Ducati Diavel und seitlicher Kennzeichenhalter: Ein Erfahrungsbericht

Die Ducati Diavel erfreut sich großer Beliebtheit, und viele Fahrer suchen nach Möglichkeiten, ihr Motorrad individuell zu gestalten. Eine beliebte Option ist der seitliche Kennzeichenhalter, der den Blick auf den breiten Hinterreifen freigibt und dem Motorrad einen besonderen Look verleiht.

Ein Vergleichstest der etwas anderen Art wurde durchgeführt, um herauszufinden, welche Maschine mehr überzeugt: die Ducati Diavel oder die Harley-Davidson Breakout. Unterschiedlicher könnten zwei Motorräder derselben Gattung wohl kaum sein: auf der einen Seite ein dynamischer Powercruiser, auf der anderen ein Showbike im Dragstyle.

Für beide Fahrer war die jeweils andere Maschine Neuland. Frank ist nie Diavel gefahren, auch kennt er die kraftvollen Ducati-V2-Motoren nicht aus anderen Modellen. Manfred dagegen ist noch nie Harley gefahren. „Für mich kam das nie infrage, weil ich meine, dass Motorradfahren immer dynamisch sein muss. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man mit so einem Harley-Brummer sportlich unterwegs sein kann …“

Leider bringt die Breakout denkbar ungünstige Voraussetzungen mit, um Manfreds Vorurteil auszuräumen. Denn die extrem flach gestylte Breakout verfügt konstruktionsbedingt nur über geringe Schräglagenfreiheit. Frank dagegen ist überglücklich. Ihn interessiert nicht nur die Diavel, sondern auch das 103 Kubikinch große Harley-Triebwerk. „Meine Fat Bob hat den 96er-Twin-Cam-Motor drin, und ich wollte immer schon mal wissen, ob sich der Umstieg auf den 103er lohnt“, sagt er.

Die Route schlängelt sich über kleine Nebenstraßen durch Weinberge und erblühende Obstplantagen Richtung Heilbronn. Da geht meine Fat Bob spürbar besser.“ Nun, sieben Kubikinch, also 110 Kubik, sind im Verhältnis nicht wirklich viel mehr. „Es könnte aber auch daran liegen, dass meine Fat Bob durch einen Hypercharger ein- und durch AMC-Schalldämpfer ausatmet …

In der Zigarettenpause umrunden die Jungs beide Bikes und vergleichen sie anhand der technischen Daten. Rechnet man die Nebenkosten ein, kosten beide Motorräder mit 20 895 Euro exakt das Gleiche. Mit 1710 Millimetern ist der Breakout-Radstand nur 120 Millimeter größer als der der Ducati, die vergleichsweise kompakt wirkt.

Weiter geht’s über wunderschön gewundene Nebenstraßen bis zur Autobahn. Die beiden bummeln durch Ortschaften, bestaunen ihre Spiegelbilder in den Schaufenstern und haben sichtlich Spaß. Frank und Manfred befolgen brav die 120-km/h-Beschränkung. Als diese allerdings aufgehoben wird, schießt Frank auf der Diavel auf und davon. 255 km/h Topspeed sind mit ihr möglich. 180 km/h schafft die Breakout.

Kurz vor Hockenheim macht das Team Pause. Zeit für ein erstes Resümee: „Ein Hammerteil!“, grinst Frank, als er aus dem Diavel-Sattel steigt. „Die Beschleunigung ist wahnsinnig. Egal, ob aus dem Stand oder wenn du auf der Autobahn einfach durchlädst. Diese Kraft überrascht mich. Ab 3000/min ist einfach immer mehr als genug Power da. Fantastisch. Dazu der brachiale Sound und die famosen Bremsen - bei mir wäre die Gefahr groß, gleich den Führerschein zu verlieren.“ Diese Befürchtung teilt Manfred nicht. „Die Breakout ist für mich wie Urlaub“, sagt er. „Auf ihr geht es eigentlich nie darum, schnell oder schräg zu sein. Wenn du damit klarkommst, ist das schön entspannend. Auf Dauer nerven mich jedoch der sehr träge Motor und die Sitzposition. Ich bekomme meine langen Beine gar nicht unter.“ Frank weiß da Rat, denn das Harley-Zubehör bietet ein reichhaltiges Sortiment vorverlegter Fußrasten.

