Das Zillertal in Tirol ist besonders für erfahrene Rennrad-Fahrer ein echter Geheimtipp. Für echte Rennrad-Fans in den Alpen ist das Zillertal schon lange kein Geheimtipp mehr. Wer nach harten Anstiegen, knackigen Pässen aber auch atemberaubender Aussicht und einer Alpenkulisse kitschiger als in jedem Heimatfilm sucht, ist hier gut aufgehoben.
Die Herausforderung der Zillertaler Höhenstraße
Hart erkämpft werden muss die steile Zillertaler Höhenstraße in einer Höhenlage von 1500 m bis 2000 m und einem Gefälle von meist über 10%. Die Straße, die sich den Westhang des Zillertals hinaufschlängelt, klettert nicht über einen Pass in ein anderes Tal, sondern nur in die Höhe, und zwar 2.020 Meter. Die Pass-Straße tänzelt dort, um sich bald wieder steil hinabzustürzen. Die mautpflichtige Zillertaler Höhenstraße in den Tuxer Alpen weist mehrere Hochpunkte und auch mehrere Anstiegsmöglichkeiten auf. Das macht sie zu einem beliebten Rennradziel.
Wenn du denkst, dass der Stelvio steil und der Grimselpass mörderisch ist, dann solltest du dir die Höhenstraße besser nicht antun. Denn „steil“ bekommt hier eine ganz neue Qualität. Die Anstiege variieren, haben aber oft bis über 20 Prozent Steigung. Ein Grund dafür könnten die vielen extrem steilen Anstiege der örtlichen Alpenstraßen sein. Das Zillertal hat unter Rennradfahrern einen schweren Stand: Man liebt es, oder man hasst es. Dazwischen gibt es praktisch nichts.
Startpunkt und Routen
Und das Gute ist: eine der fünf Zufahrten zur Höhenstraße befindet sich direkt in Kaltenbach. Aus Kaltenbach folgst Du der Zubringerstraße hoch auf die Höhenstraße. Kurz darauf kommt bereits die Mittelstation, hier fährst Du links ab. Es folgt ein kurzes Gravelsegment. Allerdings kannst Du auch auf dem Weg bleiben und deine Tour um zusätzliche 500hm erweitern! Du kommst auf eine Kreuzung, hier bist Du wieder auf der Höhenstraße und auch die erweiterte Runde trifft auf dieser Kreuzung wieder auf den Weg.
Für den vollen optischen Genuss empfiehlt sich der Anstieg über die nördlichste Rampe ab Ried. Wir haben die Komoot-Tour ein bisschen angepasst und starten in Ried. Hier geht es eigentlich gleich mit über 10 Prozent Steigung nach oben. Zeit zum Beine lockern wird es dann erstmal lange nicht geben. Bis zum Arbiskopf auf 2133 Metern hackt man sich mit meist unter zehn Stundenkilometern Kehre für Kehre nach oben.
Erlebnisse und Ausblicke
Nils vom Mountainbike Racingteam nimmt Dich mit auf eine Rennradtour zum höchsten Punkt der Zillertaler Höhenstraße nach Melchboden. Nun folgst Du dem Schild Richtung Melchboden, dem Ziel der heutigen Tour. Hier ist die südlichste Rampe von Hippach zum höchsten Punkt am Melchboden auf knapp über 2.000 Meter Höhe beschrieben. Die höchste Stelle der Panoramastraße ist kurz hinter der Jausenstation Melchboden erreicht. Das ruhige Bild täuscht.
Weil die Straße relativ schmal und aufgrund des Gefälles auch nicht so ganz leicht zu fahren ist, kommen einem hier kaum Auto- und Motorradfahrer entgegen. Nur du, die Stille und der Schmerz in den Beinen. Herrlich. Oben angekommen entschädigt wieder ein Blick zurück in den steilen Abhang der Alm: Dünn schlängelt sich die Straße entlang, ich blick zurück. Kleiner Tipp: genieß hier unbedingt die Aussicht und gegenüber siehst Du by the way auch die Zillertal Arena, das größte Skigebiet im Zillertal! Angekommen am Melchboden hast Du den höchsten Punkt der Rennradausfahrt erreicht, hier bist Du auf 2020m. Du erahnst es wahrscheinlich schon, ab hier geht es fast nur noch bergab!
Trotz dem schweren Anstieg: Die Zillertaler Höhenstraße sollte man unbedingt mal gefahren sein. Die atemberaubende Aussicht und die ruhigen, weil relativ unbefahrenen Pässe sind ein wahrer Genuss.
