Rhône-Radweg Frankreich: Etappen entlang der ViaRhôna

Der Rhône-Radweg, auch bekannt als ViaRhôna, verbindet den Genfer See mit dem Mittelmeer und erstreckt sich von Genf bis nach Port-St-Louis.

Die ViaRhôna durchquert 3 Regionen: Auvergne-Rhône-Alpes, Provence-Alpes-Côte d’Azur und Occitanie-Pyrénées-Méditerranée.

  • Auvergne Rhône-Alpes: 557 km
  • Provence-Alpes-Côte d’Azur: 114 km
  • Occitanie-Pyrénées-Méditerranée: 146 km

Wichtige Städte auf dieser Route sind Seyssel, Lyon, Valence, Montélimar, Avignon und Arles.

Die Route ist relativ flach, mit nicht mehr als 3% Höhenunterschied, wobei die ersten 60 Kilometer zwischen Genf und Seyssel eine Ausnahme bilden. Es gibt jedoch eine provisorische Route zwischen Lyon und Givors, die für Familien kompliziert sein kann.

Von Genf nach Lyon: Landschaftliche Höhepunkte

Zum Tourenauftakt in Genf ist uns gleich der volle Alpengenuss vergönnt, denn der Mont Blanc winkt uns beim Blick über den Genfer See zu. Schon nach wenigen Kilometern sind wir in der grünen Hügellandschaft des Juras unterwegs. Die sportive Routenalternative hinter Vulbens ist sehr zu empfehlen, denn hier bekommen wir einen genialen Blick auf die türkisfarbene Rhone umrahmt von einsamen Dörfern und mit Blick in den Naturpark des Juras, der die komplette Grünpalette des Malkastens für sich beansprucht.

Phantastisch auch die riesigen Kalksteinfelsen die uns auf der Weiterfahrt begleiten. Insbesondere im Abendlicht, wenn die gigantischen Felswände von der Sonne in Orange getaucht werden, ist das ein einmaliges Landschaftskino. Die Strecke zwischen Champagneux und Hières-sur-Amby ist ein absoluter Felsentraum. Zwischendurch gibt es noch die Wasserfälle von Glandieu zu entdecken, die durch einen Miniabstecher erreicht werden.

Auf den ersten rund 260 km der Tour bis Lyon dominieren für uns eindeutig die Landschaftseindrücke und die kleinen sympathischen Orte, mit schönen Steinhäusern und den bunten Blumengärten. Chanaz versetzt uns mit den bunten Booten und den schnuckeligen Einkehrmöglichkeiten direkt am Kanal in die richtige Urlaubsstimmung.

Der Weg durch den Ort zur alten, wieder fit gemachten Ölmühle (Moulin de Chanaz) lohnt sich besonders. Kleine Gassen und der begehbare mittelalterliche Turm, der oben einen perfekten Blick auf den Mont Blanc und die Hügel des Bugey bietet, lohnen für einen kurzen Stopp. Besonders zauberhaft finden wir auch Saint-Sorlin-en-Bugey mit einigen schön erhaltenen Waschhäusern (fontaine-lavoir), die hier sehr typisch sind.

Die alten Steinhäuser, das Schloss und die prachtvoll blühenden Rosen machen das Postkartenmotiv mit Felsformationen im Hintergrund perfekt.

Lyon: Die Hauptstadt der Region Auvergne Rhône-Alpes

Nach rund 250 km erreichen wir Lyon, die Hauptstadt der Region Auvergne Rhône-Alpes, an den beiden Flüssen Rhone und Saone, die uns angenehm überrascht. Bisher hatten wir sie nur als große Industriestadt abgespeichert, aber während unserer Tour durch die Stadt, gefällt sie uns von Minute zu Minute besser. Die zahlreichen Brücken, die die beiden Flüsse überspannen, versprühen insbesondere am Abend einen sehr romantischen Charme.

