Moderne Kommunikationswege machen es möglich: Billige Produkte direkt aus einer Superfactory, importiert direkt aus den gigantischen Produktionsbändern an den Endverbraucher. Doch wie gut sind die Produkte wirklich? Und wie sicher? In diesem Beitrag gehe ich auf die Sicherheitsaspekte ein, indem ich solch ein Carbon-Rennrad aufbaue.
Das Grundgerüst
Ausgehend von meinem ersten Post zum Thema (China-Marken auf dem Vormarsch - Billigprodukte überrollen den Fahrradmarkt) wird es nun konkreter. Ich habe ein komplettes Rad komplettiert um sämtliche Komponenten. Alles kommt über einschlägige Portale für Produkte aus der Fabrik an den Verbraucher. Die üblichen Verdächtigen mit „Express“ oder „Podium“ im Namen. Wie folgt habe ich das Rad zusammengestellt:
- Carbon „Aero“-Rahmen mit integriertem Cockpit
- 11-fach Schaltung und Antrieb von L-TWOO
- Hochprofil Aero-Laufräder
- Hydraulische Scheibenbremsen
- Beidseitiger Powermeter von Magene
Also nichts von einer Marke, wie man sie in einer Fahrradzeitschrift wiederfinden würde. Geschweige denn ein Test im TOUR-Magazin.
Die Kosten der einzelnen Komponenten
Hier die Preise der einzelnen Teile:
- Carbon Rahmen „Triaero“ von ICAN Cycling: 724,59 EUR
- Integriertes Cockpit und Steuerlager (selber Hersteller/Marke): 181,61 EUR
- Magene EXAR DB58 Pro 2022: 888,77 EUR
- L-TWOO R9 Disc 2x11s hydraulische Bremse, mech. Schaltung: 265,07 EUR
- Magene P325 CS Lite Power Kurbel mit beidseitigem Wattmesser und 52-36 Kettenblatt: 347,62 EUR
- Sattel, Bremszüge, Bremsscheiben, Ritzelpaket: hatte ich aus Altbestand herangezogen und werde es mit 100 EUR in die Rechnung rein nehmen
Das ergibt in Summe 2.507,66 EUR. Nicht gerade wenig, ein wirklich stolzer Preis! Deshalb müssen wir auch das kurz adressieren… Was ist heutzutage „Billig“ oder „Preiswert“?
Was ist heutzutage „Billig“ oder „Preiswert“?
Über die letzten 3 Jahre (seit 2020 mit Anfang Corona und damit verbundenen turbulenten Entwicklung der Wirtschaft gesamt und in der Fahrradbranche im Speziellen) sind die Preise für Fahrräder explodiert. E-Bikes boomen genauso auch hochpreisige „High-End“ Rennräder. Preise bei 20.000 Euro für Rennräder sind im Alltag angekommen.
Bleiben wir da doch mal bei „nachvollziehbaren“ Preisen. Ein gutes Rad sollte man für 2.000 Euro schon erwarten, ein Top-Rennrad kann gerne auch 5.000 Euro kosten. Das ist etwa der Gedanke, den ich heute nachvollziehen könnte und zustimmen kann.
Zielsetzung
Ziel des ganzen Experiments hier ist nicht, den absoluten Dumping-Preis zu erhalten und wirklich an die Grenzen zu gehen was möglich ist. Nein, ich möchte meine Gesundheit nicht komplett aufs Spiel setzen und einfach irgendwas auf Wish bestellen. So bin ich bei der Idee gelandet einen ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis zu erreichen. Es kommen auch Marken in Frage, die bereits etabliert sind und beispielsweise auf einer Eurobike ausstellen, wie zB. Magene (Chinesische Marke, Direct-to-Consumer) mit EXAR und den Powermeter-Kurbeln, denn diese sind preiswert und stehen in direkter Konkurrenz zu ZIPP Laufrädern bzw. Shimano und anderen Komponentenherstellern.
