Remco Evenepoel: Triumphfahrt zum Doppel-Olympiasieg in Paris

Remco Evenepoel hat sich in Paris mit einer historischen Triumphfahrt zum zweifachen Olympiasieger gekrönt. Das Radsport-Wunderkind löschte einen Rekord von Jan Ullrich und hat mit nur 24 Jahren schon fast alles erreicht.

Eine Woche nach seinem Triumph im Einzelzeitfahren siegte der Belgier auch im Straßenrennen. Das war noch niemandem gelungen. Als Bonus löste er den 2000 erfolgreichen Ullrich als jüngsten Olympiasieger ab.

Der Fokus lag allein auf Evenepoel, der im kommenden Jahr dem Vernehmen nach für das deutsche Team Red Bull fahren wird. «Einfach grandios», urteilte Maximilian Schachmann staunend.

Als Solist triumphierte der Tour-Dritte nach 278 Kilometern vor spektakulärer Kulisse und begeisterten Fanmassen. Ein solches Double hat es bei Olympia noch nie gegeben.

Am Eiffelturm fuhr Evenepoel mit einem 15-km-Solo zum Doppel-Olympiasieg.

Hier sind die Top 10 des Zeitfahrens bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris:

PlatzFahrer (Nation)Zeit
1Remco Evenepoel (Belgien)36:12
2Filippo Ganna (Italien)+0:14
3Wout van Aert (Belgien)+0:25
4Joshua Tarling (Großbritannien)+0:27
5Brandon McNulty (USA)+1:04
6Stefan Bissegger (Schweiz)+1:26
7Nelson Oliveira (Portugal)+1:30
8Stefan Küng (Schweiz)+1:35
9Maximilian Schachmann (Deutschland)+1:38
10Mikkel Bjerg (Dänemark)+1:43

Das Olympia-Straßenrennen der Männer in Paris 2024

Eine Woche nach dem Zeitfahren sind die Männer im Radsport am Samstag, den 03. August, zum olympischen Straßenrennen gestartet. Ab 11:00 Uhr ging es für das Peloton auf die rund 273 Kilometer lange Strecke, wobei 2800 Höhenmeter überwunden werden müssen.

Nach seinem Triumph im Zeitfahren hat sich dabei Remco Evenepoel als erster Fahrer der Geschichte zum Doppel-Olympiasieger auf der Straße gekürt - der souveräne Sieg geriet trotz eines späten Defekts nicht mehr in Gefahr.

Vor der Traumkulisse der Pariser Innenstadt machte der 24-jährige Ex-Weltmeister den größten Erfolg seiner Karriere perfekt. Evenepoel siegte nach einer taktischen und fahrerischen Meisterleistung als Solist.

Rund 15 km vor dem Ziel hatte Evenepoel Valentin Madouas als letzten Verfolger abgehängt. Dieser gewann Silber, Bronze sicherte sich in Abwesenheit des slowenischen Tour-Champions Tadej Pogacar in Christophe Laporte ein weiterer Franzose. Maximilian Schachmann belegte als bester Fahrer des deutschen Duos den 28. Platz.

Rennverlauf und Schlüsselszenen

  • Das Rennen mit nur 90 Startern - 37 davon waren im Juli bei der Tour de France im Einsatz - entwickelte nach dem Angriff des Kölners 60 km vor dem Ziel eine neue Dynamik.
  • Allzu weit kam Politt mit seiner Flucht aber nicht.
  • Der 30-Jährige verlor vor der zweiten Auffahrt zum gepflasterten Montmartre-Anstieg, an dem eine gewaltige Stimmung wie sonst nur bei Klassikern oder Tour-Bergankünften herrschte, den Anschluss an die restlichen Ausreißer.
  • Evenepoel gab auf dem kurvenreichen und technisch anspruchsvollen Rundkurs das Tempo vor.
  • Sein niederländischer Rivale, Weltmeister Mathieu van der Poel, war in der Verfolgung auf sich gestellt.
  • Von seinem belgischen Begleiter Wout van Aert konnte er keine Hilfe erwarten.

