Das Thema rund um zulässiges Gesamtgewicht und Gewichtsfreigabe ist aktuell heiß diskutiert und wirft viele Fragen auf. Das zulässige Gesamtgewicht wird oftmals auch als Systemgewicht bezeichnet. Davon zu unterscheiden ist die Zuladung, sprich das Maximalgewicht von Fahrer und Equipment. Rechtlich gesehen, liegt die unterste Grenze für das Systemgewicht bei normierten 120 kg.
Wusstest du, dass, wenn dein Bike ein zulässiges Gesamtgewicht von 120 kg besitzt, du kaum mehr als 90 kg wiegen solltest?
Die Entwicklung der E-Mountainbikes und ihre Herausforderungen
Die Geschichte des Fahrrads reicht mehr als 200 Jahre zurück. Vor weniger als 10 Jahren kamen die ersten E-Mountainbikes auf den Markt und haben seither eine rasante Entwicklung hingelegt. Heute lassen sich mit den aktuellen E-Mountainbikes Trails fahren, sowohl bergauf als auch bergab, die vor Jahren guten Enduro Mountainbikes vorbehalten waren.
Während die ersten E-Mountainbikes noch mit den üblichen Mountainbike-Komponenten bestückt wurden, finden immer mehr „E-Bike optimized“ bzw. speziell für die erhöhten Anforderungen des E-Mountainbikes konstruierte Komponenten den Weg ans Bike. Doch Achtung: Manche Komponenten sind nur aus Marketing-Gründen mit E-Bike-Labeln versehen, andere wurden tatsächlich auf die spezifischen Belastungen hin entwickelt.
Fakt ist: Das E-Mountainbike stellt nicht nur die Entwicklungs-Ingenieure vor neue Herausforderungen, sondern auch die bisher existierenden Prüfverfahren und -normen, die eine sicherheitstechnische Relevanz haben. Durch die Motorunterstützung steigt die Belastung der Komponenten, das zusätzliche Drehmoment und das höhere Gewicht der E-Bikes fordern ihren Tribut. Hinzu kommt der erhöhte Fahrspaß beim E-Mountainbiken, welcher häufig für deutlich höheres Nutzerverhalten und längere Fahrtstrecken sorgt.
In der Summe steigt somit die Belastung für viele Komponenten durch mehr Kilometer, mehr Höhenmeter, mehr Gewicht und mehr Drehmoment deutlich an und vermindert die Langlebigkeit.
Gesetzliche Bestimmungen und Normen
Produktsicherheitsgesetz: Das Produktsicherheitsgesetz zwingt jeden Hersteller unabhängig von jeder Norm dafür zu sorgen, dass die Sicherheit beim Gebrauch des Bikes gewährleistet ist. Dies bedeutet für den Hersteller eines E-Mountainbikes, dass er sein Bike härter testen muss, als es die Norm, ISO 4210 bzw.
In den Garantiebestimmungen der Hersteller taucht der Begriff „Bestimmungsgemäßer Gebrauch“ auf. Dieser Begriff schließt Garantieansprüche aus, sofern das Bike über seinen spezifischen Einsatzzweck, für den es gebaut und vorgesehen ist, hinaus benutzt wird. Die Hersteller definieren hierzu in der Regel fünf Kategorien (von Asphalt bis Gravity), die jedoch je nach Hersteller unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten zulassen. Während z.B. ein Hersteller in der Kategorie 3 nur Sprünge bis 0,30 m Höhe zulässt, dürfen es bei einem anderen Hersteller bis zu 0,60 m sein. Die gleichen Hersteller in diesem Beispiel erlauben in der Kategorie 4 für E-Mountainbikes mit dem Einsatzzweck Allmountain Sprünge von 1,00 m bzw.
Ein Blick in die Bedienungsanleitung des Herstellers zeigt, ob das E-Mountainbike für einen Kinderanhänger bzw. die Anbringung eines Kindersitzes zugelassen ist. Das Gewicht des Anhängers mit Kind muss in das maximale Systemgewicht mit eingerechnet werden. Zu beachten ist jedoch, dass aus einem E-Mountainbike der Kategorie 4 bei Anhängerbetrieb ein Rad der Kategorie 2 wird, welches nicht mehr in grobem Gelände bzw.
