Motorrad Hinterreifen wechseln: Eine umfassende Anleitung

So gut wie jeder Motorradfahrer kennt das leidige Thema: Die Reifen sind am Ende oder haben zumindest schon die gesetzliche Mindestprofiltiefe unterschritten. Wer selbst gerne schraubt und die nötigen Kilometer im Jahr auf der Landstraße oder gar der Rennstrecke verbringt, für den kann es sich lohnen, den Hinterreifen selbst zu wechseln. Hier erfahren Sie, wie es geht.

Wann sollte man Motorradreifen wechseln?

Die Haltbarkeit von Motorradreifen schwankt zwischen den einzelnen Reifentypen. Während Tourenreifen gut und gern 14.000 Kilometer halten, sollte bei Sportreifen bereits nach spätestens 6.000 Kilometern ein Reifenwechsel in Betracht gezogen werden. Zudem ist eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vorgeschrieben. Besser sind jedoch 3,0 bis 4,0 Millimeter. Es reicht bereits, wenn einer der oben genannten Punkte nicht erfüllt ist, um einen Motorradreifen-Wechsel in Angriff nehmen zu müssen.

Zunächst solltest du hierfür einen Blick in den Fahrzeugschein werfen, um Auskunft über den benötigten Reifentyp zu bekommen. Bei vor 2005 zugelassenen Motorrädern befindet sich die benötigte Reifengröße und -art unter den Ziffern 20 bis 23, wohingegen sich diese Informationen bei nach 2005 zugelassenen Motorrädern unter Ziffer 15 befinden. Herrscht Klarheit über den benötigen Reifentyp, so kannst du diese entweder bei einem Reifenhandel oder beim Kfz-Meisterbetrieb deines Vertrauens bestellen.

Die Schritte zum erfolgreichen Reifenwechsel

Der Reifenwechsel beinhaltet insgesamt 5 verschiedene Schritte: der Ausbau des alten Rades, die Demontage des Altreifens, den Aufzug des neuen Reifens sowie die Auswuchtung des neuen Rades und das schlussendliche Montieren des neuen Reifens.

Schritt 1: Der Ausbau des alten Rades

Zuerst muss das alte Rad abmontiert werden. Dafür musst du zuerst die Achsenschraube lösen, die in der Mitte des Rades liegt. Gegebenenfalls müssen - je nach Motorradtyp - noch weitere Sicherheitsschrauben gelöst werden. Hierfür kann eine Ratsche mit dem dazugehörigen Imbusschlüssel-Aufsatz verwendet werden. Nun lassen sich auch die Bremsen von den Bremsscheiben lösen.

Schritt 2: Demontage der alten Reifen

Um die Bremsscheiben bestmöglich zu schützen, solltest du den Reifen etwas erhöht - zum Beispiel auf einer stabilen Holz- oder Plastikkiste - ablegen. Jetzt kannst du die alten Auswuchtgewichte mit einem Cuttermesser entfernen. Auch hierbei solltest du wieder darauf achten, dass das Metall der Felgen nicht beschädigt wird. Nun kann das Ventil geöffnet werden, um die Luft aus dem alten Reifen entweichen zu lassen. Dadurch wird der Reifen etwas leichter handhabbar, sodass du mit dem Reifenmontierhebel unter das Gummi fahren kannst. Dabei sollte der Schlauch jedoch nicht allzu stark eingeklemmt werden, damit du diesen später wiederverwenden kannst. Danach muss der Reifen rausgelöst werden - und zwar auf beiden Seiten! Dies solltest du so lang machen, bis die Felgen darin locker liegen.

Schritt 3: Neue Reifen aufziehen

Es erscheint zwar unlogisch, jedoch sollte der Schlauch, bevor dieser in den neuen Reifen gesteckt wird, zunächst wieder etwas aufgepumpt werden. So kannst du dir mühevolle Fummelarbeit ersparen, weil sich der Schlauch aufgepumpt wesentlich leichter in den Reifen einbringen lässt. Idealerweise bestreichst du den inneren Rand des Reifens mit etwas Flüssigseife, damit sich der Reifen später leichter auf das Rad bringen lässt. Dafür legst du die Felgen als Erstes auf die Reifen, um dann das Ventil zu befestigen. Reifen und Felge sollten dabei unbedingt der jeweiligen Laufrichtung folgen. Das imprägnierte Pfeilsymbol gibt hier Auskunft darüber. Danach kann der Reifen mithilfe des Reifenmontierhebels über den Rand der Felge geschoben werden. Anschließend pumpst du den Reifen voll auf.