Theoretisch kann man den Preis von 2.500 Euro noch einmal locker auf 1.500 Euro herunterschrauben. Beim Rahmen müsste man zB. auf ein günstigeres Model setzen (in Frage würde zB. ein Trifox X18 Carbon-Rahmen kommen) und genauso bei den Laufrädern findet man etwas für weniger als die Hälfte des Preises.
Garantien, Sicherheiten und Qualitätskontrollen namhafter Hersteller
Bevor ich mich an den Aufbau des Fahrrads mache muss ich einen ganz großen Elefanten im Raum ansprechen. Sicherheit. Was machen wir hier eigentlich? Dazu mein kleiner Standpunkt zum Thema Garantien und „Gefühlte-Sicherheit“.
Mit dem Konstrukt aus lokaler Entwicklung und Design und einer Offshore Fabrik gibt es, wie man sich denken kann, die größten Reibungspunkte an den Übergängen. Wenn das fertige Stück vom Fließband verschickt wird an den Zielort. Dazwischen findet die Qualitätskontrolle statt, ab der die Haftung übergeht. Vom Auftragsverarbeiter (Fabrik) an den Hersteller (Marke) . Ein neuralgischer Punkt in der Kette. Was, wenn beide Parteien nun ein und die selbe Person sind? Wenn man sich überlegt mit preiswerten Produkten direkt aus der Fabrik zu hantieren (wie ich in diesem Blog-Post), dann ist der erste entscheidende Punkt beim Abwägen des Risikos: wer prüft die Qualität? Letztendlich ist man sich da selbst überlassen, da das Vertrauen nur sehr gering gegeben ist.
Doch ist die Qualität automatisch besser, wenn ein bekanntes Logo auf den Carbon-Teilen haftet? Das möchte ich kurz untersuchen anhand ein paar Beispiele.
Beispiel - Hambini
Ein, mit über 100.000 Abonnenten, durchaus bekannter Name ist Hambini. Eine sehr toxische Figur mit Ingenieur-Hintergrund der Produkte namhafter Hersteller „zerlegt“. Er zersägt Carbon-Fahradrahmen, durchleuchtet sie mit Kameras von Innen und macht sogar Röntgenaufnahmen der Rahmen. Um Löcher und Anzeichen von Delaminierung in den Carbon-Fasern bzw. dem Epoxy zu finden.
Besonders eindrucksvoll für mich war, worauf er bei einem BMC Rahmen der Schweizer gestoßen ist: BMC Im Inneren des Rahmens des BMC sieht man, dass sich zwei Schraubenmuttern bzw. Inserts berühren. Was einem die Haare zu Berge stehen lässt, denn das ist kein Fehler in der Qualitätskontrolle sondern das Design des Rahmens. Man kann sich vorstellen, dass das ein gefundenes Fressen für den Kritiker ist.
Dennoch bleibt hier und in sehr vielen Videos des genannten Video-Bloggers kein gutes Bild der Marken Cannondale, Cervelo, BMC, und viele mehr. Gleichzeitig findet man auch Videos vom gleichen Kritiker, in denen Noname-Carbon-Rahmen durch seine kritische Prüfung durchkommen. Ein Zufall? Also mindestens ist es konstruiert, da natürlich alle Fälle nur Einzelexemplare sind, die vorher gut ausgewählt wurden.
Ich nehme mit: Skepsis ist angebracht, bei allen Herstellern und Namen.
Weitere Beispiele - Shimano, Canyon, Zipp,…
Es gibt nicht wenige Hersteller, die in den letzten Jahren keine Rückrufaktion gestartet haben. Beispielsweise mein ROSE XLite war von einem Rückruf der Carbon-Gabel betroffen. Insider berichten, dass in den Jahren der Corona-bedingten Hochkonjuktur die Qualitätssicherung mal beide Augen zudrücken musste, damit mehr Teile verkauft werden können. Sagt man. Auch hier ist Skepsis sehr angebracht.