E-Mountainbikes bzw. Pedelecs fallen unter die EU-Maschinenrichtlinie, weshalb der Hersteller eine entsprechende EG-Konformitätserklärung (EG steht für Europäische Gemeinschaft) abgeben muss. Es handelt sich hierbei um ein rechtsverbindliches Dokument für den E-Bike-Käufer, in dem der Hersteller die Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen bestätigt, welches durch ein CE-Zeichen auf dem Bike-Rahmen zusätzlich seinen Ausdruck findet.
Normen für E-Mountainbikes
Um die Herausforderungen bei der Diskussion um das zGG zu verstehen, muss man die Normen, die für E-Mountainbikes gelten, kennen. Für E-Bikes gelten zwei Normen, die ISO 4210 und die EN 15194. So gut wie alle Rahmen und Bike-Parts werden weltweit nach diesen Standards getestet und freigegeben.
In der ISO 4210 für Fahrräder (europäisch und international gültig) sind einheitliche Teststandards festgelegt, die der Industrie die Prüfaufbauten beschreiben. Die ISO 4210 geht jedoch von einem max. Systemgewicht (Bike + Fahrer + Zuladung/Rucksack) von 100 kg aus. Neben der ISO 4210 existiert für E-Bikes noch die die Europäische Norm 15194.
Diese EN 15194 gilt für sogenannte EPAC (Electric Power Assisted Cycles), die mit Pedalen und einem elektrischen Hilfsmotor ausgestattet sind und auf öffentlichen Straße verwendet werden. In der EN 15194 werden ebenfalls Prüfaufbauten, jedoch mit erhöhten Lasten und einem max. Systemgewicht von 120 kg, beschrieben.
Im Klartext bedeutet dies, dass es keine Normen und damit auch keine normierten Tests speziell für E-Mountainbikes gibt. Die vorgeschriebenen normierten Tests nach EN15194 reichen für die speziellen Belastungen, denen ein E-Mountainbikes ausgesetzt ist, nicht aus. Dadurch entsteht diese Grauzone, die für Ungewissheit und Unklarheit im Markt sorgt.
Als Resultat müssen die Bike-Hersteller eigene Tests durchführen, um guten Gewissens ein höheres Systemgewicht für ihre E-Mountainbikes zu erlauben. Hinzu kommt, dass Hersteller eine sogenannte Marktbeobachtungspflicht haben, d. h. sie müssen ihre Bikes den realen Belastungen des tatsächlichen Einsatzes entsprechend testen. Es reicht nicht, das Bike nur für einen bestimmten Einsatzzweck auszuloben, sondern das Bike muss so getestet werden, wie es der Verkehr (d. h.
Die Rolle der Hersteller und CE-Beauftragten
Deshalb spielt bei allen größeren europäischen E-Bike-Herstellern neben dem Produktmanager bzw. Entwicklungschef der CE-Beauftragte bei der Entwicklung eines E-Mountainbikes eine immer wichtigere Rolle. So ist für Marco Wolff-Staudacher, dem CE-Beauftragten bei MERIDA, der Zusatz „E-Bike optimized“ auf einer Komponente und einer Freigabe für ein zGG von z. B. 150 kg zwar ein guter Indikator, jedoch nicht ausreichend, um dieses Anbauteil an einem Serien-Bike zu verbauen. Erst nach hausinterner Prüfung oder Bestätigung eines Prüflabors werden die Komponenten an seinen Modellen verbaut.
Und im Zweifel hat der CE-Beauftragte auch das letzte Wort, wenn es um die Spezifizierung eines Bikes geht. Denn letztendlich haftet immer der Hersteller für sein Bike und damit für alle am E-Bike verbauten Komponenten.
Wir haben für euch nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen und Normen zusammengetragen, sondern auch bei verschiedenen Herstellern um ein Statement zum Systemgewicht der E-Mountainbikes gebeten. Auch wenn, die Herausforderung klar ist, so sind die Herangehensweisen und Ansichten bzw. rechtlichen Auslegungen der Hersteller unterschiedlich.
„Die durch ISO-Normen vorgeschriebenen Tests hinken leider der Realität vor allem beim E-Bike hinterher, weshalb wir bei Haibike seit fast 2 Jahren zusammen mit einem renommierten deutschen Prüflabor einen eigenen Test entwickeln, der in Zukunft Rahmen und Anbauteile bis zu einem Gesamtgewicht von 150 kg prüft, und das sogar in fünf Kategorien (von Asphalt bis Gravity). Rahmen und Teile sollen in Zukunft mehr und mehr nach diesen eigenen Tests zusätzlich geprüft werden.
