Marc Marquez' Wechsel zu Ducati: Gründe und Erwartungen

Nach elf Jahren auf einer Honda RC213V bestreitet Marc Marquez seit dem Grand Prix von Spanien 2024 in Jerez seine vierte Saison auf einer Ducati. Im Kundenteam Gresini fährt er wie sein Bruder Alex Marquez auf einer Vorjahresmaschine, der GP23. Nach einer langen Zeit bei Honda musste sich Marc Marquez komplett umstellen, was er inzwischen als abgeschlossen bezeichnet.

"Das Gute ist, dass wir jetzt nicht mehr über Gewöhnung sprechen müssen. Die Umstellung ist abgeschlossen. Jetzt ist es an der Zeit, an den Details zu arbeiten", sagt Marc Marquez in Jerez. "Was meine Gewöhnung an das Motorrad betrifft, so fühle ich mich inzwischen eins mit dem Motorrad."

Anpassung an die Ducati und technische Veränderungen

Trotz der Fortschritte läuft noch nicht alles perfekt bei Gresini-Ducati. Nach einem Sturz in Austin, den Marquez auf ein Bremsproblem zurückführte, wurden in Jerez Veränderungen vorgenommen. Das Team arbeitete eng mit Ducati zusammen, um die Ursache des Problems zu verstehen. Marquez berichtet:

"Es war besser. Im Grunde fahre ich jetzt wieder mit einem Bremshebel, wie ich ihn die meiste Zeit meiner Karriere verwendet habe. Im vergangenen Jahr begann ich einen anderen zu nutzen, weil ich Armpump hatte."

Ob dies die endgültige Lösung ist, kann Marquez noch nicht beurteilen. "Auf dieser Strecke ist es kein Problem, weil es nicht sehr heiß ist. Wir müssen abwarten, bis wir zu einem Hitzerennen kommen", sagt er.

Zusammenarbeit mit Frankie Carchedi

Neben den technischen Unterschieden musste sich Marquez auch personell umstellen. Als Crewchief hat er in der Gresini-Box Francesco "Frankie" Carchedi, der 2020 mit Joan Mir Weltmeister wurde. Marquez arbeitete zuvor lange mit Crewchief Santi Hernandez zusammen. Er beschreibt Carchedi als einen "fantastischen Techniker":

"Mit 'Frankie' läuft es besser und besser. Er beginnt meinen Fahrstil zu verstehen. In Austin haben wir deshalb erstmals eine große Veränderung am Motorrad vorgenommen."

Trotzdem gibt es noch Herausforderungen. "Es stimmt auch, dass wir immer noch kleine Probleme hier und da haben. Bislang haben wir es noch nicht geschafft, ein Wochenende von Anfang bis Ende reibungslos durchzuziehen", sagt Marquez.

Sein Ziel ist klar: "Schauen wir mal, ob uns das jetzt hier oder an einem der kommenden Wochenenden gelingen wird, sodass wir es auf das Podium schaffen. Das wäre ein gutes Ziel für die kommenden Rennen."

Der Wechsel ins Ducati-Werksteam

Aktuell bestreitet Marquez seine erste Ducati-Saison im Kundenteam Gresini. In den kommenden zwei Jahren wird er im Werksteam der Teamkollege des aktuellen MotoGP-Weltmeisters Francesco "Pecco" Bagnaia sein. Der Vertrag von Bagnaia wurde bereits bis Ende 2026 verlängert.

Marquez erinnert sich an seine ersten Eindrücke im Gresini-Team: "Im Gresini-Team wurde mir sofort klar, dass dieses Motorrad dasjenige ist, mit dem ich mein Selbstvertrauen wiederfinden kann." Er betont, dass er immer sein Bestes gegeben hat und dadurch zu einem Kandidaten für das Ducati-Werksteam wurde.

Die Entscheidung für Marquez fiel nach dem Rennen in Mugello. "Ich habe auf der Strecke einfach meine 100 Prozent gegeben. Am Sonntagabend nach dem Rennen in Mugello wurde ich darüber informiert, dass sie sich für mich als ihren Fahrer entschieden haben. Den Vertrag haben wir dann in zwei Tagen abgeschlossen und an dem Mittwoch haben wir es verkündet", erklärt er.

Marquez hatte klare Vorstellungen für seine Zukunft: "Ich wollte die aktuelle Spezifikation des Motorrads, entweder im Gresini-Team oder im Werksteam."