Shimano ist das nächste Beispiel - der weltweit größte Hersteller von Fahrradkomponenten. Genauso groß ist auch die Zahl von über 2 Mio Kurbeln, welche von einer Rückrufaktion betroffen sind. Der japanische Hersteller hat über ein Jahrzehnt ein lange bekanntes Problem tot geschwiegen. Es gab schon lange das bekannte Problem, dass die verklebten Kurbeln sich unter umständen auflösen können. Damit verbunden gab es bis heute so viele Unfälle, dass in den USA die Behörden eingeschritten sind und der Hersteller sich gezwungen sah die Reissleine zu ziehen.
Ziemlich spät - denn die Produkte wurden ganze 8 Jahre lang so produziert (betroffene Chargen sind von 2012 bis 2019 gefertigt worden). Es ist haarsträubend, schließlich wollen wir doch den etablierten Marken besonders vertrauen, oder nicht?
Andere und weitere Beispiele sind in Communities zu finden, wie zB. Fehler im Laminat bei ZIPP Laufrädern auf Reddit. Nur ein Beispiel über das ich gestolpert bin. Oder damals, als Mathieu van der Poels Lenker im Sprint gebrochen ist (02.03.2021 auf den letzten Kilometern der Tour Le Samyn). CANYON hat umgehend den Verkauf eingestellt und die verkauften Lenker zurück beordert.
Sicherheit - Nur so ein Gefühl?
Was bleibt also von den ganzen Anekdoten und Geschichten? Eigentlich für mich nur die Frage: ist Carbon an sich Sicher? Ob man das an einzelnen Herstellern aus machen sollte ist wirklich schwierig. Vertrauen ist gut, und man muss sehr vorsichtig bleiben. Auch Skepsis ist eine gute Idee, denn man sollte auch nicht alles glauben was im Internet steht. Egal ob nun für oder gegen die etablierten Namen.
Für mich zumindest ist es hilfreich weiter zu entscheiden, welche Risiken ich gehen möchte und was ich mir zutraue und was nicht. Was demnach dann noch im Warenkorb bleibt oder nicht. Und was am Ende hier zusammengebaut wird, das hat mich zumindest für ein Experiment überzeugt. Doch kann es auch in Wahrheit herhalten?
Aufbau des Carbon-Rahmens
Im Folgenden werde ich einen kurzen Überblick über den Aufbau geben. Hier gehe ich vor allem im Detail auf den Rahmen und das Drumherum ein. Für die wichtigsten anderen Bestandteile werde ich einzelne Posts raus bringen: Magene EXAR Laufradsatz, L-TWOO R9 Schaltung und die Magene Kurbeln mit Wattmesser.
Fangen wir mit dem Rahmen an und arbeiten uns vor.
ICAN Triaero Frameset
Wie der Name vermuten lässt soll der Rahmen ein „Aero“-Modell sein. Einen Windkanal habe ich nicht um die Aerodynamik zu testen, also wird das zumindest wage bleiben. Der Rahmen kommt sauber und sicher verpackt. Die integrierten bzw. proprietäre Teile passen perfekt.
Die Sattelstütze hat ihre eigene Form und Klemme. Genauso ist die Lenker-Vorbau-Kombi voll integriert. Da ich eine mechanische Schaltung habe müssen insgesamt 4 Kabel durchgeführt werden. Eine Horrorvorstellung - was hab ich mir dabei gedacht. Die Schalt- und Bremskabel können theoretisch dank der gegebenen Kabelführungen leicht durch den Rahmen gebracht werden. Der Teufel steckt aber im Detail. Es kann teilweise wirklich den letzten Nerv rauben alle Kabel perfekt durchzuführen. Gerade wenn man 4 Kabel am Vorbau vorbei in den engen Winkeln des Lenkers führen möchte. Nach stundenlanger Arbeit kann sich das Ergebnis echt sehen lassen.
Das vollintegrierte Cockpit kommt mit einigen Spacern. Der Gabelschaft muss natürlich gekürzt werden. Ich entscheide mich für eine sehr agressive Position für dieses Rad, denn das Thema ist Aerodynamik. Und den meisten Widerstand macht meine Sitzposition aus. Also runter mit dem Lenker.
