Frankfurts Historie bietet eine Vielzahl spannender Geschichten, Ereignisse, Personen, Themen und Entwicklungen. Die Radsportwelt schaut am 01. Mai nach Frankfurt.
Die Geschichte des Frankfurter Radsports ist sehr vielfältig und führt bei der Spurensuche zu Orten, die wir heute überhaupt nicht mehr als Sportstätten kennen. Dazu gehören beispielsweise das Oberforsthaus und der Palmengarten. Dem 1881 als erstem Radsportverein in Frankfurt gegründeten Frankfurter Bicycle-Club folgte 1883 der Velociped Club Frankfurt.
Das Radfahren war allerdings zunächst ein Luxus. Kein Durchschnittsverdiener konnte sich 1880 ein Hochrad leisten, während die „Niederräder“ später schon etwas preisgünstiger angeboten wurden. Erst um die Jahrhundertwende kam dann industriell hergestellte und deshalb bezahlbare „Massenware“ auf den Markt.
Auf der Radrennbahn im Palmengarten kam das Radsportidol August Lehr zu großen Erfolgen und wurde 1894 in Amsterdam sogar Weltmeister „Über eine Meile. Lehrs Nachfolger trainierten ab 1925 auf der Radrennbahn im neuen Frankfurter Waldstadion.
Die Zuschauer waren dort insbesondere von den „Steher-Rennen“ begeistert, bei denen die Radrennfahrer vom Windschatten der vorausfahrenden Motorräder profitierten. Straßenrennen spielten in der Anfangszeit des Radsports dagegen schon deshalb keine große Rolle, weil der schlechte Straßenzustand solche Wettbewerbe zunächst überhaupt nicht erlaubte. Das jahrzehntelang ausgetragene Straßenrennen „Rund um Frankfurt“ wurde dann am 7. Juli 1907 zum ersten Mal gestartet. Ab 1912 nahmen neben den Amateuren auch Profis teil.
Die Anfänge des Rennens "Rund um den Henninger-Turm"
Als 52 Fahrer aus sechs Nationen am 13. Mai 1962 zum Radrennen „Rund um den Henningerturm“ starteten, konnte niemand voraussagen, dass damit eine neue Tradition begründet wurde.
50 Jahre ist es her: Der Henninger-Turm war gebaut. Eine große Einweihungsfeier auf dem Sachsenhäuser Berg. Ein neues Wahrzeichen für Frankfurt war entstanden: Silo, Aussichtsturm, Dreh-Restaurant, Gesellschaftsräume. Doch was konnte man tun, um den Henninger-Turm in das Bewusstsein der Menschen zu bringen? Konsul Bruno H. Schubert, Besitzer der alten Frankfurter Brauerei, und seine Direktoren fanden eine Lösung: Ein Radrennen rund um den Turm musste her. Gesagt, getan.
Auf Veranlassung von Bruno H. Schubert nahm die Brauerei unverzüglich Kontakt zum Hessischen Radsportverband und zum Radsport-Bezirk Frankfurt auf. Doch wie das immer so ist: Er wurde an eine andere Organisation verwiesen, an die kurz zuvor gegründete „Gesellschaft zur Förderung des Radsports mbH“. Deren Gesellschafter, die Brüder Hermann und Erwin Moos, hatten sich auf die Fahnen geschrieben, für den Fortbestand der Radrennen auf der Frankfurter Stadion Rennbahn zu sorgen. Jetzt sollte ihnen eine viel größere Aufgabe bevorstehen. Ein Jahr später, das war 1962, fiel dann zum ersten Mal der Startschuss zum Radrennen „Rund um den Henninger-Turm“.
Der belgische Weltmeister Rik van Looy, damals Akteur der internationalen Szene, reiste mit seiner Mannschaft an und beherrschte den Rundkurs nach Belieben. Armand Desmet, einer seiner Helfer, gewann die Premiere. Im Hause Henninger war man zufrieden mit diesem Auftakt. Denn das Rennen brachte die Menschen direkt zum Hainer Weg, und immer wieder wurde der Henninger-Turm automatisch in der Berichterstattung genannt.
