MTB Bremse richtig einbremsen – Anleitung für optimale Leistung

Moderne Scheibenbremsen am Fahrrad (MTB, Trekkingrad, CityBike) sind die optimale Art, sehr kraftvoll, aber doch wohl dosiert zu bremsen. Egal bei welchem Wetter, ob Schnee, Regen oder verschlammter Untergrund, die Bremsbeläge packen bei diesen Fahrradbremsen immer gleich gut und zuverlässig zu. Wer neue Beläge richtig einbremst, kann sich immer auf volle Bremskraft verlassen.

Warum das Einbremsen wichtig ist

Bei einem neuen Fahrrad mit Scheibenbremsen ist besonders zu beachten, dass die Bremsen zunächst richtig eingebremst werden. Sind die Scheibenbremsen bzw. Beläge aber neu, müssen diese ab dem ersten Tag "eingebremst" bzw. "eingefahren" werden. Beim Einbremsprozess bzw. Einschleifen passen sich Bremsscheibe (Disc Brake) und Bremsbelag optimal aufeinander an. Mikroskopisch kleine Unebenheiten auf beiden Bauteilen werden abgeschliffen, so dass der Bremsbelag beim Bremsen plan auf der Bremsscheibe aufliegt. Dieses ist sehr wichtig, damit später beim Bremsvorgang diese beiden Komponenten perfekt Kontakt finden und das Laufrad verlangsamen.

Aber nicht nur das. Beim kräftigen Einbremsen finden bei einem neuen Bremsbelag chemische Prozesse statt. Der Belag ist ab Werk noch recht weich. Beim Bremsen wird der Belag stark erhitzt. Das Material gast aus. Der ehemals weiche Belag härtet aus, ist temperaturresistent und kann nun seine optimale Bremswirkung entfalten. Findet kein Aushärten der Beläge statt, ist dieser so weich, dass er frühzeitig extrem verschleißt und dadurch wieder früher gewechselt werden muss. Außerdem können die Bremsbeläge deutlich eher überhitzen, dann verglasen und im Extremfall durch die übermäßige Hitze sogar die Bremsscheiben (Disc Brakes) in Mitleidenschaft ziehen und leicht verformen. Wie Sie sehen, geht ein Unterlassen des Einbremsens der Scheibenbremsen-Beläge mit einem erhöhten Kostenaufwand und deutlich verminderter Sicherheit einher.

Kurz und bündig: Drei gute Gründe für richtiges Einbremsen:

  • Maximale Bremswirkung erzielen: Rauhe Oberflächen auf Belag und Scheibe werden beim Einbremsen geglättet. Erst dann liegen beide Reibpartner plan und großflächig aufeinander.
  • Bremsbeläge widerstandsfähig machen: Ab Werk besitzt ein Bremsbelag noch nicht die größtmögliche Härte. Er enthält Stoffe, zum Beispiel Bindemittel, die durch Hitze herausgelöst werden müssen, damit sich eine optimale Reibschicht bildet. Diese Hitze muss beim Einbremsen erzeugt werden.
  • Geld sparen: Das Einbremsen macht die Beläge lange haltbar. Deshalb sparst du unterm Strich bares Geld.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einbremsen

Die Hersteller von Bremsbelägen für Scheibenbremsen (z.B. Shimano, Avid, Contec, XLC etc.) geben an, dass beim Einbremsen das Fahrrad auf 30 km/h beschleunigt werden soll und 30 (manchmal auch mehr) Vollbremsungen nötig sind. Dies gilt je Bremse, also jeweils für vorne und hinten. Achten Sie unbedingt darauf, das Einbremsen auf einer wenig befahrenen Straße durchzuführen. Zum Einbremsen Deiner Bremsanlage solltest Du Dir eine sichere Umgebung suchen, wo Du ungestört bist und relativ viel Platz hast. Ein leerer Parkplatz funktioniert gut, aber auch ein übersichtlicher Forstweg, auf dem wenig los ist. Widme Dich der Vorder- und Hinterradbremse jeweils einzeln! So funktioniert das Einbremsen besser als würdest Du versuchen, beide zugleich einzubremsen.

  1. Scheiben & Beläge einschleifen: Beläge und Bremsscheiben müssen zunächst eingeschliffen werden. Das ist wichtig, damit die mikroskopisch kleinen Unebenheiten der jeweiligen Oberflächen ausgeglichen werden. Ansonsten reiben nur die Spitzen dieses Mini-Gebirges aufeinander, was zu extrem hoher lokal begrenzter Hitzeentwicklung führt. Wir beginnen daher mit einer ganz sanften Schleiffahrt in Schrittgeschwindigkeit. Lassen Sie dabei zuerst die MTB-Scheibenbremse bei langsamer Fahrt oder geringem Gefälle 200 bis 300 Meter leicht schleifen.
  2. Moderate Bremsungen aus 30 km/h: Den Einbremsprozess der Scheibenbremse geben die Bremsenhersteller meist so oder so ähnlich an: mindestens 30 moderate Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bis zum Stillstand. Fast bis zum Stillstand deshalb, damit sich keine Anhäufungen von Bremsbelag auf der Reibfläche bilden, die später ungewünschte Vibationen (Ursache für Geräusche) hervorrufen können. Man sollte während dieses Schrittes eine Zunahme der Bremswirkung spüren. Erhöht sich die Bremspower der Scheibenbremse nicht mehr merklich, ist dieser Schritt angeschlossen. Die meisten Biker halten ihre Bremse jetzt für eingebremst. Es fehlt aber noch ein wichtiger Schritt.
  3. Richtig heiß bremsen auf einer langen Abfahrt: Zum Abschluss des Einbremsens von Scheibenbremsen am Mountainbike sollte man - bei organischen Belägen - das Ausgasen provozieren. Dazu auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln!) so lange schleifen lassen (also: richtig heiß bremsen), bis das Initial-Fading beginnt, die Bremswirkung also deutlich nachlässt. Ganz Hartgesottene bleiben jetzt sogar so lange auf der MTB-Bremse, bis die Verzögerungswirkung wieder zurückkommt. Erst dann ist der Belag optimal eingebremst, verschleißfest und standfest. Sinter-metallische Bremsbeläge und auch die meisten sogenannten semi-metallischen Belagmischungen bei Scheibenbremsen benötigen diesen Schritt in der Regel nicht zum Ausgasen, da sie keine oder nur sehr geringe Anteile flüchtiger Lösemittel enthalten. Allerdings müssen auch sie hohen Temperaturen ausgesetzt werden, damit sich die nötige Reibschicht nachhaltig ausbilden kann.