Weiter geht es dann zum Einpressen der einzlnen Lager. Für den Steuersatz, das Lager am Kopf des Rahmens, welches die Gabel und Vorbau aufnimmt, kommt ohne messbare Fehler. Meines Wissens sind die gemessenen Werte komplett im Bereich der Fertigungstoleranz. Vor dem Einpressen werden die Aufnahmen am Rahmen noch mit Reinigungsalkohol entfettet und gesäubert.
Spezialwerkzeug ist nur das gleiche wie bei Shimano von Nöten. Die Lager am Steuer können einfach mit den Fingern eingesetzt werden, spezielles Werkzeug zum Einpressen ist bei modernen Rädern nicht notwendig (ist bei meinem TREK Checkpoint und ROSE XLite gleich, dort sind die Lager ebenfalls „lose“ im Steuerrohr eingelegt).
Komponenten und finaler Aufbau
Am Rahmen selbst war ich damit durch, alle Lager sind drin, die Kabel verlegt und Cockpit eingestellt. Nun ging es weiter mit den externen Komponenten. Die Bremsgriffe und Antriebskomponenten von L-TWOO R9 zu verbauen ist, bis auf kleinere Unschönheiten, kaum der Rede wert. Ich werde aber noch einmal im Detail auf diesen relativ neuen Player im Komponentenmarkt im separaten Review der R9 Schaltgruppe eingehen.
Die mechanische Schaltung war einfach einzustellen. Die hydraulischen Bremsleitungen kamen entlüftet, ich musste nur die letzten Luftblasen mit einem kurzen Entlüftungsvorgang los werden. Bleiben noch die Laufräder, Sattel und Kette zu montieren. Fertig ist das „billige“ China-Rennrad.
Fahrberichte und Ergebnis des Aufbaus
Von den bestellten Teilen im Juni bis zum fertigen Rad im August ist etwas Zeit vergangen, was einfach an meiner privaten Zeiteinteilung liegt. Das komplette Rad vom Auspacken aller Komponenten bis zum fertigen Rad hat etwa 8-12 Stunden gekostet. Die meisten Zeit bleibt beim Verlegen der internen Züge liegen. Das Entlüften der Bremsen und einstellen der Schaltung braucht auch etwas Zeit. Zuletzt kommen dann noch paar Probefahrten und bis wirklich jedes Detail perfekt sitzt.
Das Rad ist vorne Tubeless aufgesetzt, hinten habe ich einen TPU Schlauch verbaut. Einfach weil der gebrauchte Schwalbe-Reifen sich partout gegen Tubeless gewehrt hat und nicht montierbar war ohne Schlauch. Also mit allen Mitteln sich nicht so weit dehnen wollte, dass er rundherum um die Felge korrekt auf der Felgenschulter setzen ließ. Nach einer Stunde habe ich dann aufgegeben und einen Schlauch eingesetzt, wo es dann kein Problem war.
Gesamtgewicht: 8,0kg (Größe Large, mit Wattmesser-Kurbeln und Pedale). Was ein sehr guter Wert für diese Preisklasse und die Subkategorie „Aero-Rennrad“ ist.
Zum Vergleich: Canyon Aeroad CF SLX 7 (4999€) kommt auf 8,39kg (Größe Medium, ohne Pedale).
Aero-„ness“
Wie kann man genau die Aeorodynamik an einem Rennrad bewerten? Es ist nahezu unmöglich. Denn es kommt immer auf das System aus Fahrer und Maschine an um den CdA Wert zu bestimmen. „Cd“ steht für den Strömungswiderstandskoeffizienten (aerodynamischer Widerstandskoeffizient) und „A“ repräsentiert die effektive Frontfläche. Das Produkt von Cd und A gibt den gesamten aerodynamischen Widerstand wieder, der üblicherweise im Radsport und bei der Aerodynamikanalyse von Fahrzeugen verwendet wird.
Bedeutet für mein Rad hier: ich kann nur theoretische Werte beleuchten, die für eine verbesserte Aerodynamik sprechen. Dazu gehören die tief liegenden Sitzstreben, das tiefe Profil der Gabel und Unterroh...