Total begeistert sind wir von den großen, mit typischen Szenen Lyons bemalten Häuserfronten. Um in kurzer Zeit einige der Outdoor-Highlights zu sehen und auf lockere Art und Weise erklärt zu bekommen, finden wir die geführte rund 1,5 stündige Tour mit dem E-Bike (Lyon hat eine ziemliche Flächenausdehnung und ist unerwartet hügelig) optimal.

Sehr fasziniert sind wir auch von den sogenannten „Traboules“, die in der Hochzeit der Seidenstoffherstellung sehr nützlich waren. Ein bisschen erinnern sie uns an Geheimgänge durch die wir spionieren dürfen. Früher dienten sie dazu, dass Menschen und insbesondere die Seidenstoffe sozusagen „trockenen Fusses“ zwischen den Häusern transportiert werden konnten.

Hierzu dienten interne Treppenaufgänge innerhalb von Häuserkomplexen. Rund 425 Stück soll es davon in der Stadt noch geben. Die zugänglichen „Traboules„, z.B. am Place Colbert Nr. 9, erkennt man an einem blauen Löwenkopfsymbol das am Gebäude angebracht ist.

Außerhalb der Führung, lassen wir die Räder in ihrem Stall bei unserer Unterkunft stehen. Durch das Kopfsteinpflaster sowie die vielen Einbahnstraßen, ist es hier nicht ganz übersichtlich.

Südlich von Lyon: Rhône-Tal und Provence

Hinter Lyon wandelt sich die Aussicht und die Weinberge des Rhonetals präsentieren sich entlang des Weges. Immer wieder gibt es jedoch Unterbrechungen durch großflächige Obstplantagen, denn wir sind auch im Früchtekörbchen Frankreichs unterwegs. Je weiter wir nach Süden gelangen desto mehr sind Ginster, Oleander, Olivenbäume und schließlich auch Lavendel und Zypressen unsere aromatischen Landschaftsbegleiter.

Für uns ist es überraschend, wie sehr sich die Düfte, die uns um die Nase wehen, in den unterschiedlichen Landschaften verändern und wie intensiv wir dies auch wahrnehmen. In der Provence, die sehr landwirtschaftlich geprägt ist, riecht es z.B. sehr nach Holz und natürlich gibt es mit dem Zikadenzirpen hier auch noch einen besonderen Ohrenschmaus.

Valence, warum eigentlich nicht? Auch in Valence, dem Verwaltungssitz des Departments Drôme, durch das die ViaRhôna direkt führt, machen wir einen kurzen Halt: große Palmen wiegen sich in der Sonne und verbreiten Sommerfeeling, wenn man sich einen Imbiss genehmigen mag, dann hier! Uns hat es das Kiosque angetan, das extra im Reiseführer erwähnt wurde. Was man hier wohl kaufen kann?, fragen wir uns.

Kurz darauf gelangen wir ins nächste Department - Ardeche, dort warten mit den sogenannten Villages de Caractère besonders adrette kleine Ortschaften mit maximal 2 TSD Einwohnern auf uns. Entlang der Rhone liegen gleich zwei dieser Schmuckstücke. In Beauchastel holpern wir über das alte Kopfsteinpflaster, entdecken mit kleinen Accessoires geschmückte Fenstersimse und zahlreiche bemalte Ziegel, die die Hauswände zieren. Wenn wir uns Frankreich mit geschlossenen Augen vorstellen, dann entstehen genau diese Bilder.

Ebenso gehört Rochemaure zu diesen charaktervollen Ortschaften. Hier erwartet uns ViaRhôna-Radler neben der Burg, die protzig auf einen schwarzen Vulkankegel thront und Namensgeber für das Dorf ist, noch ein weiteres Highlight: eine 339 Meter lange Passarelle Himalayenne, eine aus dem Jahr 1896 stammende Hängebrücke, die aufwendig saniert wurde und seit 2013 wieder den Weg über die Rhone ermöglicht. Beim Überqueren kitzeln die Schmetterlinge in der Magengegend.

Die Nougatstadt Montelimar lässt der Radweg links liegen, aber ein kleiner Abstecher zu einem familiären, feinen Hersteller der klebrigen Süßigkeit ist problemlos machbar, sowohl strecken- als auch kalorienmäßig.

