Schnelle Brille für Rennradfahrer im Test: Was zählt wirklich?

Bei schnellen Brillen für den Radsport kommt es nicht nur auf das Aussehen an. Auch wenn ein schnittiges Design wichtig ist, spielen andere Faktoren eine entscheidende Rolle. Bietet ein dunkles Glas tatsächlich mehr UV-Schutz? Sind polarisierte Gläser auf dem Rad immer eine gute Wahl oder können sie sogar gefährlich sein? Und rechtfertigt ein hoher Preis automatisch eine bessere Qualität?

Die Brille prägt das Gesicht, aber noch wichtiger: Sie schützt die Augen vor schädlicher UV-Strahlung. Es ist fast schon fahrlässig, ohne Sonnenbrille auf das Rad zu steigen, und das gilt auch bei schlechtem Wetter. Selbst bei bewölktem Himmel ist man nicht vollständig vor UV-Strahlen geschützt. Im Schatten dringen immer noch bis zu 90 % der schädlichen Strahlen durch. Besonders wer gerne Pässe fährt, sollte sich bewusst sein, dass die UV-Belastung im Hochgebirge noch größer ist. Pro 1.000 Höhenmeter steigt sie um 10 bis 20 Prozent.

Vor dem Kauf einer Sonnenbrille sollte man daher immer zuerst den UV-Schutz überprüfen. Das CE-Prüfzeichen, das sich auf vielen Bügelinnenseiten findet, garantiert leider nur Schutz bis UV380.

Polarisierte Gläser: Fluch oder Segen auf dem Rad?

Nachdem der UV-Schutz geklärt ist, stellt sich oft die Frage nach polarisierten Gläsern. Grundsätzlich ist die Polarisierung eine gute Idee, da sie einen zusätzlichen Filter bietet, der Reflexionen reduziert. Nicht nur die direkten Sonnenstrahlen sind schädlich, sondern auch reflektierte Strahlen, beispielsweise von Schnee, nassen Straßen oder Gewässern.

Allerdings können Reflexionen beim Radfahren auch nützlich sein, um nasse oder eisige Stellen auf der Straße zu erkennen. Ein Schlagloch, das sich bei Regen in eine Pfütze verwandelt, kann mit polarisierten Gläsern als dunkler Fleck unentdeckt bleiben - eine gefährliche Situation. Auch Mountainbiker benötigen die Reflexionen, um zu erkennen, ob eine Wurzel trocken oder nass ist. Aus diesem Grund verzichten viele Radfahrer auf polarisierte Modelle.

Farbvarianten und Tönungsgrade: Was bedeuten die Filterkategorien?

Brillengläser gibt es in unzähligen Farb- und Tönungsvarianten. Die Tönung gibt jedoch keinen Aufschluss über den UV-Schutz, sondern lediglich über die Reduzierung von sichtbarem Licht. Die Filterkategorien, oft mit den Kürzeln KAT oder CAT gekennzeichnet, geben Auskunft über die Lichtdurchlässigkeit.

Wer hauptsächlich bei Sonnenschein unterwegs ist, kann mit einem dunklen Glas zufrieden sein. Für Bikepacking-Touren sollte die Brille jedoch ein breiteres Spektrum abdecken, um auch in der Dämmerung oder bei Regen nicht im Blindflug zu sein. Wer auch im Winter fährt, ist mit einer sehr hellen, rosaroten Brille gut beraten.

Warum Fahrradbrillen eine schnittige Form haben sollten

Die schnittige Form von Fahrradbrillen ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Sportsonnenbrillen umschließen das Gesicht meist stärker als Lifestylebrillen, um auch bei hohen Geschwindigkeiten Wind und Insekten von den Augen fernzuhalten. Gerade bei Gravelbikes und Rennrädern nimmt man oft eine gebückte Haltung ein. Wenn die Brillengläser nicht weit genug hochragen, hat man den Rahmen im Blickfeld. Fahrradbrillen sollten daher auch über die Augenbrauen reichen.

Passform und Preis: Was macht eine gute Fahrradbrille aus?

Jedes Gesicht ist anders, daher ist die Passform entscheidend. Gute Fahrradbrillen müssen nicht teuer sein. Tests haben gezeigt, dass auch günstige Brillen manchmal gut schützen, während es unter teuren Markenmodellen auch Ausreißer gibt. Die Testgeräte dafür hat man jedoch nicht zu Hause.

Klare Sicht, guter Sitz und ein cooler Look sind wichtige Faktoren bei der Suche nach der perfekten Fahrradbrille. Neben dem Stylefaktor haben Sportbrillen vor allem eine Schutzfunktion. Sie bewahren die Augen vor Schmutz, Steinen, Wind und UV-Strahlung. Die Auswahl der Fahrradbrillen-Testsieger basiert auf Tests aus Fachmedien und Praxistests. Besonders detailliert sind die Tests, bei denen die Brillen ausführlich unter realen Bedingungen auf der Straße und im Training geprüft werden. Im Fokus stehen dabei Sichtqualität, Belüftung, Passform und Handling.