Alternative: Rennrad selbst aufbauen oder Komplettad kaufen und aufrüsten?
Wer einen Rennradrahmen kaufen will, um sich sein Rad selbst aufzubauen, stößt auf ein immer dünneres Angebot seitens der Industrie. Die allermeisten Räder gehen als Komplettrad über den Tresen.
Welchen Vorteil es bieten würde, das Rad damit nach eigenen Vorstellungen aufzubauen? Jedes Teil könnte nach persönlichen Präferenzen gewählt und das (integrierte) Cockpit von vornherein wirklich auf Maß aufgebaut werden.Diese Freiheit ist toll. Aber wenn an jeder Stelle Topteile zum Einsatz kommen, wird das vermutlich sehr teuer?
Der individuelle Aufbau mit einer neuen SRAM Red AXS rund um einen extravaganten 1x12-Aero-Antrieb, wie ihn Jonas Vingegaard bei der Tour de France fährt, würde rund 7500 Euro kosten, Hammerhead-Computer inklusive. Kalkuliert haben wir mit Basic-Aero-Laufrädern von Leeze, High-End-Reifen, Carbon-Lenker und hochwertigem Sattel bzw. Pedalsatz.
Das ist einerseits viel Geld, andererseits aber günstiger als das Serienrad mit der gleichen Gruppe und Rose-Aero-Laufrädern, denn das kostet 7999 Euro. Die Räder unterscheiden sich im Detail und sind nicht direkt vergleichbar, aber das Beispiel zeigt, dass ein ähnlicher Preis zustande kommen kann, trotz Individualisierung.
Rose gehört dabei noch zu den günstigen Anbietern. Ein Rad mit dieser Gruppe kann auch 15.000 Euro kosten. Bei einem anderen Hersteller, der seine Rahmen teurer verkauft, mag diese Kalkulation daher anders aussehen, aber das Prinzip, dass man wirklich jedes Bauteil individuell aussuchen kann, ist für erfahrene Schrauber reizvoll. Geht man bei allen Positionen in die Vollen, sind jedoch auch im Selbstaufbau fünfstellige Preise kaum vermeidbar.
Der Gegenentwurf hierzu ist der Kauf eines günstigen Rennrads, sagen wir für 2000 Euro, und ein entsprechendes Upgrade mit ausgesuchten Bauteilen. Aero-Laufräder von Leeze (900 Euro), Topreifen (160 Euro), Wunschsattel (150 Euro) und Lieblingslenker (200 Euro) würden das Rad 1410 Euro teurer machen, es bei den Kontaktpunkten sowie der Laufrad- und Reifenqualität aber auf ein Niveau bringen, das viele Kompletträder für 3500 Euro nicht bieten können. Also wäre auch in dieser Preislage eine Individualisierung möglich.
Die Königsdisziplin: Laufräder selbst einspeichen
Die Königsdisziplin innerhalb des Selbstaufbaus (den Bau des Rahmens ausgenommen) ist aber nicht das Zusammenstecken von Teilen, sondern der Aufbau von Laufrädern - also Einspeichen mit allem Drum und Dran. Hierbei kommen potenziell die gleichen Vorzüge zum Tragen wie beim Aufbau der Rahmen. Und nein, auch das ist nicht superkompliziert und erfordert nicht zwingend Spezialwerkzeug, aber es ist ein Handwerk, und das erste Mal dauert etwas länger. Dafür ist es umso befriedigender, wenn man den Dreh raushat, aus dünnen Drähten starke Räder zu spannen.
Günstige Leichträder sind aber nur mit Fernostfelgen machbar, wie zum Beispiel von Far Sport. Das Angebot an Aero-Felgen ist aber eingeschränkt, und Carbon-Felgen aus heimischer Produktion sind ziemlich teuer.
Ein Erfahrungsbericht: Rennrad selbst aufbauen
Ein Fahrrad selbst aufzubauen kostet Geld, Zeit und Nerven. Ich wollte es trotzdem wissen - und lernte eine Lektion fürs Leben.
