E-Mountainbike: Pro und Contra

Trotz einer deutlichen Preissteigerung haben Mountainbikes die Trekkingräder auf der Pedelec-Beliebtheitsskala mittlerweile überholt. Von den im Jahr 2021 ca. zwei Millionen verkauften Pedelecs waren 34 Prozent Mountainbikes, Trekkingräder lagen mit 32 Prozent knapp dahinter.

Was das bedeutet, sieht man auch auf den Wanderwegen der Alpen: Sie sind so befahren wie nie. 2023 wurden erstmals mehr Elektro- als herkömmliche Fahrräder verkauft.

Der aktuelle E-MTB-Sport ist somit eine gänzlich eigenständige Kategorie, die kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Mountainbiken zu tun hat. Die Richtung ist seit jeher klar: mehr Power, mehr Akku, fettere Reifen, mehr Federweg. Einhergehend aber mit höherem Gewicht und einer immer mehr dem Enduro-Motorrad nahekommenden Fahrperformance.

Und so entwickelt sich seit einiger Zeit ein zweiter Megatrend bei den Geländerädern; mit leichteren, kleineren Akkus und weniger kräftigen Motoren. Diese Komponenten drücken das Gewicht solcher Bikes weit unter die 20-Kilogramm-Grenze.

Pro E-Mountainbike

Einer der größten Vorteile von E-Mountainbikes ist daher, dass sie helfen, Leistungsdifferenzen zu überwinden. Niemand mit Konditionsdefizit muss sich ausgeschlossen fühlen, dank der elektrischen Unterstützung ist der Bike-Ausflug in die Berge für alle ein Vergnügen.

Es ist auch mal schön, wenn man mit seinem Bike oben am Berg ankommt, ohne komplett durchgeschwitzt zu sein. Mit einem E-Mountainbike lassen sich bergauf auch kleinere Verblockungen oder Wurzelpassagen meistern, bei denen man mit einem Mountainbike hängenbleibt. Ebenfalls ein kleiner Vorteil: Das Anfahren in einem Steilhang gelingt mit einem E-MTB mühelos.

So lassen sich geniale Trails auch mehrmals am Tag fahren. Voll im Trend liegen derzeit E-Enduros, die ihre Fahrer unabhängig von Liften machen. Die Bergauf-Fahrt erfolgt oft mit maximaler E-Unterstützung. Damit bei diesen Akkuenergie raubenden Fahrten nicht schnell Ende (im) Gelände ist, bunkern die E-Enduro-Biker gerne Ersatzakkus.

Außerdem tut es auf einem E-MTB nicht so weh, wenn man bei der letzten Abzweigung mal falsch abgebogen ist und nun 100 Höhenmeter zurückfahren muss. (Wer kennt das nicht?) Und in einem Notfall ist es mit einem E-Mountainbike mitunter schneller möglich, Hilfe zu holen.

Kurzum: E-Mountainbiken macht wirklich Spaß. E-MTBs ermöglichen Erlebnisse, die man sonst eher nicht kennt: Mit 20 km/h den Schotterweg hinauf rasen. Den steilsten Hang im Ort einfach mal hochstrampeln. Die 75-Kilometer-Tour mit den 2.500 Höhenmetern ohne schmerzende Beine beenden.

Auch wenn es mir riesigen Spaß macht, E-MTBs mit dem Team zu testen, bin ich aktuell noch nicht bereit, mein Enduro-Bike an den Nagel zu hängen. „Ich mag es, Feierabendrunden oder Lunch-Rides in meinen Tagesablauf zu integrieren, denn sie sind meine tägliche Dosis Natur und halten mich fit. Mit meinem analogen Bike war das drei- bis viermal die Woche möglich. Und um ehrlich zu sein, fahre ich im Winter nicht allzu oft mit meinem unmotorisierten Trail-Bike. Doch mit einem E-MTB ist es nun kein Problem mehr für mich, jeden Tag und das ganze Jahr über unterwegs zu sein.

Contra E-Mountainbike

Die zusätzlichen Kilos sind für mich nach wie vor ein Argument - auf der Minus-Seite. Auf dem Trail, wenn es darum geht, das Bike durch kniffelige Passagen zu manövrieren. Aber auch, wenn ich es in den Keller tragen oder ins Auto wuchten muss.

Für wen sich das E-Bike eignet - und für wen nicht: Besitzer eines E-Bikes lieben die Vorteile ihres Elektromotors, andere spotten über Gewicht und Unhandlichkeit.

Wer ein E-Mountainbike kaufen will, muss tief in die Tasche greifen. Selbst der Preis für Einsteigermodelle liegt über 2.000 Euro - wenn man einen gewissen Qualitätsanspruch hat.

