Berik Monza 2 Teiler Motorrad Lederkombi im Test

Viele Motorradfahrer bevorzugen auf der Landstraße zweiteilige Lederkombis, da sie praktischer sind als Einteiler. Nach einer sportlichen Ausfahrt kann die Jacke einfach ausgezogen werden, was besonders beim Eis-Café-Besuch angenehm ist. Doch wie sicher sind diese Kombis wirklich?

Qualität und Verarbeitung

Jörg Lohse betont, dass bis auf wenige Ausnahmen alle getesteten Lederkombinationen aus Fernost stammen, obwohl bekannte europäische Markennamen darauf prangen. Selbst die Lederanzüge deutscher und italienischer Marken werden in China gefertigt. Nur die italienische Marke Dainese produziert noch in Europa, wobei die Ukraine nicht als klassischer Produktionsstandort gilt. Trotzdem gibt es an der Qualität des Leders in diesem Test wenig zu bemängeln.

Andreas Oettrich, ein Lederspezialist, betont: "Leder muss vor allem stabil sein. Weich wird es bei guter Pflege von allein." Einige Kombinationen im Test, wie die von Probiker und Vanucci, bestehen aus kleinteiligen Versatzstücken, was kritisiert wird. Auch Held und Ixs leisten sich Schnitzer, indem minderwertige Lederpartien verarbeitet werden. Besser sieht es bei Alpinestars, Berik und Arlen Ness aus, wo das Leder ein kräftiges, einheitliches Bild zeigt.

Ein gutes Leder allein macht aber noch keine gute Kombi aus. Schneiderisches Know-how ist entscheidend, besonders bei Einteilern, wo ein knackiger Sitz und hohe Beweglichkeit wichtig sind. Overalls, die schon beim Anblick nach Rennen aussehen, versprechen mehr Komfort. Wichtig ist, dass die Kombi bei spitz angewinkeltem Knie und vorgebeugtem Oberkörper gut passt.

Komfort und Passform

Der Test zeigt eindrücklich, welchen Komfort eng anliegende Einteiler bieten können. Selbst die auf Hardcore-Race-Einsatz abgestimmten Kombis von Arlen Ness und Berik können es bei der Bequemlichkeit mit manch gut sitzendem Tourenanzug aufnehmen. Zudem umschließen die Protektoren die Gelenke gut und bleiben im Fall eines Sturzes an Ort und Stelle.

Sicherheit

Protektoren: Obwohl jede Kombi Protektoren enthält, die der Norm EN 1621-1 entsprechen, bieten fast alle Testteilnehmer nur den Minimalschutz an Schultern, Ellbogen und Knien. Nur Hein Gericke bietet mit Protektoren an Hüften und Rücken ein vollwertiges Schutzpaket. Gerade die kompromisslos auf Rennsport abgestimmten Anzüge patzen hier eklatant.

Protektorengröße: Oft werden in den Schultern Protektoren mit kleiner Schutzfläche eingesetzt, die eigentlich nur für Kinder- oder Damengrößen gedacht sind. Ein erfahrener Lederschneider kann hier Anpassungen vornehmen.

Protektorenprüfung: Alle Protektoren bleiben innerhalb der Norm, aber es gibt Kritik. Die Norm erlaubt 35 Kilonewton (kN) Restkraft, die beim Aufschlag eines Fünf-Kilogramm-Fallkörpers aus einem Meter Höhe übrig bleiben dürfen. Dieser Wert ist überholt, da moderne Protektoren nur noch zwischen zehn und 15 kN Restkraft aufweisen. Eine Revision der Norm steht bevor.

Zweiteilige Lederkombis im Detail

Im Test von PS wurden zehn zweiteilige Lederkombis ab 600 Euro unter die Lupe genommen. Wichtigstes Kriterium war die Sicherheit, insbesondere die Qualität der Protektoren. Die Firma Sas-Tec testete das Dämpfungsverhalten der Schützer. Held und FLM lieferten die besten Werte, Rev’it, Alpinestars und Dainese die schlechtesten.

Ein Problem bei Zweiteilern ist, dass der Rückenprotektor zu kurz ausfällt, da er durch die Trennung von Jacke und Hose bedingt ist. Schwabenleder löst dies am besten, indem ein zusätzliches Stück Protektor in den Hosenbund integriert wird. Zudem bietet die Schwabenleder-Kombi als einziges Modell einen Hüftprotektor.

Verwirrung stiftet oft der Komfortschaum am Rücken, der in vielen Modellen statt eines echten Protektors verbaut ist. Dieser bietet kaum Schutz und ist nicht genormt!

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Befestigung der Protektoren. Ideal sind fest vernähte Schützer wie bei Schwabenleder. Oft sind die Protektoren aber nur im Innenfutter befestigt und können sich bei einem Sturz wegdrehen.

Der Verbindungs-Reißverschluss ist bei Zweiteilern sicherheitsrelevant. Er ist oft zu klein und kann beim Sturz reißen. Auch die Qualität des Textilstretchs ist wichtig. Statt hochwertigem Schoeller Keprotec finden sich oft billige Gummizüge, die bei einem Sturz zu Verbrennungen führen können.

Bei der Verarbeitung der Kombis gab es wenig zu bemängeln, jedoch patzt Vanucci und bietet im Rückenbereich keine zweite Naht.

Die Passform an Knie und Ellbogen ist ebenfalls wichtig. Ist die Kombi zu weit, verrutschen die Protektoren beim Sturz.

Bewertungstabelle (Auszug)

Kriterium Alpinestars Arlen Ness Berik Dainese FLM Held IXS Rev’it Schwabenleder Vanucci
Protektoren 3 7 6 4 10 9 7 3 9 7
Sicherheit 5 7 7 6 5 6 6 5 10 5
Passform 8 9 - 9 5 6 7 6 8 6
Verarbeitung 5 4 4 5 2 4 5 2 5 3
Material 4 5 4 5 2 3 3 3 4 3
Gesamtpunkte 25 32 - 29 24 28 28 19 36 24

Kauftipps

  1. Passform: Ziehen Sie die Kombi an und gehen Sie einige Meter. Reiben Protektoren oder Bündchen? In Fahrposition auf dem Motorrad muss der Kragen eng am Nacken anliegen, die Kombi sollte nirgends Falten werfen, aber auch nicht zu eng sitzen. Je öfter eine Lederkombi getragen wird, desto bequemer wird sie.
  2. Verarbeitung: Öffnen Sie, falls möglich, das Innenfutter und schauen Sie sich die Nähte auf der Innenseite an. Hängen Fäden weg oder ist alles ordentlich verarbeitet? Eine gute Kombi besteht aus wenigen, sauber vernähten Einzelteilen.
  3. Sicherheit: Sitzen die Protektoren in Fahrposition, wo sie sitzen sollen? Hängen sie nur lose im Innenfutter, sind sie in Taschen am Leder untergebracht oder im Idealfall sogar eingenäht? Fragen Sie den Verkäufer, ob die Kombi am Rücken einen CE-Protektor enthält. Der Verbindungs-Reißverschluss sollte möglichst massiv und an Jacke und Hose mit dem Leder vernäht sein.

Dieser Testbericht bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte von Motorrad Lederkombis und soll Motorradfahrern bei der Auswahl der richtigen Kombi helfen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0