Die ungemütliche Jahreszeit treibt viele Biker für die kommenden Wochen und Monate in die heimischen Keller, Garagen oder andere Folterkammern. Mangels Tageslicht wird die Rolle für sie zu einer nicht immer geliebten Zuflucht, um fit durch den Winter zu kommen. Wer vor der Entscheidung steht, sich einen Rollentrainer zuzulegen, wird leicht durch die vielen Modelle und unterschiedlichen Systeme verwirrt.
Die verschiedenen Trainersysteme
Es gibt drei grundlegende Systeme von Rollentrainern:
- Die klassische Rolle, bei der das Hinterrad eingespannt wird und gegen eine Widerstandseinheit gepresst wird.
- Die freie Rolle, bei der das Bike auf drei Walzen platziert wird.
- Die neuen Direct Mount Trainer, bei denen das Bike über die Hinterachse direkt mit der Widerstandseinheit verbunden wird.
Klassische Rollen
Klassische Rollen, bei denen das Hinterrad eingespannt wird, können dagegen schon einmal kurz die Traktion verlieren. Außerdem kann der Hinterreifen sehr schnell verschleißen, durch die Wärme, die an der Widerstandseinheit entsteht. Dafür sind die klassischen Rollen leichter zu transportieren, da sie nicht so schwer sind und sich in der Regel leichter zusammenklappen lassen. Auch preislich sind die klassischen Rollen schon weitaus günstiger zu bekommen als die Direct Mount Trainer. Mit dem Tacx Satori Smart bekommt man für ca. 200 € bereits einen Trainer, den man mit dem Computer oder dem Tablet verbinden kann! Allerdings sind diese Trainer gerade bei hohen Belastungen deutlich lauter. Nicht nur die Lautstärke, sondern vor allem die Vibrationen, die bei höheren Geschwindigkeiten entstehen, können Nachbarn und Familie nerven. Bremsleistung bieten diese Trainer auf jeden Fall genug! Über 1000 Watt sind für viele Trainer kein Problem. Verschiedene Widerstandsstufen, um Steigungen zu simulieren, sind eigentlich Standard, und auch die Verbindung mit dem PC oder Tablet ist oft kein Problem.
Die freie Rolle
Bei beiden bisher vorgestellten Systemen kann man sich voll und ganz auf das Treten konzentrieren. Das kann aber sehr langweilig werden... Eine Alternative zu diesen Trainern ist die freie Rolle. Hier wird das Rad nicht eingespannt, beide Räder drehen sich und man muss das Gleichgewicht selbst halten. Konische Walzen oder Führungsrollen machen es sehr schwer von der Rolle zu fahren, aber gerade zu Beginn sollte man die freie Rolle erst einmal in einem Türrahmen aufstellen. Da kann man sich gut abstützen, falls man mal aus der Bahn kommt. Die meisten freien Rollen haben keine Bremseinheit an Bord, weswegen der Widerstand recht gering und für harte Intervalle eher ungeeignet ist, aber dafür werden die Koordination und das Gleichgewicht geschult. Gerade vor Rennen sind diese Trainer super, da man hohe Frequenzen fahren und die Beine "wachmachen" kann. Preislich sind die Rollen schon für knapp über 100 € zu bekommen, und sie bieten den Vorteil, dass man tatsächlich fährt. Dadurch vergeht die Zeit auf der Rolle irgendwie schneller und man muss die Konzentration die gesamte Zeit hochhalten.
Die freie Rolle bietet dir das realistischste Fahrgefühl, da du dich „frei“, ohne dass das Hinterrad in einer Halterung eingeklemmt wird, bewegen kannst. Du bewegst dein Fahrrad auf drei Walzen, welche durch einen Treibriemen miteinander verbunden sind. Das Hinterrad bewegt sich auf den hinteren zwei Walzen, das Vorderrad wird auf der dritten, vorderen Walze gestützt. Du schulst ungemein Koordination und Technik! Eine gewisse Mindestgeschwindigkeit ist notwendig, damit das Rad stabil auf den Walzen läuft und sich die erforderlichen Kreiselkräfte entwickeln. Ist man dann etwas vertraut mit der freien Rolle, sind Wiegetritt oder auch Sprints wie im wahren Radsportler-Leben erlebbar.
