Die Welt der Oldtimer-Motorräder ist faszinierend und vielfältig. Besonders die Vorkriegsmodelle üben eine besondere Anziehungskraft aus. Doch was genau macht ein Vorkriegs-Oldtimer-Motorrad aus? Dieser Artikel bietet eine umfassende Definition und Betrachtung dieser besonderen Fahrzeuge.
Was ist ein Vorkriegs-Oldtimer-Motorrad?
Ein historisches Motorrad ist dann ein Oldtimer, wenn es weitgehend in historisch korrektem Zustand erhalten ist und vom Fahrzeughalter aus historischem und technischem Interesse gepflegt und unterhalten, jedoch nicht zum täglichen Gebrauch eingesetzt wird. Schwab: "Es versteht sich von selbst, dass es sich um ein Kraftrad handeln muss, das wirklich so die Werkhallen verlassen hat und nicht etwa kürzlich aus einem in einer Scheune gefundenen Rahmen, aus einer anderen Quelle stammenden Motor und diversen auf Tauschmärkten erworbenen Einzelteilen zusammengebaut worden ist."
Die Klassifikation der FIVA bietet eine klare und aussagekräftige Definition:
- Klasse A: bis 31.12.1904 (Ancestor)
- Klasse B: bis 31.12.1918 (Veteran)
- Klasse C: bis 31.12.1930 (Vintage)
- Klasse D: bis 31.12.1945 (Post Vintage)
Somit fallen alle Motorräder, die vor dem 31. Dezember 1945 gebaut wurden, in die Kategorie der Vorkriegs-Oldtimer.
Technische Aspekte und Anforderungen
Bei der Begutachtung eines Oldtimer-Motorrads werden verschiedene Aspekte auf Originalität und Zustand geprüft. Die Dekra-Tipps helfen dabei:
Anforderungen an Oldtimer-Motorräder
- Rahmen: Die originale Fahrgestellnummer muss eingeschlagen sein.
- Lackierung: Der Lack muss sich in einem ordentlichen Zustand befinden, darf aber Gebrauchsspuren aufweisen.
- Motor: Es können ausschließlich Motoren aus der Baureihe des jeweiligen Fahrzeugtyps anerkannt werden.
- Bremsen: Der Umbau von Trommel- auf Scheibenbremsen ist nur dann zulässig, wenn in der Baureihe des Fahrzeugs später eine solche Ausrüstung serienmäßig war.
- Auspuffanlage: Nur originale Auspuffanlagen oder originalgetreue Nachbauten (auch in Edelstahl) können akzeptiert werden.
- Reifen/Räder: Es kann auch nur die für das Kraftrad zulässige Bereifung verwendet werden.
- Lenker: Von der Originalausführung abweichende Lenker sind nur zulässig, wenn diese vor mehr als 20 Jahren ausgewechselt oder vom Hersteller angeboten wurden oder mit Genehmigung (z.B. ABE) zulässig waren.
- Beleuchtung/Zubehör: Auch hier wird weitgehende Originalität verlangt.
- Tank: Der Originaltank muss installiert sein.
- Sitzbank oder Sitz: Originalsitz oder Originalsitzbank sind gefordert (auch als originalgetreuer Nachbau).
- Amtliches Kennzeichen: Soweit vorgeschrieben, gilt die StVZO mit Anlage Vc.
Bekannte Vorkriegs-Motorräder
Einige der bekanntesten Vorkriegs-Motorräder sind:
- BMW R 32 (1923): Das erste BMW-Motorrad.
- BMW R 5 (1936-1937): Ein beliebtes Modell seiner Zeit.
- BMW R 17: Das schnellste deutsche Motorrad der Vorkriegszeit.
- BMW R 51: Der Nachfolger der BMW R 5.
- BMW RS 500 Kompressor Typ 255: Ein Rennmotorrad für Privatfahrer.
Die BMW R 17 war das schnellste deutsche Motorrad der Vorkriegszeit. Mit seinem ungefedertem Hinterrad war dieses Straßensportmodell wirklich schnell, aber nur von versierten Fahrern zu beherrschen.
Das erste BMW-Motorrad, die BMW R 32 des Baujahres 1923 im PS. BMW wurde bekanntlich am 7.