Selbst ein Defekt etwas mehr als drei Kilometer vor dem Ziel, ausgerechnet am weltberühmten Louvre, stoppte Evenepoel nicht. Über eine Minute hatte er nach 273 Kilometern und dem längsten Rennen der Olympia-Geschichte auf die anderen Medaillengewinner Valentin Madouas und Christophe Laporte aus Frankreich Vorsprung.

Politt läutete mit einer Attacke rund 60 Kilometer vor dem Ziel das spektakuläre Finale ein und setzte sich mit fünf anderen ab. Doch nach einem brachialen Antritt von Weltmeister Mathieu van der Poel bei der erstmaligen Überquerung des Monmartre-Anstiegs zur Sacré-Cœur schlossen die Spitzenfahrer auf - und Politt verließen gut 30 Kilometer vor dem Ziel die Kräfte.

Lediglich 90 Fahrer machten sich am Morgen am Eiffelturm auf den Weg in den Südwesten von Paris. Deutschland war mit nur zwei Profis vertreten, die Top-Nationen wie Belgien mit vier Fahrern. Die geringe Teamgröße erschwerte es, das Rennen zu kontrollieren - und so bot sich Außenseitern die Chance, sich zu zeigen. Fahrer aus Ruanda, Uganda, Thailand, Marokko und Mauritius setzten sich noch in Paris ab, fuhren maximal 15 Minuten Vorsprung heraus.

Die Strecke - eine Mischung aus den hügeligen WM-Kursen von Löwen und Glasgow - hatte zwar nur 2800 Höhenmeter, doch hielten sich die flachen Abschnitte außerhalb der französischen Hauptstadt in Grenzen. Die meisten Fahrer kannten die Straßen und insgesamt 13 Anstiege aus dem Frühjahr von der Fernfahrt Paris-Nizza, die in der Region gestartet wird.

Unter dem Tempodiktat der Teams aus Dänemark, Belgien und der Niederlande wurden die Ausreißer bereits 72 Kilometer vor dem Ziel eingeholt und die entscheidende Rennphase wurde vor der Rückkehr nach Paris eingeleitet. Auf den Schlussrunden mit der dreimaligen Überquerung des 6,5 Prozent steilen Montmartre-Anstiegs ging es dann allerdings richtig zur Sache.

Bei angenehmen 25 Grad und ohne den Regen, der zuletzt die Zeitfahren zu Rutschpartien gemacht hatte, rollten die Fahrer am Vormittag in Paris los. Viele Fans begleiteten sie entlang des Eiffelturms und durch die abwechslungsreiche Architektur der Stadt aus dieser heraus. Eric Manizabayo (Ruanda), Charles Kagimu (Uganda), Christopher Rougier-Lagane (Mauritius), Achraf Ed Doghmy (Marokko) und der Thailänder Thanakhan Chaiyasombat nahmen sich ein Herz, wollten die noch rund 270 Kilometer lieber von vorne als zusammen mit den anderen 85 Fahrern absolvieren.

Nach rund 25 absolvierten Kilometern und 45 gefahrenen Minuten hielten der Belgier Remco Evenepoel und der Niederländer Mathieu van der Poel im Hauptfeld einen Plausch, statt die Verfolgung aufzunehmen. Auf sie - gemeinsam mit Wout van Aert die großen Favoriten des Rennens - sollte es erst später ankommen. Schließlich bot die mit insgesamt 273 Kilometer längste olympische Strecke aller Zeiten genügend Zeit zum auf- und einholen.

Anders als bei den großen Rundfahrten wie der Tour de France, war das Hauptfeld nicht nur kleiner, sondern auch bunter als sonst. Maximal vier Fahrer hatte jede Nation, je nach Platzierung in der Weltrangliste, im Rennen. Im Fokus standen dann aber erst einmal der Ire Ryan Mullen und der Italiener Elia Viviani: Als erste von den in Europa bekannteren Fahrern nahmen sie als Teil einer kleinen Gruppe die Verfolgung der Ausreißer auf.

122 Kilometer vor dem Ziel holten sie sie ein, weitere 30 Kilometer später bildeten sie allein die Spitze. Nach über fünf Stunden auf dem Rad und gut 200 gefahrenen Kilometern wandelte sich das Bild - sowohl in Sachen Szenerie, aber auch sportlich. Statt grünen Wiesen, waldigen Landstraßen und historischen Chateus war die Kulisse nun wieder urban.