Mit jedem weiteren Rennen gewann der Henninger-Turm an Popularität und Zuspruch, bis ihn schließlich die Frankfurter als neues Wahrzeichen ihrer Stadt akzeptierten. Mit vielen internationalen Prädikaten (1964 - Coupe du monde, 1968 - Super-Prestige-Pernod, 1980 - Hors categorie) konnte sich „Rund um den Henninger-Turm“ schmücken. Der Erfolg des Frankfurter Radrennsportlers Dietrich Thurau bei der Tour de France führte zu einem außergewöhnlichen Boom des Radsports in Deutschland, in dessen Folge Hermann und Erwin Moos den Start zur Tour de France 1980 nach Frankfurt holten. Das dürfte der spektakulärste Höhepunkt in der fünfzigjährigen Geschichte des Radklassikers gewesen sein.
Veränderungen und neue Namen
1979 zog sich Konsul Bruno H. Schubert aus Altersgründen aus der Brauerei zurück. Seitdem ging das Unternehmen mehrmals in den Besitz neuer Eigentümer über. Doch das Radrennen, traditionell am 1. Mai ausgetragen und damit zum Stammtermin im internationalen Radrennsport geworden, wurde auch von den neuen Brauerei-Besitzern Binding und Radeberger weitergeführt.
Im Jahr 2002 öffneten sich die Tore bei „Rund um den Henninger-Turm“ neben dem Eliterennen und den Jugendwettbewerben auch den Hobby-Fahrern. Die „VeloTour“ feiert nun ihr zehnjähriges Bestehen und ist ein fester Bestandteil des Radsporttages am 1. Mai. Auch die Skater stießen zum Radklassiker - das war 2007. Sie nutzen die Marathonstrecke für einen hochklassigen Wettbewerb in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. 2008 lief der Vertrag mit dem Titelsponsor aus. Und so hieß das Radrennen ab 2009 „Eschborn-Frankfurt City Loop“, auf Wunsch der beiden Städte, Frankfurt und Eschborn, wurde die Veranstaltung 2010 in „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ umbenannt.
„Wenn ich zurückblicke, bin ich doch stolz auf meinen Vater und meinen Onkel, wie sie über die Jahrzehnte das Rennen entwickelt haben, es der Zeit entsprechend immer modernisierten und wie sie es verstanden, den einen oder anderen Höhepunkt zu realisieren“, sagt Bernd Moos-Achenbach, der mit Leidenschaft und Routine inzwischen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ am Leben hält. „Ich bin überzeugt, dass meine Entscheidung, die Familientradition fortzusetzen, richtig war. Auch wenn wir finanziell in letzter Zeit immer bis zum Letzten kämpfen mussten, hoffe ich doch, dass der 1.
Nicht nur das Profi-Rennen feierte 2021 Jubiläum, auch das Jedermannrennen ging 2021 bereits in die 20. Auflage. 2002 gestartet mit 556 Hobbyfahrern stehen mittlerweile über 6000 Fahrerinnen und Fahrer an der Startlinie der ŠKODA Velotour.
Mit seiner Vielzahl von Veranstaltungen an einem Tag und fast 8.000 aktiven Sportlern und Sportlerinnen ist Eschborn-Frankfurt weltweit einzigartig. Seit Jahren bringt das Rennen nicht nur internationale Profis, sondern auch Hobbysportler, Nachwuchstalente (Süwag Energie-Nachwuchs-Cup) und Kinder (kinder+Sport bike parade und mini tour) sowie hunderttausende Zuschauer am Fahrradfeiertag zusammen. Seit 1962 findet das Rennen ununterbrochen statt und wurde nur im Jahr 2015 (Terrorgefahr) und 2020 (Covid-19-Pandemie) kurzfristig an der Austragung gehindert.
