Weicher Fahrradsattel Mountainbike Test: Den Richtigen Sattel Finden

Dieser Artikel erschien erstmals im Juli 2020 und wurde im Juni 2024 überarbeitet. Um den Fahrradsattel ranken sich Mythen wie um griechische Gottheiten: Ein weicher Sattel fährt sich komfortabler. Das Loch in der Mitte entlastet den Dammbereich. Legenden, die inzwischen allesamt widerlegt sind oder zumindest nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Die Wahrheit ist: Der passende Fahrradsattel ist so individuell wie der persönliche Fingerabdruck.

Wer lange und mit Vergnügen Mountainbike fahren will, muss auch den richtigen Mountainbike-Sattel haben. Im Gegensatz zu freizeitlichen Sätteln für normale Fahrräder sind solche für Mountainbikes härter und leichter. Insgesamt haben wir 24 MTB-Sattel ausgiebig getestet. Die Preisspanne reichte von 10 bis ca. 200 Euro.

Die Bedeutung des richtigen Sattels

Ob Schmerzen, gereizte Haut oder ein Taubheitsgefühl im Gesäßbereich - die Ursachen für Beschwerden beim Fahrradfahren können mit einem falschen Sattel oder der falschen Satteleinstellung zusammenhängen. Auf welche Faktoren du bei deinem Fahrradsattel achten solltest, erläutern wir in diesem Beitrag.

Faktoren, die zu Sitzproblemen führen können

  • Reibung und Bakterien: Zu starke Reibung und Bakterien, die sich in dem feuchten Milieu dank Schweiß und Wärme leicht vermehren können, führen zu Entzündungen der gereizten Hautpartien.
  • Falscher Sattel: Ein falscher Sattel kann durch eine falsche Belastung auch zu Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühle im Intim- und Sitzbereich führen.
  • Falsche Satteleinstellung: Ist der Sattel zu hoch, muss sich die Hüfte mehr von der einen zu der anderen Seite bewegen, um die fehlende Beinlänge auszugleichen.

Die Wahl des richtigen Sattels

Die Suche nach dem richtigen MTB-Sattel ist nicht einfach und bedarf etwas Zeit und tatsächlich auch Geduld. Eine reine Faustformel gibt es nicht, aber gewisse Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann.

Sitzknochenabstand bestimmen

Der erste Schritt ist sicherlich, den Sitzknochenabstand zu bestimmen. Im Fachgeschäft gibt es hierzu spezielle Matten, mit denen man den Abstand ermitteln kann, zu Hause ist das aber auch recht einfach machbar. Hierzu wird nur ein Stück Mess- oder Wellpappe benötigt sowie ein einfaches Lineal. Die Pappe wird auf einen glatten und harten Hocker gelegt und sich anschließend mit aufrechtem Rücken darauf gesetzt und mit leicht angezogenen Beinen.

Nachdem man vorsichtig aufgestanden ist, lassen sich auf der Pappe zwei kleine Abdrücke zu erkennen. Den ermittelten Sitzknochenabstand kann man jetzt je nach Disziplin mit dem ein oder anderen Zentimeter addieren. Beispielsweise kann man 0-1 cm bei CC-Bikes dazu addieren, 2 cm bei einem All-Mountain-Fully oder vielleicht sogar 3 cm bei einem reinrassigen Enduro-Bike.

MTB-Disziplin berücksichtigen

Ein weiterer Punkt ist die MTB-Disziplin beziehungsweise das Rad, für welches man den Sattel kaufen möchte. Je nach Disziplin sollte der Sattel schmäler oder breiter sein. Ein zu breiter MTB-Sattel führt zum Beispiel dazu, dass der Biker leicht nach vorne rutscht, wo gegengesteuert werden muss.

Sitzposition und Bike-Größe

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sitzposition und die richtige Größe des Bikes überhaupt. Wer komplett falsch auf einem zu kleinen oder zu großen Bike sitzt, wird nie einen Sattel finden, der einen schmerzfrei Radfahren lässt.

Härtegrad der Polsterung

Fakt ist: Je länger ein Fahrer im Sattel sitzt, desto härter darf der Sattel gepolstert sein. Schon nach 30 Minuten sinkt der Körper so tief in ein zu weiches Polster, dass sich der Druck auf die empfindlichen Weichteile und tiefer liegende Muskelschichten unangenehm erhöhen kann. Am Ende kann man sagen: Je sportlicher man fahren will, desto straffer sollte die Polsterung sein, damit bei langen Touren der Sattel ausreichend gut stützen kann.

