Rennrad Laufrad Felgenbremse Test: Ein umfassender Überblick

Die Frage, ob Felgen- oder Scheibenbremse besser ist, wird unter Rennradfahrern heiß diskutiert. Während Scheibenbremsen immer mehr an Bedeutung gewinnen, sind Felgenbrems-Laufräder im Nachrüstmarkt nach wie vor ein großes Thema. Wer seinem Felgenbrems-Renner mit neuen Laufrädern frischen Schwung verleihen möchte, findet derzeit noch eine große Auswahl an Produkten.

Ein Test von ROADBIKE hat 20 aktuelle Modelle in drei Preiskategorien (um 600 Euro, um 1000 Euro und um 2000 Euro) in Labor und Praxis getestet.

Testkriterien und -methoden

ROADBIKE betreibt großen Aufwand, um Laufräder zu testen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Faktoren Gewicht (25 %), Seitensteifigkeit (25 %), Torsionssteifigkeit (5 %), Trägheit (10 %), Aufbau (10 %) und Fahreindruck (25 %).

Mechanische Eigenschaften

Gewichte und Steifigkeiten werden im TOUR-Labor erfasst. Die Laufräder werden ohne Zubehör (z.B. Tubeless-Ventile), jedoch mit Felgenband gewogen, falls benötigt. Die Steifigkeitsprüfung erfolgt mit 100 Newton seitlicher Last am Außendurchmesser. Steife Laufräder lenken präziser und sind höher belastbar.

Rundlauf

Wird nach einer Überlastprüfung mit 300 Newton Seitenlast gemessen. Höhen- und Seitenschlag von Vorder- und Hinterrad gehen zu gleichen Teilen in die Note ein.

Beschleunigung

Die Massenverteilung der Laufräder wird mit einem Trägheitsmessgerät bestimmt und mit dem Gewicht verrechnet zur notwendigen Energie, um beide Laufräder von 0 auf 30 km/h zu beschleunigen.

Testergebnisse der Laufräder

Das Testfeld setzte sich aus alten Bekannten und Newcomern zusammen. Neu entwickelte Felgenbrems-Laufräder in den beiden günstigeren Preiskategorien waren nicht zu finden. Wenn überhaupt noch wirklich neue Laufradmodelle für Felgenbremsen auf den Markt kommen, geschieht dies offenbar "nur" noch im hochpreisigen Sektor.

Ein interessanter Nebeneffekt der vorliegenden Leistungsschau verschiedener Preisklassen ist, dass man auf einen Blick erkennen kann, wie und wo sich höhere Preise bemerkbar machen. Die Erkenntnisse: Die getesteten High-End-Laufradsätze um 2000 Euro kommen ausschließlich mit Carbon-Felgen, überzeugen mit top Steifigkeitswerten und liefern mehrheitlich Spitzenwerte, was Gewicht und Trägheitsmessungen angeht.

Gleichzeitig gilt aber auch: Die besten Vertreter der Preisklasse um 1000 Euro bleiben auf Schlagdistanz - egal, ob sie mit Carbon- oder Alu-Felgen aufgebaut sind. Und selbst die Modelle um 600 Euro, die ausschließlich auf Alu-Felgen setzen, schlagen sich wacker.

Detaillierte Testberichte

Laufräder um 2000 Euro

Cadex 42 Tubeless (Testsieger)

  • Vorteile: Begeisternde Laborwerte, Messerspeichen aus Carbon
  • Nachteile: Teuer, eingeschränkte Reifenwahl

Cadex bringt Reifen, Sättel sowie Laufräder für Scheiben- und Felgenbremsen auf den Markt. Im Labor begeistern die 42 Tubeless mit hohen Steifigkeitswerten und extremem Leichtgewicht. In der Praxis gefallen die gute Beschleunigung und die tolle Bremspower, allerdings bringt Seitenwind schnell Unruhe ins Fahrwerk. Die hakenlose Felge schränkt die Reifenauswahl stark ein, der sehr laute Freilauf ist Geschmackssache.

Rose RC Fifty Carbon (Preis-Leistungs-Tipp)

  • Vorteile: Toller Fahreindruck, sehr viel Leistung fürs Geld
  • Nachteile: Keine

Die neue RC-Reihe von Rose umfasst Carbon-Laufräder verschiedener Felgenhöhen und für unterschiedliche Einsatzzwecke - das RC Fifty ist dabei das einzige Modell für Felgenbremsen. Ähnlich wie sein Disc-Pedant überzeugt es auf der Straße mit spritzigem Antritt dank Fliegengewicht, großer Lenkpräzision und hoher Fahrstabilität. Vor allem aber hält das RC Fifty Carbon hohes Tempo beeindruckend leicht - womöglich der Aero-Vorteil der höchsten Felge im Test.

Campagnolo Bora WTO 33

  • Vorteile: Leicht, steif, schnell, tolle Bremsleistung
  • Nachteile: Lautes Pfeifen beim Bremsen

Die Bora WTO 33 komplettieren Campagnolos Aero-Reihe. Mit knapp über 1400 Gramm Set-Gewicht gefällt der Satz aber auch als Gipfelstürmer, der im Labor bei Steifigkeits- und Trägheitsmessungen fleißig Punkte sammelt. Auf der Straße gefallen die quirlige Beschleunigung und die sehr präzise Lenkung, auch die Bremspower beeindruckt. Geschmackssache ist dabei aber das sehr laute Pfeifgeräusch beim Bremsen.