Wer es schon nervig findet, ein Mountainbike (wiegt normalerweise etwa 10 bis 14 Kilo) eine kurze Passage nach oben zu tragen oder ins Auto zu verladen, der wird ein E-Mountainbike verfluchen. Wenn man auf einem E-Mountainbike sitzt, spielt dessen Gewicht keine große Rolle. Spannend wird es jedoch, wenn man absteigen muss. Denn E-MTBs wiegen schon mal 25 Kilo, selbst wenn man den Akku rausnimmt, sind es nur 2,5 bis 4 Kilo weniger.

In der Tat lässt sich ein normales Mountainbike in technischen Passagen deutlich leichter steuern. „Das ist ja wie Mofa-Fahren in den Bergen.“ Wie formulierte es ein Bergfreund, der sich ein E-MTB testweise geliehen hatte, so schön.

Ihr Empfinden: Wer es nicht mit eigener Kraft in die Berge schafft, hat dort nichts zu suchen. Viele Mountainbiker und auch Wanderer reagieren auf die Motorisierung mit unverhohlener Ablehnung. Nein, als E-Mountainbiker ist man längst nicht überall willkommen.

E-Mountainbike Tests

Der ADAC hat acht E-Mountainbikes bis 5000 Euro nach den Kriterien Fahren, Antriebssystem und Motor, Handhabung, Sicherheit und Verarbeitung sowie auf Schadstoffe getestet. Ergebnis: Sechsmal "gut", zweimal "befriedigend".

Das Cube bietet neben sehr guten Bremsen umfassende Informationen auf dem Display und eine Schiebehilfe mit Rückwärtsblockade. Die Sitzposition erlaubt darüber hinaus eine angenehme Fahrt auf ebener Straße. Nur der begrenzte Lenkereinschlag und der Ausbau des Akkus bieten noch Raum für Verbesserungen.

Den letzten Platz im Vergleich belegt das "Strike eRIDE 940" von Scott. Bei diesem Fully-Modell zeigten sich im Test sicherheitsrelevante Defizite. Die Hebelmechanik, um die Sattelstütze versenken zu können, ist schwer zu erreichen. Das sorgt besonders beim Bergabfahren für gefährliche Situationen, weil Bikerin oder Biker dazu die sichere Griffposition am Lenker aufgeben müssen. Zudem ist das Bike von Scott in der Preisklasse nur mit einem 500-Wh-Akku ausgestattet. Bei allen anderen E-Mountainbikes im Test sind Akkus mit 750 Wh oder 630/621 Wh verbaut. Entsprechend ist nur eine vergleichsweise geringe Reichweite (70 Kilometer) bzw. Reichhöhe (1371 Meter) möglich.

E-Mountainbike: Empfehlungen des ADAC

  • Die Bedienung der Bremsen sollte möglichst mit der "Einfingertechnik" möglich sein.
  • Die absenkbare Sattelstütze muss auch in schwierigen Situationen mit dem Daumen von der Lenkergriffposition unkompliziert und sicher erfolgen können.
  • Das e-MTB ist ein Sportgerät und bedarf Übung. Zum Kauf sollte ein z.B. kostenvergünstigtes Techniktraining selbstverpflichtend durch den Hersteller mit angeboten werden.
  • Die Schalthebel sollten, um Schäden der Antriebsübertragung (Kette, Ritzel) zu vermeiden, möglichst in der "Eingangrastung" erfolgen, d.h. beim Drücken des Schalthebels wird nur ein Gang geschaltet.
  • Eindeutige Hinweise zum zulässigen Gesamtgewicht bzw. Systemgewicht müssen am e-MTB gut sichtbar sein.

Sicherheitstipps für E-Mountainbiker

  • Neben einem Helm sorgen weitere Sicherheitsausrüstungen wie Knie- und Ellenbogenschützer für guten Unfallschutz auf Trails. Je nach Beschaffenheit des Trails können auch Rumpfprotektoren oder ein Vollvisierhelm sinnvoll sein.
  • Zur besseren Erkennung für andere sollte bunte oder auffällige Kleidung gewählt werden und zur akustischen Warnung eine Klingel am Fahrrad angebracht sein. Für eine klare Sicht ist eine Schutzbrille zu empfehlen, um die Augen vor Insekten, Schmutz und Staub zu schützen.
  • Touren sollten gut vorbereitet sein. Zur Grundausstattung gehört ein kleines Erste-Hilfe-Set, ein Flickzeug sowie ein Ersatzschlauch inklusive Montagematerial, um für eine Panne gerüstet zu sein. Für Notfälle sollte ein vollgeladenes Handy oder eine Powerbank mitgeführt werden.

E-Mountainbike: Pro und Kontra im Überblick

PRO E-Bike KONTRA E-Bike
Macht längere Touren auch im Alter möglich Nicht ganz billig
Erleichtert Fahrten in schwierigem Gelände Schwer und unhandlich zu tragen
Erlaubt hohes Tempo Braucht sichere Unterbringung
Schwierig in den Urlaub mitzunehmen
Nichts für Kinder

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