Roval Traverse SL II 240 6B Laufräder im Test: Wie haltbar sind die teuren Carbon-Laufräder?

Wer sich einen teuren Carbon-Laufradsatz gönnt, der will daran lange Freude haben. Das weiß auch Specialized und konzentriert sich bei den Laufrädern der hauseigenen Marke Roval verstärkt auf das Thema Haltbarkeit.

Die von uns getestete Highend-Version mit DT Swiss 240 Naben schlägt gar mit satten 2300 Euro zu Buche. Da schnellt die Herzfrequenz in die Höhe, ohne auch nur einen Meter auf den Edelteilen gerollt zu sein. Zum Glück gibt Roval Käufern, die ihre Laufräder innerhalb der ersten 90 Tage nach Kauf registrieren, eine lebenslange Garantie - das beruhigt den Puls etwas.

Doch machen die Laufräder im Gegenwert eines durchschnittlichen deutschen Netto-Monatslohns deshalb auch lange Freude? Um diese Frage beantworten zu können, haben wir die Roval Traverse SL II genauer unter die Lupe genommen und in ein Dauertest-Bike eingespannt.

Schlicht in Schwarz strahlen die 2300 Euro teuren Roval Traverse SL II 240 6B eine gehörige Prise Understatement aus.

Das ist neu beim Roval Traverse SL II

Roval will die Neuauflage der beliebten Traverse SL sowohl beim Gewicht, als auch bei der Haltbarkeit optimiert haben - zwei Bereiche, die gerade an Laufrädern nicht immer gut miteinander harmonieren.

Unsere Waage misst am 29-Zoll-Vorderrad inklusive Felgenband und Tubeless-Ventil 750 Gramm. Beim Hinterrad stoppt die Waage bei 861 Gramm. Zusammen ergibt das ein gutes Gewicht von 1611 Gramm für einen Trail-Laufradsatz mit 30 Millimetern Felgeninnenweite.

Unsere Messung liegt damit sogar noch leicht unter der Herstellerangabe von 1645 Gramm. Zum Vergleich: Der Vorgänger wog rund 1700 Gramm - Eine Ersparnis, die an der rotierenden Masse durchaus wertvoll sein kann.

Freigegeben sind die Carbon-Laufräder für ein Systemgewicht von 125 Kilo und für Reifenbreiten zwischen 2,3 und 2,6 Zoll.

Im Vergleich zum Vorgänger verspricht Specialized eine um 15 Prozent gestiegene Stabilität am Vorderrad. Am Hinterrad sollen es sogar 25 Prozent sein. Das asymmetrische Felgenprofil erlaubt eine gleichmäßige Spannung der 28 Speichen pro Laufrad, was der Haltbarkeit zusätzlich zu Gute kommen soll.

Überarbeitet hat Roval auch das Felgenhorn, welches dank einer vergrößerten Auflagefläche den Reifen vor bis zu 85 Prozent stärkeren Belastungen schützen soll, bevor es zu einem Durchschlag kommt. Das insgesamt flachere Felgenprofil soll sich aber auch positiv auf das Fahrverhalten auswirken.

Specialized gibt 21 Prozent mehr vertikalen Flex an und will das Carbonlayup von sowohl Vorder- als auch Hinterrad optimiert haben. Auf dem Trail soll sich das durch eine höhere Fahrpräzession und eine flexiblere Reaktion auf ruppiges Gelände zeigen.

In der Highend-Ausführung Roval Traverse SL II 240 6B dreht sich die Carbonfelge um eine DT Swiss 240 Nabe.