Schritt 4: Die Auswuchtung des neuen Rades

Nun wuchte den Reifen aus. Hierfür sollte der Auswuchtblock stabil stehen. Auskunft darüber geben die am Standfuß des Auswuchtblocks vorhandenen Wasserwaagen. Die obenliegende Achse schiebst du nun durch den auszuwuchtenden Reifen. Dafür musst du weitere Auswuchtgewichte an die Felge (vor-)kleben.

Schritt 5: Montieren der neuen Motorradreifen

Das funktioniert am besten zu zweit, indem die zweite Person die Achse durch das Radinnere schiebt und dann leicht anzieht. Auch hier solltest du wieder sorgsam auf die Bremsscheiben achten. Danach können die Bremsen wieder auf die Bremsscheiben gesteckt sowie die Sicherheitsschrauben wieder angebracht werden.

Reifenmontiergeräte im Vergleich

Für den ambitionierten Schrauber, der regelmäßig Reifen wechselt, kann sich die Anschaffung eines Reifenmontiergeräts lohnen. Hier ist eine Übersicht verschiedener Modelle:

ModellMarkeGeeignet fürKompatible FelgengrößenKompatible ReifenbreiteArbeitshöhe
Reifenmontiergerät EVO3®BTRStreet, Roller, MX, EnduroStreet-Kit: 12 - 21 Zoll
Roller-Kit: 10 - 12 Zoll
MX-Kit: 16 - 21 Zoll
80 - 240 mm50 bis 70 cm
Street Bike ReifenmontiergerätRabacondaStraße12 - 21 Zoll250 mm50 bis 70 cm
Reifenmontiergerät EVO2 PRO®BTRStraße, Rennstrecke, Adventure12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich)240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich)10 bis 20 cm
Reifenmontiergerät EVO2®BTRStraße, Rennstrecke, Adventure12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich)240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich)10 bis 20 cm
Two-in-One ReifenmontiergerätBTRStraße, Rennstrecke, Adventure15 - 19 Zoll200 mm10 cm
Reifenmontiergerät EVOXmax2h.comStraße, Rennstrecke15 - 19 Zoll200 mm10 cm
Motocross ReifenmontiergerätRabacondaMotocross, Enduro16 - 21 Zoll-50 bis 70 cm
Basic ReifenmontiergerätBTRUniversell von Reifengrößen ab 17 Zoll17 - 21 Zoll-20 bis 30 cm

Kosten sparen durch selbstständigen Reifenwechsel

Deine Motorradreifen selbst zu wechseln ist in der Regel deutlich günstiger als der Ausflug in eine Kfz-Werkstatt. In Letzterer kostet der Reifenwechsel (paarweise) zwischen 250 und 400 Euro. Wer selbst wechselt, der hat zwar zunächst einige Anschaffungskosten zu tragen, diese sind aber nur einmalig. Da ein Reifenwechsel am Motorrad in der Regel mindestens zweimal pro Jahr ansteht, summieren sich die Ersparnisse im Verlauf der Jahre natürlich gewaltig.

Wie eingangs erwähnt, sind die getesteten Reifenmontiersets nichts für Motorradfahrer, die ihr Bike nur wenige tausend Kilometer im Jahr bewegen. Doch wie sieht es mit den Vielfahrern aus? Lohnt sich die Anschaffung wirklich? Wie bereits am Anfang angesprochen amortisiert sich die Anschaffung bei geschätzten Montagekosten in Höhe von 40 Euro, je nach Auswahl des Herstellers, nach 9 respektive 15 Reifensätzen.

Wichtige Hinweise und Tipps

  • Achte auf die Laufrichtung des Reifens.
  • Verwende Reifenmontagepaste, um das Aufziehen zu erleichtern.
  • Beachte die Drehmomentangaben beim Anziehen der Achsen und Schrauben.
  • Fahre die ersten Kilometer mit neuen Reifen vorsichtig, um die glatte Schicht abzufahren.

Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Werkzeug und etwas Übung können Sie Ihre Motorradreifen problemlos selbst wechseln und dabei bares Geld sparen.

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