Ein Fahrrad selbst aufbauen aber wollte ich schon immer. Man hat eine andere Beziehung zu den Dingen, wenn man sie auseinandernehmen und wieder zusammensetzen kann. Mein Verhältnis zum Fahrrad würde auf eine höhere Stufe transformiert, wenn ich jede Schraube selber reingedreht hätte.
Ein bisschen Schrauberwissen hatte ich. Gangschaltung einstellen, ein Tretlager einbauen, das ging. Aber eine hydraulische Scheibenbremse korrekt montieren? Das schien mir eine andere Art Herausforderung zu sein. Und was ist, wenn ich den Konus des Steuersatzes schief auf den Gabelschaft aufschlage?
Was schiefgehen kann: Fünf Lektionen
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Ein Teil fehlt immer: Ich hatte viel Zeit damit zugebracht, die Komponenten auszusuchen und möglichst alle Teile, Schrauben und Werkzeuge vor dem Start beisammen zu haben. Am Ende hat es drei Monate gedauert. Denn bei fast jedem Arbeitsschritt hatte ich noch irgendetwas vergessen.
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Wenn es hakt, muss es nicht die eigene Unfähigkeit sein: Ich hatte Bremsscheiben, die mit sechs Schrauben befestigt werden. Die Nabe in meinem Laufrad hatte aber eine so genannte Centerlock-Aufnahme, an der man die Bremsscheiben mit einem Befestigungsring montiert. Damit Scheibe und Nabe zusammenpassen, gibt es Adapter. Die wurden mit den Laufrädern mitgeliefert. Die Montage war leicht, nur leider schleifte der Befestigungsring des Vorderrads an der Gabel. Ich war kurz davor, das Projekt abzublasen. Dann besann ich mich und tat das Naheliegende: Ich kaufte neue Centerlock-Bremsscheiben. Erst später stieß ich im Internet auf die Ursache des Problems.
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Zinn ist unverzichtbar: In solchen Fällen hilft die Bibel der Fahrradschrauber: "Zinn & the Art of Road Bike Maintenance". Wann immer ich nicht mehr weiter wusste, habe ich im Zinn nachgeschaut.
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Was schwierig erscheint, ist oft leicht: Hydraulische Bremsen mögen komplizierte Gebilde sein. Die Montage ist erstaunlich unkompliziert. Das Kürzen der Bremsleitungen ging ruckzuck, und selbst das Entlüften klappte auf Anhieb.
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Was leicht erscheint, ist oft schwierig: Ich habe häufig Gangschaltungen eingestellt, das ist eigentlich kein Problem. Das würde es auch diesmal nicht werden, da war ich mir sicher. Allerdings hatte ich bislang nur an 8-, 9- oder 10-Gang-Schaltungen Hand angelegt. Es sollte sich herausstellen, dass elf Ritzel am Hinterrad eine Herausforderung eigener Art sind.
Schließlich wurde ich fertig. Das Rad stand komplett vor mir, ich konnte es kaum glauben. Es war ein wunderbares Gefühl, eigenhändig etwas gebaut zu haben.
Ob ich es wieder machen würde? Sagen wir so: Ein Rad aufzubauen ist wie das Überqueren von Alpenpässen. Mittendrin fragt man sich, warum man sich das antut. Hinterher ist es sehr schön. Im Moment reicht es mir offen gestanden mit dem Schrauben.
Fahrrad online bestellt: So montierst du es selbst
Bestellst du dein Fahrrad online, hast du wenige Tage später ein zusammengebautes Fahrrad, das nach wenigen Handgriffen einsatzbereit ist. Pedale anschrauben, Lenker und Sattel ausrichten - und los geht's.
Das Fahrrad kommt sicher verpackt in einem großen Karton bei dir an. Hast du ihn geöffnet, hebst du das Fahrrad einfach nach oben heraus. Danach wartet nicht mehr viel Arbeit auf dich, da das Fahrrad oder E-Bike in den meisten Fällen schon sehr gut vormontiert ist: Laufräder, Schaltung, Bremsen und Lichtanlage sind eingebaut und eingestellt.