Vorkriegs-Motorräder als Wertanlage
Alte Autos sind wie klassische Motorräder eine gute Möglichkeit, Geld sicher anzulegen. Klaus Limbächer ist sogar überzeugt, dass bei Fahrzeugen, die heute schon einen Sammler- und Begehrlichkeitswert haben, die Preise definitiv steigen werden. Der Inhaber des Motorradhauses Limbächer & Limbächer Biker’s World in Filderstadt rät, "bei sehr teuren Fahrzeugen aus der Zeit um den Zweiten Weltkrieg auf eine nachvollziehbare Historie, am besten mit Originalpapieren zu achten".
Als Beispiel nennt er "englische Marken wie Vincent und Brough Superior oder auch die deutsche Firma Zündapp mit der KS 800". Gerade die Modelle von Brough Superior und Vincent stehen auch für Peter Mergelkuhl "ganz oben auf der Preisliste". Zudem nennt der Redakteur der Zeitschrift "Oldtimer Markt" mit Münch eine weitere deutsche Marke, die in den vergangenen Jahren enorm zugelegt habe - im Topzustand kosten Modelle mittlerweile sechsstellig.
Tatsächlich wurde Anfang 2018 in Las Vegas eine Vincent Black Lightning von 1951 zum Rekordpreis von 929.000 Dollar versteigert.
Laut Auktionator Ehlert haben Fahrzeuge, die auf den ersten Kick anspringen, immer einen höheren Wert als Fahrzeuge, die stehen. Es müsse ja nicht gleich eine Weltumrundung sein. Auch Limbächer empfiehlt, regelmäßig zu fahren und nicht nur alle, zwei drei Jahre mal eine Ausfahrt zu machen. So könne man Standschäden vorbeugen.
Die Herausforderungen beim Fahren mit Vorkriegs-Motorrädern
Das Fahren mit Vorkriegs-Motorrädern im heutigen Verkehr birgt einige Herausforderungen:
- Schwierige Bedienung: Unsychronisierte Getriebe, manuelle Zündzeitpunktverstellung.
- Unzureichende Kühlung: Thermosiphonkühlung kann in Staus zur Überhitzung führen.
- Bremsen: Oft unzuverlässige Bremsen mit langem Bremsweg.
- Verkehr: Rücksichtslose Autofahrer, die den Sicherheitsabstand unterschätzen.
Trotz dieser Herausforderungen ist das Fahren eines Vorkriegs-Motorrads ein einzigartiges Erlebnis, das die Geschichte und Technik dieser Fahrzeuge lebendig werden lässt.
Oldtimer-Kennzeichen und rote Kennzeichen
Motorräder und Roller, die vor 30 oder mehr Jahren erstmals in den Verkehr kamen, können ein sogenanntes Oldtimer-Kennzeichen bekommen. Voraussetzung dafür ist eine gültige Betriebserlaubnis oder eine Begutachtung nach Paragraph 21 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) und in jedem Fall ein Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen: Dieser muss prüfen, ob das Fahrzeug einem Oldtimer entspricht.
Die Besteuerung erfolgt wie beim "H"-Kennzeichen pauschal mit 46,02 Euro. Vorteilhaft ist die Möglichkeit, mehrere Fahrzeuge - natürlich immer nur jeweils eines - mit dem selben roten Kennzeichen betreiben zu können, allerdings nur zu Oldtimer-Treffen, Zu- und Abfahrten hierzu und Probefahrten.
NSU Quick: Ein Beispiel für ein Vorkriegsmodell
Die NSU Quick ist ein beliebtes Vorkriegsmodell. Bei der Unterscheidung zwischen Vor- und Nachkriegsmodellen ist die Abfrage der Rahmennummer bei Audi Tradition eine sichere Methode. Das Baujahr steht (zumindest bei Vorkriegsmaschinen?) auf dem Typenschild. Also hinfahren, Maschine anschauen, Rahmen-Nr. mit der auf dem Typenschild vergleichen, um zu prüfen, ob das Typenschild original ist, und dann aufs Typenschild geschaut.
Hinweis: Eine Auskunft bei der NSU Audi Tradition ist kostenpflichtig.
Fazit
Vorkriegs-Oldtimer-Motorräder sind faszinierende Zeitzeugen der Technikgeschichte. Sie stellen besondere Anforderungen an Fahrer und Restauratoren, bieten aber auch ein einzigartiges Fahrerlebnis und können eine lohnende Wertanlage sein. Die Kenntnis der technischen Aspekte, der historischen Bedeutung und der aktuellen Marktlage ist entscheidend für den erfolgreichen Umgang mit diesen besonderen Fahrzeugen.
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