Tempo Dreirad: Technische Daten und Geschichte

Die Geschichte des Hamburger Autoherstellers Tempo-Werk beginnt im Jahr 1928. In diesem Jahr wurde die Firma Vidal & Sohn OHG in Hamburg gegründet und erreichte mit Ihrer Marke "TEMPO" große Erfolge. Auf der Suche nach einer zukunftsträchtigeren Branche werden Max Vidal und sein Sohn Oscar im wachsenden Markt der Dreirad-Lieferwagen fündig.

So wird 1928 der Autobauer Vidal & Sohn gegründet - später wird der Zusatz Tempo-Werk ergänzt. In der Anfangszeit "rumpelt" die Herstellung bei den Vidals noch, die ersten Fahrzeuge haben mitunter gravierende Mängel. Als aber der gewiefte und erfahrene Konstrukteur Otto Daus 1929 dazustößt, nimmt das junge Unternehmen richtig Fahrt auf.

Die Firma ist zunächst einige Jahre in der damals noch eigenständigen Stadt Wandsbek ansässig. Dort bestehen allerdings keine Erweiterungsmöglichkeiten. Daher ziehen die Autopioniere 1935 nach Harburg-Wilhelmsburg, das 1937 in den Staat Hamburg eingegliedert wird, auf ein größeres Gelände. Dort gibt es bereits eine Fabrik namens Galalith, die ihren Betrieb - unter anderem die Produktion von Kämmen aus Kunstharz - allerdings aufgegeben hat. Tempo kann das leerstehende Werk laut Kai-Uwe Wahl günstig übernehmen.

Insgesamt wurden bis 1955 mehr als 100.000 dreirädrige „Tempo“-Fahrzeuge gebaut. Bereits 1938 wurden die ersten Tempo A400 Dreiräder verkauft. Schon 1938 wurden die ersten Tempo A400 Dreiräder verkauft. Ab dem Tempo D200 und D400 (1935 - 1936) basierte die Typenbezeichnung nicht mehr wie bisher auf der PS-Zahl, sondern auf dem Hubraum.

Tempo A 400: Technische Details und Werdegang

Unser Objekt ist ein TEMPO Pritschenwagen, Typ A 400 mit der Fahrgestell Nr. 479819, aus dem Jahr 1943. Insgesamt wurden vom TEMPO Typ "A 400" - 36.790 in Hamburg-Harburg gebaut. Die Nutzlast lag bei 710 kg, das Leergewicht bei 625 kg. Der Motor hatte 2 Zylinder, einen Hubraum von 396 ccm und Leistung von 12,5 PS. Angetrieben wurde das 3 Rad von einem ILO Zweitakt-Motor der Firma ILO Werke, H. Christiansen, aus Pinneberg bei Hamburg. Der Motor wurde mit Wasser gekühlt und verlieh dem Vehikel eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

Wo der Lieferwagen ab 1943 und der Nachkriegszeit seinen Dienst getan hat, konnten wir nicht mehr herausfinden. Fest steht aber, dass er am 24.10.1957 in der DDR, Neukrch/Lausitz, mit neuem DDR-Kraftfahrzeugbrief, zugelassen wurde. Im KFZ Brief sind vier Vorbesitzer eingetragen, bevor unser Museum die Möglichkeit hatte, den Oldtimer zu erwerben.

Am 24.10.1957, wurde er, mit einem neu ausgestellten DDR Kraftfahrzeugbrief, auf den Fleischer Martin Hille, in Neukirch/Sachsen zugelassen. Drei Jahre später, am 08.06.1960 - wurde der „TEMPO“ an den Dachdeckermeister, Martin Zipser, ebenfalls aus Neukirch verkauft. Der Verkauf konnte nicht direkt erfolgen, da nur das Staatliche Vermittlungskontor, Dresden A1, Hamburgerstr. 29 zu einem Ankauf berechtigt war. Diese Vorgehensweise ist zwingend und auf Seite 11 im KFZ Brief gesondert festgehalten.

Lt. Eintragung im KFZ Brief wechselte das Auto zum 01.08.1967 erneut den Besitzer. Diesmal war es der Traktorist, Kurt Lehmann, aus Putzkau/Sachsen, der den Lieferwaren erworben hat. Erst 17 Jahre später, am 24.08.1984 erfolgte eine erneute Zulassung. Diesmal lautet der Eintrag auf Dieter Lehmann, aus Hoyerswerda, Ob der Nachname bzw. die räumliche Enge zum Vorbesitzer zufällig ist, sei dahin gestellt. Sicher ist, dass in den 17 Jahren der Stilllegung das Fahrzeug technisch überholt, restauriert und neu lackiert wurde. Lt. Eintrag im KFZ Brief war die ursprüngliche Farbe Grau.

Der letzte Eintrag im Brief ist die endgültige Stilllegung zum 23.12. 1992, also ca. Für unser Museum ergab sich Im Jahr 2021 die Möglichkeit das Auto, von Jörg-Gerold Domsgen, aus Lauta, zu erwerben. Der Ankauf erfolgte am 22. Feruar 2021. Verzicht auf alle Rechte.

