 38, 39, 42 Zähne) angepasst.
  • Direct Mount High/Down Swing: Diese Umwerfer-Variante wird ohne Schelle am Rahmen montiert, jedoch schwenkt der Schaltkäfig nach unten. Die Klemmung verfügt über einen kleinen Verstellbereich. Achten Sie aber beim Kauf auf die Kapazität beim großen Zahnkranz.

Abstände, Zugspannungen und Winkel im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Abstände, Zugspannungen und Winkel zusammen, die beim Einstellen eines Mountainbike-Umwerfers zu beachten sind:

Parameter Beschreibung Empfohlener Wert
Abstand Kette - inneres Leitblech (unterer Anschlag) Abstand zwischen Kette und innerem Leitblech bei kleinstem Kettenblatt und größtem Ritzel 1,0 - 1,5 mm
Abstand Kette - äußeres Leitblech (oberer Anschlag) Abstand zwischen Kette und äußerem Leitblech bei größtem Kettenblatt und kleinstem Ritzel 1,0 - 1,5 mm
Abstand Leitblech - größtes Kettenblatt Abstand zwischen Unterkante des äußeren Leitblechs und den Zähnen des größten Kettenblatts 2 - 3 mm
Abstand größtes Ritzel - Schaltröllchen Abstand zwischen den Zähnen des größten Ritzels und dem Schaltröllchen ca. 1 - 1,5 Kettenglieder

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