Das Punktesystem in der MotoGP, ehemals bekannt als die 500ccm-Weltmeisterschaft, hat sich im Laufe der Jahre erheblich verändert. Seit dem ersten WM-Lauf im Jahr 1949 gab es neun verschiedene Punktesysteme. Das derzeitige Punktesystem geht auf das Jahr 1993 zurück und ist damit das am längsten geltende in der Geschichte der Weltmeisterschaft. Es sieht vor, dass bei jedem Grand Prix Punkte an die besten 15 Fahrer des Rennens vergeben werden.
Das aktuelle MotoGP Punktesystem
Der Gewinner eines MotoGP-Sonntagrennens erhält 25 Punkte. Dahinter verringert sich die Punktzahl schrittweise nach folgendem Schema bis zum 15. Platz: 20-16-13-11-10-9-8-7-6-5-4-3-2-1.
Bei den Sprintrennen werden nur die ersten neun Positionen mit Punkten berücksichtigt. Punkte gibt es bis Rang neun nach folgender Verteilung: 12-9-7-6-5-4-3-2-1.
Durch zwei Rennen pro Wochenende hat sich die Anzahl der Punkte, die ein MotoGP-Fahrer pro Rennen sammeln kann, erhöht. Nicht uninteressant ist die Tatsache, dass sich der Abstand zwischen dem Sieger und dem Zweitplatzierten im Sprint und im Hauptrennen unterscheidet.
Punkteverteilung im Detail
Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung der Punktevergabe:
Punkte für das Hauptrennen
- 1. Platz: 25 Punkte
- 2. Platz: 20 Punkte
- 3. Platz: 16 Punkte
- 4. Platz: 13 Punkte
- 5. Platz: 11 Punkte
- 6. Platz: 10 Punkte
- 7. Platz: 9 Punkte
- 8. Platz: 8 Punkte
- 9. Platz: 7 Punkte
- 10. Platz: 6 Punkte
- 11. Platz: 5 Punkte
- 12. Platz: 4 Punkte
- 13. Platz: 3 Punkte
- 14. Platz: 2 Punkte
- 15. Platz: 1 Punkt
Punkte für das Sprintrennen
- 1. Platz: 12 Punkte
- 2. Platz: 9 Punkte
- 3. Platz: 7 Punkte
- 4. Platz: 6 Punkte
- 5. Platz: 5 Punkte
- 6. Platz: 4 Punkte
- 7. Platz: 3 Punkte
- 8. Platz: 2 Punkte
- 9. Platz: 1 Punkt
Dieses Kriterium für die Punktevergabe wird seit 1993 verwendet. Die eigentliche Neuerung, die 2023 eingeführt wurde und für die Saison 2024 sowie die aktuelle Saison beibehalten wird, ist das Sprintrennen.
Historische Entwicklung des Punktesystems
Bis 1993, als das bis heute geltende Punktesystem eingeführt wurde, befand es sich in ständigem Wandel.
- 1949: Punkte für die besten fünf Fahrer (10-8-7-6-5) und einen zusätzlichen Punkt für die schnellste Runde, sofern der Fahrer das Rennen beendete. Es galt ein Netto-Punktesystem, bei dem nur die drei besten Ergebnisse zählten.
- 1950: Die besten sechs Fahrer jedes Rennens wurden mit Punkten belohnt (8-6-4-3-2-1). Die Anzahl der zu zählenden Ergebnisse wurde durch eine Formel bestimmt.
- 1969: Die zehn besten Fahrer konnten Punkte für die Endwertung sammeln.
- 1977: Alle Ergebnisse gingen in die Endwertung ein.
- 1988: Die Punkteränge wurden auf die besten 15 Fahrer eines Rennens ausgeweitet (20-17-15-13-11-10-9-8-7-6-5-4-3-2-1).
- 1992: Nur die besten zehn Fahrer erhielten Punkte (20-15-12-10-8-6-4-3-2-1) und es gab keine Streichergebnisse mehr.
Die Auswirkungen der Sprintrennen
Die Einführung der Sprintrennen in der Saison 2023 markierte die größte Veränderung des Punktesystems in den letzten 30 Jahren. Ein bewährtes Format wird nicht geändert: Abgesehen von einigen geringfügigen Anpassungen hat die wichtigste Neuerung der MotoGP-Saison 2023, nämlich die Einführung des Sprintrennens, beim Publikum und den Fahrern der Königsklasse auf zwei Rädern Anklang gefunden. Daher bleibt es nach 2024 auch für die aktuelle Saison 2025 in Kraft.