Auch wenn es mittlerweile nicht mehr „Rund um den Henninger-Turm“ heißt. Der neue Name will einem noch immer nicht unfallfrei über die Lippen: „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ klingt verdächtig nach einem Betriebssportfest für Investmentbanker. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem verquasten Titel aber das 1962 ins Leben gerufene bedeutendste deutsche Radrennen „Rund um den Henninger-Turm“.
Aus dem weiß getünchten Silo, den die Frankfurter nur den „Grauen Turm“ nannten, wurde ein Wahrzeichen der Stadt, das Henninger-Rennen entwickelte sich zu einer eigenen Marke und somit zu einem Sportereignis höchster internationaler Wertigkeit. Wäre dem Haupt- und Namenssponsor 2008 nicht das Geld ausgegangen, die weltbesten Radprofis würden am 1. Mai weiterhin den Hainer Weg im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen hinaufjagen, um auf der langgezogenen Schlussgerade um den Sieg zu sprinten.
Die Siegerliste liest sich wie das „Who is who“ des Berufsradsports: Eddy Merckx, Gerri Knetemann oder Walter Godefroot, Rudi Altig, Hennes Junkermann oder Erik Zabel. Legenden des Radsports, die Geschichte schrieben und am 1. Mai manch kurioses Rennen hingelegt haben.
Anekdoten und besondere Ereignisse
1970 etwa, Rudi Altig steuerte längst auf der Zielgeraden seiner erfolgreichen Karriere, bestand der Straßenrad-Weltmeister von 1966 „auf eine bisschen extra“ für seinen Start am 1. Mai. Altig war der unumstrittene Publikumsliebling jener Zeit, wegen ihm pilgerten die Menschen an die Strecke. „Das wusste ich und wollte einen Tausender extra“, erzählt Altig. Veranstalter Hermann Moos brummte zurück: „Auf gar keinen Fall.“ Die beiden Sturköpfe einigten sich auf einen Kompromiss: „,Wenn du gewinnst‘, sagte mir der Hermann, ,kriegst du deinen Tausender extra ‘ ? und dann habe ich gewonnen.“ Bereits nach 70 Kilometern riss Altig aus und rettete völlig erschöpft 45 Sekunden seines zwischenzeitlich achtminütigen Vorsprungs ins Ziel.
1978 feierte Doppel-Olympiasieger Gregor Braun einen kuriosen Doppelsieg. Der „Bär von der Pfalz“ sprintete vor 33 Jahren gleich zweimal als Sieger über den Zielstrich. Weil er sich verzählt hatte.
Der Traum vom Sieg bei seinem Heimrennen erfüllte sich für den Sossenheimer aber nie. Zweimal Zweiter ? der Triumph blieb ihm 1977 und 1981 knapp versagt.
Forderungen nach einer Rückkehr zur Tradition
Die sportpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Römer, Carolin Friedrich, schlägt ein „Revival“ des Radrennens „Rund um den Henninger Turm“ vor. „Wir fordern den Magistrat auf, sich dafür einzusetzen, die Strecke des Frankfurter Radsport-Klassikers ab dem Jahr 2023 wieder durch Sachsenhausen zu führen. So kann das Traditionsrennen wieder an seinen legendären Ruf beim Frankfurter Publikum anknüpfen.“
Die CDU-Fraktion setzt sich mit einem Antrag für die Wiederbelebung des Rennens ein. „‚Rund um den Henninger-Turm‘ wurde das erste Mal 1962 geradelt. Was ursprünglich als Werbekampagne für den neuen Brauerei-Turm mit integriertem Drehrestaurant ins Leben gerufen wurde, entwickelte sich bald zu dem deutschen Radsport-Klassiker schlechthin. Die Strecke führte über einen ausgewählten Kurs durch das Rhein-Main Gebiet und den Taunus. Start und Ziel waren bis 2001 am Hainer Weg und bis 2008 in der Darmstädter Landstraße in Frankfurt-Sachsenhausen“, erklärt die Stadtverordnete.