Er freut sich auf die neue Herausforderung: "Das Ziel eines jeden Fahrers ist es, für ein Werksteam anzutreten. Dass ich im nächsten Jahr den roten Overall tragen darf, das ist eine große Freude."

Stefan Bradl, TV-Experte und ehemaliger Honda-Testfahrer, hält die Entscheidung für nachvollziehbar: "Marc ist das MotoGP-Zugpferd schlechthin und aus Marketingsicht ein ganz anderes Kaliber als Martin. Für Ducati könne die Konstellation Bagnaia/Marquez "nur Vorteile bringen und für den Sport ist es ein Bonus. Selbst wenn es scheppert, erzeugt man Aufmerksamkeit."

Ob Marquez seinen aktuellen Crewchief Frankie Carchedi ins Werksteam mitnimmt, ist noch offen. Fest steht, dass sein Reifeningenieur Javi Ortiz ihm ins Werksteam folgen wird. "Der einzige, um den ich gebeten habe, das ist Javi. Er ist derjenige, zu dem ich das größte Vertrauen habe", sagt Marquez.

Bagnaia sieht dem neuen Teamkollegen positiv entgegen: "Für mich wird das einfach eine neue Herausforderung, nämlich einen neuen Teamkollegen zu schlagen. Das wird Spaß machen. Es wird ein neues Abenteuer. Marc und ich, wir kennen uns nicht so gut wie Jorge und ich uns kennen."

Der Kampf um den Werksplatz

Marc Márquez enthüllte, dass Ducati ihn ursprünglich mit Jorge Martín auf der Strecke um den Werksplatz kämpfen lassen wollte. Ducati gab ihm jedoch den Vorzug, nachdem Martín abgelehnt hatte, zu Pramac zu wechseln. Um beide Fahrer zu halten, überlegte sich Ducati, sie auf der Strecke um den begehrten Werkssitz für 2025 kämpfen zu lassen.

Márquez erklärte seine Entscheidung gegen diese Herausforderung: "Es ist ganz einfach. Wenn man es sich auf der Rennstrecke verdienen muss, muss man die gleichen Waffen haben, und die habe ich jetzt nicht."

Er betonte die Bedeutung von Gigi Dall'Igna für den Wechsel: "Wenn ich bei Ducati bin, dann wegen Gigi." Gleichzeitig glaubt er, dass seine Leistung auf der Strecke entscheidend war: "Das Element, das am meisten wiegt, ist die Performance auf der Strecke, und die Ducati-Ingenieure, wie sie mir gesagt haben, sehen meine Fortschritte mit dem 2023er-Motorrad und das hat viel mehr gewogen als der Rest."

Neuer Start mit Ducati und Insta360

Nach über einem Jahrzehnt auf Honda wechselt Marc Márquez für die Saison 2025 zum Ducati Lenovo Team. Neben dem sportlichen Wechsel setzt Márquez auch auf einen neuen persönlichen Sponsor: Insta360.

Durch den Einsatz der Action-Kameras von Insta360 sollen Zuschauer eine neue Perspektive auf Márquez’ Fahrstil erhalten. Die kompakten Kameras sollen einzigartige Aufnahmen ermöglichen, die herkömmliche Kamerateams nicht einfangen können. Durch die Zusammenarbeit mit Insta360 wird sein Comeback visuell begleitet, während er sich der Herausforderung der MotoGP 2025 stellt.

Erwartungen und Ziele

Für viele Fans und Experten ist Marc Marquez nach seinem Wechsel von Honda zu Ducati der große Titelfavorit. Marquez bestätigt den großen Druck: "Ich spüre eine hohe Erwartungshaltung. Doch ich muss mich voll und ganz auf mich selbst konzentrieren. Mir ist klar, dass die Leute und die Fans hohe Erwartungen haben. Das gilt auch für das Gresini-Team."

Er bleibt jedoch realistisch: "Ich muss aber auch sehen, wo ich herkomme. Ich hatte eine schwierige Saison. Ich konnte in den beiden zurückliegenden Jahren kein Rennen gewinnen. Ich kann also nicht mit dem Ziel in die Saison gehen, die Meisterschaft zu gewinnen. Ich muss es Schritt für Schritt angehen und von den schnellen Ducati-Piloten lernen."

Marquez möchte von Francesco Bagnaia und Jorge Martin lernen, wie man mit diesem Motorrad schnell ist. "Ich kann aber wirklich nicht erwarten, dass ich von Beginn an um Siege kämpfe, denn die zurückliegenden Jahre waren ein Albtraum für mich", sagt er.