Ein weiterer großer Vorteil der Freirolle ist das sehr geringe Gewicht und das sehr kleine Packmaß. So verschwindet sie sehr schnell unter dem Sofa oder dem Bett. Ebenso schnell liegt sie im Kofferraum des Autos, zum Aufwärmen vor dem nächsten Rennen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Rollen auch problemlos mit einem MTB genutzt werden können.
Ein wenig Übung zu Beginn ist definitiv notwendig. Gerade am Anfang solltest du es vorsichtig angehen lassen, um unfreiwillige Abstiege zu vermeiden. Du musst das gesamte Training hoch konzentriert sein, um das Gleichgewicht zu halten, da du ja keine Stütze oder Halterung hast.
Direct Mount Trainer
Preislich finden sich die Direct Mount Trainer im mittleren bis hochpreisigen Bereich wieder, dafür sind sie meist sehr gut ausgestattet und lassen sich leicht mit dem PC oder dem Tablet verbinden. Dazu kommt noch, dass diese Trainer die leisesten auf dem Markt sind. Wer also Probleme mit genervten Mietern vermeiden will, für den sind die Direct Mount Trainer, wie der Tacx Neo, der Wahoo Kickr oder der Elite Turbo Muin, eine gute Wahl. Die Trainer sind sehr stabil und eignen sich hervorragend für das Training mit Zwift, BKool oder Sufferfest! Der Widerstand, den die Trainer aufbringen können, reicht für die härtesten Sprintintervalle, und das Hinterrad kann nicht durchdrehen, da der Antrieb direkt über die Kassette des Trainers läuft.
Hier wird das Hinterrad ausgebaut. Allem voran: Kein Reifenverschleiß! Und da wäre zum Beispiel der ausgezeichnete Rundlauf beim Pedalieren, was sowohl dem Radsport-Neuling als auch dem Profi-Sportler nützlich ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe realisierbare maximale Kraftleistung wie beim Training von Bergintervallen mit flacher Trittfrequenz (K3 Training) und Sprint-Intervallen, als auch eine maximale Kompatibilität mit allen Schaltanlagen. Ob SRAM, Shimano oder Campagnolo, sowie die Fragen nach 9, 10, 11 oder 12-fach, alles kein Problem.
Auch die sehr geringe Geräuschentwicklung ist hervorzuheben, denn das Windgeräusch des Hinterrades fällt weg.
MTB Rollentrainer: Worauf ist zu achten?
Mit dem Mountainbike ist man etwas unabhängiger von der Wegbeschaffenheit als mit dem Rennrad - das ist klar. Zusätzlich kommt aber noch hinzu, dass der typische MTB-Fahrer auch mal bei schlechtem Wetter unterwegs ist und sogar bis in den Winter hinein. Dennoch eignet sich das Rollentraining auch für MTB-Fahrer. Die Vorteile liegen in:
- Kontinuierlichen Aufbau der Ausdauer im Winter
- Aktiven und kontrollierten Regeneration nach einer Verletzung ohne Sturzgefahr
- Kompetitiven Fahren über Zwift und andere Dienste beim smarten MTB-Rollentrainer
Es gibt im Gegensatz zum Rennrad bestimmte Aspekte, die beim MTB zu beachten sind:
Reifenbeschaffenheit
Mit Stollenreifen fährt es sich im Gelände gut. Auf dem Rollentrainer sind Stollenreifen dagegen nicht optimal. Zum einen ist die Lautstärke beim Training deutlich höher und die Reifen nutzen dauerhaft ab. Ein profilloser Reifen kann hier Abhilfe schaffen. Man sollte aber die Reifenbreite beachten - gerade bei speziellen Trainingsreifen, die eher auf Rennradfelgen ausgelegt sind. Und natürlich ist die Laufradgröße bei den Trainingsreifen wichtig - kaufen Sie für ein 26″ MTB den passenden Reifen.
