Viele Motorradfahrer glauben fälschlicherweise, dass sie aufgrund des fehlenden vorderen Kennzeichens und des Helms, der das Gesicht verdeckt, nicht geblitzt werden können. Doch das ist ein Irrtum. Es gibt durchaus Methoden, Verkehrssünder auf ihrem Motorrad per Blitzer zu überführen. Können Motorradfahrer bzw. Motorräder geblitzt werden? Ja, das ist möglich. Allerdings lässt sich der Fahrer oft nicht so ohne weiteres identifizieren.
Grundlagen der Geschwindigkeitsüberwachung
Die Geschwindigkeitsüberwachung ist eine Maßnahme der Polizei und anderer Ordnungsbehörden zur Verkehrssicherheit. Grundsätzlich gilt, dass wer ein Fahrzeug führt, nur so schnell fahren darf, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Auch, ob die Straße, auf der Fahrer unterwegs sind, innerhalb oder außerhalb einer geschlossenen Ortschaft liegt, spielt eine Rolle. Innerhalb geschlossener Ortschaften gilt generell eine zulässige Geschwindigkeit von 50 km/h für alle Kraftfahrzeuge. Außerhalb dieser ist es von der zulässigen Gesamtmasse und vom Fahrzeug-Typ abhängig, ob eine Höchstgeschwindigkeit von 60, 80, oder 100 km/h eingehalten werden muss.
Auch zu langsames Fahren kann die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Die StVO besagt, dass Kraftfahrzeuge ohne triftigen Grund nicht so langsam fahren dürfen, dass sie den Verkehr bzw. Geschwindigkeitsregulierungen für einen sicheren Verkehr.
Wer darf Geschwindigkeitskontrollen durchführen?
Innerhalb geschlossener Ortschaften sind die Ordnungsämter für die Geschwindigkeitskontrolle zuständig, außerhalb, also auf den Kreis-, Landes- und Bundestraßen sowie den Autobahnen, die Polizei. Regelmäßig führt die Polizei sogenannte Blitz-Marathons durch, eine einen Tag dauernde Aktion, bei der die verschiedensten Messtechniken zur Geschwindigkeitsüberwachung genutzt werden. Sie soll die überhöhte Geschwindigkeit bekämpfen, da diese Hauptursache für Unfälle ist.
Am 15. Februar 1959 wurde in Düsseldorf zum ersten Mal in Deutschland ein mobiles Radargerät genutzt, um eine Geschwindigkeitskontrolle durchzuführen. Die Technik zur Messung der Geschwindigkeit und die Verwaltung der Ergebnisse kann sehr unterschiedlich ausfallen. Die bekanntesten von ihnen werden umgangssprachlich auch oft Blitzer oder Radarfalle genannt. Allgemein wird auch unterteilt in stationäre Geschwindigkeitsüberwachung und mobile Geschwindigkeitsüberwachung. Stationäre Messinstallationen wie z.B. ein fest aufgebauter Blitzer versprechen langfristig aber weniger Erfolg als mobile.
Methoden der Geschwindigkeitsmessung
Es gibt verschiedene Methoden und Techniken zur Geschwindigkeitskontrolle:
- Radar: Der Radar ist die am weitesten verbreitete Messtechnik zur Geschwindigkeitsüberwachung.
- Lichtschranken: Hierbei werden an den Straßenrändern ein Sender und ein Empfänger aufgestellt, die drei Lichtstrahlen senden, also eine Lichtschranke bilden.
- Helligkeitssensoren: Der Einseitensensor oder auch die vereinfachte Lichtschranke verzichtet auf den Lichtsender.
- Laser: Laserferngläser oder auch Laserhandmessgeräte, umgangssprachlich Laserpistolen, sind Geschwindigkeitsmesser auf Laserbasis.
- Piezosensor/Induktionsschleife: Hier werden drei Sensoren direkt in den Fahrbahnbelag eingearbeitet.
- Police-Pilot: Wird vor allem auf Autobahnen eingesetzt und ist meist in Zivilfahrzeugen eingebaut.
Wie funktioniert ein Laser-Blitzer?
Vom Gerät wird ein Lichtsignal an ein vorbeifahrendes Kfz gesendet, welches dieses reflektiert. Verändert sich der Abstand zum Blitzer, kann per Weg-Zeit-Berechnung die gefahrene Geschwindigkeit ermittelt werden.
Können beim Laser-Blitzer Messfehler auftreten?