Roval Traverse SL II 240 6B Herstellerangaben

  • Laufradgröße: ausschließlich 29 Zoll
  • Innenweite: 30 Millimeter
  • Zulässige Reigenbreiten: 2,3 bis 2,6 Zoll
  • Einsatzbereich: Trail
  • Speichenzahl: 28
  • Gewicht: 1611 Gramm (BIKE-Messung)
  • Gewichtsfreigabe: 125 Kilo
  • UVP Vorderrad: 925 Euro
  • UVP Hinterrad: 1375 Euro

Die neue Roval Traverse Produktfamilie

Den Roval Traverse SL II Laufradsatz gibt es entweder mit DT Swiss 350 Naben für insgesamt 1500 Euro oder mit den hochwertigen DT Swiss 240 Naben für 2300 Euro. Zusammen mit den SL II hat Roval aber auch weitere neue Laufräder der Traverse-Familie vorgestellt.

So gibt es auch eine Aluminium-Version, die ebenfalls 28 Speichen pro Laufrad sowie 30 Millimeter Felgenweite mitbringt und unter dem Namen Roval Traverse Alloy läuft. Ausgestattet mit DT Swiss 350 Naben ruft Specialized dafür 850 Euro auf.

Mit dem Roval Traverse HD haben die Amerikaner zudem einen neuen Carbon-Laufradsatz für Enduro und Park im Programm. Ein verstärktes Carbonlayup und die Option auf ein 27,5-Zoll-Hinterrad prädestinieren den Traverse HD für den Gravity-Einsatz. Je nach Naben- Güte wiegt der Satz ab 1706 Gramm und kostet ebenfalls entweder 1500 oder 2300 Euro.

Typisch Roval lässt sich Specialized nicht lumpen und schickt die Traverse SL II Laufräder fahrfertig zum Kunden. In der Felge klebt bereits das Tubeless-Felgenband und ein Tubeless-Ventil ist ebenfalls ab Werk eingeschraubt. Letzteres kommt ohne Kontermutter aus und lugt ästhetisch schlicht aus dem mattschwarzen Carbon.

In der hochwertigen Verpackung steckt neben zwei Ersatzspeichen, zwei Ersatznippeln und den Handbüchern auch ein Aufbau-Protokoll. Dieses belegt den Aufbau von Hand und die Messung der Toleranzen. Der erste Eindruck entspricht also dem, was man von einem Laufradsatz für 2300 Euro erwarten darf. Umweltbewusste Biker könnten höchstens die Menge an bedruckter Pappe bemängeln.

Dauertest des Roval Traverse SL II 240 6B

Seinen Dauertest muss der Traverse SL II im Allmountain-Fully Merida One-Forty 6000 absolvieren. Hier ersetzt er den No-Name-Serienlaufradsatz aus Alu, welcher ohne Tubeless-Felgenbad und mit Schläuchen kam.

Amüsanter Weise lässt Specialized seine Carbon-Rahmen teilweise in der taiwanesischen Fabrik des Big-Players Merida herstellen. Es könnte also gut sein, dass Merida-Rahmen und Roval-Laufräder sich denselben Ursprungsort teilen.

Da die Roval-Laufräder bereits für das Fahren ohne Schlauch vorbereitet sind, gelingt das Aufziehen der Reifen, das Einfüllen der Dichtmilch und das Befüllen mit Luft mühelos. Beim Tubeless-Setup leistet sich der Roval Traverse SL II keine Schwächen.

Für die Kompatibilität mit den Shimano-Komponenten des Meridas braucht es allerdings neue Bremsscheiben mit 6-Loch-Standard und den Umbau auf einen Microspline-Freilaufkörper. Dieser gelingt - wie von DT Swiss 240 Naben gewohnt - problemlos, schnell und ohne Werkzeug. Einfach abziehen, fetten, aufziehen, fertig.

Im Dauertest muss der Laufradsatz vielen Trail-Einsätzen und Touren-Kilometern standhalten. Sein neues Zuhause auf Zeit am Rande des Bayerischen Waldes legt auch den ein oder anderen Besuch auf den Strecken des Bikepark Geißkopf nahe.

Da die Laufräder zudem eine Winter-Saison aushalten sollen, wird sich im Verlauf des Tests zeigen, wie gut sie mit Schlamm und Salzwasser zurecht kommen. Beim Abschlussbericht beurteilen unsere Experten aus dem BIKE-Testlabor auch den Rundlauf der Felgen und die Dauerhaltbarkeit der Lager.

