Die Entscheidung ist gefallen: Ein Roller soll einziehen! Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob ein Motorroller oder doch eher ein Elektroroller die geeignetere Anschaffung wäre. Beide Modelle bieten ihre Vor- und Nachteile, sodass sich nicht pauschal sagen lässt, welches Fortbewegungsmittel das Bessere ist. Um Sie in Ihrer Entscheidung unterstützen zu können, finden Sie in diesem Artikel eine direkte Gegenüberstellung von den Vor- und Nachteilen der Motor- und Elektroroller.
Motorroller im Überblick
Beschäftigen Sie sich erst einmal intensiver mit den Motorrollern, so können Sie im Zuge dessen vielleicht den 50cc-Roller entdecken, der zu Ihnen passt. Den Motorroller gibt es in verschiedenen Ausführungen, bspw. mit einem Hubraum von 50 ccm oder 125 ccm. 50cc-Roller sind besonders für Anfänger und Wiedereinsteiger geeignet, da sie sich leichter lenken lassen als die 125cc-Varianten. Motorroller werden mit Benzin betrieben.
Zudem sind sie klein, wendig und sowohl für kurze als auch für lange Strecken gut geeignet. Um einen 50cc-Roller fahren zu können, benötigen Sie einen AM-Führerschein, für einen 125cc-Roller bereits einen Führerschein der Klasse A1. Alternativ können Sie einen 50cc-Roller auch fahren, wenn Sie bereits einen PKW-Führerschein besitzen. Mithilfe einer Fahrerlaubnis-Erweiterung dürfen Sie mit diesem Schein auch die 125cc-Roller fahren.
Elektroroller im Faktencheck
Im Vergleich zu Motorrollern werden die Elektroroller mithilfe von Batterien betrieben. Zudem ist diese Art von Rollern deutlich leiser unterwegs. Ein Führerschein der Klasse AM genügt bereits, um einen 50er E-Roller fahren zu dürfen. Auch die Elektroroller gibt es in verschiedenen Ausführungen. So gibt es bspw. Modelle, die eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h auf das Tacho bringen und andere Modelle, die 110 km/h leisten können. Für kurze Strecken innerorts reichen 45 km/h meistens vollkommen aus.
Haben Sie Bedenken, dass Ihnen ein 50er E-Roller nicht ausreicht, so benötigen Sie einen Führerschein der Klasse A1 oder eine Fahrerlaubnis-Erweiterung Ihres Klasse-B-Führerscheins, um schnellere Maschinen fahren zu dürfen.
Direkter Vergleich: Motorroller vs. Elektroroller
Auf den ersten Blick liegt der Elektroroller im direkten Vergleich ganz klar vorne. Elektroroller sind leiser, umweltschonender und insgesamt komfortabler. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass auch die Motorroller an gewissen Stellen punkten können. So bieten Motorroller bspw. den großen Vorteil, dass Sie lange Strecken zurücklegen können, ohne die Angst mit sich herumtragen müssen, dass Ihnen unterwegs der Sprit ausgehen könnte. Motorroller lassen sich ganz einfach an der Tankstelle betanken. Hier zeigt sich der Vorteil gegenüber dem E-Roller deutlich.
Die Batterie des 50er Elektrorollers reicht meist für ca. 40 km. Möchten Sie weitere Strecken zurücklegen, so benötigen Sie mehrere Batteriepacks oder müssen hoffen, dass Sie unterwegs einen geeigneten Platz finden, um den Akku wieder aufladen zu können - was natürlich auch seine Zeit braucht. Stellt man die beiden Zweitakter hinsichtlich ihrer Anschaffungskosten gegenüber, so sticht auch in diesem Fall der klassische Motorroller ganz klar als Sieger hervor. Betrachten wir die beiden Gefährte allerdings in Bezug auf die Unterhaltungskosten, so ist der Preisvorteil des Motorrollers bereits nach zwei bis drei Jahren relativiert - denn der E-Roller ist auf lange Sicht deutlich günstiger im Unterhalt.