Bei dieser Form der Geschwindigkeitsmessung können Fehler auftreten. So kann es beispielsweise zur Verwechslung kommen, wenn zwei Fahrzeuge nebeneinander fahren.
Wird bei Lasermessgeräten eine Toleranz abgezogen?
Es erfolgt stets ein Toleranzabzug. Unter 100 km/h sind dies 3 km/h, bei Geschwindigkeiten darüber werden drei Prozent abgezogen.
Können Messungen durch Laser-Blitzer trotz fehlender Rohmessdaten verwendet werden?
Ja. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Beschluss klargestellt, dass durch fehlende Rohmessdaten bei einer Geschwindigkeitsmessung kein unfaires Verfahren für Verkehrsteilnehmer entsteht.
Manch ein Autofahrer fragt sich sicherlich: Wie funktioniert ein Lasermessgerät überhaupt? Grundsätzlich arbeiten Lasergeschwindigkeitsmessgeräte mit einem Sender der Lichtimpulse, also einer Sendeoptik mit Festkörper- oder Diodenlaser und einer Steuerelektronik. Dazu kommt ein Empfänger des Signals, also eine Empfangsoptik mit Fotodetektor und einer Auswertungselektronik. Der Laser-Radar sendet ungefähr 40 bis 75 Lichtimpulse aus. Oftmals merkt der Fahrer nicht, dass er von einer Messung einer Pistole mit Laser betroffen ist, da diese Lichtimpulse für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar sind. Daraufhin reflektiert der Pkw den Blitz. Als Messobjekt kommt meistens das Kennzeichen infrage. Es stellt am Fahrzeug schließlich das Objekt dar, das am besten zur Reflektion geeignet ist. Wenn der Autofahrer zu schnell fährt, die gefahrene Geschwindigkeit allerdings noch unter 100 km/h liegt, werden bei diesem Blitzer 3 km/h Toleranz gewährt. Bei über 100 km/h gelten 3% der gefahrenen Geschwindigkeit als Toleranz. In einigen Ausnahmefällen werden weitere Toleranzen gewährt. Dies muss allerdings in einem Sachverständigengutachten ermittelt und festgehalten werden. Wenn beim Blitzer Störungen vorliegen, wird die Messung mit eventuell folgendem Bußgeld, Punkten in Flensburg und Fahrverbot komplett verworfen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn nicht alle reflektierten Lichtimpulse von der Empfangsoptik mit Fotodetektor aufgenommen werden können. Die Reflektion der Lichtimpulse kann durch sehr verschmutzte Fahrzeuge behindert werden.
Bei der Lasermessung kommt es, wie bei jedem Blitzer, gelegentlich zu Fehlern, die einen Einspruch durchaus sinnvoll machen. Eine mögliche Situation, in der der Fahrer die Laser-Geschwindigkeitsmessung anfechten kann, entsteht bei der Laser-Geschwindigkeitsmessung-Entfernung zum Pkw. Bei einer Entfernung von über 300 Metern muss die Polizei oder der Messbeamte gewährleisten, dass das überprüfte Auto freifahrend ist. Einige Bundesländer erlauben zwar die Messung mit Laser bei einer Gruppe von Autos selbst bei einer großen Entfernung, jedoch muss der Messbeamte eine genaue Zuordnung garantieren. Die Zuordnung ist allerdings aufgrund der Technik trotzdem nicht immer möglich.
Laut einer Umfrage des ADAC verfälschten im Jahr 2005 dejustierte Zieloptiken 1% aller Lasermessungen. Ist die Zieloptik nicht korrekt eingestellt, kann das Messgerät eine Geschwindigkeitsmessung möglicherweise einem falschen Auto zuordnen. Der Blitz vom Laser-Geschwindigkeitsmessgerät arbeitet bei einem Messwinkel von 0° am besten. Da die Blitzer-Laser allerdings in den meisten Fällen am Rand der Straße positioniert sind, führt das zu einer leichten Verfälschung des Ergebnisses. Allerdings äußert sich diese Verfälschung zu Gunsten des Betroffenen, denn das angezeigte Tempo liegt unter der tatsächlich gefahrenen.
