Fahrradkette Pflege & Wartung: Eine umfassende Anleitung

Du liebst dein Bike und legst Wert auf eine 100%ige Funktion sowie tadellose Optik? Dann solltest du es regelmäßig reinigen und anschließend pflegen! Die Fahrradkette ist eines der am meisten beanspruchten Teile eines Bikes oder E-Bikes. Schließlich muss sie hohe Pedalkräfte wirkungsvoll aufs Hinterrad übertragen. Trotzdem ist sie vergleichsweise ungeschützt und offen.

Daher ist eine regelmäßige Pflege für die Instandhaltung der Fahrradkette enorm wichtig. Eine Anleitung zum Fahrradketten-Reinigen in drei Schritten:

  • Schmutz wirkt materialfressend: Verschleiß und Abrieb erhöhen sich
  • Richtig Reinigen mit Baumwolltuch, Bürste und Kettenöl
  • Nacheinander Schmutz entfernen, Kette reinigen und Öl auftragen

Warum ist die Reinigung der Kette wichtig?

Die Kettenreinigung ist weniger eine Sache der Ästhetik als vielmehr eine der Wirtschaftlichkeit. Eine verschmutzte Kette ist wesentlich schwergängiger als eine saubere. Das heißt, man muss mehr Kraft aufwenden, um vorwärtszukommen. Schmutz wirkt außerdem materialfressend: Der Verschleiß und der Abrieb sind deutlich höher - nicht nur an der Kette selbst, sondern auch an den Ritzeln der Kettenblätter.

Die richtige Vorbereitung

Das Wichtigste bei der Reinigung der Fahrradkette ist die richtige Vorbereitung. Wenn du alle Utensilien für die Reinigung und Pflege zur Hand hast, kann es losgehen! Folgendes Zubehör ist nützlich:

  • Ein Baumwolltuch
  • Eine Bürste (es geht auch eine alte Zahnbürste)
  • Kettenöl
  • Nitrilhandschuhe (zum Schutz der Hände)
  • Montageständer (optional, erleichtert die Arbeit)

Sorge für eine undurchlässige Unterlage, damit keine Reinigungs- und Schmiermittel ins Erdreich gelangen. Hier bieten sich sehr große, flache Pappkartons oder eine Folie an. Idealerweise wird die Kettenpflege an dafür vorgesehenen Plätzen wie Autowaschanlagen durchgeführt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Reinigung der Fahrradkette

  1. Sichtprüfung: Wer keinen Montageständer hat, sollte das Fahrrad vorsichtig auf Sattel und Lenker stellen, aber bitte nur dann, wenn keine hydraulischen Bremsen verbaut sind. Wenn nun der Blick auf die Kette frei ist, lohnt als Allererstes, eine Sichtprüfung vorzunehmen. Beschädigte Kettenglieder zwingen nämlich zum Austausch, weshalb man sich die Mühe der Reinigung dann sparen kann.
  2. Groben Schmutz entfernen: Mit dem Reinigen der Fahrradkette beginnst du am besten, indem du den gröbsten Schmutz trocken entfernst. Du brauchst dafür kein spezielles Equipment. Bürste einfach mit einer alten Zahnbürste locker über die Kette. Wenn du schon freie Sicht auf die Unterseite deines Fahrrads oder E-Bikes hast, wirf ebenso einen Blick auf den Umwerfer, das Kettenblatt und das vordere Ritzel. Hier kommt die Bürste zum Einsatz, mit deren Hilfe man auch in die Innenräume der Kettenglieder gelangt. Sieht man dort kleine, verkantete Steinchen, die sich nicht lösen wollen, kann man zum Beispiel mit einem Kunststoffschaber nachhelfen.
  3. Reinigung mit Tuch: Mit einem trockenen Lappen kannst du nun die verbliebenen Verschmutzungen lösen. Verwende einen alten Lappen, denn das Schmiermittel bleibt selbst nach dem gründlichsten Waschgang im Stoff haften. Mit dem Tuch umfasst man nun die Kette und lässt sie durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Zwei- bis dreimal sollte man die komplette Kette auf diese Weise mindestens abstreifen. Hat man den Eindruck, dass dies zu wenig hilft, kann das Tuch angefeuchtet werden. Nur nass sollte es nicht sein, damit der Schmutz nicht tiefer in die Kettenglieder gespült wird. Ein paar Tropfen herkömmliches Spülmittel fördern den Reinigungsprozess zusätzlich. Allerdings hat dieses eine entfettende Wirkung - entsprechend gründlich muss später die Schmierung erfolgen.
  4. Feinarbeit: Um den Schmutz aufzulösen, empfiehlt es sich Reiniger auf Öl-basis, beispielsweise Universalschmieröle, zu verwenden. Diese auf ein Baumwolltuch auftragen. Mit diesem umfasst man nun die Kette und lässt es durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Mehrmals sollte man die komplette Kette auf diese Weise abstreifen. Ein zusätzlicher Blick auf die gereinigte Kette zeigt, ob es noch Verunreinigungen in den Kettengliedern gibt, die am Anfang übersehen wurden. Entsprechend werden diese mechanisch entfernt.
  5. Trocknen: Wenn du alle Verschmutzungen abgespült hast, musst du die Kette nur noch gut trocknen, denn erst dann kannst du sie schmieren, was sehr wichtig ist. Wenn du die Kette einfach an der Luft trocknen lässt, kann sich durch die lange Trocknungszeit Rost bilden.