Die Breite der Hinterachse
Wird das Fahrrad wie beim klassischen Rollentrainer mit dem Hinterrad eingespannt, muss man wissen, dass die hintere Achse ausgetauscht werden muss. Die Steckachsen werden normalerweise mit den Produkten mitgeliefert. Je nach Modell des Rollentrainers kann es aber dazu kommen, dass ein MTB mit einer sehr breiten Hinterachse nicht in die Aufhängung passt. Hier gilt es die Spezifikationen vom Produkt mit dem eigenen MTB abzugleichen.
Freie Rolle, Direktantrieb oder der klassische - welcher eignet sich als MTB Rollentrainer
Mit oberen „Problemen“ stellt sich die Frage, welche Art Rollentrainer für das MTB geeignet ist.
Die Freie Rolle als MTB Rollenntrainer
Das Fahrrad wird einfach auf die Freie Rolle gestellt. Das Training ist anspruchsvoll und Widerstand kann nur bei teuren Modellen eingestellt werden. Allerdings kann man sehr schnell mit dem Training starten, da man das Fahrrad nicht umbauen muss.
Wie schon gesagt, mit Stollenreifen kann man, sollte man aber nicht fahren. Eine Alternative ist der Wechsel vom Stollenreifen zu Slicks - dabei ist die Breite der Slicks erstmal egal. Mit einer besseren Abrolleigenschaft hat man direkt eine geringere Lautstärke.
Die freie Rolle eignet sich also für erfahrene Fahrer, die entweder hohe Lautstärke ignorieren oder für das Training im Winter Reifen ohne Profil nutzen können.
Je nach Hersteller ist die Freie Rolle auf bestimmte Radabstände eingestellt. Auch hier sollte man vor dem Kauf ausmessen, welcher Radabstand beim eigenen MTB vorliegt.
Der klassische Rollentrainer fürs Mountainbike
Beim klassischen Rollentrainer wird das Hinterrad eingespannt und eine Rolle drückt gegen das Hinterrad. Das Fahrrad steht damit stabil, so dass diese Art Trainer auch für Einsteiger geeignet ist.
Durch den Druck der Rolle ist der Verschleiß allerdings höher als bei der freien Rolle. Zudem muss man hier wirklich die breite der hinteren Achse beachten, sonst kann man den Rollentrainer direkt zurückschicken.
Im besten Fall nutzt man einen zusätzlichen Mantel ohne Profil für das Training. Damit muss man zwar umbauen, wenn man trainieren möchte, aber im Winter bleibt das MTB oft eh drinnen. Wer häufig wechselt zwischen Rollentraining und Ausfahrten ins Gelände kann auch einen zusätzliches Hinterrad mit glattem Reifen oder Trainingsreifen investieren.
Der Direktantrieb als MTB Rollentrainer
Beim Direktantrieb Rollentrainer wird anstelle des hinteren Laufrads der Direktantrieb eingebaut. Damit hat man keine Probleme mit der Reifenbeschaffenheit. Somit eignet sich diese Art Rollentrainer auch sehr gut als MTB Rollentrainer, da sich keine Nachteile durch Stollenreifen ergeben können.
Smart Trainer und Virtual Cycling
Trocken mit Freunden trainieren und das trotz Schmuddelwetter vor der Tür? Kein Problem, dank Smart-Trainern. Wichtig ist die richtige Software, ein Computer oder Laptop und ein kompatibler Rollentrainer.
Fast jeder moderne Hometrainer ist inzwischen kompatibel mit diversen Trainings-Softwares. Die bekannteste Software für Online-Trainings ist wohl Zwift: Ausfahrten in der Gruppe, Trainingsprogramme, Rennen, all das ist möglich.
Um ins Virtual Cycling einzusteigen, benötigst du zuerst einen kompatiblen Smart Trainer, in der Regel Modelle mit Direktantrieb. Wenn du ein Zwift-Abo oder einen Testzugang abgeschlossen hast, lade dir die Zwift-App auf dein Endgerät (Smartphone, Tablet, PC, Mac oder Streaming Player) und verbinde deinen Trainer direkt aus der App heraus per Bluetooth oder mithilfe eines Adapter-Sticks per ANT+.
Mit Virtual Cycling verbinden die meisten Fahrer die Zwift App: Hier folgst du mit einem Avatar animierten Strecken und kannst Rennen gegen andere Nutzer fahren. Einem anderen Ansatz folgt beispielsweise die Tacx App, bei der die Strecken nicht animiert, sondern abgefilmt und damit besonders realistisch sind. Die meisten Apps bieten auch Trainingspläne mit Intervalltrainings an; als bekanntester Vertreter gilt hier Trainerroad.