Wie sich der Roval Traverse SL II 240 6B im Dauertest schlägt, lesen Sie demnächst hier auf www.bike-magazin.de.

Erster Fahreindruck der Specialized Roval Traverse SL II

Schlauchlos spart der Wechsel auf die Carbon-Laufräder vorne und hinten jeweils rund 300 Gramm am Dauertest-Bike. Über ein halbes Kilo Gewichtsersparnis an rotierender Masse sind beachtlich und sorgen dafür, dass das Allmountain merklich schneller vom Fleck schießt. In Sachen Beschleunigung schlägt eben Nichts einen leichten Laufradsatz, wie den Roval Traverse SL II.

Der direkte Vergleich zwischen günstigem No-Name-Laufradsatz aus Alu und teurem High-End-Carbon-Laufradsatz ist bemerkenswert, hinkt aber natürlich. Wie überall gibt es zwischen Schwarz und Weiß aber auch ein Grau. In der Welt der Mountainbike-Laufräder sind das leichte Modelle mit Aluminiumfelge. Es gibt in der Gewichtsklasse des Edel-Rovals also Konkurrenz für rund ein Drittel des Preises. Da muss der Specialized-Laufradsatz schon deutlich mehr können - im besten Fall drei Mal so viel.

Bereits auf der ersten Ausfahrt fällt auf, dass das Bike durch den Wechsel auf die leichten Rovals merklich besser klettert. Während sich die Originallaufräder in Trail-Anstiegen schwerfällig wie Dampfwalzen den Berg hochwuchteten, gelingt das mit dem Roval Traverse SL II 240 6B deutlich leichtfüßiger, agiler. Insgesamt verleihen die Specialized-Laufräder dem Dauertest-Allmountain ein deutlich sportlicheres Fahrverhalten auf welligem Terrain. Zusätzlich profitiert der Pilot vom gestiegenen Grip, den der niedrige Luftdruck des Tubeless-Setups generiert. Gerade auf losem Waldboden kann deutlich mehr Geschwindigkeit durch die Kurven mitgenommen werden.

Gleichzeitig erscheint der Roval-Laufradsatz im Gegensatz zu vielen anderen Carbon-Modellen nicht zu steif. Nach einigen Abfahrten auf den harten, ausgefahrenen Stages der Chilli-Enduroserie rund um den Bikepark Geißkopf, blieben die Ermüdungserscheinungen durch weitergereichte Schläge im Rahmen.

Etwas schmerzlich sind die kleinen Kratzer, die der Roval auf den felsigen Trails davonträgt. Die breite, flache Felge steht seitlich etwa genauso viel hervor, wie die breiteste Stelle der Reifenflanke. Bei unsauberer Linienwahl wird die Felge deshalb nicht vom Reifen geschützt, sondern geht bei seitlichen Hindernissen gleichzeitig auf Tuchfühlung mit dem Terrain. Ob sich das langfristig auf die Haltbarkeit der Felge auswirken kann, lässt sich mit der jetzigen Fahrleistung noch nicht sagen.

Während der Serien-Laufradsatz auf 300 Kilometern bereits zwei Platten aufgrund von Durchschlägen verbuchen musste, blieb der Roval über dieselbe Fahrdistanz bisher defektfrei - auch das ist großenteils dem Wechsel auf Tubeless zuzuschreiben. Tatsächlich musste den die Specialized Laufräder bereits einige leichte Durchschläge wegstecken. Bei knapp 90 Kilo Fahrergewicht (fahrfertig) und 1,6 Bar Reifendruck vorne sowie 1,8 Bar hinten, kann es bei wilder Fahrweise schon Mal knallen. Den Roval Laufradsatz lässt das bislang unbeeindruckt: Weder Defekt noch Luftverlust. Es scheint, als würde Specialized mit der versprochenen Durchschlags-Resistenz Recht behalten.