Viviers, in der Region Rhône-Gorges-Ardeche, entpuppt sich als Liebe auf den zweiten Blick. Aber nachdem wir verstehen, dass es eine Unter- und eine Oberstadt gibt, ist unser Entdecker-Gen geweckt. Durch verwinkelte Kopfsteinpflastergassen führen zahlreiche Stufen hinauf in die Ville-Haute. Hier begrüßt uns eine der kleinsten Kathedralen Frankreichs mit schönem Interieur und einem atemberaubenden Aussichtsbalkon. Von diesem können wir mal wieder einen Blick auf unsere geliebten 3 Becs werfen.

Hinter uns wachen erhöht auf einem Sockel der Erzengel Gabriel und eine Madonnenfigur über das Wohl des Städtchens. In Orange statten wir dem knapp 2000 Jahre alten Theater, das seit 1981 zum Weltkulturerbe gehört, einen Kurzbesuch ab. Die 61 m lange und 13 m tiefe Bühne, sowie die noch sehr gut erhaltene 103 m hohe Rückwand machen Eindruck. Schon ein Erlebnis, die 35 Ränge immer weiter hinauf zu gehen und dabei über den Audioguide zu erfahren, wie man sich die Veranstaltungen hier im Theater in den verschiedenen Epochen vorstellen konnte.

Avignon und Arles: Kulturelle Höhepunkte

Avignon erreichen wir nach einer absoluten Kurzstreckenfahrt mit der Bahn, denn hier führt die provisorische Strecke aktuell noch durch ein wenig attraktives und verkehrsträchtiges Industriegebiet. Für Avignon nehmen wir uns den ganzen Nachmittag Zeit und die Sehenswürdigkeiten innerhalb der rund 4 km langen, sehr gut erhaltenen Stadtmauer sind gut zu Fuß erreichbar.

Der riesige Papstpalast bildet das Zentrum und hier wimmelt es nur so vor Touristen. Wer ins Innere gelangen möchte, muss sich ggf. auf eine längere Wartezeit einrichten. Bei unserem Besuch hat uns die Größe der Anlage sehr beeindruckt, am besten fanden wir jedoch die Ausblicke aus den Außenbereichen. Diese genießt man allerdings auch von den päpstlichen Gärten, die keinen Eintritt kosten. Hier sieht man z.B. auch auf die wohl bekannteste europäische Brücke, die Pont d´Avignon (Pont Saint-Bénézet).

Wer noch näher dran, aber nicht darüber gehen möchte, nutzt die kostenlose Bootsfahrt hinüber zur Île de la Barthelasse, dort in der großen Parkanlage kann man auch gut ein bisschen ausruhen. Wir haben uns anschließend einfach treiben lassen, einen Blick in „Les Halles“, die genussreichen Markthallen von Avignon geworfen, auf dem Place des Corps Saint eine Plate du Jour in einem der zahlreichen Cafes vertilgt und uns in der Rue des Teintures vergnügt.

Auch in dieser Gasse gibt es zahlreiche schöne Kneipen, die Wasserräder, die hier noch am kleinen Kanal stehen, erinnern an die Bedeutung der Seidenhestellung hier in der Stadt. Ziemlich in der Mitte zwischen Avignon und Arles befindet sich Tarascon, von dem wir vor der Reise noch nie gehört haben. Wir besichtigen das Museum Souleiado, schon im 18 Jh. wurden hier die farbenfrohen Stoffe mit den typisch provenzalischen Mustern bedruckt, die es sogar bis auf die Laufstege der Haute Couture schafften.

Rund 50 km vor unserem Ziel am Mittelmeer erreichen wir am frühen Abend Arles, das abschließende kulturelle Highlight auf der ViaRhôna. Besonders fasziniert sind wir von der Arena, in der noch zweimal im Jahr die Stierspiele stattfinden und die Stadt außer Rand und Band ist. Ganz schön trubelig ist es auch bei unserem Besuch an der Arena. Es ist aber einfach auch zu schön, wenn die Abendsonne durch die Rundbögen strahlt. Unsere Übernachtung genießen wir sehr, denn am späteren Abend und am nächsten Morgen ist es angenehm ruhig und gemütlich im Zentrum.