Die Wahl des richtigen Kettenöls

Grundsätzlich muss jede Kette regelmäßig gefettet werden. Die Auswahl an Pflegeprodukten für die Reinigung von Kette und Fahrrad ist riesig. Sie können die Fahrradkette wachsen, mit Kettenfett behandeln, mit Teflonspray besprühen oder mit biologisch abbaubarem Öl beträufeln. Wichtig ist, die Kette vor der Behandlung zu säubern.

Die erste Wahl zur Kettenpflege ist daher handelsübliches Kettenöl aus dem Fahrradgeschäft. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. für feuchtes Wetter mit PTFE, das die wasserabweisenden Eigenschaften verbessert.

Bei nassem Wetter eignen sich besonders WET-Kettenöle da sie stark haften und somit für eine zuverlässige und langanhaltende Schmierung sorgen. Bei trockenem Wetter eignen sich hingegen DRY-Kettenöle auf Wachs oder PTFE Basis, die das Anhaften von Staub und Dreck erschweren und somit den Verschleiß der Kette minimieren.

Kettenwachs als Alternative

Kettenwachs nimmt eine Sonderstellung ein: Es trocknet auf der Kette und bildet so einen dauerhaften Schutz für das ursprüngliche Fett. Daher eignet es sich auch zum Einfetten einer neuen Kette. Zu beachten ist allerdings, dass sich das Wachs ohne chemische Entfetter kaum wieder entfernen lässt.

Was man vermeiden sollte

Pflanzenöl eignet sich dagegen nicht als Schmiermittel für die Fahrradkette, ebenso wenig wie Sprays für Autos. Diese sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Autos abgestimmt.

Schmierung der Fahrradkette

Nach der Reinigung geht es an das Schmieren deiner Fahrradkette. Die passende Schmiere für dein Fahrrad ist im Handel als Spray oder in einem Tropfenapplikator erhältlich. Zum Ölen deiner Fahrradkette solltest du nur spezielle Produkte fürs Fahrrad verwenden, etwa das Kettenöl oder Kettenspray vom WD-40.

In welcher Verpackung dein Öl auch kommt, wichtig ist, dass du beim Schmieren jedes Glied deiner Fahrradkette punktuell versorgst. Arbeitest du mit Spray, dann achte darauf, dass auf keinen Fall Öl an die Bremsen, die Bremsscheiben oder die Bremsflanken kommt.

Heben Sie das Hinterrad an und kurbeln Sie mit dem Pedal. So überträgt die Kette das Fett gleichmäßig auf Kettenblatt und Ritzel. Nach der Behandlung sollten Sie das Rad je nach Öl, 10 bis 30 Minuten stehen und das Fett ablüften lassen.

Was man bei der Reinigung vermeiden sollte

Von der Reinigung der Kette mit Hochdruckreiniger, Benzin, Seifenlauge, Korrosionslösung, Alkohol, Bremsenreiniger sowie Stahlbürsten sollte man die Finger lassen.

  • Hochdruckreiniger: Der Druck, mit dem ein Hochdruckreiniger arbeitet, ist für viele Fahrradkomponenten zu stark und kann diese schnell beschädigen. Zudem werden durch die Nutzung eines Hochdruckreinigers sämtliche Fette aus den Lagern gedrückt.
  • Spülmittel: Zwar ist Spülmittel für viele eine beliebte Allzwecklösung beim Bikewashing, allerdings kann es bei der Wirksamkeit nicht mit speziellen Kettenreinigern oder Waschbenzin mithalten.
  • Bremsenreiniger: Wir raten davon ab, Bremsenreiniger beim Putzen der Kette zu verwenden. Seine sehr stark entfettende Wirkung führt dazu, dass die Kette nach einer Behandlung mit Bremsenreiniger sowohl außen, als auch innen komplett ungeschmiert ist und somit auch keinen Rostschutz mehr bietet.
  • Diesel oder Benzin: Generell kannst du eine Fahrradkette auch mit Benzin oder Diesel reinigen. Allerdings raten wir auch von dieser Methode ab, da beide Substanzen hoch entzündlich sind.

