Radrennen um den Henninger Turm: Eine traditionsreiche Geschichte

Die sportpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Römer, Carolin Friedrich, schlägt ein „Revival“ des Radrennens „Rund um den Henninger Turm“ vor. Die CDU-Fraktion setzt sich mit einem Antrag für die Wiederbelebung des Rennens ein.

„Wir fordern den Magistrat auf, sich dafür einzusetzen, die Strecke des Frankfurter Radsport-Klassikers ab dem Jahr 2023 wieder durch Sachsenhausen zu führen. So kann das Traditionsrennen wieder an seinen legendären Ruf beim Frankfurter Publikum anknüpfen.“

Die Anfänge und Entwicklung

„‚Rund um den Henninger-Turm‘ wurde das erste Mal 1962 geradelt. Was ursprünglich als Werbekampagne für den neuen Brauerei-Turm mit integriertem Drehrestaurant ins Leben gerufen wurde, entwickelte sich bald zu dem deutschen Radsport-Klassiker schlechthin. Mit jedem weiteren Rennen gewann der Henninger-Turm an Popularität und Zuspruch, bis ihn schließlich die Frankfurter als neues Wahrzeichen ihrer Stadt akzeptierten.

Konsul Bruno H. Schubert, Besitzer der alten Frankfurter Brauerei, und seine Direktoren fanden eine Lösung: Ein Radrennen rund um den Turm musste her. Gesagt, getan.

Auf Veranlassung von Bruno H. Schubert nahm die Brauerei unverzüglich Kontakt zum Hessischen Radsportverband und zum Radsport-Bezirk Frankfurt auf. Deren Gesellschafter, die Brüder Hermann und Erwin Moos, hatten sich auf die Fahnen geschrieben, für den Fortbestand der Radrennen auf der Frankfurter Stadion Rennbahn zu sorgen. Jetzt sollte ihnen eine viel größere Aufgabe bevorstehen. Ein Jahr später, das war 1962, fiel dann zum ersten Mal der Startschuss zum Radrennen „Rund um den Henninger-Turm“.

Im Hause Henninger war man zufrieden mit diesem Auftakt. Denn das Rennen brachte die Menschen direkt zum Hainer Weg, und immer wieder wurde der Henninger-Turm automatisch in der Berichterstattung genannt.

Die Strecke führte über einen ausgewählten Kurs durch das Rhein-Main Gebiet und den Taunus. Start und Ziel waren bis 2001 am Hainer Weg und bis 2008 in der Darmstädter Landstraße in Frankfurt-Sachsenhausen“, erklärt die Stadtverordnete. Jahrzehntelang sei Sachsenhausen Treffpunkt für namhafte Radprofis dieser Welt gewesen, etwa für Rudi Altig, Eddy Merckx oder Erik Zabel.

Wie viele andere Teams und Teambegleiter hätten sie damals Sachsenhäuser Hotels bezogen und jedes Jahr Anfang Mai das Viertel belebt. „Der unmittelbare Kontakt der internationalen Fahrer zur Sachenhäuser Bevölkerung war sagenhaft und machte das Rennen auch bei Nicht-Radsportbegeisterten sehr populär.“

Die goldenen Jahre und legendäre Momente

Mit vielen internationalen Prädikaten (1964 - Coupe du monde, 1968 - Super-Prestige-Pernod, 1980 - Hors categorie) konnte sich „Rund um den Henninger-Turm“ schmücken. Der Erfolg des Frankfurter Radrennsportlers Dietrich Thurau bei der Tour de France führte zu einem außergewöhnlichen Boom des Radsports in Deutschland, in dessen Folge Hermann und Erwin Moos den Start zur Tour de France 1980 nach Frankfurt holten. Das dürfte der spektakulärste Höhepunkt in der fünfzigjährigen Geschichte des Radklassikers gewesen sein.