So gehst Du beim Einfahren bzw. Wiederholen Sie diesen Vorgang für vorne und hinten je 30 mal, wenn die Bremsbeläge neu sind. Ganz wichtig bei organischen Belägen: Nach dem Einbremsen sollten Sie die Beläge dann noch richtig heiß bremsen, um das sogenannte Ausgasen (der Lösungsmittel im Material) herbeizuführen. Am besten lassen Sie auf einer steilen Abfahrt die Bremsen einzeln schleifen bis diese richtig heiß werden.

Einbremsen in der Praxis - Schritt für Schritt

  1. Bremse schleifen lassen: Hierzu wählen Sie eine leicht geneigte Asphaltabfahrt. Rollen Sie die ersten 50 Meter mit leicht angezogenen Bremsen, um Beläge sowie Scheibe auf Temperatur zu bringen. Ist der Weg nicht steil genug, pedalieren Sie einfach "gegen" die leicht angezogene, schleifende Bremse.
  2. Bremse kräftig ziehen: Im nächsten Schritt beschleunigen Sie das Bike auf 25 bis 30 km/h - auch hierzu ist eine mäßig steile Asphaltabfahrt ideal. Ziehen Sie nun beide Bremshebel kräftig durch, bis Sie zum kompletten Stillstand kommen. Wiederholen Sie dieses Manöver bis zu acht Mal - dann hat die Bremse die volle Kraft.
  3. Bremsvorgänge wiederholen: Die Stopper beißen immer noch nicht kraftvoll zu? Manche Bremsen (z. B. Formula) benötigen eine sehr lange Einfahrzeit - da hilft nur weiter einbremsen.

Wissenswertes über Bremsbeläge

Zunächst solltest du wissen, dass es verschiedene Bremsbeläge gibt. Es gibt „organische“ und „gesinterte“ Bremsbeläge. Organische Bremsbeläge setzen sich aus verschiedenen Produkten der organischen Chemie zusammen. Gesinterte Bremsbeläge bestehen aus gesinterten Metallen. Diese Sintermetalle werden mit viel Druck und Hitze zusammengepresst. Beide Bremsbeläge müssen bei den ersten Fahrten eingeschliffen werden: Lasse dafür einfach die Bremse bei langsamer Fahrt leicht schleifen, damit sich mikroskopisch feine Unebenheiten von Bremsklötzen und Bremsscheibe anpassen.

Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen: Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen. Und gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen. Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.

Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.

Was passiert, wenn Du neue Beläge nicht einbremst?

Wenn Du Deine Bremsbeläge und Bremsscheiben nicht gezielt einbremst und einfach losfährst, wird sich der Effekt irgendwann durch die ganz normale Nutzung der Bremsen einstellen. Das kann aber einige Touren dauern. So lange verzichtest Du auf einen erheblichen Teil Deiner möglichen Bremsleistung, was gerade im Gelände unangenehm sein kann. Da Vorder- und Hinterradbremse beim ganz normalen Fahren unterschiedlich stark beansprucht werden, werden sie unterschiedlich lange brauchen, bis sie eingebremst sind. Es lohnt also, ein paar Minuten ins Einbremsen zu investieren, damit Du von Anfang an die volle Power Deiner Scheibenbremsen nutzen kannst.

Weitere Tipps

  • Wenn Du die Bremsbeläge vor dem Einbau etwas mit Sandpapier anraust, kannst Du die Prozedur des Einbremsens oft etwas beschleunigen.
  • Regelmäßige Wartung: Halte deine Bremsscheiben und Beläge stets sauber und frei von Schmutz und Öl.
  • Bremstechnik: Lerne die richtige Bremstechnik, um die Bremsbeläge und -scheiben zu schonen.
Einbremsen von Bremsbelägen: Vergleich der Belagtypen
Eigenschaft Organische Beläge Gesinterte Beläge
Geräuschentwicklung Geringere Quietschneigung Höhere Quietschneigung
Bremsleistung Etwas höhere Bremsleistung Etwas geringere Bremsleistung
Verschleiß Schnellerer Verschleiß Langsamerer Verschleiß
Temperaturbeständigkeit Geringere Temperaturbeständigkeit Höhere Temperaturbeständigkeit
Scheibenverschleiß Geringerer Scheibenverschleiß Höherer Scheibenverschleiß

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0