E-Scooter als Leihfahrzeug: Umweltaspekte
Elektrische Tretroller, wie sie aktuell vor allem in Innenstädten zum Verleih angeboten werden, sind zurzeit kein Umweltgewinn: Erste Studien zeigen, dass sie oft den umweltfreundlicheren Fuß- und Radverkehr ersetzen. Zudem ist die Lebensdauer der Leih-Roller offenbar eher gering.
E-Scooter sind seit Juni 2019 in Deutschland für den Straßenverkehr zugelassen und inzwischen vor allem in vielen Stadtzentren als Leihfahrzeuge verschiedener Anbieter anzutreffen. Als Leihfahrzeug in Innenstädten, wo ÖPNV-Netze gut ausgebaut sind und kurze Wege zu Fuß und mit Fahrrad zurückgelegt werden, bringen die Roller eher Nachteile für die Umwelt mit sich. Sie laufen Gefahr als zusätzliche Mobilitätsform bestehende Infrastruktur für das Zufußgehen und Fahrradfahren unattraktiver zu machen.
Zwar sind E-Scooter in der Ökobilanz deutlich besser als das Auto. Gegenüber dem Fahrrad, mit dem sich Strecken ebenso schnell bewältigen lassen und Gepäck besser transportiert werden kann, sind E-Scooter aber die umweltschädlichere Variante und daher keine gute Alternative.
Nutzung und Verlagerungseffekte
Es liegen inzwischen auch aus Deutschland Studien dazu vor, für welche Wege E-Scooter derzeit genutzt werden und ob sie Pkw oder Motorräder ersetzen. Für Berlin und Dresden ergaben Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV: 7/2021), dass nur 5,5 % der E-Scooter-Fahrten eine Fahrt mit dem eigenen Auto oder mit privaten Fahrdienstanbietern ersetzen. Knapp 30 % der Befragten gaben an, sie hätten die Fahrt ohne einen E-Scooter nicht unternommen.
Fahrten, die auch ohne E-Scooter zurückgelegt worden wären, wären sonst zu Fuß (53 %), mit dem ÖPNV (27 %) oder dem (Leih-)Fahrrad (3%) erfolgt. Laut Difu (2022) ist dies momentan nur bei circa einem Viertel der Fahrten mit Leih-E-Scootern der Fall. Wenn der E-Scooter dazu führt, dass Menschen stärker den Umweltverbund aus öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV), Fuß- und Radverkehr nutzen und ein eigenes Auto damit überflüssig wird, kann das ein kleiner Beitrag zur Verkehrswende sein.
Laut einer Umfrage der Verkehrsbehörde San Franciscos aus dem Jahr 2019 ersetzten knapp 42 % der E-Scooter-Fahrten Wege mit eigenen Pkw (5 %) oder privaten Fahrdienstanbietern (36 %).
Die durchschnittliche Länge der mit Leih-E-Scootern zurückgelegten Wege liegen verschiedenen Erhebungen zufolge mit 2 km im Bereich von Strecken, die üblicherweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden (z. B. in Portland 2020). Eine Forsa-Online-Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) kommt zu dem Schluss, dass E-Scooter vor allem zu Freizeitzwecken (62 %, bzw. 88 % laut UDV) genutzt werden.
Herstellung und Rohstoffe
Der Akku ist das für die Umweltbewertung eines E-Scooters wichtigste Bauteil. Größtenteils handelt es sich bei den Akkus in E-Scootern um Lithium-Ionen-Akkus. Vor allem aufgrund ihrer hohen Energiedichte werden diese beispielsweise auch für den Antrieb von E-Bikes, Pedelecs oder Elektro-Pkw genutzt. Akkus dieser Art können Kobalt, Nickel, Kupfer, Aluminium und andere Rohstoffe enthalten, deren Abbau häufig mit Belastungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt einhergeht.
Aufgrund der hohen Umweltrelevanz der Akkuherstellung ist die Lebensdauer des Akkus für die Klima- und Umweltwirkungen des E-Scooters ein entscheidender Parameter: Eine lange Lebensdauer des E-Scooters und seines Akkus verringert die Umweltauswirkungen pro gefahrenem Kilometer. Am Ende der Lebensdauer müssen alle Akkus dem Recycling zugeführt werden - beispielsweise über Sammelstellen.