Wichtig: Um ein Bike für ein höheres Gewicht freizugeben, reicht es eben nicht, nur den Rahmen zu testen! Es müssen alle Teile, die sicherheitsrelevant sind (Rahmen, Gabel, Bremsen, Laufräder, Lenker, Vorbau, Sattelstütze, Sattel, Kurbeln, Pedale), entsprechend dieses höheren Gewichts erfolgreich getestet werden. Einen solchen neuen Test zu etablieren, ist extrem langwierig und umfangreich, weil es hierfür erst mal neuer Maschinen und Testprozeduren bedarf.
Einige Lieferanten für Rahmen, Teile oder Antriebskomponenten haben wir schon mit ins Boot holen können, jedoch eben noch nicht alle. Insbesondere Lieferanten, die spezielle Teile nicht nur für uns machen (z. B. Gabeln, Bremsen, Laufräder), tun sich teilweise schwer bei der Umsetzung spezieller Tests, weil diese ja keine offiziellen ISO-Tests sind.
Zum Thema „Bestimmungsgemäßer Gebrauch“ und Einteilung der Bikes in ASTM-Kategorien: Hier macht es einen großen Unterschied, ob man ein Trekking-Bike (ASTM-Kategorie 1) für ein höheres Gewicht freigeben möchte oder beispielsweise ein XDURO Nduro (ASTM-Kategorie 5). Die Art der Zyklen und die Amplituden bzw. Kräfte sind ganz anders und aktuell gibt es zum Beispiel keinen Lenker, der in ASTM-Kategorie 5 unseren 150 kg-Test bestehen könnte.
Konkret planen wir in Zukunft unsere Bikes - allen voran FLYON - auf ein höheres Gesamtgewicht nach unseren Testvorgaben prüfen zu lassen. Das ist übrigens auch ein Grund, warum die FLYON-Modelle etwas schwerer als andere E-Bikes sind.
„Bei allen von Merida hergestellten E-Mountainbikes liegt aktuell das zulässige Gesamtgewicht bei 140 kg. Als Sicherheitspuffer muss das E-Bike aber immer mehr aushalten können, als die Freigabe erlaubt. Unser Ziel ist es natürlich, diesen Wert zu erhöhen, jedoch müssen dazu umfangreiche Tests, sowohl der einzelnen Komponenten als auch des gesamten E-Mountainbikes, durchgeführt werden.
Bei Merida werden alle nicht von Merida hergestellten tragenden Komponenten nochmals, auch im Bereich des zu erwartenden Fehlgebrauchs, geprüft. Während eine Erhöhung des Gesamtgewichts bei Trekking/City-Pedelecs auf 150 kg für die nächste Modellgeneration einfach zu bewerkstelligen war, ist dies beim E-Mountainbike wegen den höheren Belastungen deutlich schwieriger.
„Bei DT Swiss hat man für den sportlichen E-Mountainbike-Einsatz bereits vor zwei Jahren mit den DT Swiss HYBRID-Laufrädern reagiert. Wir bei DT Swiss orientieren uns bei der Entwicklung am „Stand der Technik“ und übererfüllen die vorgeschriebenen Normen. Die HYBRID-Naben z.B. basieren auf den legendären 240er DT-Naben, wurden aber umfassend an die erhöhten Lasten im E-MTB-Einsatz angepasst.
Der Nabenkörper verfügt über eine höhere Wandstärke, größeres Gehäuse, verstärkte Achsen und größere Speichenlöcher. Größere Lager, neue Zahnscheiben mit 24 Zähnen und ein Stahl-Freilaufkörper runden das Paket ab. Damit halten die HYBRID-Naben Drehmomenten bis zu 500 Nm stand, 25 % mehr als klassische Naben. Mit Ausnahme des Carbon-Felgensatzes konnten wir durch gezielte Anpassungen das Systemgewicht der DT Swiss HYBRID-Laufräder von 120 kg auf 150 kg erhöhen.
„Um den höheren Anforderungen der Federgabeln für E-Mountainbikes gerecht zu werden, haben wir spezielle E-Bike Chassis entwickelt, die mit sämtlichen Technologien, die man von den normalen Mountainbike-Gabeln kennt, erhältlich sind. Für die E-Bike-Federgabeln haben wir die Wandstärke des Steuerrohres und der Standrohre erhöht, die Gabelkrone ist aus Vollmaterial. Natürlich wurde auch die Abstimmung der Dämpfung an die E-Mountainbikes angepasst.