Laserstörer, die auch Laser-Jammer oder Laser-Blinder heißen, besitzen die Technik, um vor der Geschwindigkeitsmessung mit Laserpistole zu warnen. Laut einem Hersteller solcher Laserstörer warnt das Gerät den Fahrer durch einen Ton vor Radarfallen. Zudem sendet der Laser-Jammer ein Signal, das den Pistolen-Laser bei der Messung hindert. Während dieser Zeit kann das Messgerät keine Geschwindigkeit erkennen und der Fahrer kann die Geschwindigkeitsüberschreitung reduzieren. Laut dem Hersteller kann der Fahrer das Störsignal durch einen Knopfdruck ausschalten. Dann kann die Laserpistole wieder fehlerfrei arbeiten. Der Besitz und der Verkauf von Laserstörern ist tatsächlich legal. Jedoch ist die tatsächliche Nutzung zur Störung von Messungen des Tempos vom Fahrzeug in Deutschland illegal. Das Verkehrsrecht sieht ein Bußgeld von 75 Euro und einen Punkt in Flensburg vor. Wenn die Polizei lasert, können die Beamten das Gerät beschlagnahmen und vernichten.
Wie werden Motorradfahrer geblitzt?
Die Identifizierung des Fahrers ist jedoch mit erheblich mehr Schwierigkeiten verbunden. Denn auch wenn das Motorrad von vorne geblitzt wurde, ist der Fahrer normalerweise nicht erkennbar. Durch die 1976 eingeführte Helmpflicht für Biker ist sein Gesicht verdeckt. Ein weiteres Problem speist sich aus dem Umstand, wie ein Motorrad geblitzt wird - nämlich von vorne. Dort besitzt es im Gegensatz zum Auto aber kein Kennzeichen. Dieses ist bei Motorrädern hinten angebracht. Es wird vom Blitzer nicht erfasst, sodass sich der Halter der Maschine nicht so einfach ermitteln lässt.
Für das Motorrad gibt es Blitzer, die von vorne und hinten auslösen. Damit hat die Polizei gleich das Kennzeichen und kann den Halter des Fahrzeugs kontaktieren. Sollte dieser allerdings nicht selbst gefahren sein und nicht angeben wollen, wer an seiner statt gefahren ist, hat die Polizei nach wie vor nichts in der Hand. Bisher wird dieses Blitzer-Modell kaum in Deutschland eingesetzt.
Methoden zur Identifizierung von Motorradfahrern
Obgleich die Ermittlung eines Motorradfahrers unter diesen Umständen beinahe unmöglich erscheint, kann die Polizei doch manchen Täter überführen. Da diese Methoden jedoch sehr zeitaufwendig sind, werden sie meist nur bei Wiederholungstätern eingesetzt. Deshalb sollten sich Biker nicht zu sicher fühlen, wenn sie mit dem Motorrad von vorne geblitzt werden.
Fährt ein Motorradfahrer immer dieselbe Strecke und wird dabei wiederholt geblitzt, können sich die Beamten dort mit der Laserpistole auf die Lauer legen, um ihn auf frischer Tat zu ertappen. Ein mobiler Blitzer kann dem Motorrad also durchaus zum Verhängnis werden. Die Polizei hat die Möglichkeit das Motorrad, welches der Blitzer aufgenommen hat, mit den Fahrzeugen abzugleichen, die es im Zulassungsbezirk gibt. Auf diese Weise kann sie den Halter der Maschine ausfindig machen. Allerdings handelt es sich bei diesem nicht zwangsweise auch um den Verkehrssünder.
Lässt sich der geblitzte Fahrer nicht auf anderem Wege ermitteln, kann manchmal auch die Schutzkleidung aufschlussreich sein, sofern diese sehr individuelle Merkmale aufweist. Auch wenn sich hinter dem Visier etwas Auffälliges, wie ein Piercing erahnen lässt, kann dies der Polizei bei der Identifizierung helfen.
Kann sich der Halter nicht mehr daran erinnern, wem er sein Motorrad zum Blitzer-Zeitpunkt geliehen hat, können die Beamten anordnen, dass er künftig ein Fahrtenbuch zu führen hat. Sollten die Polizisten das Motorrad wieder blitzen, lässt sich anhand dieses Buches zweifelsfrei belegen, wer gefahren ist.
Statistik: Blitzergebnisse in Schleswig-Holstein
Motorradfahrer in Schleswig-Holstein bleiben häufig unbehelligt von Blitzern. Das belegen aktuelle Zahlen der Polizei. Der Grund: Viele Radarfallen erfassen nur das Frontkennzeichen, das Motorräder bekanntlich nicht haben. Dadurch entgehen zahlreiche Biker der Tempokontrolle.