Zubehör für das Rollentraining
Zusätzlich zum Rollentrainer oder der freien Rolle gibt es zwischenzeitlich allerlei Zubehör, die das Training auf der Rolle noch angenehmer bzw. realitätsnäher gestalten.
Ventilatoren
Wenn es keinen Fahrtwind gibt, muss man diesen zur Kühlung des Körpers künstlich herstellen. Grade im Sommer ist das besonders wichtig. Dazu hat Wahoo mit dem KICKR Headwind eine systemeigene Lösung parat, mit der ihr euer Set-Up ergänzen könnt. Aber auch ein guter normaler Ventilator leistet gute Dienste.
Vorderradstütze
Ein Unterstellblock, der unter dem Vorderrad platziert wird, dieses anhebt und damit für eine normale Sitzposition sorgt. Unerlässlich, wenn das Fahrrad hinten in einem Rollentrainer fixiert und dadurch dort angehoben ist.
Schweißfänger
Dieses unscheinbare kleine Teil wird zwischen Lenker und Sattelstütze gespannt und fängt Schweiß von Kopf und Oberkörper ab. So werden die empfindlichen Fahrradbauteile vor Korrosion geschützt. Eigentlich unersetzlich, denn ohne kühlenden Fahrwind tropft es innerhalb weniger Minuten ganz gewaltig.
Trainingsmatte
Meist aus dickerem Schaumstoff oder Gummi erfüllt die Matte gleich zwei Funktionen. Einmal dämpft sie die Geräuschentwicklung während des Betriebs und außerdem fängt sie den Schweiß auf und schützt so Teppich oder Parkett.
Trainingsreifen
Bei Rennrädern mit Slicks nicht zwingend nötig, aber gerade bei häufigem Betrieb eine lohnende Investition. Ein guter Trainingsreifen ist auf die Belastungen von Rollen spezialisiert und heizt sich nicht so stark auf, wie ein Straßenreifen. Dadurch hält er länger und ist zudem noch günstiger als die meisten guten Straßenreifen.
Bei Mountainbikes ist so ein Reifen Pflicht, denn Stollenreifen sollten auf einer Rolle nicht verwendet werden!
Steigungs-Simulatoren
Steigungs-Simulatoren sind so etwas wie Treppenlifts fürs Vorderrad. Der KICKR Climb und der Elite Rizer können beide Steigungen und Gefälle realistisch simulieren, sodass du das Gefühl hast im Gelände unterwegs zu sein.
Tipps für ein effektives Rollentraining
Das Rollentraining ist meist effektiver und effizienter, da man ständig treten muss und keine „leeren Kilometer“ - an denen du nur rollst - mit minimaler Leistung ohne Trainingseffekt hat. Diese sogenannten „Trash-Miles“ können zwischen 5 und 25 Prozent der Trainingszeit einnehmen.
- Bestimme deine Trainingsziele und erstelle dir einen Trainingsplan.
- Sorge für Unterhaltung während des Trainings.
- Trinke ausreichend Flüssigkeit um deinen Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
- Ein Ventilator vor dem Rad kann für zusätzliche Abkühlung sorgen.
- Achte auf deine Ernährung oder stell deine Ernährung in kleinen Schritten um, um dein Ziel bestmöglich zu unterstützen und zu erreichen.
- Nach dem Training solltest du dir Zeit zum Dehnen nehmen.
Fazit zum MTB Rollentrainer
Das Training auf dem Rollentrainer unterscheidet sich nicht - egal ob mit Rennrad, MTB oder Gravel Bike. Bei der Auswahl der Rollentrainer-Art für das eigene MTB muss man aber ein paar Dinge beachten, die beim Rennrad aufgrund der Reifenbeschaffenheit nicht relevant sind.
Insofern eignet sich der Direktantrieb Rollentrainer am besten als MTB Rollentrainer, da man keine Nachteile durch die Stollenreifen hat. Der klassische Rollentrainer erfordert in jedem Fall zusätzliche Reifen.
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