Das spezielle E-Bike Chassis gibt es für die 34- und 36-Serie, jeweils in unseren verschiedenen Produktklassifizierungen von Rhythm, über Performance und Performance Elite bis zur Factory. Bei Reverse Components haben wir für Anbauteile eine spezielle E-Serie für E-Mountainbikes entwickelt, die umfangreiche Tests im EFBE-Prüflabor bestehen mussten.
Ein Lenker der E-Serie hat je nach Einsatzzweck, sprich „Bestimmungsgemäßer Gebrauch“, ein unterschiedlich hohes zulässiges Systemgewicht. Während der Lenker, der für unsere Kategorie 5 (… sehr anspruchsvolles, stark verblocktes und extrem steiles Gelände, mit größeren Sprüngen bei sehr hohen Geschwindigkeiten … ) von uns für ein zulässiges Gesamtgewicht von 130 kg freigegeben ist, kann er für den Gebrauch im Cross-Country-Bereich bis 160 kg freigegeben werden. Die Höhe der Freigabe für ein max. Systemgewicht richtet sich also nach dem Einsatzzweck, der in den ASTM-Standards vorgegeben ist.
„Jeder MAXXIS Mountainbike-Reifen ist für eine Belastung von 90 kg und damit auch zum E-Biken (Unterstützung bis 25 km/h) freigegeben. Das höhere Systemgewicht und das zusätzliche Drehmoment des Motors bei E-MTB führen bei normalen Reifen zu höherer Walkarbeit in der Karkasse und kann Durchschläge im Reifen begünstigen und ein schwammigeres Fahrgefühl verursachen.
Um einen stabileren und durchschlagfesteren Reifen speziell für E-MTB zu erhalten, hat MAXXIS die bekannte EXO-Karkasse mit einer zusätzlichen Wulst-zu-Wulst Pannenschutzlage verstärkt. Mit dieser neuen Karkassentechnik „EXO+“ ist der Reifen nur zirka 10 % schwerer als mit EXO Karkasse. EXO+ hat aber einen mehr als 50 % besseren Pannenschutz als EXO und fühlt sich auf dem Trail wesentlich stabiler an.
„Die E-Mountainbike-Hersteller haben eine Marktbeobachtungspflicht, d. h. sie müssen schauen, wie ihre Produkte von den Bikern tatsächlich benutzt werden. Sie können sich somit nicht auf die recht geringen Anforderungen der ISO 4210 bzw. EN 15194 für ihre Produkttests zurückziehen.
Die Ursache für die Ungewissheit und Unklarheit im Markt ist klar: Für E-MTBs existiert derzeit weltweit keine Norm, die den höheren Belastungen, denen ein E-MTB ausgesetzt wird, tatsächlich gerecht wird. Aus diesem Grund entwickeln Hersteller und Prüfinstitute aktuell eigene Tests, die sich am realen Einsatzzweck orientieren. Ein einheitlicher Standard existiert jedoch leider noch nicht.
Unabhängig von der rechtlichen Diskussion um das zulässige Gesamtgewicht, sollte man jedoch die Kirche im Dorf lassen und checken, welche Probleme in der Realität tatsächlich auftauchen - uns sind bis dato nur wenige Fälle bekannt!
Die gute Nachricht: Da die Bike-Hersteller für ihr Produkt haften, kalkulieren mittlerweile viele einen größeren Puffer beim zulässigen Gesamtgewicht ein, um sich bestmöglich abzusichern. Schließlich limitiert das schwächste Teil am E-Mountainbike das zulässige Gesamtgewicht, was bei einer großen Produktpalette mit vielen unterschiedlichen Komponenten schnell unübersichtlich wird.
XXL-Fahrräder und E-Bikes für Übergewichtige
Neben „gewöhnlichen“ Rädern bieten immer mehr Fahrradhersteller auch „XXL-Bikes“ an, welche ein stark erhöhtes zulässiges Gesamtgewicht offerieren. Dies soll auch übergewichtigen Radlern das Fahrradfahren ermöglichen. Hier sind dann nicht nur die Laufräder sowie der Rahmen verstärkt, sondern auch alle anderen Komponenten halten höheren Belastungen stand, als herkömmliche Teile.
Die Fahrradteile- und Zubehörmarke Ergotec bietet seit einiger Zeit eigene Linien für verschiedene Gewichtsbelastungen an, um es Verbrauchern und Herstellern bezüglich der Komponentenauswahl zu erleichtern.