Anfang 2025 waren in Schleswig-Holstein laut Kraftfahrtbundesamt rund 1,75 Millionen Autos und etwa 166.500 Krafträder - darunter Motorräder und Mopeds - zugelassen. Dennoch hat das Landespolizeiamt bisher nur 152 rechtlich verfolgte Geschwindigkeitsverstöße bei Krafträdern registriert. Demgegenüber wurden bislang rund 249.000 Autos geblitzt.
Das entspricht einer Quote von 0,06 Prozent bei Krafträdern. Im Vorjahr lag diese bei 0,09 Prozent. Da viele Motorräder mit Saisonkennzeichen meist nur im Sommer unterwegs sind, ist die Zahl der Verstöße bei Krafträdern im Verhältnis zu den Fahrzeugzahlen und Nutzungszeiten vergleichsweise niedrig. Auf jeden geblitzten Motorradfahrer kommen mehr als 1.500 geblitzte Autofahrer.
Die Überwachung der Geschwindigkeit von Motorradfahrenden ist regelmäßig nur mit großem personellem Aufwand möglich. Grund dafür ist, dass Krafträder lediglich ein hinteres Kennzeichen besitzen, was die Identifikation zusätzlich erschwert.
Der ADAC weist darauf hin, dass es in der Praxis oft schwierig ist, die Identität eines Bikers zu bestimmen. Anders als in Österreich oder der Schweiz gibt es in Deutschland keine Halterhaftung. Deshalb müssen die Behörden den Fahrer oder die Fahrerin zweifelsfrei ermitteln können. Gelingt das nicht, kann die Bußgeldstelle meist nur eine Fahrtenbuchauflage verhängen.
Sven Neumann von der Gewerkschaft der Polizei fordert, dass die Halter mehr in den Fokus genommen werden müssen, da sie für ihre Fahrzeuge verantwortlich sind. Er betont, dass es keine verkehrsrechtsfreien Räume geben darf und auch Motorradfahrer sich an die Regeln der Straßenverkehrsordnung halten müssen.
Konsequenzen für geblitzte Motorradfahrer
Wenn Sie mit dem Motorrad zu schnell gefahren sind, handelt es sich um einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO). Sollten Sie dabei geblitzt und identifiziert worden sein, müssen Sie mit einem Bußgeldbescheid und - je nach Maß des Verstoßes - eventuell auch mit Punkten in Flensburg oder einem Fahrverbot rechnen. Bei Geschwindigkeitsverstößen wird generell zwischen den Kategorien „außerorts“ und „innerorts“ unterschieden. Je nachdem, wie viel zu schnell Sie gefahren sind, liegt das Bußgeld dann zwischen 10 und 680 Euro.
Kann die Polizei den Motorradfahrer ermitteln, muss dieser je nach Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung zumindest mit einem Bußgeld rechnen, gegebenenfalls auch mit Punkten und einem Fahrverbot. Die genauen Sanktionen richten sich danach, wie schnell der Fahrer unterwegs war und ob er innerorts oder außerorts zu schnell war. Der Bußgeldkatalog für Motorradfahrer sieht je nach Verstoß Bußgelder, Punkte und Fahrverbote vor.
Hinsichtlich der Geldbußen für zu schnelles Fahren gibt es zwischen Auto- und Motorradfahrern keinen Unterschied - alle werden gleichberechtigt behandelt und müssen mit identischen Sanktionen rechnen. Außerorts werden bei einer Überschreitung des Tempolimits von 20 km/h 60 Euro fällig.
In der Probezeit hat eine Geschwindigkeitsüberschreitung von über 20 km/h Auswirkungen auf diese.
Bußgeldvorwürfe prüfen lassen
Ein Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid bedeutet nicht, dass die Vorwürfe der Bußgeldstelle über jeden Zweifel erhaben sind. Fehlerhafte Messungen oder formelle Fehler im Verfahren können durchaus zu einer erfolgreichen Anfechtung führen.
Verwandte Beiträge:
- Schockierende Wahrheit: Können Motorradfahrer wirklich geblitzt werden? Alles, was Sie wissen müssen!
- Werden Motorradfahrer Geblitzt? Die Wahrheit, die jeder Biker kennen muss!
- So Werden Motorradfahrer Geblitzt – Die Geheime Technik Der Blitzer Enthüllt!
- Motorradführerschein: Alle Pflichtstunden für Überlandfahrten & Co. – So meisterst du jede Prüfung!
- Kettler Laufrad Gewicht: Modelle & Vergleich
Kommentar schreiben