Bereits vor dem ersten Rennen mit der Ducati wird spekuliert, ob Marquez im kommenden Jahr ins Werksteam wechselt. Ducati zeigt sich offen. Marquez hat diese Spekulationen zusätzlich angeheizt. "Ich werde mit dem 2023er-Bike fahren, dem gleichen, mit dem Pecco und Jorge Martin die Saison beendeten. Das wird unsere Ausgangslage sein", erklärt Marquez.

Er betont seine Dankbarkeit gegenüber Ducati: "Ich bin dankbar für alles, was im Laufe des Jahres kommt. Mein Job ist es, das Maximum herauszuholen. Ich habe es bereits gesagt und werde es wiederholen: Ich fühlte immer, dass Ducati mich will. Sonst hätte ich diesen Schritt nicht gemacht. Ich werde für Gresini fahren, pilotiere aber eine Ducati. Dall'Igna hat mich immer sehr gut behandelt."

Marc Marquez wird ab der MotoGP-Saison 2025 für das Ducati-Werksteam antreten. Ducati-Corse-Chef Luigi Dall'Igna begründet die Wahl: "In nur wenigen Rennen ist es ihm gelungen, sich perfekt an unsere Desmosedici GP anzupassen, und sein angeborener Ehrgeiz treibt ihn an, sich ständig zu steigern."

Marquez kommentiert seinen Wechsel: "Vom ersten Kontakt mit der Desmosedici GP an habe ich es genossen, sie zu fahren und mich sofort gut eingelebt. Von diesem Moment an wusste ich, dass es mein Ziel war, diesen Weg fortzusetzen, weiter zu wachsen und in das Team zu wechseln, mit dem Francesco Bagnaia zwei Jahre in Folge Weltmeister war."

Der Wechsel zu Ducati bot Marquez die Chance, seine Form besser beurteilen zu können. Bereits beim ersten Test mit der Ducati Desmosedici im November 2023 wirkte Marquez erleichtert und zufrieden.

Marquez bedankt sich bei Gresini Racing: "Ich möchte der gesamten Gresini-Racing-Familie dafür danken, dass sie mir in einer heiklen Phase meiner Karriere die Tür zu ihrem Team geöffnet haben. Jetzt werden wir weiterhin Spaß haben und in der verbleibenden Saison alles geben, was für mich im Moment Priorität hat."

Mögliche Szenarien und Herausforderungen

Obwohl die Möglichkeit der Trennung zwischen Pramac und Ducati bestanden hat und ein möglicher Wechsel zu Yamaha im Raum gestanden ist, wurden die Karten wieder neu gemischt. Der Konkurrenzkampf zwischen VR46 und Pramac hat dazu geführt, dass sich Pramac das Angebot von Yamaha angehört hat. Ein weiterer Aspekt, der die Beziehung zwischen Pramac und Ducati erschwert hat, ist die Entscheidung des Ducati-Managements, die Gehälter der Fahrer zu reduzieren.

Marc Marquez hat mit der Gresini-Ducati nur fünf Wochenenden gebraucht, um auf das Level von Martin und Bagnaia zu kommen, obwohl er das Vorjahresmodell fährt. Ducati hat Campinoti bereits informiert, dass man daran arbeitet, Marquez im Pramac-Team unterzubringen und ihm Werksmaterial zur Verfügung zu stellen.

Wenn Marquez ins Werksteam wechseln würde, dann würde das bedeuten, dass er praktisch alle Vereinbarungen mit seinen persönlichen Sponsoren beenden müsste. Der größte Verlierer in diesem Puzzle ist Yamaha. Ein Argument, um Fabio Quartararo zur Vertragsverlängerung zu bewegen, war die Rekrutierung eines Satellitenteams.

Fazit

Marc Marquez' Wechsel zu Ducati markiert einen bedeutenden Wendepunkt in seiner Karriere. Mit dem Wechsel ins Werksteam und der Unterstützung von Ducati und seinen Sponsoren hat Marquez die besten Voraussetzungen, um in der MotoGP-Saison 2025 wieder an die Spitze zu gelangen. Die Zusammenarbeit mit Francesco Bagnaia verspricht spannende Rennen und neue Herausforderungen.

Marc Marquez' Karriere in der MotoGP
Saison Team Motorrad Erfolge
2013-2023 Repsol Honda Honda RC213V 6 MotoGP-Weltmeistertitel
2024 Gresini Racing Ducati GP23 Diverse Podiumsplätze
2025-2026 Ducati Lenovo Team Ducati Desmosedici GP Ziel: Weltmeistertitel

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