Auch Tests liefern einen praxisnahen Vergleich von Sportbrillen. Hier werden Tragekomfort, Passform und Sicht bewertet. Für den Test stehen Komfort, Funktion und Vielseitigkeit im Vordergrund. Experten prüfen die Fahrradbrillen in unterschiedlichen sportlichen Einsätzen.

Wichtige Kriterien bei der Auswahl einer Fahrradbrille:

  • VLT-Wert: Der VLT-Wert („Visible Light Transmission“) gibt an, wie viel sichtbares Licht durch die Gläser dringt.
  • Lichtschutz: Zusätzlich zum VLT-Wert werden die Gläser in Kategorien von 0 bis 4 eingeordnet.

Selbsttönende Brillengläser passen sich automatisch an wechselnde Lichtverhältnisse an und sind besonders praktisch bei Touren mit wechselndem Wetter oder häufigen Wechseln von sonnigen und schattigen Abschnitten.

Ausgewählte Fahrradbrillen im Test

Hier eine Übersicht von Fahrradbrillen, die in verschiedenen Tests überzeugt haben:

Julbo Rush Reactiv Performance 1-3

  • Testurteil: „sehr gut“ im Bike-Test
  • Eigenschaften: Guter Sitz, Windschutz, kontraststeigernde Gläser, photochromatisches Glas mit oranger Grundtönung und blauem Spiegel.
  • Vorteile: Augen ermüden weniger, besonders beim Trailrunning und Mountainbiken.

Sweet Protection Ronin RIG Photochromic

  • Testergebnis: 47 von 60 Punkten im Bike-Magazin Test
  • Eigenschaften: Sehr helles Glas mit breitem Tönungsbereich, großes Sichtfeld, starker Schutz vor Fahrtwind.
  • Kritik: Mittelmäßige Kratzfestigkeit und Beschlagschutz, eingeschränkte Anpassbarkeit.

POC Elicit Toric EF Pro Team Ed.

  • Eigenschaften: Ultraleichte, rahmenlose Brille mit hervorragender optischer Qualität und sicherem Sitz.
  • Vorteile: Farbneutrales Glas mit guter Kontrastverbesserung, riesiges Blickfeld.
  • Nachteile: Windschutz lässt bei sehr hohem Tempo etwas nach.

100% S2 Smoke

  • Testergebnis: „sehr gut“ mit 51 von 60 Punkten im Bike-Test
  • Eigenschaften: Sicherer Sitz, angenehm gummierte Auflage, großes Sichtfeld, guter Kratzschutz.
  • Vorteile: Hoher Tragekomfort, flexibel einsetzbar vom Radsport bis zum Skisport, klares Wechselglas und zusätzliches Nasenpad inklusive.

Oakley Encoder Prizm

  • Eigenschaften: Exzellente Passform und sehr fester Sitz, farbneutrales Prizm Glas verstärkt Kontraste angenehm, ausreichender Windschutz auch bei hohem Tempo.

Scott Pro Shield

  • Eigenschaften: Sehr gute Passform und stabiler Sitz, hoher Tragekomfort ohne Druckstellen oder Verrutschen, großes Sichtfeld und hervorragender Windschutz.

100% Speedcraft SL Hiper Mirror

  • Eigenschaften: Erstklassiges Glas, effektive Belüftung, sicherer Sitz, wasser- und schmutzabweisende Panoramascheibe, klare Wechselscheibe inklusive.

Alpina Bonfire Mag Q+

  • Eigenschaften: Schneller, magnetischer Glaswechsel, stabiler und leichter Rahmen, sicherer Sitz, klares Glas für Dämmerung und oranges Glas für wechselndes Licht.

Diese Kriterien unterstützen Sie dabei, eine passende Brille für Ihren Einsatzzweck zu finden. Die Brille sollte rutschfest sitzen, nicht drücken und auch bei Bewegung oder Schweiß stabil bleiben. Gummierte Bügel und verstellbare Nasenpads können den Tragekomfort erhöhen und sorgen für einen sicheren Halt, besonders bei sportlicher Fahrweise.

React Rev Sportbrille im Test

Die React Sportbrille Rev verspricht beste Sicht bei schnell wechselnden Lichtverhältnissen. Die Schweizer Firma React setzt Solarzellen in die Brille ein, um nahtlos zwischen mittlerer, dunkler und sehr dunkler Tönung zu wechseln. Die Reaktionszeit soll 0,1 Sekunden betragen.