Die Blütezeit und das Ende der Tempo-Werke

Der dreirädrige Hanseat ist in der Nachkriegszeit besonders gefragt. Nachdem die Briten die Produktionsgenehmigung erteilen, stellt Vidal & Sohn bereits 1945 wieder Fahrzeuge her. In die Erfolgsspur fahren die Hamburger aber erst nach der Währungsreform 1948 und dank eines europäischen Hilfsprogramms, das dafür sorgt, dass Rohstoffe wieder in die Hansestadt geliefert werden. 1950 ist der Hanseat der meistverkaufte Lieferwagen in Deutschland.

Neben dem Hanseat (als Weiterentwicklung der Vorkriegsdreiräder A200 und des A400) kommt auch der vierrädrige Matador mit seinen "Kulleraugen" bei der Kundschaft gut an. So haben namhafte Firmen wie Reifenhersteller Phoenix oder Senf-Produzent Kühne Tempo-Wagen in ihren Fuhrparks. Beliebt sind die Autos auch bei Kleinbetrieben oder "fliegenden Händlern" als mobiler Verkaufsstand.

Es gibt Krankenfahrzeuge, Abschlepp-, Straßenreinigungs- und Tankwagen sowie Busse von Tempo - alle basierend auf den Grundplattformen. Familien freuen sich über Autos mit Camping-Ausstattung. Auch der Export boomt. Insgesamt 48 Länder stehen als Auftraggeber in den Bestelllisten.

Doch die Konkurrenz schlägt zurück. Bereits 1952 muss sich Tempo nach einem anderen Motorenhersteller für den Matador umsehen. Bis dahin liefert VW das Herzstück der Autos, will den Erfolg der Hamburger aber nicht weiter unterstützen. Das neue Modell Wiking bringt noch mal etwas Schwung für Tempo, doch die Zeiten für das Privatunternehmen werden härter.

Während die großen wiedererstarkenden Automobilkonzerne wie VW, Opel, Daimler und Ford riesige Summen investieren, geht die Entwicklung in Harburg nur behutsam voran. Um das Unternehmen mit einem Partner abzusichern, verkauft Oscar Vidal am 1. Februar 1955 50 Prozent an die Hannoversche Maschinenbau AG (Hanomag). Dies geschieht wohl auch, weil die Zeit des einst erfolgreichen Hanseat abgelaufen ist. Drei Räder sind nicht mehr gefragt.

Die Zusammenarbeit mit Hanomag funktioniert anfangs gut, dann geraten die Hannoveraner selbst in Schwierigkeiten. 1958 übernimmt die Rheinische Stahlwerke AG aus Essen die Aktienmehrheit von Hanomag. Ein Jahr später gehen Tempo und Hanomag an den Rheinstahl-Konzern. 1965 gibt Oscar Vidal seine letzten Geschäftsanteile an Rheinstahl ab.

Innerhalb des Essener Konzerns kommt Tempo zu Hanomag. Der Tempo-Lieferwagen wird als "Harburger Transporter" weiterentwickelt. Ab 1966 hat auch der Tempo Matador das Rheinstahl-Hanomag-Emblem auf der Front. Das Tempo-Werk in Harburg wird 1969 Teil der neuen Hanomag-Henschel Fahrzeugwerke GmbH, die wiederum 1971 von der Daimler-Benz AG übernommen wird.

Bis 1977/1978 baut Mercedes die "Harburger Transporter" in Hamburg. Die einstige Harburger Handarbeit ist längst Hightech gewichen. Das Daimler-Werk ist heute ein moderner Standort unter anderem für Antriebskomponenten der Elektromobilität. Roboter arbeiten hochpräzise und stellen diese Teile her. Hinzu kommen die traditionellen Produktfelder, die von Achsen und Achskomponenten über Lenksäulen und Leichtbaustrukturteile bis hin zu Komponenten der Abgastechnologie reichen.

Das Erbe von Tempo

Auch wenn die Marke Tempo in Deutschland nicht mehr benutzt wird, lebt sie noch weiter: Das Unternehmen Bajaj-Tempo in Indien stellt von 1962 bis 2000 die Dreirad-Lieferwagen von Tempo in Lizenz her. Der Wagen aus dem Jahr 1989 läuft technisch einwandfrei (Spitzengeschwindigkeit 50 km/h) und hat natürlich TÜV.

"Das Besondere an Tempo ist für mich die Tatsache, dass die Fahrzeuge aus Hamburg kommen und doch recht selten sind", erläutert Kai-Uwe Wahl sein Interesse für die Oldtimer. Ziel des Clubs ist es auch, die Erinnerung wachzuhalten. Besonders der Hanseat ist sehr gefragt. Die Autos gelten darüber hinaus als "unkaputtbar" und werden rückblickend als Motor des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet.

Technische Daten im Überblick

Hier eine Übersicht der technischen Daten des Tempo A 400:

Merkmal Wert
Baujahr 1943
Produktionsort Hamburg-Harburg
Nutzlast 710 kg
Leergewicht 625 kg
Motor ILO Zweitakt-Motor
Zylinder 2
Hubraum 396 ccm
Leistung 12,5 PS
Kühlung Wassergekühlt
Höchstgeschwindigkeit 50 km/h

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