Viele Hersteller haben inzwischen spezielle Fahrräder im Programm, die für schwere Radfahrer konzipiert sind. Sie sind besonders robust gebaut und haben einen entsprechend großen Rahmen und Räder.
E-Bikes mit einem Gesamtgewicht von 150 bis 159 kg sind robuste und leistungsstarke Elektrofahrräder, die sich besonders für Personen eignen, die schweres Gepäck transportieren, in bergigem Gelände unterwegs sind oder ein höheres Körpergewicht haben. Ausgestattet mit leistungsstarken Motoren und langlebigen Batterien bieten sie eine umweltfreundliche und praktische Mobilitätslösung.
Das Cube Reaction Hybrid Pro ist ein vielseitiges Fahrrad, was sich in den zahlreichen Ausstattungsmöglichkeiten und Rahmenformen widerspiegelt. Für 2023 wurde der Rahmen des Hardtails überarbeitet, um auch die kleinen Größen mit einem leistungsstarken 750 Wattstunden Akku auszustatten. Darüber hinaus können die Bikes bei Bedarf einfach mit einem 625 Wh Akku nachgerüstet werden. Die Geometrie sorgt für ein sicheres, intuitives und spritziges Handling, während versteckte Züge die besondere Formensprache des Cube Reaction Bikes unterstreichen.
Es ist für große und schwere Radfahrer oft eine Herausforderung, das passende Fahrrad zu finden. Denn herkömmliche Massenmodelle sind nicht immer für ihre Bedürfnisse geeignet. Wenn man größer und schwerer ist, werden Hebel, Kraft und Gewicht verstärkt auf den Rahmen, die Gabel, das Tretlager und die Laufräder ausgeübt. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Langlebigkeit des Fahrrads, sondern kann auch zu Beschwerden wie Verspannungen oder Gelenkschmerzen führen, die durch eine ungeeignete Haltung entstehen können.
Die Lösung für dieses Problem sind speziell konzipierte XXL-Fahrräder, die auf die Bedürfnisse großer und schwerer Menschen zugeschnitten sind. Diese Fahrräder passen nicht nur besser zu den ergonomischen Verhältnissen kräftiger Radfahrer, sondern sind auch viel stabiler und robuster gebaut. Dadurch steht einem ungetrübten Fahrspaß nichts mehr im Wege.
Worauf sollten Personen mit Übergewicht beim Kauf eines Fahrrads oder E-Bikes achten?
Ein wichtiger Indikator beim Kauf eines XXL-Fahrrades oder eines Fahrrades für große und schwere Menschen ist das angegebene zulässige Gesamtgewicht des Fahrrades. Darin enthalten ist bereits die Zuladung des Rades, zum Beispiel durch Packtaschen oder Trinkflaschen. Große und schwere Radfahrerinnen und Radfahrer, die ein Mountainbike oder E-Bike suchen, sollten sich am besten vorher im Fachhandel informieren, welcher Radtyp für sie am besten geeignet ist.
Denn viele Fahrradkomponenten wie Rahmen, Gabeln, Laufräder, Reifen/Schläuche, Bremssysteme und Pedale sowie Tretlager gibt es speziell für hohe Belastungen. Im Detail werden beispielsweise Rahmen mit dickeren Wandstärken und größeren Durchmessern hergestellt.
Wichtig zu wissen ist auch, dass vollgefederte Fahrräder in der Regel für deutlich geringere Zuladungen/Gewichte ausgelegt sind als Hardtails (Fahrräder mit ungefedertem Hinterbau). Ähnliches gilt für Federgabeln: Sie sollten den höheren Kräften gewachsen sein. Auch hier gilt es, die zulässigen Gesamtkräfte, die auf die Gabel wirken dürfen, genau zu prüfen. Wer ganz sicher gehen will, wählt eine Tandemgabel. Diese sind oft für 180 kg und mehr zugelassen.
Bei Reifen und Schläuchen gibt es widerstandsfähige Breitreifen mit verstärkten Seitenwänden für erhöhten Pannenschutz. Für kräftigere Fahrer eignen sich auch so genannte Tubeless-Systeme. Das Laufrad kommt ohne Schlauchsystem aus und verringert so den Rollwiderstand gegenüber herkömmlichen Schlauch-Reifen-Systemen. Außerdem sind diese Reifen kaum noch pannenanfällig.