Kurz & knapp: React Rev sky/black

  • Schnelle Reaktionszeit von 0,1 Sekunden
  • UV-400 Filter
  • Polarisation
  • Gewicht: 38 g
  • Solarsensoren, keine Batterie notwendig
  • Anpassungsmöglichkeiten Bügel, Bügelenden und Nasenpads
  • Korrekturclip für Brillenträger
  • Preis: 339 Euro

Die Bügel lassen sich um 5 Grad neigen, die Bügelenden sogar "knicken", sodass sie besser ans oder hinter das Ohr passen. Außerdem sind die Nasenbügel in zwei Positionen verstellbar. Die Einstellungsmöglichkeiten gefallen, der sichere Sitz der Brille am Kopf unseres Testfahrers, auch im Gelände, überzeugt.

Bei Sonnenlicht, in den Wechsel in den schattigen Wald hinein, behält man alles direkt im Blick. Gerade beim Graveln, wo Schlaglöcher auf den Wegen keine Seltenheit sind, ist dies ein enormer Vorteil und trägt zur Sicherheit auf der Piste bei.

Funktioniert die Technik hervorragend bei hochstehender Sonne, sieht es gegen Abend mit tief stehender Sonne, besonders wenn sie von der Seite kommt, etwas anders aus. Fährt man einer Baumreihe entlang, wo das Licht sich in kurzer Zeit ändert, reagieren die Sensoren schnell, ein Stakkato-ähnlicher Wechsel kann dann als störend empfunden werden. Die Gewöhnungsphase dauert dann länger.

Pro und Kontra

  • Sehr schnelle Reaktionszeit der Gläser
  • Gläser machen angenehmes Licht (Farbton sky)
  • Solarbetrieben, kommt ohne Batterie aus
  • Viele Anpassungsmöglichkeiten
  • Sicherer Halt
  • Keine unangenehme Zugluft
  • Verarbeitungsqualität robuste Scharniere
  • Bei tief stehender Sonne können schnelle Wechsel zunächst irritieren, die Gewöhnung dauert etwas länger
  • Hoher Preis

Im Gegensatz zu photochromatischen Brillen, die chemische Farbstoffe im Glas nutzen, verwenden solarbetriebene Sportbrillen integrierte Solarmodule, die den Strom aus dem Sonnenlicht ziehen. Sie reagieren schneller, funktionieren unabhängig von UV-Licht und passen sich präzise an wechselnde Lichtverhältnisse an.

Weitere getestete Fahrradbrillen

Um die am besten zum eigenen (Fahr-)Stil passende Brille zu finden, die nicht nur schützt, sondern auch perfekt auf die jeweilige Nase passt, wurden weitere Fahrradbrillen getestet:

Naked Optics The Volt

  • Individualisierbare Brille mit klarer Formsprache, gutem Halt und fairem Preis.
  • Die farbenfrohe Brille wird vom Hersteller als „multifunktional und perfekt für verschiedene Sportarten geeignet“ vorgestellt.
  • Der untere Rahmen lässt sich abnehmen, stattdessen kann man den mitgelieferten Nasenflügel anbringen, um je nach Geschmack ein randloses Sichtfeld zu ermöglichen.
  • Mit ihrem Gewicht von 36 Gramm ist sie zwar eine der schwersten Brillen im Test, aber überraschenderweise tut das ihrem Tragekomfort keinen Abbruch.

Bollé C-Shifter

  • Die coole unter den Sonnenbrillen mit einem aufgeräumten Design.
  • Die Gläser der Brille sind nicht austauschbar, dafür ist die C-Shifter in zahlreichen Varianten erhältlich.
  • Auch für »Breitkopferte« sehr gut geeignet.

Julbo Intensity Spectron HD

  • Multisportler werden die Julbo Intensity Spectron HD lieben!
  • Mit unter 20 Gramm Gewicht (!) ist sie die leichteste Brille im Test.
  • Auch bei sehr schweißtreibenden, langen Anstiegen bringt man sie erst sehr spät zum Beschlagen.

Evil Eye Roadsense

  • Die Evil Eye Roadsense spielt preislich wie auch funktionell in einer eigenen Liga.
  • Die von uns getestete Joris Ryf Edition mit »LST Vario purple M«-Gläsern kann man im Morgengrauen aufsetzen, bei wechselhaftem Wetter am Vormittag auf der Nase behalten, um die Tour dann bei strahlendem Sonnenschein ausklingen zu lassen.

Alpina Turbo HR

  • Günstige Brille für Einsteiger mit technischem Look, anständiger Belüftung und solider Bauweise.
  • Bringt alles mit, was eine Fahrradbrille für Einsteiger braucht - und sieht dabei noch richtig cool aus.