Emissionen bei der Herstellung
Für die Herstellung des E-Scooters und des Akkus müssen jedoch auch die dabei entstehenden Emissionen in die Gesamtrechnung einbezogen werden. Für E-Scooter-Akkus liegen für Deutschland dazu noch keine spezifischen Berechnungen vor. Zahlen für Pedelec-Akkus können aber einen ersten Ansatz liefern (vgl. aktualisierte Berechnung aus Broschüre „E-Rad macht mobil“): Bei der Herstellung eines durchschnittlichen Pedelec-Akkus entstehen ca. 27,5-37,5 kg CO2-Emissionen.
Es ist offen, wie viele Pkw-Kilometer weiterhin durch die Aktivitäten der sogenannten „Juicer“ in Deutschland entstehen, die die E-Scooter meist nachts mit Pkw oder Kleintransportern zum Aufladen zu Ladepunkten oder für Reparaturen transportieren. Nur wenn E-Scooter nicht mehr zusätzliche Wege mit Benziner- oder Diesel-betriebenen Fahrzeugen generieren, als sie bei ihrer Nutzung einsparen, können sie überhaupt als umweltfreundlich bezeichnet werden.
Lebensdauer und Haltbarkeit
Bisher liegen dem UBA keine gesicherten Erkenntnisse zur Haltbarkeit und Lebens- bzw. Nutzungsdauer von E-Scootern vor. Da die größten Umweltbelastungen von E-Scootern durch deren Produktion, insbesondere der Produktion der zumeist enthaltenen lithiumhaltigen Akkus, verursacht werden, ist die Lebensdauer der Roller ein wichtiger Aspekt zur Gesamtbewertung ihrer Umweltfreundlichkeit.
Die E-Scooter-Verleiher geben an, dass die Roller inzwischen mit etwa zwei bis hin zu drei Jahren deutlich länger genutzt werden als vor einigen Jahren. Diese Zahlen werden bislang nicht durch unabhängige Erhebungen gestützt. Günstig ist, wenn die Fahrzeuge so lange wie möglich benutzt werden können. Entscheidend dafür sind eine gute Qualität, Robustheit, Reparaturfähigkeit und ein herausnehmbarer und damit austauschbarer Akku.
Verlängerung der Akkulaufzeit
Die Lebensdauer des Akkus (und somit auch des E-Scooters) kann von den Nutzenden als auch den Besitzern bzw. Verleihern der E-Scooter bereits durch einfache Maßnahmen bedeutend verlängert werden. Zum Beispiel:
- Temperatur: Vermeiden Sie - sofern möglich - das Abstellen oder das Lagern des E-Scooters überall dort, wo außerordentlich hohe (über 50 °C) und niedrige Umgebungstemperaturen (insbesondere unter -20 °C) zu erwarten sind.
- Ladeverhalten: Vollständige Aufladungen und Tiefentladungen sind mit Blick auf eine lange Lebensdauer möglichst zu vermeiden.
- Lagerungsbedingungen: Während einer „Überwinterung“ des Akkus sollte dieser bei Zimmertemperatur gelagert und spätestens nach sechs Monaten wieder geladen werden. Optimal ist ein Ladezustand von 40 bis 50 % während der Lagerung.
- Umgangsbedingungen: Vermeiden Sie Beschädigungen des Akkus, beispielsweise durch Stöße oder unsachgemäßes Abstellen bzw. „hinschmeißen“ des E-Scooters.
Gesetzliche Bestimmungen
E-Scooter ohne Sitz fallen als Elektrogeräte grundsätzlich in den Anwendungsbereich des „Gesetzes über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten“ (ElektroG), welches Hersteller schon vor dem Inverkehrbringen der E-Scooter dazu verpflichtet, sich bei der Stiftung Elektro-Altgeräte-Register zu registrieren. Dadurch wird u. a. die Finanzierung der späteren Entsorgung der Elektroaltgeräte sichergestellt.