Auch Vincent van Gogh war von Arles fasziniert und verbrachte hier 15 sehr schaffensreiche Monate, in denen rund 300 seiner Werke entstanden. Viele seiner Motive kann man hier noch gut erkennen und auf einem Rundgang erkunden.

Wein und Schokolade entlang der ViaRhôna

Wer auf der ViaRhôna unterwegs ist, der wird förmlich hineingesogen in die Weinwelt entlang der Rhone. Wir als nicht Weinkenner haben von Anfang große Lust darauf, die verschiedenen Appellationen und Trauben sowohl in der Theorie als auch in der Praxis kennenzulernen. Hinter Vienne ist es dann auch soweit.

Die ersten Weinberge machen sich neben der Rhone breit und die Winzer schmücken ihre Rebflächen mit unübersehbaren Bannern, mit denen sie auf sich aufmerksam machen. Clevere PR-Aktion, wie wir finden, denn so prägen sich die Namen der Weingüter schon mal in unseren Köpfen ein bevor wir Condrieu und Tain l´Hermitage erreichen. Auf dem Granitboden in Codrieu wird z.B. ausschließlich der Viognier angebaut, der sich uns als blumig duftender Weißwein präsentiert, selbst unsere Nasen riechen Pfirsich und Aprikose-Aromen heraus. Im 60 km entfernten Taint l´Hermitage im Department Drôme, ragen die Reben bis in den Ort hinunter.

Zahlreiche Winzer bieten Verkostungsmöglichkeiten an, die wir auch gerne nutzen. Neben Wein hält Tain auch noch eine weitere kulinarische Verführung bereit, die Cité du Chocolat des Schokoladenherstellers Valrhona. In dieser außergewöhnlichen „Schokoladen-Stadt“ steht neben der Frage „Wie wird Schokolade hergestellt?“ im Vordergrund „Wie wird Schokolade verkostet, welche Geschmacksnuancen und Aromen spielen hierbei eine Rolle“?! Auf der Verkostungsrunde, vernascht jeder Besucher rund 60 Gramm Schokolade.

Wir haben den Schnitt garantiert nicht gesenkt. Für uns kein Problem, es geht ja gleich wieder auf´s Rad. 100 Empfehlungspunkte bekommt die 2013 eröffnete Cité von uns!

Ein weiterer süßer Genussgipfel ist unser Abstecher zur Nougaterie Arnoud Soubeyran im Industriegebiet von Montelimar. Am Vormittag kann man den vier Nougatköchen in die polierten Töpfe schauen. Was aussieht wie eine kleine Schauproduktion für Touristen, ist die reale Produktionsküche, in der es auch hinter der Glasscheibe himmlisch nach Mandeln, Honig usw. duftet. In Handarbeit werden 12 verschieden Nougatsorten, Gimove (das französische Marshmallow) und andere Naschereien hergestellt.

Einen weiteren Weinexkurs machen wir kurz vor Bourg-Saint-Andéol auf dem Weingut Notre Dame de Cousignac. Der Winzer Rafael bewirtschaftet hier bereits in der siebten Generation ein Weingut, das uns an einen Garten Eden erinnert. Mitten in seinen Weinbergen lebt er mit seiner amerikanischen Frau, fünf Kindern, zwei Katzen und Magnum, dem Haushund umgeben von Oleander- und Walnussbäumen mit Blick auf den Mont Ventoux. Er beschreibt uns die Anbauunterschiede, die es zwischen den Lagen hier und der weiter im Süden liegenden Appelation Châteauneuf-du-Pape gibt.

Region Streckenlänge
Auvergne Rhône-Alpes 557 km
Provence-Alpes-Côte d’Azur 114 km
Occitanie-Pyrénées-Méditerranée 146 km

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