Selbsttönende Gläser: Die Alleskönner?

Je nach Startzeit verläuft beispielsweise die Pendelstrecke von der Dunkelheit über den Sonnenaufgang ins Helle. Oder die Heimfahrt mündet von der Nachmittagssonne über die Dämmerung in die Nacht. Hier können selbsttönende Gläser die passende Antwort sein.

Sich automatisch tönende Brillengläser sind aus phototropem, also lichtwendigem, Material. Dabei entfalten sich die lichtempfindlichen Moleküle wie Blüten und absorbieren, reflektieren oder streuen sichtbares Licht.

Bei Fahrten mit schnellen Hell-Dunkel-Wechseln kann das nicht unproblematisch sein. Tunnel mit ihrem abruptem Wechsel von Tageslicht zu vollkommener Dunkelheit zeigen hier die Grenzen der Technologie am deutlichsten auf.

Photochrome Gläser zeigen mit der Zeit einen Alterungseffekt, da der chemische Prozess je nach Hersteller, Glas und Nutzung nachlässt. Teils ist nach zwei, drei Jahren eine Verlangsamung der Funktion wahrnehmbar. Optisch macht sich das als gelbliche Verfärbung der Gläser bemerkbar.

Zur Einordnung der Tönungen gibt es fünf Kategorien - links als Überblick dargestellt. Dabei ist die Tönungsintensität vorrangig als Schutzfunktion gegen Blendung und Helligkeit zu verstehen. Die Umgebung wird abgedunkelt, die Sehleistung des Auges wieder erhöht. Für Radfahrer sind Kategorie 0 bis 2 relevant.

Wer zumeist bei Nacht und starker Bewölkung unterwegs ist, wählt ein Glas ab Filterkategorie 0. Im Test bieten das Victgoal, Red Bull Spect Eyewear, Shimano und Swiss Eye. Eindunkeln sollten photochrome Gläser auf jeden Fall bis Kategorie 2.

Bei Variogläsern sind verspiegelte Oberflächen selten zu finden. Neben dem optischen Gesichtspunkt verbessern sie den Blendschutz, lassen aber weniger Licht ins Glas. Außerdem verkratzt die Oberfläche schneller.

Weitere wichtige Aspekte

Neben dem Schutz vor Sonnenstrahlung hat eine Radbrille auch wichtige und praktische Aufgaben. Darüber hinaus sollten Gläser an Radbrillen entsprechend stark gebogen sein, um einen optimalen Abschluss an Stirn und Wangen zu bieten - ganz ohne Zugluft.

Jede Kopfform, jeder Anspruch ist anders. Hier gibt es eine individuelle Kaufberatung mit der Möglichkeit, die Brille optimal auf den Kopf anzupassen, vor einem Ventilator auf Zugluft zu testen, die Gläser per UV-Lampe abzudunkeln oder (wenn möglich) eine optische Verglasung vorzunehmen.

Stehen Augenbrauen, Wimpern oder Wangenknochen an? Das gibt Punktabzug.

Schutz vor schädlicher UV-Strahlung ist dank DIN-Norm bei allen Brillen vorhanden.

Beschlagende Brillengläser konnten wir vor allem bei sportiver Fahrweise bergauf oder kühlen Bedingungen provozieren.

Für noch genauere Anpassung der Brille sind Ersatz-Nasenpads top.

Im Test erzielt Uvex mit sehr angenehmem Tragegefühl den Bestwert - und verdient sich einen Preis-Leistungs-Tipp. Ein komfortables Auflagegefühl liefern aber auch Bollé, Cratoni, Evil Eye, Oakley, Swiss Eye und Pop Eyes.

Übersicht: Die 14 Brillen im Test (2024)

Brille Preis (ca.) Filterkategorie
100% S2 149 Euro 1-3
Alpina S-Way QVM+ 149 Euro 1-3
BBB Fullview PH 119 Euro 1-3
Bollé Lightshifter 199 Euro 1-3
Evil Eye Vizor Pro 279 Euro 0-3
Julbo Rush 209 Euro 1-3
Oakley Flight Jacket 249 Euro 1-3
Rockrider XC Race 55 Euro 1-3
Rose PS 07 Photocromic 65 Euro 0-2
Rudy Project Cutline 235 Euro 1-3
Scott Shield LS 119 Euro 1-3
Smith Attack MAG MTB 229 Euro 0-3
Sweet Protection Ronin 229 Euro 0-3
Uvex Sportstyle 804 V - -

Alle getesteten Modelle, bis auf die Brille von Rose, gibt es in unterschiedlichen Filterfarben. Doch die meisten Filter der Schutzklassen zwei und drei sind nur für bestimmte und recht helle Lichtverhältnisse geeignet.

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