Weitere Rennradstrecken im Zillertal und Umgebung
Neben der Zillertaler Höhenstraße gibt es noch weitere interessante Strecken für Rennradfahrer in der Region.
Gerlospass
Auch der Gerlospass als wichtige Straßenverbindung zwischen dem Zillertal und dem Oberpinzgau in Salzburg bietet Dir moderate Anstiege und den höchsten Punkt auf 1.531 Hm. Nicht umsonst ist die Rennradstrecke im Gerlostal wiederholt Bestandteil der Österreichrundfahrt. Der Pass war bereits wiederholt Bestandteil der Österreichrundfahrt und wird - bei der Anfahrt von Zell am Ziller - auch als Bergwertung der Kategorie 1 geführt. Als wichtige Straßenverbindung zwischen dem Zillertal und dem Oberpinzgau in Salzburg ist er trotz dieses Umstands weniger stark frequentiert als zum Beispiel der Pass Thurn.
Hier hat man gleich mehrere Möglichkeiten für einen Anstieg. Von Mayrhofen aus geht es relativ moderat bergauf. Die Route verläuft hauptsächlich durch das Gerlostal, das im oberen Teil ein schmales Hochtal bildet, während sich im unteren Teil der Gerlosbach stark eingefräst hat. Daher teilt sich der Anstieg in zwei Hälften: Die Hälfte des Höhenunterschieds überwindet man auf den ersten 8 Kilometer, die restliche Steigung verteilt sich auf die nächsten 20 Kilometer. Insgesamt eine mittelschwere Rennradtour Zillertal. Unweit des Staudamms hat man auch eine wunderbare Aussicht auf den Stausee und die umgebenden Bergmassive.
Alte Römerstraße
Eine spannende Abwechslung mit weniger steilen Pässen ist die Alte Römerstraße von Innsbruck Richtung Italien, die sich super in einer Rennrad-Tour vom Zillertal aus erreichen lässt. Viele kennen die Alte Römerstraße bereits von ihren Alpenüberquerungen. Jeder, der schon mal von Innsbruck aus in Richtung Italien aufgebrochen ist, singt Lobeshymnen auf dieses Rennrad-Kleinod. Hier kann man an guten Tagen richtig Druck aufs Pedal bringen und dabei die herrliche Landschaftskulisse genießen.
Bei circa 1220 zu bewältigenden Höhenmetern ist die Tour auch eine entspannte Abwechslung zu den sonst eher knackigeren Passstraßen. Vorbei am Patscherkofel folgt eine abwechslungsreiche Strecke ab Matrei mit wenig Verkehr und geiler Aussicht. Außerdem bietet es sich an, die verschiedenen Seitentäler des Wipptals in die Tour zu integrieren. Die Abfahrt in Richtung Innsbruck erfolgt dann unterhalb der Europa-Brücke. Guter Teer und lange Kehren sorgen hier für schnelles und sicheres Abfahren.
Tipps für Rennradfahrer im Zillertal
Ratsam ist es jedoch, sich im Vorfeld Gedanken über die zu fahrenden Routen zu machen. Denn die Kombinationsmöglichkeiten sind enorm und planloses Gegend erkunden wird mit brennenden Waden sofort bestraft. Die meisten Touren sind eher etwas für Erfahrene und starke Randonneure, die nicht nur den richtigen Druck aufs Pedal bringen, sondern sich auch in den Bergen leicht tun. Anfänger werden im Zillertal möglicherweise weniger auf ihre Kosten kommen, da die gemäßigerten Strecken begrenzt (und auch etwas langweilig) sind.
Wer das Privileg hat in der Nähe zu leben, der sollte sich durchaus mal für ein Wochenende an den dortigen Bergen versuchen. Es gibt wirklich viel zu entdecken. Für Rennrad-Urlauber sind mindestens fünf Tage ratsam, da sich Muskeln und Lungen womöglich erst noch an die neue Belastung gewöhnen müssen.
Daher unser Tipp: Langsam angehen lassen, die passende Trittfrequenz finden und die Aussicht genießen. Wir empfehlen einen Anstieg unter der Woche, dann trifft man kaum auf Verkehr und auch auf den Hütten ist es dann relativ ruhig. Als Ausflugsziel empfehlen wir zudem die Käserei in Fügen und die Fleischerei in Ried.
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