Die Laufräder von XXL-Fahrrädern sollten verstärkte Felgen und Speichen haben. Besonders hochwertig und langlebig sind handgefertigte, mehrfach gedrückte Laufräder mit hoher Speichenspannung. Bei den Bremsen sind vor allem Scheibenbremsen im Vorteil. Sie überzeugen durch ihre hohe Bremskraft und bieten ein hohes Maß an Sicherheit bei widrigen Witterungsverhältnissen. Kleiner Nachteil: Sie sind etwas wartungsintensiver und vertragen sich in der Stadt weniger gut mit Fahrradständern.
Wer ein Mountainbike sucht, achtet am besten auf große Bremsscheiben mit mindestens 180 mm Durchmesser, am Vorderrad 200 mm. Außerdem sind 4-Kolbenbremsen eine gute Lösung.
Definition: Zulässiges Gesamtgewicht von Fahrrädern
Das zulässige Gesamtgewicht eines Fahrrads wird vom Hersteller angegeben. Es gibt an, für welche Gewichtsbelastung das Fahrrad ausgelegt ist. Dabei ist zu beachten, dass natürlich das Gewicht des Fahrrades und aller daran montierten Teile dazu zählt. Auch wenn du Packtaschen sowie Trinkflaschen und Rucksäcke an deinem Rad montierst, zählen diese zum Gesamtgewicht.
Manche Hersteller geben auch das zulässige Fahrergewicht oder eine maximal mögliche Zuladung an. Informiere dich beim Kauf genau darüber. Wird die zulässige Zuladung überschritten, kann es schnell zum Bruch von Einzelteilen kommen. Einzelne Bauteile wie Bremsen oder Gangschaltung können den einwirkenden Kräften nicht mehr standhalten. Im Ernstfall kann dies zu Unfällen führen.
Deshalb gilt: Herstellerangaben nicht unterschätzen und nie überladen fahren.
Worauf sollten besonders große Frauen und Männer beim Fahrradkauf achten?
Wie bei schweren Menschen sollten auch besonders große Radfahrer beim Kauf auf ein robustes Modell achten, das neben Stabilität auch angenehmen Fahrkomfort bietet. Als besonders groß gelten Frauen ab einer Körpergröße von 1,83 m und Männer ab 1,95 m.
Welches Rad von der Körpergröße her optimal passt, findest du über unsere Fahrrad-Rahmengrößen-Beratung heraus. Dort findest du jeweils einen Rahmengrößen-Rechner für deinen bevorzugten Fahrradtyp. Viele Händler bieten auch eine spezielle Vermessung an, bei der Rahmengröße, Vorbaulänge sowie Lenker- und Sattelbreite genau ermittelt werden. Mit diesen Daten lässt sich dann ein passendes XXL-Rad finden oder sogar entwerfen.
Denn viele Fahrradhändler können aus verschiedenen Bausätzen ein Modell zusammenstellen, das auf große Fahrerinnen und Fahrer zugeschnitten ist. Generell empfiehlt sich für große Menschen ein großer Rahmen. Am besten über 60 cm (25 Zoll) und eine Laufradgröße von 28 Zoll.
Bei Lenker, Vorbau und Sattelstütze sind hochwertige Modelle (z.B. von Humpert/Ergotec) vorteilhaft, die für hohe Belastungen zugelassen sind und sich trotzdem bequem fahren lassen. Außerdem fahren sich Räder mit langem Ober- und Sitzrohr und verstellbarem Vorbau für große Menschen ergonomischer.
Außerdem lastet durch die Größe und die damit verbundene höhere Kraft viel mehr Druck auf Wirbelsäule, Sitzknochen, Armen und Händen. Dem kann durch einen höher montierten und breiteren Lenker mit stärkerer Rückkröpfung (mindestens 12 Grad) und geschraubten ergonomischen Griffen sehr gut entgegengewirkt werden.
Große Menschen haben oft auch große Füße: Deshalb empfiehlt sich ein genauer Blick auf die Pedale. Denn viele Standardmodelle sind viel zu klein und halten den höheren Kräften auf Dauer nicht stand. Robuste und große Pedalkörper gibt es von Acros, CrankBrothers, Spank oder Syntace.
Grundsätzlich können große Menschen natürlich auch ganz normale Fahrradgrößen fahren. Um einigermaßen bequem fahren zu können, werden dann Sattel und Lenker so hoch wie möglich eingestellt. Ein wirklich ergonomisches Fahren ist so aber nicht unbedingt möglich und das Fahrgefühl leidet.
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