Als 52 Fahrer aus sechs Nationen am 13. Mai 1962 zum Radrennen „Rund um den Henningerturm“ starteten, konnte niemand voraussagen, dass damit eine neue Tradition begründet wurde. Nach den Erfolgen von Olaf Ludwig (1994) und Erik Zabel (1999) gewann Karl Hundertmarck als erster Lokalmatador diesen Wettbewerb.

Legenden des Radsports, die Geschichte schrieben und am 1. Mai manch kurioses Rennen hingelegt haben. Bereits nach 70 Kilometern riss Altig aus und rettete völlig erschöpft 45 Sekunden seines zwischenzeitlich achtminütigen Vorsprungs ins Ziel. „Altig war eine Stunde lang nicht ansprechbar“, erinnert sich der damalige FR-Sportredakteur und Radsportspezialist Helmer Boelsen: „Aber der Tausender gehörte ihm.“ Das Finanzamt wusste davon nichts.

1978 feierte Doppel-Olympiasieger Gregor Braun einen kuriosen Doppelsieg. Der Grund: Nach der Rückkehr aus dem Taunus waren am Henninger-Turm stets noch drei Runden à fünf Kilometer zu fahren. Braun wähnte sich aber bereits nach nur zwei Runden am Ende des Rennens, streckte Hände gen Himmel und erschrak fürchterlich, als er die Glocke hörte. Noch eine Runde, noch einmal fünf Kilometer. Braun, erst geschockt, konterte erneut die Angriffe der Konkurrenz und siegte.

Namensänderungen und Neuausrichtungen

1979 zog sich Konsul Bruno H. Schubert aus Altersgründen aus der Brauerei zurück. Seitdem ging das Unternehmen mehrmals in den Besitz neuer Eigentümer über. Doch das Radrennen, traditionell am 1. Mai ausgetragen und damit zum Stammtermin im internationalen Radrennsport geworden, wurde auch von den neuen Brauerei-Besitzern Binding und Radeberger weitergeführt.

2008 lief der Vertrag mit dem Titelsponsor aus. Und so hieß das Radrennen ab 2009 „Eschborn-Frankfurt City Loop“, auf Wunsch der beiden Städte, Frankfurt und Eschborn, wurde die Veranstaltung 2010 in „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ umbenannt.

Name und Logo geändert - die Klasse bleibt: 2017 zählte das Rennen erstmals zur UCI WorldTour, nachdem es im Sommer 2016 vom Radsportweltverband UCI in diese Eliteliga der Radsportveranstaltungen hochgestuft worden war.

Bedeutung heute

„Ich bin überzeugt, dass meine Entscheidung, die Familientradition fortzusetzen, richtig war. Auch wenn wir finanziell in letzter Zeit immer bis zum Letzten kämpfen mussten, hoffe ich doch, dass der 1.

Mit seiner Vielzahl von Veranstaltungen an einem Tag und fast 8.000 aktiven Sportlern und Sportlerinnen ist Eschborn-Frankfurt weltweit einzigartig. Seit Jahren bringt das Rennen nicht nur internationale Profis, sondern auch Hobbysportler, Nachwuchstalente (Süwag Energie-Nachwuchs-Cup) und Kinder (kinder+Sport bike parade und mini tour) sowie hunderttausende Zuschauer am Fahrradfeiertag zusammen.

Seit 1962 findet das Rennen ununterbrochen statt und wurde nur im Jahr 2015 (Terrorgefahr) und 2020 (Covid-19-Pandemie) kurzfristig an der Austragung gehindert.

Beim Radklassiker 2024 siegte der Belgier Maxim Van Gils (Lotto Dstny) vor dem Spanier Alex Aranburu (Movistar Team) und Riley Sheehan aus den USA (Israel - Premier Tech). Bester Deutscher war Jonas Rutsch (EF Education - Easy Post) auf Platz 17.

Jahr Name Bemerkungen
1962 Rund um den Henninger-Turm Erstes Rennen, initiiert als Werbekampagne
2009 Eschborn-Frankfurt City Loop Umbenennung nach Ausstieg des Hauptsponsors
2010 Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt Aktueller Name

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