DT Swiss PRC 1400 Spline 35

  • Vorteile: Toller Fahreindruck, Garantie- und Crash-Replacement-Bestimmungen
  • Nachteile: Niedrigstes Gewichtslimit im Vergleich

Das PRC 1400 Spline 35 von DT Swiss gefällt mit einem sehr ausgewogenen Fahreindruck: Die Beschleunigung ist sehr gut, die Lenkung extrem präzise, hohes Tempo hält das Set ausgesprochen willig, die Bremspower ist hoch. Akustisch fallen der sehr laute Freilauf, leises "Bollern" der Felgen und dezentes Sirren beim Bremsen auf. Im Labor hingegen kosten das in diesem Vergleich hohe Set-Gewicht und die Trägheitswerte wertvolle Punkte.

Laufräder um 1000 Euro

Easton EA90 SL (Testsieger)

  • Vorteile: Leicht, steif, komfortabel, tolles Bremsverhalten
  • Nachteile: Kein Gewichtslimit, Garantie nur ohne Rennen

Eastons EA90 SL überzeugt in Labor und Praxis - Testsieg! Trotz massiver Naben und breiter Felge bleibt der Satz locker unter der für Alu-Laufräder magischen Gewichtsgrenze von 1500 Gramm und sammelt fleißig Punkte bei den Steifigkeitsmessungen. Im Sattel begeistern die EA90 SL mit sattem Vortrieb und spritziger Beschleunigung, das Lenkverhalten ist wendig-agil und zugleich absolut präzise. Dank breit bauender Reifen stimmt auch der Komfort.

Mavic Ksyrium Pro UST (Preis-Leistungs-Tipp)

  • Vorteile: Sehr leicht und sportlich, großer Lieferumfang mit Tubeless-Vollausstattung
  • Nachteile: Geringste Torsionssteifigkeit

Das Ksyrium Pro UST, dessen Beschleunigung und Agilität dem Fahrer ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Die Torsionsmessung hingegen ist traditionell Mavics Achillesferse. Den Preis-Leistungs-Tipp sicherten sich die Franzosen durch den großen Lieferumfang mit Tubeless-Vollausstattung: Reifen und Ventile sind schon montiert, nur Dichtmilch einfüllen und ab dafür.

DT Swiss PR 1400 Dicut Oxic 21

  • Vorteile: Leicht, steif, schnell, dauerhaft schwarze Bremsflanke
  • Nachteile: Etwas schwächere Bremsleistung bei Nässe

Die flache Version ist betörend leicht, beschleunigt wieselflink, bietet ordentlichen Komfort und überzeugte auch auf den Prüfständen. Die Bremswirkung ist hoch, setzt bei Nässe aber verzögert ein - der einzige Kritikpunkt.

Weitere getestete Laufräder (Auswahl)

Die folgende Tabelle fasst einige der getesteten Laufräder und ihre wichtigsten Eigenschaften zusammen:

Laufrad Preis pro Satz Gewicht (v/h) Felgenbreite (innen) Fahrergewichtslimit Besonderheiten
Aerycs Alutrek 579 Euro 761 / 893 Gramm 22 Millimeter 120 Kilogramm Sauber aufgebauter Satz mit Naben und Messerspeichen von DT Swiss
DT Swiss CR 1600 Spline 559 Euro 795 / 945 Gramm 22 Millimeter 130 Kilogramm Systemgewicht Stabiler Laufräder mit hohem zulässigem Fahrergewicht
Fulcrum Racing 3 642 Euro 776 / 883 Gramm 19 Millimeter 109 Kilogramm Straßenlaufrad mit relativ schmaler Felge
Leeze AC 25 Allroad 599 Euro 667 / 775 Gramm 22 Millimeter 110 Kilogramm Sehr leichter Laufradsatz mit hochwertigen Sapim-CX-Ray-Speichen
Mavic Allroad S 490 Euro 836 / 981 Gramm 22 Millimeter 120 Kilogramm Schwerer, aber fahrstabiler Laufradsatz mit hoher Gewichtsfreigabe
Ritchey Comp Zeta Disc 426 Euro 847 / 1000 Gramm 22 Millimeter 110 Kilogramm Preiswert, aber kein Leichtgewicht
Shimano GRX WH-RX570 610 Euro 786 / 956 Gramm 22 Millimeter k. A. Einfaches Laufrad aus Shimanos Gravel-Gruppe mit durchschnittlichen Werten

Die Bedeutung breiter Felgen

Wer sich an den Empfehlungen der Reifenhersteller zur passenden Felgenbreite orientiert, landet mit diesem Anspruch bei gut 20 Millimetern Innenmaß. Auch wer am Gravelbike je nach Einsatz oder Saison zwischen Straßen- und Geländereifen wechseln will, findet hierin den idealen Kompromiss. Denn darauf passen schnelle 28-Millimeter-Straßenreifen ohne Einschränkungen, und auch für einen 50er-Stollenreifen ist das nicht zu schmal.

Carbon vs. Aluminium

Carbon Laufräder mit hohen Aerofelgen bieten deutliche aerodynamische Vorteile, haben aber grundsätzlich immer ein höheres Gesamtgewicht zur Folge.

Im stark umkämpften Markt unterhalb von 2000€ werden Rennräder mit relativ schweren Laufrädern ausgeliefert. Die Rahmen sind heutzutage auch in dieser Preisklasse häufig schon sehr leicht, so dass ein Tausch der Laufräder und (einzelner) Komponenten solche Bikes ganz nah in den Wettkampfsbereich von 6,8 kg bringen kann.

Ein geringes Laufradsatz Gewicht wirkt sich deutlich aus, so dass auch bei Freizeitradlern die Wahl des Laufradsatzes einen besonderen Stellenwert bekommt.

Fazit

Freunde von Felgenbrems-Laufrädern finden aktuell noch viele überzeugende Produkte - selbst wenn es die letzten ihrer Art sein sollten.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0