Auf den ersten Blick mag es vielleicht besser sein, dass der Sattel möglichst weich und bequem ist, geht man dieser Frage aber genauer nach, dann hat ein sehr weicher und eventuell auch breiter Sattel beim Mountainbiken mehr Nachteile als Vorteile. Ist der Sattel straff gepolstert, dann stützt er den Biker über längere Zeit und die Polsterung wird nicht zusammengedrückt.

Sattelbreite und Anatomie

Je sportlicher Sie auf dem Mountainbike sitzen, desto schmaler darf übrigens der Sattel sein. Bei gestreckter Sitzposition verlagert sich der Druck zunehmend auf die schmaler zulaufenden Schambeinäste. Ist der Sattel dagegen zu breit, rutscht der Fahrer automatisch nach vorne und muss sich aktiv wieder zurück auf die Sitzfläche schieben.

Allerdings kann auch ein zu breiter Sattel zu Problemen führen. Das Problem: Je nach Anatomie der Hüfte und des Sitzknochenabstands eignen sich unterschiedliche Sattelbreiten - es gibt also bei den meisten Sätteln keine allgemeingültige Breite, die auf jedes Gesäß passt.

Druckentlastung im Dammbereich

Ein Loch in der Satteldecke kann die sensiblen Nervenbahnen entlasten, klar. Unsere Druckmessungen und eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln zeigen aber, dass an den Rändern der Aussparungen dafür hohe Lastspitzen auftreten können. Im Gelände kann das zu schmerzhaften Tritten in den Genitalbereich führen. Eine Vertiefung in der Mitte des Sattels entlastet die Nervenbahnen und lässt das Blut besser zirkulieren.

Spezielle Damenmodelle

Auf einen Test spezieller Damenmodelle haben wir übrigens bewusst verzichtet. Solange der Sattel zur Anatomie und der individuellen Sitzposition der Fahrerin passt, kommen Frauen auch bestens mit Unisex-Sätteln zurecht.

Testberichte und Empfehlungen

Insgesamt haben wir 24 MTB-Sättel ausgiebig getestet. Der SQlab 611 Ergowave ist unser Testsieger. Er bietet nahezu alles, was man von einem MTB-Sattel erwarten kann. Er ist straff, aber dennoch sehr komfortabel, und mit dem breiten und tiefen Dip verhindert er ein Taubheitsgefühl im Dammbereich.

Top MTB-Sättel im Test

Hier ist eine Übersicht einiger getesteter MTB-Sättel:

Sattel Preis Gewicht Besonderheiten
SQlab 611 Ergowave [Preis] [Gewicht] Testsieger, hoher Komfort, Dammbereichsentlastung
Ergon SM Pro Men 109,95 Euro 255 gr Komfortabel, breite Sitzfläche, guter Halt
Fabric Scoop Race Shallow 89,90 Euro 255 gr Straffe Polsterung, unterstützt Positionswechsel
Fizik Gravita Alpaca X5 79 Euro 224 gr Flache Form, harte Polsterung, für Enduro-Einsätze
Natural Fit Venec+ 89,95 Euro 291 gr Komfortabel gepolstert, für aufrechte Sitzposition
Procraft Tour S 26,90 Euro 304 gr Preiswert, breite Sitzfläche, für kurze Ausritte
Pro Turnix Gel 94,95 Euro 303 gr Straffe Polsterung, schmale Sattelnase, für sportliche Fahrer
Selle Italia SLR Boost X-Cross Superflow 224,90 Euro 198 gr Kurzer Schnitt, straffe Polsterung, für sportliche Fahrer
Selle San Marco GND Supercomfort Racing 159 Euro 204 gr Geschwungene Form, für sportliche Haltung
SQlab 60X Ergowave Active 149,95 Euro 268 gr Stufenkonzept, Dammbereichsentlastung, für Druckbeschwerden
Syncros Tofino R 1.0 149,95 Euro 193 gr Sportlich-straff, für Vielfahrer, gute Auflagefläche

Unsere Testbriefe zeigen zwar die nutzbare Breite, die Härte der Polsterung und wie gut der Dammbereich beim jeweiligen Modell entlastet wird. Den perfekten Sattel finden Biker aber nach wie vor nur durch eine ausgiebige Probefahrt.

Zusätzliche Tipps für Komfort

  • Regelmäßige Positionswechsel: Durch regelmäßiges Wechseln der Sitzposition durch Aufstehen oder Pausen kommt mehr Frischluft an den Sitzbereich.
  • Radhose: Eine Radhose transportiert den Schweiß im Sitzpolster ideal ab und ermöglicht durch ihr meist antibakteriell und atmungsaktives Material eine hohe Luftzirkulation.
  • Korrekte Sitzposition: Höhe, Winkel und Position des Sattels können das Sitzerlebnis stark beeinträchtigen. Bestenfalls sollten Sättel immer waagrecht montiert werden.

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