Roval Traverse SL im Dauertest Fazit

Die Roval Traverse SL Laufräder stechen aus der Masse heraus. Sie haben sich nicht nur in 14 Monaten Test als äußerst haltbar erwiesen und trotz einiger Durschläge ist die Felge noch immer top in Schuss.

Anders als viele andere Carbonfelgen fahren sich die Roval aber nicht unangenehm hart. Tubeless-Reifen ließen sich auf den Hookless-Felgen einfach montieren, das Tubeless Tape hatte sich im Lauf des Tests jedoch gelöst.

Nach über einem Jahr Einsatz benötigen die Laufräder jetzt allerdings auch einen gründlichen Service. Die Lager laufen rauh und die Speichen sollten nachgezogen werden. Dennoch ist sich Christoph sicher: wenn schon Carbonlaufräder, dann vermutlich die Roval Traverse.

Letztlich muss man für nämlich auch keine Niere verkaufen, 1.599 € UVP sind nicht billig aber durchaus fair.

Alu als Alternative?

Bis auf die zugegebenermaßen zähe Beschleunigung führt kein Weg an Alu vorbei. Die Notizen unserer drei Testfahrer sprechen zumindest beim Fahrgefühl bergab eine eindeutige Sprache zugunsten des wesentlich günstigeren, aber auch deutlich schwereren Referenz-Laufradsatzes mit Alu-Felgen. Gutmütig, fehlerverzeihend und gedämpft lauten die Attribute, die das schwerere Alu-Laufrad im Vergleich zur Carbon-Konkurrenz einheimste.

Blindtest auf dem Trail

Ohne die Laborwerte (Steifigkeit, Gewicht, Trägheit) zu kennen, fuhren drei erfahrene Tester alle Laufräder mit Einheitsreifen und identischen Luftdrücken auf einem selektiven Rundkurs. Die gewonnenen Fahreindrücke zum Fahrkomfort, zur Präzision und zum allgemeinen Handling flossen zu 20 Prozent in die Endnote ein. Überraschend: Die Seitensteifigkeit allein schlägt sich nicht immer im Fahreindruck nieder.

Schlagtest

Bei dem von BIKE im Newmen-Testlabor durchgeführten Schlagtest trifft ein 7,5 Kilo schwerer, runder Kunststoffzylinder einseitig im 20-Grad-Winkel auf ein Felgenhorn. Es wird jeweils das hintere Laufrad getestet, das an der Nabe fixiert wird. Jeder neue Schlag trifft auf eine intakte Stelle auf der Felge. Die Schlagenergie/-höhe wird ausgehend von 3,09 Joule bis zum Defekt gesteigert.

Die Stabilität der getesteten Felgen im Vergleich: DT Swiss und die Referenz-Carbon Felge von Newmen schlagen sich am besten.

Trägheit und Gewicht

Für einen explosiven Antritt und effizientes Klettern ist nicht nur ein geringes Gewicht, sondern auch die Verteilung der Masse von entscheidender Bedeutung. Je weiter das Gewicht von der Nabe entfernt ist, desto größer ist der Einfluss auf das Beschleunigungsverhalten. Auf unserem Prüfstand können wir die tatsächliche Trägheit eines Laufradsatzes exakt bestimmen.

Die besonders leichten Laufräder besitzen auch niedrigste Trägheit. Die zum Vergleich gemessene Alu-Laufräder haben im Vergleich zu Carbon das Nachsehen.

Alu vs. Carbon - die Referenztests

Um zu überprüfen, wie sich ein Alu-Laufrad und eine schwerere Carbon-Felge schlagen, haben wir zwei Referenz-Laufräder mit in den Test gepackt.

Im Antritt macht sich die um bis zu 35 Prozent höhere Trägheit deutlich bemerkbar. Bei der Seitensteifigkeit erzielen die Alu-Laufräder den zweithöchsten Wert hinter den Roval-Control-SL-Laufrädern. Das Fahrgefühl zwischen diesen beiden Laufrädern unterscheidet sich dennoch grundlegend. Beim Crashtest schlagen sich die Alu-Laufräder bestens.

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