Jahrzehntelang sei Sachsenhausen Treffpunkt für namhafte Radprofis dieser Welt gewesen, etwa für Rudi Altig, Eddy Merckx oder Erik Zabel. Wie viele andere Teams und Teambegleiter hätten sie damals Sachsenhäuser Hotels bezogen und jedes Jahr Anfang Mai das Viertel belebt. „Der unmittelbare Kontakt der internationalen Fahrer zur Sachenhäuser Bevölkerung war sagenhaft und machte das Rennen auch bei Nicht-Radsportbegeisterten sehr populär.“
Das jetzige Rennen „Eschborn-Frankfurt“ habe in Frankfurt längst nicht den Bezug zur Bevölkerung, den das Rennen „Rund um den Henninger-Turm“ hatte. „Das Original hat immer noch in den Köpfen vieler Frankfurter seinen Platz. Auch wenn der original Henninger Turm mittlerweile Geschichte ist - sein Neubau ist nicht weniger markant. Mit einer Neuauflage 2023, weiteren Sponsoren, einem Begleitprogramm ‚rund ums Fahrrad‘ und einer Streckenführung, die an die alte Tradition anknüpft, könnte die alte Leidenschaft für das Rennen wieder entflammen. Radklassiker am 1.
Aktuelle Entwicklungen
Das Traditions-Radrennen am 1. Mai "Rund um den Henninger-Turm" wurde 2009 nach dem Ausstieg des Hauptsponsors umbenannt in „Eschborn-Frankfurt City Loop“, 2010 dann in "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt". Name und Logo geändert - die Klasse bleibt: 2017 zählte das Rennen erstmals zur UCI WorldTour, nachdem es im Sommer 2016 vom Radsportweltverband UCI in diese Eliteliga der Radsportveranstaltungen hochgestuft worden war.
Beim Radklassiker 2024 siegte der Belgier Maxim Van Gils (Lotto Dstny) vor dem Spanier Alex Aranburu (Movistar Team) und Riley Sheehan aus den USA (Israel - Premier Tech). Bester Deutscher war Jonas Rutsch (EF Education - Easy Post) auf Platz 17. Die ŠKODA VELOTOUR 2024 hatte mit rd.
Der Zielbereich an der Alten Oper ist mit S- und U-Bahn hervorragend zu erreichen. Die S-Bahnstation Taunusanlage, an der mehrere Linien halten, ist nur wenige Meter entfernt.
Historischer Sieg von Hennes Junkermann
Junkermann gewinnt Radrennen „Rund um den Henninger Turm“, 19. Das von der „Gesellschaft zur Förderung des Frankfurter Radsports“ ausgerichtete Radrennen „Rund um den Henninger Turm“, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung als das „bestbesetzte, längste, teuerste, schwerste Straßenrennen der deutschen Saison“ beschrieb, gewinnt als erster Deutscher der Kölner Hans (Hennes) Junkermann (1934-2022).
Mit 53 Startfahrern aus acht Nationen kann das Rennen immerhin gut zehn Weltklasseradsportler vorweisen, die mit ihren insgesamt drei Mannschaften zu je sieben Fahrern anreisen. Darunter der dreifache Tour-de-France-Sieger Jacques Anquetil (1934-1987), Weltmeister Jean Stablinski (1932-2007), Weltmeisterschaftszweite Seamus Elliot (1934-1971; Irland) und Bas Maliepaard (geb. 1938) aus Holland.
Für Deutschland ist der derzeit gesundheitlich angeschlagene Radprofi Rudi Altig (1937-2016) mit am Start. Der Favorit aus deutscher Sicht ist daher der Kapitän der belgischen Mannschaft „Groene Leeuw“ Hennes Junkermann, der bereits als der bestplatzierteste deutsche Tourfahrer nach dem Weltkrieg und als achtfacher deutscher Meister in die Geschichte des deutschen Radsports eingegangen ist.1 Er absolvierte die Strecke in einer Zeit von 6:54:30 Stunden.
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