Die Einführung des Sprintrennens hat das Wochenendprogramm der MotoGP natürlich revolutioniert. Es beginnt wie gewohnt am Freitag mit dem Freien Training, das am Nachmittag von 45 Minuten auf eine Stunde verlängert wird und dazu dient, die zehn Fahrer zu ermitteln, die direkt in Q2 einziehen. Der Samstagvormittag ist hingegen den bereits erwähnten Qualifikationen gewidmet, wobei Q1 und Q2 jeweils eine Viertelstunde dauern. An Q1 nehmen die Fahrer teil, die am Freitagnachmittag im zweiten Freien Training nicht unter die besten zehn gekommen sind, was in jeder Hinsicht mit einer Vorqualifikation vergleichbar ist.
Das Rennwochenende: Ablauf und Ziele
Das Herzstück der MotoGP welcher Klasse auch immer ist das Rennwochenende mit dem eigentlichen Grand Prix am Sonntag. Aber damit dies möglich ist, braucht es die Rennstrecke, die zum Teil die gleiche ist wie in der Formel 1 oder in anderen Rennserien und einige zusätzliche Einrichtungen und Regeln. Natürlich braucht es auch die Fahrer mit der entsprechenden Fahrberechtigung sowie die Teams, damit es Motorräder geben kann und damit die Finanzierung gesichert ist.
Das Rennwochenende selbst beginnt mit dem Training, wird mit Qualifying fortgesetzt und am Renntag gibt es das Warm-up und schließlich das Rennen selbst.
Freitag: Training und Setup
Der Freitag markiert den Start in das Rennwochenende und dient vor allem dazu, Set-ups zu testen, Daten zu sammeln und sich einen Direktplatz im zweiten Qualifying Q2 zu sichern. Das Training hat eine herausragende Bedeutung, da die hier gefahrenen Zeiten entscheiden, welche Fahrer direkt in das zweite Qualifying (Q2) einziehen. Nur die besten zehn Fahrer sichern sich diesen Vorteil.
- Freien Training am Freitagvormittag, dessen Länge auf 45 Minuten erhöht wurde.
- FP2 (Free Practice 2): Ebenfalls am Freitag tritt das Fahrerfeld zum 2. Freien Training an, das ebenfalls 45 Minuten lang geht. Danach haben die Fahrer Feierabend - zumindest auf der Piste. Nach beiden FP-Sitzungen wird das Starterfeld das MotoGP-Qualifying ermittelt.
Samstag: Qualifying und Sprintrennen
Am Samstag wechselt der Fokus von der Vorbereitung zur Performance. Diese Session dient der finalen Vorbereitung für das Rennen. Die Ergebnisse haben jedoch keinen Einfluss mehr auf das Qualifying.
Das Qualifying ist ein Herzstück des MotoGP-Wochenendes. Fahrer, die es im Training am Freitagnachmittag nicht in die Top 10 geschafft haben, kämpfen in Q1 um die letzten beiden Plätze im zweiten Qualifying. In Q2 treten die Top 10 des Freitags sowie die zwei schnellsten Fahrer aus Q1 gegeneinander an. Hier wird die Poleposition ermittelt. Die Zeiten aus Q2 bestimmen die Startaufstellung der Top 12 für das Hauptrennen am Sonntag.
- FP3 (Free Practice 3): Der Samstagvormittag beginnt mit dem 3. Freien Training, das hingegen nur noch 30 Minuten dauert.
- Qualifying 1 und 2: Ebenfalls noch am Vormittag des Samstages treten die Fahrer zu den beiden Qualifying-Sitzungen an, in denen die Startaufstellung festgelegt wird.
- Sprintrennen: Nach einer Mittagspause ist es dann um 15:00 Uhr Ortszeit soweit und das jeweilige Sprintrennen steht an.
Sonntag: Hauptrennen
Am Sonntag steht alles im Zeichen des Hauptrennens, das nach wie vor das wichtigste Event des Wochenendes ist. Die Fahrer können vor dem Rennen noch einmal die Abstimmung testen und sich auf die Bedingungen einstellen.
- Rennen: Am Sonntag steht dann noch das (Haupt-)Rennen auf dem Programm.