Abstellen und Parken
Schon jetzt müssen die E-Scooter wie alle Verkehrsmittel so abgestellt werden, dass sie möglichst wenig behindern. „Es ist platzsparend zu parken; das gilt in der Regel auch für das Halten“, heißt es in der Straßenverkehrsordnung. Künftig wird hier auch noch einmal klargestellt: „Für das Abstellen von Elektrokleinstfahrzeugen gelten die für Fahrräder geltenden Parkvorschriften entsprechend.“
Sicherheit
Die Roller müssen alle verkehrsgerecht ausgestattet sein. Es wird dringend empfohlen, einen Helm zu tragen, um Kopfverletzungen zu vermeiden. Denn was für Fußgänger meist ungefährlich ist, kann E-Scooter-Fahrern in einer brenzligen Situation zum Verhängnis werden: Kopfsteinpflaster, Gehsteigkanten, Bahnschienen und Nässe können zu Stürzen und Unfällen führen. Wichtig ist es, bei Dämmerung und Dunkelheit darauf zu achten, dass man gut gesehen wird.
Eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) ergab, dass die Verkehrsregeln für E-Tretroller den Fahrenden oft nicht bekannt sind und häufig nicht eingehalten werden. Der DVR kooperiert daher mit großen Anbietern.
Unfallzahlen
Demnach sind letztes Jahr in Deutschland fast 2300 Menschen in Verbindung mit den Tretroller-Unfällen verletzt und 5 getötet worden. Rund drei Viertel der Unfälle hatten die Rollernutzer:innen verursacht. Hauptgründe: Alkoholkonsum, vorschriftswidriges Befahren von Gehwegen und Fahrbahn oder zu hohe Geschwindigkeit.
Vorteile von Elektrorollern
Der Trend zur Elektromobilität nimmt immer mehr an Fahrt auf. Aus gutem Grund, bietet ein Elektroroller viele Vorteile:
- Niedrige Spritkosten: Eine Tankfüllung für den Elektroroller kommt günstig aus der heimischen Steckdose.
- Geringe Instandhaltungskosten: Die Kosten für die Instandhaltung eines E Rollers sind ebenfalls sehr gering, aufgrund der wenigen Verschleißteile des Motors.
- Keine Abgase: Der Hauptaspekt, warum E Mobilität so voran getrieben wird, ist der positive Effekt auf unsere Umwelt.
- Lautlos und dynamisch: Mit Elektroroller gehört dies der Vergangenheit an! Sie schleichen geradezu lautlos über die Straßen. Zudem beschleunigen Elektroroller um einiges schneller, da sie drehzahlunabhängig funktionieren.
Nachteile von Elektrorollern
- Wenig Reichweite: Bisher ist es leider noch so, dass die Reichweite der Elektroakkus noch relativ gering ist. Je nach Modell und Art des Akkus sind 30-80 km drin.
- Lange Ladezeiten: Im Schnitt dauert ein Ladezyklus 6 bis 8 Stunden.
Worauf man beim Kauf achten sollte
- Reichweite
- Akku-Typ
- Ladezeit
- Preis
- Straßenzulassung und Versicherung
Tabellarische Zusammenfassung: Vor- und Nachteile von Motorrollern und Elektrorollern
| Aspekt | Motorroller | Elektroroller |
|---|---|---|
| Umweltfreundlichkeit | Weniger umweltfreundlich (Benzinbetrieb) | Umweltfreundlicher (keine direkten Emissionen) |
| Lautstärke | Lauter | Leiser |
| Reichweite | Größere Reichweite, leichtes Tanken | Begrenzte Reichweite, Aufladen erforderlich |
| Betriebskosten | Höhere Betriebskosten (Benzin) | Niedrigere Betriebskosten (Strom) |
| Wartung | Potenziell höhere Wartungskosten | Geringere Wartungskosten |
| Anschaffungskosten | Günstiger in der Anschaffung | Teurer in der Anschaffung |
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