Auf eine halbe Minute hatte das Peloton den Rückstand auf Healey und Lutsenko verkürzt, als die Antritte und Attacken zunahmen. Eine der wirkungsvollsten setzte dabei Nils Politt: Der 30-jährige Kölner wurde Teil einer siebenköpfigen Gruppe, die vorbei am Louvre auf die letzten 50 Kilometer einbog. Tausende laute, oft euphorische Fans verfolgten begeistert und begeisternd, wie Matieu van der Poel als erster Top-Favorit attackierte, kurz darauf allerdings wieder eingeholt wurde. Anders als Remco Evenepoel.

Während Nils Politt aus der Verfolgergruppe fiel, erreichte der Belgier sie erst und führte sie dann an den nun eingeholten Iren Healey heran. Knapp 30 Kilometer vor dem Ziel raste Evenepoel gefolgt vom umjubelten Franzose Valentin Madouas auf Kopfsteinpflaster den Berg hinauf. Mit knapp 40 Sekunden Abstand machten sich van der Poel und Wout van Aert aus dem Peloton heraus auf die Jagd. Einziges Problem: Ihre Bemühungen kamen zu spät.

Nahezu exakt 15 Kilometer vor dem Ende, am Ansatz des letzten Anstiegs zum Montmartre schüttelte Evenepoel den tapfer kämpfenden Madous ab. Es war das Ende einer beeindruckenden Übernahme des Rennens und der Start einer Solofahrt ins Ziel - auf der sich Evenepoel selbst von einem Defekt nicht aufhalten ließ. Auf einem neuen Rad fuhr Evenepoel die Seine entlang auf den Eiffelturm zu - und riss nach 6:19:34 Stunden auf dem Rad an dessen Fuße die Arme hoch.

Silber und Bronze sicherten sich die französischen Lokalmatadoren Valentin Madouas und Chritophe Laporte. Der deutsche Maximilian Schachmann beendete das Rennen auf Platz 28 (6:22:23), Nils Politt rollte als 70. ins Ziel.

Schachmanns Leistung beim Einzelzeitfahren

Für Deutschland war Maximilian Schachmann der einzige Rennfahrer, der beim Einzelzeitfahren an den Start ging - und der Berliner rechtfertigte seine Nominierung. Er ging das Rennen taktisch clever an und teilte sich seine Kräfte gut ein. Während bei den Zwischenzeiten Zeitfahrspezialisten wie Mathias Vacek oder Mikkel Bjerg noch vor ihm lagen, hatte er am Ende noch die nötige Power um deren Zeit zu unterbieten. Am Ende reichte es für einen tollen neunten Platz, mit dem Schachmann zufrieden sein dürfte - er ist in der Weltspitze voll dabei.

Schachmann selbst sagte, er habe "nicht die besten Beine" gehabt, "aber es war nicht schlecht. Klar wären wir gern mit besseren Ergebnissen nach Hause gegangen, aber für mich persönlich merke ich, dass es wieder bergauf geht." Der Berliner störte sich am Mangel an Verpflegungspunkten. "Sie hätten mehr davon erlauben können, wenn sie im Sommer so ein langes Rennen machen. Das fand ich nicht gut."

Historischer Kontext und Ausblick

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wartet seit 24 Jahren auf eine Medaille im Straßenrennen. 2000 in Sydney war Jan Ullrich als bislang letzter Deutscher Olympiasieger in dieser Disziplin geworden. Andreas Klöden sicherte sich damals Bronze. 1988 hatte Olaf Ludwig für die DDR triumphiert.

Das deutsche Duo Schachmann und Nils Politt war in Unterzahl und so mit einem taktischen Nachteil ins Rennen gegangen. Starke Nationen wie Dänemark, Frankreich oder Belgien waren mit vier Fahrern vertreten und konnten das Rennen diktieren. "Wir müssen uns den Gegebenheiten anpassen", hatte Schachmann vorab gesagt.

Die größten Hoffnungen des BDR liegen ohnehin auf der Bahn. Von den Sprinterinnen Emma Hinze, Lea Sophie Friedrich und Pauline Grabosch wird mindestens eine Medaille erwartet.

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