Die Montage in wenigen Schritten
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Lenker montieren: Der Lenker ist in der Regel bereits eingebaut. Sollte das nicht der Fall sein, entferne den Vorbaudeckel, indem du die vier Schrauben am Lenker mit dem passenden Inbusschlüssel (Größe: vier, fünf oder sechs Millimeter) löst. Drehe den Vorbau nach vorn , sodass die Lichtanlage nach vorn zeigt. Danach ziehst du die Schrauben wieder fest.
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Pedale montieren: Die Pedale sind in der Regel mit einem Kabelbinder an der Sattelstütze festgezurrt. Prüfe, ob die Gewinde eingefettet sind. Setz die Pedale auf die Pedalachse. Die Kennzeichnung auf den Pedalen (L und R) verrät dir, welches Pedal - mit Blick in Fahrtrichtung - auf die linke und welches auf die rechte Seite gehört. Achte auf das Gewinde, wenn du die Pedale anbringst: Das rechte Pedal hat ein Rechtsgewinde, das linke ein Linksgewinde. Das bedeutet, dass du das rechte Pedal nach rechts festdrehen musst und das linke Pedal nach links. Ziehe die Pedale von der Innenseite der Kurbel mit einem passenden Inbusschlüssel (Größe: sechs oder acht Millimeter) fest.
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Sattel einstellen: Teste bei einer Probefahrt, ob die Sattelhöhe stimmt. Tipp: Wenn du möchtest, kannst du die Sattelneigung noch einmal überprüfen und die Sattelposition einstellen.
Ob Citybike, Mountainbike, Rennrad oder E-Bike: Hast du dein Fahrrad online bestellt, musst du die Pedale montieren und Lenker und Sattel einstellen, um losfahren zu können und sicher und bequem unterwegs zu sein.
Rennrad selbst aufbauen - Teil 3: Cockpit und Bremsen
Egal ob Sie Ihr Traumrad selbst aufbauen oder Ihre treue Rennmaschine mit einem neuen Cockpit oder neuen Stoppern aufpeppen wollen - Lenker, Bremsschalthebel und Bremsen samt Zügen können Sie selbst montieren, auch wenn Sie nicht über große Schrauber-Erfahrung verfügen. Lohnenswert ist ein solches Tuning beim Lenker-Vorbau-Set sowie den Bremsen allemal, denn sowohl bei Gewicht als auch Ergonomie und Funktion bringen neue Parts große und direkt spürbare Vorteile.
Generell sollten Lenker und Vorbau stets von einem Hersteller stammen, da sie meist aufeinander abgestimmt sind. Für den Aluminiumbügel von FSA spricht außerdem sein ergonomisch abgeflachter Oberlenker. Durch solch eine Konstruktion ermüden Arme und Hände nicht so schnell, und der Komfort auf langen Strecken verbessert sich merklich. Bei der Montage dieser Teile sollten Sie immer darauf achten, die Schrauben mit den vorgegebenen Drehmomenten anzuziehen.
Sehr angenehm, und zwar auch in puncto Dosierbarkeit, ist die Bremse der Ultegra SL - mehr braucht es an Funktionalität eigentlich nicht.
Das richtige Werkzeug
In jedem Haushalt finden sich ein Kreuz- und ein Schlitz-Schraubendreher. Kaufen Sie, wie immer beim Werkzeug, hochwertige Qualitätsprodukte statt Billigware aus weichem Material und mit schlechten Griffen. In Zeiten von Leichtbau und Carbonteilen am Rennrad ist ein Drehmomentschlüssel mit Bit-Satz unerlässlich. Ebenfalls zur Grundausstattung jeder Werkstatt gehört ein Satz Inbusschlüssel in den Größen 2,5 bis 8 Millimeter. Wer Züge am Lenker verlegen möchte, braucht eine Rolle Isolierband. Zum Kürzen von Brems- und Schaltzügen und beim Ablängen der Zughüllen muss ein passender Bowdenzugschneider her.
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