Wie oft sollte man die Kette reinigen und ölen?

Natürlich ist die Häufigkeit stark davon abhängig, wie oft, wo und bei welchem Wetter das Fahrrad bewegt wird. Es gibt Radfahrende, die tatsächlich wöchentlich reinigen, andere nur einmal pro Jahr beim Frühjahrsputz. Dabei sollte gerade auch vor dem Herbst-Winter-Einsatz die Kette gut in Schuss sein - und erst recht dann, wenn das Fahrrad eingelagert wird.

Prinzipiell solltest du die Fahrradkette nach jeder Reinigung ölen. Spätestens wenn die Fahrradkette nicht mehr geräuschlos läuft, ist es an der Zeit, sich um sie zu kümmern.

Zusätzliche Tipps zur Fahrradpflege

  • Alle beweglichen Teile wie z.B. Schaltwerk, Umwerfer sowie bei Fullys die Drehpunkte am Rahmen, sollten regelmäßig mit z.B. einem Silikonöl behandelt werden.
  • Falls dein Bike mit einer Federgabel und Dämpfer ausgestattet ist, empfiehlt es sich die Standrohre regelmäßig mit einem vom Gabel- und Dämpferhersteller frei gegebenem Pflegeöl zu behandeln.
  • Durch Stein- und Kettenschläge können recht schnell unschöne Lackschäden entstehen. Um diese zu vermeiden, eignen sich besonders robuste, selbstklebende Schutzfolien, welche einfach an die gefährdeten Stellen angebracht werden können.
  • Neben der Reinigung deines Bikes ist es wichtig in regelmäßigen Abständen die Verschleißteile wie z.B. Reifen, Kette oder Ritzelpaket auf Mängel zu überprüfen.
  • Für unterwegs empfiehlt sich eine kleine Satteltasche mit einem passenden Ersatzschlauch, Multitool, Reifenheber und Flickzeug für Schlauch und Reifen sowie Einweghandschuhe.

Verschleiß der Kette prüfen

Bevor es an das Reinigen deiner Kette geht, solltest du prüfen, ob sich die Länge der Fahrradkette durch die Nutzung verändert hat. Diese Längung siehst du mit bloßem Auge meist nicht, deshalb ist es sinnvoll, mit einer Verschleißlehre den Abstand der Kettenglieder zu prüfen.

Die Verschleißlehre ist ein vordefiniert langes Metallstück, das, wenn die Kettenlänge stimmt, zwischen den Gliedern einrastet. Zögerst du den Tausch der Fahrradkette zu lange hinaus, schmirgelt sich die gelängte Kette die Zähne von Kettenblatt und Kassette zurecht und eine neue Kette springt ab.

Um den Verschleißgrad der Kette zu überprüfen, gibt es spezielle Verschleißmesslehren. Durch den rechtzeitigen Austausch der Kette, schonst du dein teures Ritzelpaket.

Wie viele Kilometer du mit einer Kette radeln kannst, hängt davon ab, wie du schaltest, bei welcher Witterung du unterwegs bist und auf welchem Untergrund, wie hochwertig die Kette ist - und wie gut du sie pflegst. Manche müssen nach 1.000 Kilometer runter vom Fahrrad, andere halten gut 3.000 Kilometer und mehr.

Spezifische Empfehlungen für verschiedene Fahrradtypen

Was die spezifischen Empfehlungen für die Pflege von Fahrradketten je nach Fahrradtyp betrifft, so variieren die Anforderungen tatsächlich ein wenig. Rennräder, die oft auf sauberen und trockenen Straßen gefahren werden, benötigen möglicherweise weniger intensive Reinigungszyklen als Mountainbikes, die regelmäßig schlammigen und feuchten Bedingungen ausgesetzt sind. E-Bikes, mit ihrem zusätzlichen Drehmoment, das auf die Kette wirkt, können ebenfalls spezielle Überlegungen hinsichtlich der Schmierung und des Verschleißschutzes erfordern.

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