Beim Kapitel Bremsen sind sich beide einig: Die Breakout bekommt gerade noch so ein „Ausreichend“, die Diavel dagegen ein „Sehr gut“. Ebenso drastisch wie bei der Leistung ist der Unterschied bei der Breite des nutzbaren Drehzahlbandes. Der Harley-Twin kann ab Leerlaufdrehzahl extrem niedertourig bewegt werden, man fährt den Milwaukee-Twin im Bereich zwischen 2000 und 3000 Touren. Zwar dreht der luftgekühlte Langhuber bis 5500/min, doch auf den letzten 1000/min wirkt er zäh. Ganz anders die Ducati, deren wassergekühlter Kurzhub-Antrieb unterhalb von 2500/min unwirsch ruckelt, darüber jedoch ein wahres Leistungsinferno freisetzt, das der Drehzahlbegrenzer erst bei knapp 10 000/min stoppt.

Nach einem Abstecher nach Hockenheim, wo gerade ein Veteranenrennen stattfindet, geht es weiter bis nach Mannheim. Manfred mahnt zum Tanken. „Nach meiner Erfahrung muss die Diavel nach 190 Kilometern an die Tränke“, sagt er. Verbräuche um die 7,5 Liter auf 100 km seien normal. Der anschließend ermittelte Testverbrauch gibt ihm recht: Auf der zügigen Landstraßenetappe plus 50 Kilometer Autobahn genehmigte sich die Test-Ducati 7,1 Liter, die Breakout beließ es bei 6,4 Litern.

Im Mannheimer Hafen stehen die beiden noch mal neben den Motorrädern. Zeit für ein weiteres Resümee. „Eigentlich haben die Italiener bei der Diavel alles richtig gemacht“, meint Frank. „Das Heck ist clean, und man sieht den breiten 240er. An die Harley gehört ein seitlicher Kennzeichenhalter, damit der 240er ebenfalls zur Geltung kommt.“ Manfred umrundet die Diavel. „Sie haben nicht nur optisch fast alles richtig gemacht, sondern auch fahrwerksseitig“, meint er und spielt damit auf das Lenkverhalten an. Obwohl beide Bikes hinten auf einem Breitreifen derselben Dimension rollen, lenkt sich die Diavel um Welten besser, wofür nicht nur die sportlicher orientierte Fahrwerksgeometrie verantwortlich ist, sondern auch der dachförmiger gestaltete Pirelli Diablo Rosso II.

„Der Fahrtwind bei 140 km/h ist auf der Diavel unangenehmer als auf der Harley. Der Kopfbereich wird arg durchgeschüttelt“, meint Frank. „Wahrscheinlich, weil du auf statt im Motorrad sitzt“, überlegt Manfred. „Mir wäre die Sitzposition auf Dauer zu anstrengend.“ Was die Verarbeitung angeht, sind sich beide einig: Fürs gleiche Geld bekommt man bei Ducati mehr. Mehr Technik, mehr Power, wertigere Verarbeitung und pfiffigere Detaillösungen.

Ein seitlicher Kennzeichenhalter kann die Optik der Diavel zusätzlich aufwerten, indem er den Blick auf den Hinterreifen freigibt. Es gibt verschiedene Modelle auf dem Markt, darunter auch den Ducati Performance Racing-Kennzeichenhalter, der aus dem Vollen gearbeitet und mit LED-Beleuchtung ausgestattet ist.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Statistik sind unter den 25 wertstabilsten Motorrädern 24 Harleys.Kommen wir zur Kernfrage: Für immer tauschen? Frank grinst: „Ich könnte mir die Diavel gut als Zweitmotorrad vorstellen. Auf meine Harley will ich jedoch nicht verzichten.“ Manfred ist da schon rigoroser: „Nein. Die Breakout ist mir zu schwer, zu behäbig und zu lahm. Falls Geld übrig ist, kaufe ich lieber noch eine Ducati dazu.“

Vergleich Ducati Diavel und Harley-Davidson Breakout

Merkmal Ducati Diavel Harley-Davidson Breakout
Motor V2 V2
Leistung (gemessen) 153 PS 69 PS
Gewicht ca. 238 kg 324 kg
Radstand 1590 mm 1710 mm
Testverbrauch 7,1 l/100 km 6,4 l/100 km
Bremsen Sehr gut Ausreichend

Die Wahl des richtigen Kennzeichenhalters ist Geschmackssache. Wer Wert auf eine sportliche Optik und freie Sicht auf den Hinterreifen legt, ist mit einem seitlichen Kennzeichenhalter gut beraten.

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