Qualifying im Detail
Um in einem Rennen der MotoGP die Siegchancen zu erhöhen, ist ein Startplatz weit vorn im Fahrerfeld von entscheidender Bedeutung. Die Startaufstellung für jedes Rennen einer MotoGP-Saison wird im Qualifying, also der Qualifikation ermittelt. Ausschlaggebend für das Qualifying sind zudem die Ergebnisse in den Freien Trainings: Die zehn schnellsten Piloten aus den Trainings starten im Samstags stattfindenden Qualifying direkt in Q2, alle anderen Teilnehmer kämpfen zunächst in Q1 um den Platz im Rennen.
Hierfür werden die schnellsten Runden aus den ersten beiden Trainingssession herangezogen und in ein Gesamt-Klassement zusammengerechnet.
- Beide Sessions dauern jeweils 15 Minuten.
- In Q1 ermitteln die Fahrer, die es im Training nicht in die Top-10 geschafft haben, zwei Piloten, die in Q2 um die Pole Position (also den Platz ganz vorn in der Startaufstellung) eingreifen.
- Nur die zwei schnellsten Fahrer aus Q1 dürfen auch in Q2 wieder antreten, danach stehen die Startplätze ab Position 13 für ein Rennen der MotoGP fest.
- In Q2 treten entsprechend 12 Fahrer an: Die zehn schnellsten Piloten aus den Trainings und die zwei schnellsten aus Q1.
Auch die zweite Runde der MotoGP-Qualifikation dauert 15 Minuten lang. 15 Minuten bleiben den zwölf Piloten in Q2, um die schnellstmögliche Rundenzeit zu fahren. Diese gibt am Ende Aufschluss über die Startposition. Der schnellste geht von der Spitze des Fahrerfeldes aus ins Rennen am Sonntag und nimmt die begehrte Pole Position ein.
Weitere Regeln und Bestimmungen
Bei Punktgleichheit zwischen zwei oder mehr Fahrern am Ende der Saison wird die Anzahl der gewonnenen Grand Prix‘ gezählt. Wenn einer der Fahrer mehr Siege eingefahren hat, ist er auch Weltmeister. Sollte es zu dem Sonderfall kommen, dass auch diese Platzierungen gleich sind, dann ist jener Weltmeister, der zuerst auf Platz eins in der Tabelle zu finden war.
Rekorde und bemerkenswerte Fälle
Der Allzeitrekord für die höchste Punktzahl in der MotoGP hält der Spanier Marc Marquez, der 2019 mit zwölf Siegen in neunzehn Rennen, sechs zweiten Plätzen und einer Aufgabe insgesamt 420 Punkte holte. Hätte es damals schon Sprintrennen gegeben, hätte der spanische Champion wahrscheinlich die 500-Punkte-Marke geknackt.
Weitere bemerkenswerte Fälle stammen aus den vergangenen Saisons. Im Jahr 2022 sticht der Fall von Enea Bastianini hervor, der dank seines achten Platzes in Valencia im Fotofinish den dritten Platz belegte. Der Italiener sammelte acht Punkte und überholte damit Aleix Espargaró, der das Rennen nicht zu Ende fahren konnte und folglich leer ausging. Noch bemerkenswerter ist der Fall aus dem Jahr 2020, als Joan Mir mit nur einem Sieg und sechs Podiumsplätzen die Weltmeisterschaft gewann, während Franco Morbidelli drei Siege erzielte.
Die MotoGP im Überblick
Die MotoGP setzt sich aus drei Klassen zusammen, die im Laufe der Zeit neu benannt und technisch definiert wurden. Lange Jahre gab es die 500 ccm²-Klasse als höchste Klasse, dann die 250er und 125er (noch früher sogar 80er) Klasse. Heute ist die Einstiegsklasse die Moto3 gefolgt von der Moto2 und der höchsten Rennserie mit der MotoGP.
In der höchsten Rennklasse innerhalb der FIM-Motorrad-Weltmeisterschaft treten in der MotoGP-Klasse die leistungsstärksten Motorräder gegeneinander an. MotoGP-Motorräder sind Prototypen mit der aktuell besten Technik, welche im Schnitt 300 PS stark sind,157 Kilo wiegen und eine Geschwindigkeit von über 350 km/h erreichen können.
Bei den Fans des Profi-Motorradsports hat die MotoGP einen besonderen Stellenwert. Seit einigen Jahren soll die Königsklasse im Zweirad-Motorsport sogar die Formel 1 als Königs-klasse des Vierrad-Motorsports eingeholt haben. Diskussionen, welcher Motorsport der bessere sei, gibt es schon lange. In den Wettbüros ist von der Konkurrenz der beiden Königsklassen wenig zu bemerken.
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